Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.

Für mich ist Chagall noch immer zuerst der Maler phantastischer, poetischer Traumbilder. Da schweben schwerelos Frauengestalten oder eng umschlungene Liebespaare im Himmelsblau, tanzen Harlekine, schauen kleine Tiergestalten aus den Ecken der Bilder und wachsen Blumen an Stellen, wo sie eigentlich gar nicht wachsen können. Ich weiß gar nicht wie oft ich sein im (siebten?) Himmel schwebendes Brautpaar als Glückwunschkarte einem Hochzeitspaar geschenkt habe. Aber er hat ja auch vor allem in großformatigen Ölgemälden das Leben in seiner Heimat, einer jüdischen Vorstadt von Witebsk in Russland, dargestellt, Bilder auf denen man immer wieder ein anderes kleines Detail entdecken kann. Besonders facettenreich auch seine Zirkusbilder.

Und dann seine Kirchenfenster! Ich weiß noch wie ich ganz bewegt in der Kathedrale von Metz vor seinen Fenstern stand. Diesmal nicht nur in blauen und roten Farbtönen sondern in einem leuchtenden gelb-orange. Es war als ob der Himmel selbst sich auftäte.

Oder eine von ihm illustrierte Bibel. Auf einer Bibelausstellung am Bodensee hätte ich mich fast (obwohl ich gar nicht so besonders fromm bin) dazu verführen lassen ein Exemplar zu kaufen. Ich habe es ein wenig traurig gelassen. Zu teuer!

Chagall
- Vor der Kunsthalle Messmer Foundation, Riegel -

Und nun also Chagall in der Kunsthalle Messmer in Riegel: Chagall Poesie und Traum.

Als ich in Denzlingen in den Zug nach Riegel zugestiegen bin, fand ich im letzten Wagen nicht wie erwartet die fröhlich plaudernden BahnfahrerInnen der Feierabendgruppe sondern eine leicht verzweifelte Anneliese/Lisianne vor. Sie war in letzter Minute in Freiburg eingestiegen und hatte im letzten Wagen keine Feierabendfreunde gefunden. Beim Halt in Riegel-Malterdingen stieg die Gruppe dann viel weiter vorne aus. Da es auch keine Fahrscheinkontrolle – wie Anneliese befürchtet - gegeben hatte, hatte es für Gisela/Goosi, die auf Annelieses Behindertenausweis mitfuhr, auch keine Schwierigkeiten gegeben. Die Welt war wieder in Ordnung.

Der Bus kam schnell, in Riegel gab es noch einen kleinen Fußmarsch durch’s Städtle und dann waren wir auch schon an der Kunsthalle Messmer, wo die Autofahrergruppe und eine wie so oft sportlich mit dem Fahrrad angereiste Margit/Anmargi auf uns warteten. Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten konnten sich 23 erwartungsfrohe Feierabendfreunde auf den Weg durch die farbenfrohe Bilderwelt von Chagall machen. Begleitet wurden wir dabei von Frau Julia Isserstedt, einer jungen Kunsthistorikerin, die uns in der Folge kompetent durch die Ausstellung führte.

Zunächst erfuhren wir einiges über den Unternehmer und Kunstsammler Jürgen A. Messmer. In Erinnerung an seine zu früh verstorbene Tochter gründete er zunächst eine gemeinnützige Stiftung. Diese Stiftung ist heute Trägerin der Kunsthalle Messmer, die 2009 in Riegel eröffnet wurde, nachdem Freiburg, das ursprünglich Sitz der Kunsthalle werden sollte, diese nicht haben wollte. Ein Glücksfall für Riegel. Fortan gab Messmer seine unternehmerische Tätigkeit auf und widmet sich nun nur noch seiner Sammlung und der Kunsthalle, in der schon bedeutende Künstler des 20. Jahrhunderts der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Und nun zu Chagall (eigentlich Moische Chazkelewitsch Schagalow), dem sogenannten Malerpoeten, der 1887 in einem von der jüdischen Bevölkerung geprägten Vorort von Witebsk (Weißrussland) geboren wurde und 1985 in St. Paul de Vence an der französischen Cote d’Azur starb. Er lebte fast 98 Jahre, malte bis ins letzte Lebensjahr und hinterließ eine Fülle von unverwechselbaren Bildern.

Die ausgestellten Bilder sind ausnahmslos Leihgaben u. a. aus der Sammlung Würth, der Galerie Lessenich aus Alfter/Nordrheinwestfalen oder der Luzerner Galerie Rosengart. Sie werden nach Themen geordnet in offenen Räumen ausgestellt. Es sind vor allem druckgrafische Arbeiten Chagalls, bis auf ein großes Ölbild „Die Nacht“ aus der Sammlung Würth. Wir folgten diesen Themen beim Rundgang und begannen mit

Witebsk

Hier hängt auch ein Ausspruch Chagalls, den ich hier im Wortlaut wiedergeben möchte:
„Ich habe meine Lebenswelt gemalt, all die Dinge, die ich geliebt habe und von denen ich geträumt habe, all die Dinge, die ich nicht in Worte fassen konnte.
Ich habe mein geliebtes Russland, meine Heimatstadt Witebsk, das jüdisch Viertel, in dem ich aufwuchs gemalt, wie ich es als Kind gesehen habe.“
Ausgestellt sind u.a. Bilder, die zu seinem frühen biografischen Zyklus „Mein Leben“ von 1922 gehören:
Frau Isserstedt wies uns auf das Bild „Mein Vater“ hin. Er war ein einfacher Arbeiter in einem Heringsdepot. Auf diesem Bild sind dann auch Fische zu sehen, die aber auch oft klein und auf den ersten Blick kaum wahrnehmbar auf anderen Bildern als Symbol für seinen Vater auftauchen. Weitere Symbole, die oft auf seinen Bildern zu finden sind, sind u.a. der Hahn als Symbol der Fruchtbarkeit oft in Verbindung mit Liebespaaren, die Kuh steht für das Leben an sich und der Eiffelturm und das fliegende Pferd stehen für die Freiheit.

Als nächstes wurden wir auf das Bild „Mutter und Sohn“ hingewiesen. Seine Mutter betrieb in Witebsk ein kleines Lebensmittelgeschäft.
Bei dem ersten Bild handelt es sich um eine Radierung, einem Tiefdruckverfahren. Von der geritzten Platte wurden in der Regel 100 Blätter abgezogen. Danach wurde die Platte vernichtet.

Das zweite Bild ist ebenfalls eine Radierung, die mit Aquarellfarbe übermalt wurde. So entstand ein Unikat.

Im Jahre 1922, dem Entstehungsjahr dieses Zyklus, weilte Chagall für ein Jahr in Berlin, wo er die Drucktechniken erlernte, die dann entscheidend zur Verbreitung seiner Werke beitrugen.

Aus der Rosengart-Galerie war ein Bild „Der Straßenkehrer und der Wasserträger“ zu sehen. Ein Bild in Gouache-Technik (Gouache – in Wasser gebundene gröbere Pigmente mit denen man im Gegensatz zu Aquarellfarben auch deckend malen kann.

Chagall
- Wir waren alle sehr interessiert! -

Die Fabeln - La Fontaine
1925 erhielt Chagall von dem Pariser Verleger den Auftrag, die Fabeln von La Fontaine zu illustrieren. Wir konnten das Bild „Der Schwan und der Koch“ betrachten und Frau Isserstedt las uns gleichzeitig die dazugehörende Fabel vor. Die Bilder des Zyklus wurden zuerst als Schwarz-weiß-Radieren gefertigt. Später kolorierte Chagall 85 Exemplare eigenhändig. Einige davon konnten wir hier sehen.

Tausend und eine Nacht
Hier hängen Bilder aus dem Zyklus von 1948. Es fällt gleich auf, dass inzwischen bei Chagall ein Stilwechsel stattgefunden hat. Waren die Bilder aus dem Themenkreis „Witebsk“ noch in eher matten, ein wenig düsteren Farben gemalt, sprühen sie jetzt von intensiver Farbigkeit.
Zwei besonders schöne Beispiele hierzu ein Selbstporträt, das ihn mit seiner Geliebten Virginia innig umarmt zeigt während wohl seine erste Frau Bella über ihnen schwebend im Himmelsblau wohlwollend zusieht. Außerdem eine Lithografie (Steindruckverfahren) „Feuervogel“, die das musikalische Werk von Igor Strawinskiy malerisch umsetzt.

Paris
Chagall war zum ersten Mal 1911 in Paris. Er lernte dort die Arbeiten der Fauvisten, Kubisten und auch Surrealisten kennen. Sie beeinflussten wohl Chagalls Stil aber zusammen mit Elementen der russischen und jüdischen Volkskunst entwickelt er seine ganz eigene Darstellungskunst, die seine Werke so unverwechselbar macht.
Hier hängt auch das einzige Ölbild der Ausstellung „Die Nacht“. Das großformatige Werk, eine Leihgabe aus der Sammlung Würth, konnten wir näher betrachten. Wie auf den meisten seiner Werke aus der Zeit in Paris (er kehrte ja später zum zweiten Mal dorthin zurück und lebte dort, bis er sich vor den Nationalsozialisten in Sicherheit bringen musste. Die Übersiedlung nach Amerika gelang dank der Hilfe des Museums of Modern Art in New York) ist hier klein der Eiffelturm sehen sein Symbol für Freiheit.

Die Bibel
Die Religion und Illustrationen zu biblischen Themen spielen im Werk Chagalls eine große Rolle. Hier hängen u. a. die Werke des Zyklus der Schöpfungsgeschichte. Frau Isserstedt wies uns auf ein besonders farbenprächtiges Gemälde „mariée au cheval“ (Hochzeit zu Pferde) hin. Das Bild wird beherrscht von König David mit der Leier und einer weiß gekleideten Braut zu Pferd. Pferd und Braut schweben über der Landschaft (Jerusalem?). Den Bräutigam sieht man nicht.

Exodus
Gezeigt wird der komplette Zyklus von 24 Bildern zum Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei, außerdem u. a. Moses wie er die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten erhält. Eine Besonderheit: Moses wird auf allen Bildern mit Hörnern dargestellt, die jedoch manchmal auch wie Strahlen aussehen. Dies ist wohl auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Die Worte für Krone und Hörner wurden wohl vertauscht.

Côte d’Azur
1966 war Chagall in den Süden Frankreichs nach St. Paul de Vence gezogen. Seine hier entstandenen Bilder sind zum Teil in einem sehr intensiven blau gemalt. Da schweben z. B Liebespaare im lichten blau des Himmels über der tiefblauen Bucht der Engel. Frau Isserstedt wies uns auch auf eine Monotypie hin. Statt auf Papier oder Leinwand wird auf Glas-, Igelit- Acryl- oder Metallplatten gezeichnet oder gemalt und solange die Farbe noch feucht ist mittels Presse oder Handabrieb auf das Papier gedruckt. Leider war die Zeit inzwischen schon weit fortgeschritten. Und da der Mittagstisch wartete, mussten wir schnell zum nächsten Thema dem

Zirkus
Der Zirkus ist wohl neben der Religion ein Lieblingsthema Chagalls. Hier eine Aussage dazu: Ich habe die Clowns, Akrobaten und Schauspieler stets als tragisch-menschliche Wesen betrachtet, die für mich den Personen von bestimmten religiösen Gemälden ähneln. Wir betrachten mit unserer Führerin eingehender die Lithografie „Cirque“ (Zirkus). Dargestellt ist wohl seine zweite Frau Valentina (Vava) die nackt von einem Harlekin liebevoll umfangen wird. In der Hand hält sie einen Blumenstrauß, in der Mitte sitzt ein Vogel. Zu ihren Füßen eine gelbe Ziege. In den eigentlichen Kopf hat Chagall noch ein weibliches Profil gezeichnet, die Ziege hat zwei Brüste, menschliche Hände, die eine Geige halten. Nach Aussage von Isserstedt ist diese Ziege ein Symbol für Fruchtbarkeit.

Daphnis und Chloé
Die Odyssee

Beide Zyklen malte Chagall im Auftrag des griechisch stämmigen Verlegers Fériade.
Diese beiden Zyklen konnten wir aus Zeitmangel nicht eingehend betrachten, denn wir wollten uns das letzte Bild der Ausstellung, das gleichzeitig auch das letzte von dem Künstler im Jahr 1985 gefertigte Bild (eine Lithografie) ist, betrachten. Der Titel des Bildes „Dem amderen Lichte zu“. Der 97jährige hat auf diesem Bild sich selbst kurz vor seinem Tod dargestellt. Sein Gesicht wirkt jung und aus dem Rücken wachsen ihm Flügel. Vielleicht wollte er so „beflügelt“ seinen schwebenden Figuren im Himmelsblau, den Engeln, den Liebespaaren entgegenfliegen.

Chagall
- Anne-Grete/Tettane hat für uns diesen wunderbaren Bericht geschrieben! -

Damit war für uns der Ausstellungsbesuch beendet. Nun hieß es schnellen Schrittes dem Restaurant Kopf zuzustreben, wo schon der gedeckte Tisch auf uns wartete. Aus den bemerkenswert preiswerten Gerichten der Mittagskarte hat wohl jeder das Richtige für sich herausgefunden.

Danach trat jeder auf seine Weise den Heimweg an. Anneliese (Lisiane), Gisela (Goosi) und ich haben die Kunsthalle Messmer noch einmal besucht, die für uns schönsten Bilder noch einmal betrachtet, natürlich auch die am Vormittag zu kurz gekommenen beiden Zyklen „Daphnis und Chloé“ und „Die Odyssee“. Dann war auch für uns der Besuch in Riegel vorbei.

Ich denke, diejenigen von uns, die nach Zürich bzw. Sarrebourg in Lothringen fahren, freuen sich schon auf die Glasfenster, die wir dort zu sehen bekommen.

Autor: Anne-Grete (Tetanne)

Fotos: Wolf Dieter/Lupus05 (leider durfte in der Ausstellung nicht fotografiert werden)

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (21 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


Artikel kommentieren