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Nolde
- Abfahrt um 10:03 h nach Baden-Baden, umsteigen in Offenburg -

Rot, Rot, Rot – Großer Mohn

Mit diesem weltbekannten Gemälde, entstanden im Jahr 1942, lockt und wirbt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden für eine Ausstellung mit Werken von Emil Nolde. Die „Pracht der Farben“ wird dem Museumsbesucher versprochen.

18 FA’ler der Regionalgruppe Freiburg machen sich auf den Weg, voller Vorfreude auf die wunderbar leuchtenden Blumenaquarelle, die viele in Gedanken mit dem Namen Emil Nolde verbinden und die von unwiderstehlichem Reiz sind.

- Ab Bahnhof Baden-Baden geht es weiter mit dem Bus in die Stadt -

Dass der Maler aber ein viel breiteres Oeuvre vorzuweisen hat, ist für den einen oder anderen bei dem Besuch der Ausstellung doch eine Überraschung. Das Museum zeigt mit 58 Gemälden und 22 Aquarellen fast das gesamte Spektrum des Künstlers. Landschaften, dramatische Seeansichten, Impressionen seiner Südseereise (1913-1915) und des Berliner Nachtlebens, Figurenbilder, religiöse Motive, Blumenbilder. Unter den Aquarellen sind auch einige Blätter aus der Serie “Ungemalte Bilder“, kleinformatige Aquarelle, die der Künstler während des über ihn verhängten Malverbotes zwischen 1941 und 1945 gemalt hat.

In der Literatur wird Emil Nolde (1867 – 1956) stets als bedeutender Vertreter des Expressionismus genannt. Aber eigentlich war und blieb er sein ganzes Leben ein Einzelgänger, kinderlos, ohne Nachfolger, ohne Schüler. Mitgliedschaften in Künstlervereinigungen „Die Brücke“, und „Berliner Seccession“ währen nicht lange. Er geht seinen eigenen, lange Jahre schweren, Weg. Künstlerische Anerkennung bekommt er erst spät, weltberühmt wird er erst mit 78 Jahren nach dem Krieg.

Nolde
- das Frieder Burda Museum in Baden-Baden -

Emil Nolde wird 1867 im Dorf Nolde nahe Tondern im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Den Geburtsnamen Emil Hansen ändert er später in den Namen seines Heimatdorfes. Nach einer Ausbildung zum Schnitzer und Möbelentwerfer und einer Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule St. Gallen wagt er 1897 diese aufzugeben, um freier Maler zu werden. Aber erst 1906, im Alter von fast 40 Jahren, entdeckt er die Kraft der Farben. Von nun an wird er zeitlebens unermüdlich mit dem Farbklang und seinen Möglichkeiten ringen und schreibt darüber in Briefen und seinen Lebenserinnerungen: “Die Farben sind meine Noten, mit denen ich zu- und gegeneinander Klänge und Akkorde bilde...“ und „Gelb kann Glück malen und auch Schmerz, es gibt Feuerrot, Blutrot und Rosenrot. Es gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau. Jede Farbe birgt in sich ihre Seele, mich beglückend oder abstoßend und anregend."

Ich liebte die Blumen in ihrem Schicksal:
emporsprießend, blühend, leuchtend, glühend, beglückend,
sich neigend, verwelkend, verworfen in der Grube endend.

Emil Nolde

Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an, und fast plötzlich war ich beim Malen.

Emil Nolde

Die Bilder der Ausstellung sind chronologisch und nach Themenkomplexen gehängt, der Besucher kann gedanklich diese Auseinandersetzung gut nachvollzuziehen. Im Obergeschoss, wie eine Rückblende, einige Frühwerke. Nolde hat 1900 bei einem Aufenthalt in Paris die Werke von Degas und Monet kennengelernt. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Kraftvoll, unkonventionell, ja roh und rücksichtslos die Behandlung der Farben in den „Biblischen Bildern“. Beim Triptychon „Kreuzigung“ steht nicht der Gekreuzigte im Mittelpunkt des Interesses, sondern die fratzenhaften Gestalten der Spötter.

In der großen Halle dann Marschlandschaften, dramatisch inszeniert, oft in schwarzblaues Dunkel gehüllt, dräuende Gewitterwolken über aufgewühlter See, flaches Land unter gleißender Sonne und immer wieder das Meer. Hier wird die chronologische Hängung einmal aufgebrochen. Neben der „Hohen Sturzwelle“ von 1948 hängt eine Meeresansicht aus der Reihe der „20 Herbstmeere“, die 1910/11 entstanden sind.

Und hier finden wir auch die Blumenbilder, auf die wir uns alle gefreut haben. Bei unserem Rundgang durch den lichtdurchfluteten Richard-Meier-Bau fällt unser Blick auch immer wieder durch die Fenster hinunter auf die vier Blumenbeete, die vor dem Museum im Park der Lichtentaler Allee angelegt wurden. 60 Blumensorten, alles einjähriger Sommerflor. Pflanzen in leuchtendem Rot, Orange, Gelb und Blau, darunter Löwenmäulchen, Begonien, Cosmeen, Glockenblumen, Mohn, Rittersporn. Eine zauberhafte Idee des Gartenamtes Baden-Baden! Hatten sich doch Emil und seine Frau Ada Nolde bei jedem ihrer Häuser, die sie im Laufe ihres Lebens bewohnten, einen Blumengarten angelegt.

Im Untergeschoss, aus konservatorischen Gründen vor Licht geschützt, die Aquarelle. Kleine Kostbarkeiten sind sie, zart bis feurig mit raschem Pinsel hingetuscht.

Die FA’ler zerstreuen sich. Einige bleiben noch länger im Museum, betrachten in Ruhe die jeweiligen Lieblingsbilder, machen sich vielleicht Gedanken über die Darstellung der „Seltsamen“, Gnome, Berggeister, Meerweiber. Auch der Film über Noldes Leben bietet noch manche aufschlussreiche Information. Andere besuchen den nahe gelegenen Rosengarten und wieder andere statten Cafés, Bistros einen Besuch ab. Pünktlich zur vereinbarten Zeit finden sich alle zur Rückfahrt wieder ein. Auf dem Heimweg unterhalten wir das ganze Zugabteil, tauschen unsere Gedanken und Eindrücke aus und sind uns einig:“ es war ein schöner Tag“.

Nolde
- auf dem Weg durch den Park -
Nolde
- die Schatten spendende Buche -

Randbemerkung zu Noldes Figurendarstellungen: George Grosz schreibt in seinen Lebenserinnerungen (Ein kleines ja und ein großes Nein, 1955) Man drohte damals gelegentlich den unartigen Kindern:“ Du ich sag’s dem Nolde, der holt dich sofort ab und schmiert dich auf die Leinwand!“

2. Randbemerkung: ich werde mir wahrscheinlich zum wiederholten (3. oder 4. Mal, ich weiß es nicht mehr) das Buch von Siegfried Lenz „Die Deutschstunde“ aus dem Regal holen. Es spiegelt das Leben Emil Noldes in der Zeit des Malverbots ab 1941 wider. Ob Nolde wirklich überwacht wurde, dafür gibt es allerdings keine Belege.

Zu guter Letzt: einen Besuch im Nolde-Museum Seebüll, in der Sammlung, dem Haus und dem Garten kann ich nur empfehlen, das ist eine einzige Freude. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt ....

Nolde
- dieses Restaurant steuerten wir an - alle Plätze waren besetzt! -
Nolde
... gelandet sind wir hier: preiswert und gut!
Nolde
- ein kleines bisschen zu groß! -
Nolde
- am Bahnhof gab's noch eine gute Tasse Kaffee -

- Im Vordergrund Sternwald, unsere Bericht-Schreiberin -

Nolde
- ein bisschen erschöpft, aber hochzufrieden: ein schöner FA-Tag geht zu Ende -

Und vor lauter Nachdenken über die Eindrücke des schönen Tages hätte ich jetzt doch fast vergessen Margit für Idee, Organisation und freundschaftliches „Schäfchen zusammen halten“ zu danken!

Fotos: anmargi

Autor: sternwald

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