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19 wissbegierige Feierabendmitglieder machten sich am Mittwoch auf, um das Kleine Stuckmuseum, das sich etwas abgelegen in der Liebigstraße im Industriegebiet Nord befindet, zu besuchen. Die richtige Unternehmung für diesen trüben Novembertag.

Wir fanden das Museum in einem Hinterhof. Klein ist es tatsächlich. Die unzähligen Exponate sind in mehreren eher winzigen Zimmern untergebracht. In diesen Räumen befindet sich aber eine große, außerordentlich interessante und vielseitige Sammlung von Originalstücken oder hervorragenden Reproduktionen von historischen Stuckelementen. Da schauen den Besucher kleine Engel aus den Zimmerecken an, hängen in einem Regal Decken- und Wandrosetten, an den Wänden und in Vitrinen findet man Bruchstücke von Stuckleisten und Friese. Es gibt Pilaster, Säulen, Konsolen und Kapitelle, Schmuckelemente in jeder Ausführung und figürliche Darstellung en, vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert und der Zeit des Jugendstils

Das Kleine Stuckmuseum
- Herr Hans Rich -

Wir erwarteten eigentlich eine Führung. Dazu kam es aber nicht. Als wir uns jedoch sitzend oder stehend in einem der Räume um einen großen Tisch versammelt hatten, erfuhren wir von Herrn Hans Rich, Stukkateurmeister und Restaurator, wie es zu diesem privaten Museum gekommen ist.

Noch während seiner Lehrjahre im Krieg und kurz danach begann der junge angehende Stukkateur Stuckelemente zu sammeln. Besonders nach dem Krieg rettete er manches wertvolle Stück aus dem Schutt der Freiburger Altstadt. Wann immer er vom Abriss eines Hauses oder einer Renovierung erfuhr, war er zur Stelle. Manches Stück hat er aus Schuttcontainern geborgen und Vieles so vor dem Untergang bewahrt. Inzwischen war Stuck nämlich unmodern geworden. Es passte angeblich nicht zu den modernen, geradlinigen Möbeln.

Inzwischen hatte sich sein Tun zu einer wirklichen Sammelleidenschaft entwickelt, so dass ihm 1978 während eines Kuraufenthalts die Idee kam, die von ihm gesammelten Stücke einer breiteren Öffentlichkeit in einem kleinen Museum zugänglich zu machen. Schon ein Jahr später setzte er seine Idee in die Tat um. So gibt es dieses einmalige Museum nun schon über 30 Jahre. Es wird sehr gern von Fachleuten aus der Baubranche besucht, aber auch Schulklassen lernen bei ihm dieses schon sehr alte Handwerk kennen.

In der Werkstatt gleich nebenan werden noch heute alte Stuckornamente restauriert. Es werden aber auch neue Stücke als Auftragsarbeit hergestellt. Zur Freude des Großvaters arbeitet in dieser Werkstatt heute sein Enkel, ein, wie er sagte, auf diesem Gebiet sehr begabter junger Mann, der die Tradition fortsetzen will. Herrn Rich war der Stolz hierüber anzumerken als er uns Fotografien seines Enkels zeigte.

Aber was ist eigentlich Stuck? Auch hierzu bekamen wir eine Antwort. Stuck gibt es schon seit Jahrtausenden. Jedenfalls finden wir ihn schon bei den Griechen und Römern. Die zu bearbeitende Masse wird für Innenräume aus Gips, Kalk, Wasser, Sand und Knochenleim hergestellt. Im Außenbereich wird der Witterungsbeständigkeit wegen statt Gips Zement verwendet. Aber jeder Stukkatuer hat da seine eigene Rezeptur, die er nicht gern preisgibt.

Bevor es ans Werk geht wird eine Zeichnung hergestellt. Wir bekamen verschiedene Zeichnungen zu sehen. Anhand dieser Zeichnung wird eine Schablone hergestellt. Heute verwendet man für diese Schablonen Silikonkautschuk (wie für die modernen Backformen), die wiederum von festen Gipsformen gestützt werden. Sie würden sich sonst bei der Trocknung verformen. In einem der Räume zeigte uns Herr Rich zwei solcher Formen in einem Regal. Die Stelle, an der das Element an Wand oder Decke angebracht werden soll wird mit der gleichen Masse dünn eingestrichen und das noch nicht vollkommen trockene Stück vorsichtig an die nun auch feuchte Wand oder Decke angedrückt und danach sofort mit Schrauben befestigt, damit es bei der endgültigen Trocknung nicht herunter fällt. Besonders geschickte Stukkateure bearbeiten den aufgetragenen Stuck auch direkt an Wand oder Decke. Stuckleisten werden mehrfach abgezogen, d.h. eine Schablone wird während der Trocknungszeit wiederholt über einen Stuckstrang gezogen. Runde Formen wie z.B. Kugeln, Säulen oder Baluster (Teile einer Balustrade) werden ähnlich wie bei Holzarbeiten abgedreht.

Die Fertigung von Stuck kam über die Alpen aus Italien zu uns. In der Barock- und Rokokozeit erlebte Stuck bei uns seine Hochzeit. Herr Rich erinnerte uns an die prächtig ausgestatteten Kirchen und Klöster vor allem der Oberschwäbischen Barockstraße. In dieser Zeit wirkten vor allen Dingen die Meister der sog. Wessobrunner Schule (einem kleinen Ort in Oberbayern), hier vor allen Dingen die Brüder Johann Baptist und Dominikus Zimmermann.

Auch Josef Anton Feuchtmayer, selbst nicht in Wessobrunn geboren sondern in Mimmenhausen bei Salem, zählt zu dieser Schule. Wir kennen ihn alle. Er hat die Stuckarbeiten in der Pfarrkirche von St. Peter ausgeführt und wer schon einmal die Wallfahrtskirche Birnau besucht hat, kennt auch seinen wohl berühmtesten Putto, den Honigschlecker. Feuchtmayer hat es vor allen Dingen zu einer wahren Meisterschaft im Herstellen von sog. Alabasterstuck gebracht. Dieser Stuck glänzt wie Alabaster und fühlt sich weich und seidig an. Wir konnten uns davon überzeugen, denn Herr Rich zeigte uns das Fragment einer Leiste aus Alabasterstuck, die wir auch befühlen durften.

Eine besondere Bedeutung kam in der Zeit des Barock und Rokoko der Herstellung von Stucksäulen zu. Sie wurden in einem aufwändigen Verfahren hergestellt und waren zu ihrer Zeit teurer als Marmor.

Und heute? Stuckleisten werden heute oft als Imitate aus Styropor hergestellt, wie uns Herr Rich fast mit Abscheu im Gesicht erklärte. Aber der echte Stuck findet inzwischen auch wieder seine Liebhaber. Und wenn dann noch junge Talente wie der jüngste Stukkateur im Hause Rich nachwachsen wird dieses traditionsreiche, alte Handwerk weiterleben.

Nach Herrn Richs Vortrag, den er im Übrigen mit vielen kleinen persönlichen Geschichten und Anekdoten ausgeschmückt hatte, bekamen wir noch die Gelegenheit, uns in den einzelnen Räumen umzusehen.

Nach der Besichtigung, es hatte inzwischen zu regnen begonnen, strebte der überwiegende Teil der Gruppe eilig dem „Paradies“ zu. Ich war nicht dabei, denke aber, dass man dort neben anderem über das Gesehene diskutiert und sich fröhlich unterhalten hat.

Das Kleine Stuckmuseum
- Sadia hat viele dieser Bilder fotografiert -
Das Kleine Stuckmuseum
- Anne-Grete hat diesen wunderbaren Bericht geschrieben -

Mir ist auf dem Nachhauseweg auch noch einiges durch den Kopf gegangen. Ganz am Schluss der kleinen Besichtigung ist mir ganz oben an einer Wand noch das Bruchstück eines Frieses, gearbeitet mit Ranken und Blüten im Jugendstil und in zarten Pastellfarben bemalt, aufgefallen. Ich habe mir vorgestellt, das Kleine Stuckmuseum fände einen Sponsor, der ihm größere Räume spendierte und ein Museumsfachmann würde die besonderen Stücke vielleicht vor dunklem Hintergrund ins rechte Licht setzen und die Stücke würden dann auch noch in einem beigefügtem Text erläutert. Wie schön das wohl wäre. Ob es aber auch im Sinne von Herrn Rich wäre? Er schien mir auch so ganz zufrieden zu sein.

Fotos: winja1, anmargi

Autor: Tettane

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