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Uniseum
Kabinett des Staunens


Wie oft sind wir alle schon zu Fuß oder mit der Straßenbahn an der Alten Universität in der Bertoldstraße vorbeigekommen und haben dabei den Schriftzug „Uniseum“ gesehen, ohne zu wissen, dass sich hinter diesen Mauern und diesem merkwürdigen Wort eine Schatzkiste verbirgt.

Unterhaltsam und anschaulich wird nämlich hier die über 550-jährige Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität dargestellt. So reichhaltig und vielseitig, dass Frau Sabine Drotzinger während der Führung durch das universitätseigene Museum, die unserer Freiburger Feierabendgruppe geboten wurde, nur Streiflichter setzen und auf einen kleinen Teil der Ausstellungsexponate eingehen konnte.

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Aufmerksame Zuhörer
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Eine große Gruppe schart sich um die Museumsführerin

Im Erdgeschoss des 2004 eröffneten Museums wird chronologisch die lange, wechselvolle Geschichte der Universität vorgestellt. 2007 fand man mit der Öffnung des Bursenkellers im Untergeschoss ein beeindruckendes Beispiel frühneuzeitlicher Baukunst und fügte diesen Raum zum Museum hinzu. Wir Besucher stehen hier auf dem mittelalterlichen Straßenpflaster im Originalzustand, auf dem gleichen Boden wie die Magister und Scholaren des Mittelalters.

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das mittelalterliche Straßenpflaster im Untergeschoss

Die Albert-Ludwigs-Universität zählt zu den ältesten Universitäten auf deutschem Boden. Ein überlebensgroßes Porträt des Stifters und Gründers, Albrecht VI. von Österreich, zieht im Ausstellungsraum die Blicke auf sich. Durch Schenkungen und die Abgabe von Einkünften aus Pfarreien im Breisgau, dem Elsass, der Schweiz und Oberschwaben schuf er die wirtschaftliche Grundlage für die Hochschule.

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der Herr mit dem Hermelinmantel, das ist der Gründer der Universität Freiburg Albrecht VI. von Österreich

„Die Weisheit hat sich ihr Haus gebaut“ (Sprüche 9,1) zitierte der erste Rektor der Universität, der Jurist Matthäus Hummel, bei der Gründungsfeier im April 1460. Im ersten Semester waren bereits 234 Studenten eingeschrieben, die in der Regel zwischen 13 bis 16 Jahre alt waren und dem geistlichen Stand angehörten.

Ein weiteres Ausstellungsstück fesselt unsere Aufmerksamkeit: das reich bebilderte Statutenbuch des „Collegium Sapientiae“. (in Kopie). 1496 stiftete der Augsburger Weihbischof und Rektor der Universität Johannes Kehrer die Mittel für ein Studentenheim. Es befand sich ursprünglich in der heutigen Herrenstraße und besteht als Studentenheim bis zum heutigen Tage in der Lorettostraße 24. Dort müssen aber nicht mehr die 88 Statuten befolgt werden, die zur Gründungszeit das Gemeinschaftsleben innerhalb der Burse genau festlegten.

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das Statutenbuch des Collegium Sapientiae

Mitte des 16. Jahrhunderts kaufte die Universität zwei Bürgerhäuser am Franziskanerplatz und baute sie für ihre Zwecke um. Das heutige „Neue Rathaus“ war über 200 Jahre die Heimat der Universität Freiburg.

Und noch einmal ein Blick auf ganz besonderes Exponat: die Weltkarte von 1507, geschaffen von den Absolventen der Universität, den Kartographen Martin Waldseemüller und Matthias Ringmann. Matthias Ringmann beging in der Begleitschrift einen folgenschweren Fehler. Er nahm an, dass Amerigo Vespucchi, ein portugiesischer Seemann, der als erster die Amazonasmündung entdeckt hatte, der Entdecker des neuen Kontinents sei. Waldseemüller taufte deshalb in seiner Karte das neu entdeckte Land nach Amerigo, den vermeintlichen Entdecker „America“. Der Irrtum ließ sich nicht mehr aus der Welt schaffen und daher hat dieser Name „America“, eine Erfindung von zwei ehemaligen Freiburger Studenten, bis heute seine Gültigkeit behalten.

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Weltkarte von 1507
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Kostbare Globen zeugen bis heute vom besonderen Stellenwart geographischen Wissens

In den Wirren der Reformationszeit hatte die Universität einen schweren Stand. War sie zu Beginn den Lehren Luthers gegenüber aufgeschlossen, wurde sie auf Drängen des Landesherrn, der vorderösterreichischen Regierung, zu einem Zentrum der Gegenreformation. 1577 war ein erster Versuch der Jesuiten, in Freiburg ein Jesuitenkolleg zu gründen, noch an der Ablehnung der Universität gescheitert. 1620 übernahm der Jesuitenorden dann doch die humanistischen Studiengänge, entfaltete eine rege Bautätigkeit in der Stadt und verfügte über hundert Jahre später mit der Universitätskirche, dem Kolleg und dem Gymnasium über den umfangreichsten Gebäudekomplex in der Stadt. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 konnte die Universität die Gebäude für sich erwerben. Wir kennen sie heute als „Alte Universität“ und befinden uns jetzt gerade, mit dem Besuch des Uniseums, in dessen Räumen.

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die Zeit der Gegenreformation
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Disputationsthema

Die Unruhen der Zeit brachten es mit sich, dass die Studentenzahlen stark zurückgingen. 1716 waren gerade 50 Studenten immatrikuliert. Von 1678 bis 1698 ging die Universität nach Konstanz ins Exil, wurde 1698 neu gegründet, musste aber während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 – 1714) noch einmal ins Exil nach Konstanz umziehen.

Die absolutistische Studienreform Maria Theresias brachte entscheidende Veränderungen. Die Universität verlor ihre Autonomie, das Recht auf selbstständige Vermögensverwaltung. Nur noch die Landesregierung hatte das Recht Professoren zu berufen. Unterrichtssprache war Deutsch, nicht mehr Latein. Die Professoren sollten zukünftig nicht nur aus einem Lehrbuch vorlesen, sondern Forschungsmeinungen referieren und interpretieren Am Ende dieser erzwungenen Studienreform (1752) waren neue Fächer, neue Lehrstühle eingerichtet und die österreichische Kaiserin bewies dem Rektor mit einem goldenen Maria-Theresia-Taler ihre Huld. Dieser Taler ist heute Kernstück der Amtskette des Rektors. Auch diese ist im Uniseum zu sehen.

Nach 1805, Freiburg gehörte jetzt zu Baden und nicht mehr zu Vorderösterreich, drohte die Auflösung der Universität. Neben dem protestantischen Heidelberg musste die zweite Universität in dem kleinen badischen Staat um ihr Überleben kämpfen. Im Februar 1818 sicherte der Großherzog Ludwig I. von Baden der Universität ihr Fortbestehen zu. Aus Dankbarkeit nannte sie sich seither Albert-Ludwigs-Universität.

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Großherzog Ludwig I. von Baden

Im 19. Jahrhundert wuchs die Universität rasant. Im Jahr 1870 waren 200 Studenten immatrikuliert, 1885 waren es bereits 1000, 1904 konnte der 2000ste Student gefeiert werden. (Heute sind es ca. 23000)

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Erläuterungen zur Baugeschichte der Universität

Eine große Schauwand führt uns vor Augen, dass, bahnbrechend für Deutschland, an der Freiburger Universität am 28.2.1900 die ersten fünf Frauen zum Studium, zum Medizinstudium, zugelassen wurden.

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die ersten Frauen werden zum Studium zugelassen
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Baden war schon immer besonders liberal und fortschrittlich

Und auch das Wirken der Nobelpreisträger, die an der Freiburger Universität gelehrt haben, wird im Uniseum dokumentiert.
Hans Spemann (Zoologe) erhielt 1935 den Nobelpreis für Medizin.
Hermann Staudinger 1953 den Nobelpreis für Chemie.
Friedrich August von Hayek 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften
Georges J.F. Koehler 1984 den Nobelpreis für Medizin

Mit dem Namen Hans Adolf Krebs, Nobelpreisträger 1953 für Medizin, verbindet sich exemplarisch eines der schwärzesten Kapitel der Geschichte der Universität. Wie viele andere Dozenten jüdischer Herkunft wurde er 1933 entlassen und in die Emigration getrieben.

Mit der Anwendung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums § 3: Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen ....“ war die Gleichschaltung vollzogen. Bis 1935 wurden 38 jüdische Dozenten entlassen. Dieses Thema wird im Uniseum nicht ausgespart, so wenig wie der schwierige Umgang mit der Person des berühmten Philosophen Martin Heidegger. Aber auch dem Widerstand des „Freiburger Kreises“ ist eine Schautafel gewidmet.

Zerstörung der Stadt Freiburg und damit auch der Universitätsgebäude am Ende des 2. Weltkrieges, Wiederaufbau mit dem persönlichen Einsatz von Studenten, Dozenten und Angestellten alles wird uns im Uniseum vor Augen geführt. Die einstündige Führung ist viel zu kurz, um die Fülle an Informationen, an Ausstellungsstücken gebührend zu würdigen.

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Zerstörung und Wiederaufbau

Einen kurzen Besuch statten wir noch dem Untergeschoss ab. Im Bursenkeller wird neben der Baugeschichte des Hauses das Studieren, Leben, Wirken und Wohnen der Studenten seit dem 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart dargestellt.

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Lernen wie die Studierenden des 15. Jahrhunderts

Wenn man als Tourist in einer fremden Stadt ein Museum besucht, muss man bei einem Besuch möglichst alles kennenlernen. In unserer Heimatstadt können wir ja noch einmal wiederkommen, um z.B. die Moulagensammlung der Universitätshautklinik in Ruhe zu betrachten, oder den Fluchtkoffer des Zoologen Otto Mangold, oder, oder, oder ...

Eine Schatzkiste, die es zu heben gilt, das ist das Uniseum ganz gewiss.
Neben den Ausführungen unserer Führerin, meinen persönlichen Eindrücken und Notizen habe ich für die Ausarbeitung dieses Berichtes als Quelle benutzt:
Dreier, R.-W.: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Schillinger Verlag, 1991


Fotos: Helmut (Pitt70), Georg (heros 1205), Erni(Wasserpflanze)

Autor: sternwald

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