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Märchen sind etwas Wunderbares. Ich mag Märchen. Und Musy hatte uns einen Vortrag versprochen über den Alten Menschen im Märchen. Das bot sich gerade zu an, sind wir doch alle alt. Und tatsächlich hat sie das mal wieder mit Bravour hingekriegt. Und Peter mit seiner Kunst begleitete sie, d.h. er sorgte für die Bilder an der Wand und die Musik.

Als Einleitung sprach sie über die Lebenszeit, das Altern und fing mit den Bremer Stadtmusikanten an.

Sie erzählte von dem Verhältnis der Generationen untereinander, von den Alten als Erzieher und kluge Ratgeber, dass es aber auch ziemlich böse Alte gibt, und meist waren das (in den Märchen) meist Frauen, die Hexen. Mit einigen Bildern wurde ihr Vortrag unterstützt und auch mit Musik untermalt, z.B. Strawinsky, Tschaikowsky, Mussorsky und vor allem Humperdink, das Märchen von Hänsel und Gretel, diese wunderbare Märchenoper ist möglicherweise eine der bekanntesten, die beinahe alle Elemente enthielt. Die Not, die böse Stiefmutter, die verlassenen Kinder, und die böse Alte, die Hexe, die dem Hänsel nach dem Leben trachtete. Es gab aber auch gute Alte, (z.B. Frau Holle) und sogar des Teufels Großmutter war nicht nur einfach böse, sondern hat im Gegenteil geholfen.

Musy
- Hänsel und Gretel -
Musy
- Die zwei Brüder -

Feen waren beides, gute oder böse Feen (die dreizehnte Fee, die nicht eingeladen war in Dornröschen war böse, die zwölfte schwächte den „Fluch“ einigermaßen ab). Übrigens soll es gerade in französischen Märchen sehr viele Feen geben. Stiefmütter waren im Märchen eigenartigerweise immer böse, (auch eifersüchtig, wie bei Schneewittchen) und unter diesem Image hat so manche Stiefmutter, die sich alle Mühe gibt, manchmal noch heute zu leiden.

Wir alle kennen Märchen aus unserer Kinderzeit: Schöne Prinzessinnen, junge Prinzen und alte Hexen. An alte Männer denkt man eigentlich weniger, an törichte schon eher (des Kaisers neue Kleider). Auf jeden Fall habe jedenfalls ich mir über den alten Menschen im Märchen wirklich noch keine besonderen Gedanken gemacht, sie gehören einfach dazu.

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- Schneewittchen und die böse Schwiegermutter -
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- Schneewittchen -
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- Baba Jaga, die russische Hexe -
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- Baba Jaga jagt auf ihrem Mörser -
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- die Hütte der Baba Jaga -

„Jeder will alt werden, keiner alt sein“, sagte Musy. Was man etwas erklären muss: Ein langes Leben möchte mancher zwar haben, aber den alt werdenden Körper, nun den mag man gar nicht, vor allem weil er oft behindert. Von einem Märchen erzählte Musy, dass jemand den Wunsch, wieder jung zu sein, zurückzog, weil er auch alle Dummheiten wieder hätte machen müssen. Ja, alt zu sein in einem einwandfreien Körper, jedoch mit den Erfahrungen, die man schon hat, das wäre eigentlich prima, da wäre ich auch sofort dabei. So aber macht dieses morsch gewordene „Gefäß“ einfach zu viele Beschwerden und schön sieht er meist außerdem nicht mehr aus. Die Figuren im Märchen sind also entweder jung oder alt.

Auch Tiere werden alt, und Musy fing mit den Bremer Stadtmusikanten an, die wir ja auch kennen. Wie haben sie sich gefunden? Eine merkwürdige Allianz, die eigentlich gar nicht zusammenpasst.
Der Esel klagte, er bekäme kein Futter mehr, weil er alt sei und nicht mehr so viel arbeiten könne. Der Hund war davon gerannt, ehe man ihn deshalb totschlug, die Katze fing nicht mehr genug Mäuse und sollte ersäuft werden und der Hahn wollte nicht in die Suppe kommen. Heute schafft es ein Hahn nicht mehr bis in die Suppe, sondern wird sofort, nach dem er aus dem Ei geschlüpft ist, von sogenannten Sexern aussortiert, auf eine Schräge geworfen und rutscht in ein Loch, wo ihn eine mit Messern bestückte Mühle empfängt, der sogenannte „Muser“ Nun ja. Der Märchen-Hahn, der hatte wenigstens noch ein „brauchbares“ Ende seines Lebens erreicht. Jedenfalls verhielt sich der Mensch auch schon früher gegen die Tierwelt, gegen alles „Unbrauchbare“ ziemlich verantwortungslos, wie man sieht.

Dazu gehörten dann auch die Alten, sie wurden getötet, der unnütze Greis im Märchen als überflüssiger Esser wird eben beseitigt, und Musy erzählte von einem alten Vater, der deshalb seinen Sohn bat: „Haue mir auf den Kopf, ich bin zu alt geworden.“ Nun hatte der aber ausnahmsweise einen guten Sohn, der tat das nicht, sondern versteckte den alten Vater. Und er holte sich immer wieder dessen weisen Rat. Er erkannte, das die Weisheit und Erfahrung eines langen Lebens ihm sehr nützlich sein konnten, und er den alten Vater ehren sollte. So allmählich scheint man sich heute auch endlich wieder daran zu erinnern (in der Berufswelt), dass die Weisheit, das Wissen der Alten manchmal unbezahlbar ist.

Musy
- Die Bremer Stadtmusikanten -

Doch wie kam es, dass der Mensch so alt wird?

„Als Gott die Lebensalter verteilte„ erzählte Musy, da seien „die Tiere entsetzt gewesen, nein, so alt wollten sie nicht werden. Der Esel sollte 20 Jahr alt werden. Nein, das wollte er nicht. Also schenkte ihm Gott 18 Jahre Lebenszeit. Der Hund bekam 12 Jahre, der Affe 10 Jahre und so fort. Der Mensch aber war mit den ihm zugebilligten 30 Jahren nicht zufrieden, er wollte mehr. Da nahm Gott die zurückgegebenen Jahre des Esels und des Hundes und des Affen, und legte sie auf die Lebensjahre des Menschen oben drauf.“ Deshalb werden wir heute alle ziemlich alt, mit allen nicht immer schönen Nebenerscheinungen.

Nun, eine Altweibermühle, (wobei die Mühle für: aus Alt mach Neu, steht) gibt es heute nicht, so wie im Märchen, dafür Kosmetika, Bücher und Fitnessstudios und so etwas, Badekuren, versucht man uns weiß zu machen, als „Jungbrunnen.“ (Das Wasser)

Und die Zerstückelung, mit dem nachmaligen wieder Zusammenfügen, um als neuer Mensch wieder aufzustehen, haben wir dafür heute nicht auch Entsprechendes? Die Schönheitsoperationen mit der ewigen Schnippelei, Hautstraffungen, neue Nasen, das Fettabsaugen liegen doch auf einer vergleichbaren Linie.

Männer, vor allem alte Männer, wollten schon immer junge hübsche Frauen haben. Die Sehnsucht nach Schönheit und Jugend ist eben schon eine alte Idee. Was mir unbekannt war, Männer suchten offenbar auch früher schon eine Möglichkeit, sich zu verjüngen, heute wieder modern, und Musy erzählte die Geschichte von dem „junggeglühten Männlein“, das im Feuer auf der Esse eines Schmiedes sich von Christus „jungglühen“ ließ, im Wasser abgekühlt wurde und dann eben auch „jung und schön“ war. (Heute gehen sie in die Sauna, hilft aber meistens auch nicht viel). Immerhin fällt dem einen oder anderen langsam ein, dass auch Frauen schöne, junge Männer haben wollen.(!)

Musy
- Altweibermühle -
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- Altmännermühle -
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- Jungbrunnen -
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- Jungschmieden -

Märchen gibt es in ziemlich allen Völkern, die orientalischen Märchen (Tausendundeine Nacht) sind bekannt, und Brunnen (eben Frau Holle, der Sprung in den Brunnen steht für die Jenseitsreise), sagt Musy, unsere Fachfrau.

Was ist nun aber der Sinn des Märchens? Wir wissen, dass Märchen eigentlich nicht für Kinder gedacht, sondern ursprünglich für Erwachsene bestimmt waren. Sie sollten nicht nur unterhalten, dafür gab es die Märchenerzähler, (in einer Zeit, als von den heutigen Medien noch niemand etwas wusste), und die Geschichten enthielten auch Botschaften: Böses sollte vernichtet werden, damit das Gute weiter leben kann. Fleiß soll belohnt werden, Faulheit bestraft. Goldmarie und Pechmarie, (ähnlich Frau Holle) zeigt es deutlich. Auch dass Natürliches dem Künstlichen vorzuziehen ist, erzählt das Märchen von der Nachtigall (von Andersen).

Musy
- Frau Holle -
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- Frau Holle und Goldmarie -
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- Die Nachtigall von Andersen -

Es war eine gelungene Veranstaltung, finde jedenfalls ich, aber ich mag ja auch Märchen, und habe deshalb auch ziemlich viele Märchenbücher bei mir zu Hause.


Autor: Irene (Heupferd)

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