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Wenn sich der Schatten des Münsterturmes im abendlichen Licht des Schlossbergs verheddert, ist immer noch genügend Zeit zu einem beschaulichen Spaziergang um einem vergessenen Denkmal zu begegnen, dem Bismarckturm auf dem St. Peter-Felsen des Schlossbergs.
Im Aufstieg zum Burghaldering, via Greiffeneggschlössle, verliert sich das lärmige Crescendo des flutenden Verkehrs auf dem Schlossbergring mit jedem Schritt nach oben, ein wenig mehr hin zur Stille und Wärme dieser Abendstunde im Schlossbergwald.

Bismarckturm
- Die Schlossbergfahne -

Der Bismarckturm

Bismarckturm
- Der Bismarckturm -

Angekommen auf dem Burghaldering muss man ein wenig suchen um den weiteren Aufstieg zum St.Peter-Felsen zu finden.

Ein Turm erhebt im Allgemeinen den Anspruch, ein weithin sichtbares Zeichen zu sein; dies trifft auf den Bismarckturm nicht mehr zu. Völlig versteckt steht er auf dem Söller des St. Peter-Felsen, der den südwestlichen Vorgipfel des Schlossberges bildet, umgeben von einem hufeisenförmigen Hohlweg, der vom Aufbau der ursprünglichen Burghalde herrührt. Über die dunkle und geheimnisvolle Schlucht, einem wahrhaft verwunschenen Platz, führt bergseitig ein hölzerner Steg hin zum Turm. Vom Tale her windet sich eine steile Treppe am St. Peter-Felsen zum Turm empor.

Verwitterte Stufen mit geborstenen Kanten verweisen auf die Jahrzehnte des Alters.

Eingerahmt vom Wald, von verkrüppelten Eichen und derbem Buschwerk, träumt der Turm vergessen vor sich hin. Offenbar wird der Platz nur wenig besucht, ein stiller fast magischer Ort, er könnte für das Bühnenbild der Oper: “Der Freischütz“ stehen! Dämmriges Grün unter dem sommerlichen Gefieder der Bäume, ein freundliches, gar nicht dramatisches Licht beleuchtet den Turm und seine schlichte Monumentalität.

Bismarckturm
- Die Inschrift der Stifter -

Die Grundsteinlegung am 22. Juli 1899

In Freiburg übernahm die die Studentenschaft der Albert-Ludwigs-Universität die Stiftung des Bismarckturmes. Die Stadtverwaltung stellte den St. Peter-Felsen als Standort zur Verfügung.
Ziemlich ungewöhnlich für jene Zeit war die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes. Die Auslobung gewann der renommierte Freiburger Architekt Oskar Geiges mit seinem Entwurf einer Feuersäule. Das Motto des Architekten: „Ein Flammenzeichen sei’s am Oberrhein!“ In feierlicher Weise, festlich gestimmt, beging die akademische Jugend Freiburgs die Grundsteinlegung.
Die Freiburger Zeitung vom 25. Juli 1899 schreibt:
Auf dem Berg lag ungewöhnliche Sonnenhitze, als morgens, 11.00 h, das Präsidium zuerst auf dem Platz erschien. Nach dem Abspielen des Bismarckliedes wurde die Urkunde in den Grundstein verbracht(…)
Hierauf folgte der Weiheakt:
„Wir weihen die Grundstätte der Flammensäule dem dauernden Gedächtnis an des Reiches großen Kanzler als Dankesstiftung der akademischen Jugend Freiburgs.“

Damit war die Grundsteinlegung vollzogen.

Die feierliche Übergabe am 28. Juli 1900

Ein Blick in die Freiburger Zeitung vom 30. Juli 1900:

„Am 28. Juli hat der Berg eine große Schar Menschen zu sich emporsteigen sehen, die teilnehmen wollten an der Übergabe der Bismarcksäule.

Es waren ungefähr 11 Korporationen anwesend, Vertreter der Stadt und der Universität. Der Architekt übergab den „Goldenen Schlüssel“, an den Prorektor der Universität. Hofrat Dr. Kraske betonte, dass es der Freiburger Studentenschaft zur besonderen Ehre gereichte, die erste Bismarcksäule in Deutschland errichtet zu haben; es sei dies eine Ehre, die auch die Universität und die Stadt auszeichne.

Die Musik stimmte das Deutschlandlied an, und danach war der Festakt beendet.“

Bismarckturm
- Die zeitgenössische Postkarte -

Die Architektur des Turmes

Heute kaum noch vorstellbar: Die unglaubliche nationale Begeisterung der Bevölkerung, der Überschwang in der Verehrung des Kanzlers. All dies ließ den Architekten kühl. Das signifikante Merkmal seines Entwurfes ist seine Schlichtheit. Oskar Geiges hielt die Regeln harmonischer Früh-Renaissance-Baukomposition ein: Die klare Begrenzung der Baumasse, die strenge Ordnung der Fassaden und die zurückhaltende Verwendung von Ornamentik.

Das Denkmal, eine viereckige Säule im Renaissancestil mit kräftiger Schwellung des unteren Bauteils, erhebt sich über einem Granituntersatz von 5.88 m Seitenlänge und 0.80 m Höhe. Grobes Quaderbossenwerk verstärkt die vier Eckpfeiler, am Sockel 4.72 m unter der Attika noch 3.92 m von der Seitenlänge messend. Der Aufbau über der Attika hat noch ein Seitenmaß von 3.60 m mit schmal aufgestellten Schlitzen zur Erhellung und Belüftung des Innenraumes.
12.60 m hoch ist der Bismarckturm, er war nie als Aussichtsturm für die Allgemeinheit bestimmt, sondern nur zum Abbrand von größeren Flammenfeuern an nationalen Gedenktagen. Deshalb besitzt der Turm auch kein Treppenhaus, sondern nur eine senkrechte Steigleiter für den Feuerwerker.

Bismarckturm
- Der Reichsadler -
Bismarckturm
- Das Familienwappen der Bismarcks -

Die Hausteine der Spiegelquader stammen aus den Steinbrüchen von Tennenbach. Vom Schönberg holte man die Bruchsteine für die Hintermauerung der Fassaden. Aus Pfalzburg in Lothringen stammen die roten Buntsandsteinplatten für den bildnerischen Schmuck des Turmes. Talseitig blickt der Reichsadler mit preußischer Kühle hinab auf Freiburg. Darüber das Familienwappen der Bismarcks, ein Kleeblatt mit drei Stechpalmenzweigen. Bergseitig die Tafel der Stifter über der schweren eisernen Tür: “ Errichtet von der Studentenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 1900.“ Diese Schrift wird von den Wappen der Stadt und der Universität flankiert. Schließlich verewigte sich der Architekt mit dezent kleinem Schriftzug über dem Sturz der Türe.

Epilog

Heuer wird der Turm 111 Jahre alt. In dem Augenblick angehaltener Zeit, dem Nachdenken über die 111 vergangenen Jahre wünsch‘ ich mir, der Bismarckturm könne sich die Helle und die freie Sicht wieder zurückerobern. Aber dazu müssten zur Stadtseite hin einige halbwüchsige Bäume und Sträucher geopfert werden.

Bismarckturm
- Nur noch die Attika ragt aus dem Wald -

Doch schon der Gedanke an solch eine „frevelhafte“ Tat dürfte manchem in der ökologischen Hauptstadt Deutschlands – der „Green City“, einen unruhigen Schlaf bescheren.

Aber wurde nicht auch an der Zähringer Burg etwas Natur dem Geschichtsbewusstsein untergeordnet? Eine vorsichtige und einfühlsame Rodung trüge dazu bei, diesem Denkmal wieder seinen „Platz über der Stadt“ zurückzugeben. Der Turm rückte wieder in das Bewusstsein der Bürgerschaft, denn, wie sagt der Dichter: „ Jedes Denkmal ist ein Dank an die Vergangenheit, spricht der Gegenwart Stolz aus und bringt der Zukunft eine Botschaft.“

Helmut Büchler/Pitt70 2011

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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