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Eine kleine Gruppe von 12 Feierabendlern traf sich am 30. Juni 2011 im Augustinermuseum. Wir wollten uns einer öffentlichen Führung in der Schwarzwald-Ausstelllung anschließen.

Einleitend erklärte uns die junge Führerin, dass die Exponate aus der Schwarzwald-Sammlung seit 20 Jahren im Depot lagerten. Jetzt werden an die 700 Objekte ausgestellt, das ist nur etwa ein Fünftel dessen, was noch hinter den Kulissen verbleibt. Wenn die Ausstellung Ende Oktober 2011 zu Ende geht, kann sie erst im 3. Bauabschnitt - das wird in einigen Jahren sein - in Verbindung mit der Stadtgeschichte Freiburg wieder dauerhaft gezeigt werden.

Der vielgereiste Handelskaufmann Oskar Spiegelhalder (1864-1925) war der erste Sammler von Objekten der Volkskunst und Alltagskultur aus dem Schwarzwald. Er hatte innerhalb von sechs Jahren 5.000 Objekte angesammelt, häufte sie auf dem Dachboden seines Hauses in Lenzkirch an. 1896 verkaufte er einen Teil seiner angesammelten Schätze an die Stadt Freiburg für 16.000 Mark.

Die Ausstellung präsentiert sich im Untergeschoss des Museums und im Historischen Dachgeschoss. Mit 7 Themenfeldern gibt sie dem Besucher Einblick in das Arbeitsleben und wichtige Gewerbe (Bergbau, Wasserwege, Glashütten, Glasträger, Waldberufe, Uhrmacherei, Hinterglasmalerei, Strohflechterei, Textilindustrie, Störhandwerk (= mobile Handwerker), Bürstenfabrikation, Zunder, Steingutindustrie, Eisenbahn u.a.). Sie zeigt das häusliche und kirchliche Leben, geprägt von Frömmigkeit ebenso wie von Aberglauben.

An den aus Pappe zusammengesteckten Fichten gehen wir an den Themen-Schaukästen entlang.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lockten Reiseführer immer mehr Touristen aus der Stadt in den Schwarzwald. Der Göttinger Universitätsrat Albert Kreuzhage beschrieb 1836 seine Reise nach Baden und dem Schwarzwald: "Ein eleganter, höchst vornehmer Wagen, dessen Verdeck bei gutem Wetter zurückgeschlagen wird, mit allem Notwendigen versehen, worunter eine blecherne Dose mit trefflichem Obst, ferner Wilhelm Müllers heitere Wanderlieder, Goethes Wilhelm Meister, die allemannischen Gedichte Hebels, ein Beutel Tabak, ein Reisebarometer zu Höhenmessungen, Landkarten, Reiseführer, eine Flasche Liebfrauenmilch und einige gebratene Hähnchen etc. aufzuführen sind - dann feurige Extrapferde, dass wir immer wieder im Fluge fahren". Und er genießt die Reise in den Schwarzwald, "wo die Natur noch Überfluss hat, die duftenden Matten und Wälder des Schwarzwaldes, die Aussicht nach den Alpen" und: "welche Lust gewährt das Reisen".

Augustinermuseum
- Reiseproviant -

Bildungsreisen waren am Ende des 18. Jahrhunderts in Mode gekommen. Damals wie heute waren Reiseführer bei der Planung der Reise willkommen. In Baden war es der Großherzoglich-Badische Hofhistoriograph Aloys Schreiber (1763-1841), der hier eine Marktlücke entdeckte. Sein "Handbuch für Reisende am Rhein von Schafhausen bis Holland" erschien erstmals 1816. Es war ausgestattet mit praktischen Tipps und unterhaltsamen Volkssagen, mit großer, ausfaltbarer Karte. Im Vorwort richtet der Autor seine Schrift "an den gebildeten Reisenden". Im Anhang sind Informationen mit Reiserouten und Entfernungen, günstige Jahreszeiten, Pässe, Wechselkurse und vieles mehr. Dem Autor liegt auch das Wohlergehen seiner Leserschaft am Herzen, denn er gibt Empfehlungen für Leib und Leben: "Man solle stets politische Neutralität wahren, in guten Gasthäusern übernachten und sich einheimischen Reiseleitern anvertrauen, um keinen Dieben in die Hände zu fallen".

Augustinermuseum
- Reiseführer von 1816 -

Aloys Schreiber 1816 "Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art den Rhein von Schafhausen bis Holland zu bereisen".

Einen wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung im Schwarzwald hatten die Glasmeister. In ihren Diensten liefen die Glasträger über Land, auf dem Rücken die Krätze, ein Tragegestell aus Holz, das mit - durch Stroh gepolsterten - Gläsern bepackt wurde.

Augustinermuseum
- Hochzeitskrug mit Glasträger, Blasi Meyer und Juliana Knözin, 1806 -

Der Schwarzwald-Sammler Oskar Spiegelhalder war stolz auf diesen Krug aus seiner Verwandtschaft, der einen Glasträger aus Lenzkirch in seiner Berufskleidung zeigt.

Noch heute zeugen Wegebezeichnungen von Glasträgerpfaden, die aus dem Wald hinaus auf die Märkte dies- und jenseits des Rheins bis nach Frankfurt, ins Württembergische und in die Schweiz führen.

Augustinermuseum
- Lackschilduhren -

Im 18. Jahrhundert wurde die Lackschilduhr zur Norm für die Schwarzwalduhr und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in großen Stückzahlen gefertigt.

Die Hinterglasmalerei entwickelte sich im südlichen Schwarzwald zum Hausgewerbe, ungefähr seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Neben Bildern mit religiösen Inhalten zeugen Mode- und Trachtenbilder, Reiterbilder und Herrscherportäts, Blumenstillleben und Vogelbilder vom neuen Geist des Biedermeier.

Augustinermuseum
- Hinterglasbilder Großherzog Friedrich I und Großherzogin Louise -
Augustinermuseum
- Hinterglasmalerei aus der Werkstatt Winterhalder -

Hinterglasmalerei-Bilder schmückten auch die guten Stuben auf den Bauernhöfen, konnte doch der rußige Staub einfach feucht abgewischt werden. Dies merkt unsere Führerin nebenbei an, und irgendwie leuchtet es auch ein.

Ein Material, das man sprichwörtlich von den Bäumen pflücken konnte, war Zunder. Der Löcherpilz Polyporus formentarius schmarotzt vor allem auf alten Laubbäumen, wo er bis zu 15 Jahre alt wird. Dieser sogenannte Feuerschwamm ist seit altersher als Anzünder nützlich gewesen, um die Funken zweier Kiesel- oder Feuersteine aufzufangen.
Der faustgroße, getrocknete Pilz wurde gekocht und weich geklopft, in dünne Lappen geschnitten. Dieser Arbeitsvorgang wurde wiederholt. Nach der Trocknung wurde er weich gewalkt. Beim zweiten Klopfvorgang mit dem Holzhammer konnte eine Zunderfläche auf das Zehnfache vergrößert werden. Die weichen und geschmeidigen Zunderlappen waren u.a. als Wundschwamm zur Blutstillung begehrt. Große Stücke wurden zu wärmender Kleidung bzw. Unterwäsche verarbeitet. Kappen entstanden häufig aus einem Stück.

Augustinermuseum
- Schildmütze aus Zunder -

Ein handschriftlicher Vermerk auf der Innenseite der Kappe weist darauf hin, dass sie bei der "Schlacht von Weißenburg" 1870 getragen wurde. Unter dem Helm schützte sie vor Kälte und Reibung.

Nach der Führung blieben wir noch zurück, um die im Dachgeschoss präsentierten Bilder der Gutacher Künstlerkolonie, u.a. mit Werken von Wilhelm Hasemann, Curt Liebich und Wilhelm Reiss, zu betrachten, vor dem "Sommermorgen" von Hans Thoma zu verweilen und im Gegensatz dazu "Das Schwarzwaldtal im Winter" von Hermann Dischler im Gedächtnis zu behalten.

Unseren gemeinsamen Abschluss mit Kaffee und Kuchen oder Eis verbrachten wir im gegenüber liegenden Café Manna.

Ich hatte mir den Katalog zur Ausstellung angesehen und ihn kurz entschlossen gekauft. Ich finde ihn sehr gut! Auf alle ausgestellten Themenbereiche wird ausführlich, mit verständlichem Text und vielen Fotos eingegangen. Man kann in ihm wie in einem spannenden Zeitroman lesen, ihn immer wieder zur Hand nehmen und das nächste Kapitel lesen;. er ist wirkllich hochinteressant. Wenn darum einer der Teilnehmer/-innen an unserem Museumbesuch den Katalog einmal durchblättern oder lesen möchte, ich bin gern bereit, ihn auszuleihen. Je mehr ihn lesen, desto besser.

Bericht und Fotos: Helga (Tinsky)

Einige Textpartien wurden dem Katalog "Unser Schwarzwald", Augustinermuseum entnommen.

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