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Fahrt zur Höri
- Nebel auf der Hinfahrt -

Der frühe Vogel fängt den Wurm

(Sprichwort)


Ja, mehr oder weniger früh begann der Tag für 29 FA-ler am 24. Mai, um pünktlich am Bus zu sein, um einen wunderschönen, auch bildungsreichen Ausflug zu beginnen.

Um 7:30 Uhr gings los über den Schwarzwald Richtung Bodensee. Das Ziel: Gaienhofen auf der Halbinsel Höri, zum Hermann Hesse-Höri-Museum.

Fahrt zur Höri
Diese Aussicht hätten wir haben können ...

Verhangen der Himmel, wie wird der Tag werden, liegt der See im Nebel??? Tatsächlich, von den Hegaubergen ist nichts zu sehen. Punkt 10 Uhr ist der Untersee neben und die Nebelwolken über uns. Die Fahrt im mittelgroßen, bequemen Bus war schön, die abwechslungsreiche Landschaft konnte wer wollte genießen, denn Bodennebel hatten wir nie.

Gaienhofen, ein schmuckes kleines Dorf lässt den Charme der ländlichen Idylle noch erkennen.

Eine kleine Welt für sich: ein altes Bauernhaus, altes Schulhaus, die Mauritiuskapelle gegenüber, Dorflinde und der Dorfbrunnen. Hier zog Hermann Hesse mit seiner Frau Maria Bernoulli im Jahre 1904 hin. Im Bauernhaus bezogen sie eine Wohnung auf zwei Ebenen; sehr einfach: Wasser vom Dorfbrunnen, ohne Toilette und Bad. Dafür Ruhe im Übermaß; keine Eisenbahn, keine Geschäfte, was man brauchte wurde mit dem Boot aus Steckborn/Thurgau geholt.

Hier kam Bruno, der 1. Sohn zur Welt (1905).

Hier schrieb Hesse für Zeitungen, entstand das Buch < Gertrud > (Musikdrama).

Hier empfingen sie Gäste, z.B. Stefan Zweig, der sich den Kopf am niedrigen Türrahmen stieß und sich auf einer Liege erholen musste.

Was trieb Hesse und seine Frau Mia in diese primitive Einsamkeit; kamen sie doch, frisch verheiratet aus der lebendigen Stadt Basel, Mias Heimatstadt mit Kultur und Freundeskreis?

Ganz im Sinne der <Lebensform> war es damals. Ausbrechen aus dem lauten umtriebigen Leben des Industriezeitalters und den Spannungen vor dem 1. Weltkrieg. Künstler suchten den Gegensatz: Stille, Einfachheit, Natur, Idylle.

Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württ. geboren, als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines Württembergischen Indologen, hatte eine behütete Kindheit, machte sich gut in der Schule. Die Eltern, oft verreist, gaben ihn in Internate. Jedoch wurde der 14/15-jährige schwierig. Der Genius brauste in ihm, seine herausragende Intelligenz wurde weder von seinen Eltern noch von den Lehrkräften bemerkt, noch darauf reagiert. Es gab erhebliche Konflikte mit Familie, Lehrern und Instituten. Der Vater nahm ihn von der Schule presste ihn in eine technnische Lehre.

Erst als Lehrling in einer Tübinger Buchhandlung fand er Ruhe und zu sich selbst. Er schloss die Ausbildung zum Buchhändler mit Erfolg ab. Er hat in dieser Zeit viel gelesen, sich gebildet, veröffentlichte in Zeitungen erste Gedichte und Geschichten, brachte ein erstes Büchlein auf eigene Kosten heraus. Er hatte seinen Weg gefunden, machte Reisen.

Durch sein Buch <Peter Camenzind> wurde er mit einem Schlag in Deutschland bekannt. Dies war der Durchbruch. Er heiratete 1904 seine neun Jahre ältere Freundin Mia. Sie fand die erste gemeinsame Wohnung in Gaienhofen und mietete sie gleich für geringes Geld.

In Gaienhofen vor dem Museum wurden wir von Frau Melsbach empfangen, die uns durch die Räume führte. Inzwischen hatte die Sonne die Nebelwolken gelichtet.

Viele Schwarz/Weiss-Aufnahmen von Hesse und mit den Söhnen sind an den Wänden platziert, aufgenommen von Mia, einer ausgebildeten Fotografin und von Sohn Martin, ebenfalls vom Fach. Auch Fotos aus späterer Zeit mit seiner dritten Frau Ninon sind dabei.

Im Arbeitszimmer des Schriftstellers steht sein großer Schreibtisch, den er nach seinem Entwurf schreinern ließ und der ihn bis zum Ende seines Lebens begleitete.

Fahrt zur Höri
Hesse's Schreibtisch

Ein kleiner Teil seiner Bibliothek ist zu sehen. Ebenso viele Briefe in altdeutscher Schrift, seine Schreibmaschine und damit Geschriebenes, teils auf kleinstem Stückchen Papier sind präsent.

Fahrt zur Höri
- Er hat genau Buch geführt -

Unsere Führerin erklärte uns dies und weiteres mit der ihr eigenen Herzlichkeit und Erzählkunst.

Hesse hat auch gemalt. Einige Bilder sind zu sehen. In reiferen Jahren hat er sich aus therapeutischen Gründen mit der Malerei beschäftigt. Die besten Bilder befinden sich in Familienbesitz.

Drei Jahre hat es die Familie in der Einfachheit ausgehalten. Hesse hat viel gearbeitet und war oft auf Reisen. Mia trug allein die Last, auch mit Kleinkind Bruno. Sie war körperlich und seelisch überlastet. Hesse reagierte, kaufte einen Acker oberhalb des Dorfes (<Erlenloh>) und ließ ein modernes Landhaus im Reformstil bauen mit Blick auf den Untersee. Ein großer Garten wurde angelegt zur Selbstversorgung. Hesse wurde ein passionierter Gärtner. Im Jahre 1907 wurde das Anwesen bezogen.

Die Söhne Bruno (1905), Heiner (1909) und Martin (1911), verbrachten hier ihre frohe Kindheit. 1912 wurde das Haus verkauft und man zog nach Bern in das Haus des verstorbenen Malerfreundes Albert Welti.

Die Ehe von Hesse war brüchig geworden; Mia hatte Depressionen und war öfters in Kliniken. 1918 hatte sie einen völligen Zusammenbruch, eine schwere Psychose. Die Söhne wurden bei Verwandten untergebracht - endgültige Trennung. Die Scheidung erfolgte 1923, als er schon in der Beziehung mit Ruth Wenger lebte, die er nach der Scheidung heiratete.

Mia gesundete, die Kinder lebten bei ihr, später wohnte sie bei Martin. Sie starb mit 95 Jahren in Bern.

Den internationalen Durchbruch als Schriftsteller brachte seine Erzählung <Demian>, 1917 entstanden und 1919 unter dem Pseudonym <Emil Sinclair> erschienen. Diese Schrift traf besonders den Nerv der jungen Generation nach dem 1. Weltkrieg; bei Siegern und Besiegten.

Hesse erhielt viele Auszeichnungen, darunter besonders 1946 den Nobelpreis. Seine Werke, wie z.B .<Der Steppenwolf>, <Narziß und Goldmund> oder <Das Glasperlenspiel> sind Klassiker und gehören zur Weltliteratur.

Hermann Hesse starb in der Nacht zum 9. August 1962 im Schlaf an einem Gehirnschlag und wurde beigesetzt auf dem Friedhof Sant Abbodino in Gentilino bei Montagnola.

Nebel

Seltsam im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum kennt den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.


Hermann Hesse, Eine Fußreise im Herbst


Hesse ist drei Ehen eingegangen: Maria Bernoulli (1904-1923, Ruth Wenger (1923-1927), Ninon Dolbin (1931-1962, Tod H.H.)

Wer mehr über Hermann Hesse erfahren möchte, gehe ins Internet.

Wir gehen weiter zum Schulhaus, es beinhaltet das Museum für die <Höri-Künstler>, Maler und Bildhauer.

Hier sind einige Werke von Künstlern ausgestellt, die es wie Hesse in die schöne, einsame Landschaft zog.

Anfang des 20. Jh. kamen Wenige (die Maler Otto Blümel und Ludwig Renner). Zwischen den Kriegen kamen weitere bildende Künstler. Einen wesentlichen Anteil daran, dass Maler der Moderne nach 1933 hier ihre Heimstatt suchten, ist der bornierten Kulturpolitik der Nazis zuzuschreiben, die Künstler mit Arbeitsverbot belegten. Hier war man etwas im <Toten Winkel> und konnte im Verborgenen schaffen.

Im 2. Weltkrieg und in der Nachkriegszeit kamen weitere Künstler in den inzwischen berühmten <Malerwinkel>.

So konnten wir hier im Schulhaus Werke z.B. von Helmuth Macke, Otto Dix, M. Ackermann, Erich Heckel, F. Macketanz und weitere ansehen.

Zum Mittagessen brachte unser Busfahrer uns in das Gasthaus "Hirschen" in Horn; allen gefiel das Lokal und schmeckte das Essen.

Fahrt zur Höri
- Im Gasthaus "Hirschen" in Horn -

Die Sonne hatte sich inzwischen durchgesetzt und wir strebten nach einer kleinen Pause vor dem Museum zu unserem Bus.

Unser freundlicher Fahrer, der uns während der Fahrt auch mit Wissen über Landschaft und Geschichte versorgte, brachte uns nach Stein am Rhein. Ein wirklich schmuckes, altes Städtchen empfing uns mit seinem besonderen Flair.

Fahrt zur Höri
- Besuch von Stein am Rhein in der Schweiz -

In der Nähe vom Unterturm konnte geparkt werden. Schnell durchs Tor und wir fühlten uns fast wie im Mittelalter: Bemalte Häuser *), putzige, Winkel, kleine Gassen, stattliches Rathaus mit Platz, Rheinbrücke; das öffnete die Herzen.

*) z.B. das Haus < Weisser Adler > mit der frühesten erhaltenen Fassadenmalerei der Renaissance in der CH.

Natürlich wurde nicht versäumt in der Stadt den Kaffee und die Kuchen zu prüfen. Ich glaube, beides bekam gute Noten. Eine Stunde Aufenthalt hatte uns unser Fahrer eingeräumt, diese wurde gut genutzt.

Fahrt zur Höri
- In der Chocolaterie -

Um 16:00 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten und nach ca. 1 1/2 Std. gemütlicher Fahrt erreichten wir Freiburg, das uns mit ein paar Regentropfen begrüßte.

Fahrt zur Höri
- Auf der Heimfahrt -
Fahrt zur Höri
- Abschied nach einem wunderschönen Tag -

Eine besonders schöne Tour war zu Ende.

Ein Dankeschön an Margit, die den Ausflug organisierte.


Freiburg, den 28. Mai 2012

Fahrt zur Höri
- Florius/Manfred, unser Berichtschreiber -

Bericht: Florius/Manfred

Fotos: ReRe/Peter, Pitt/Helmut, Anmargi/Margit

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