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Museum für Stadtgeschichte

Eine Besichtigung am 17.02.2009

Schön ist es nicht, nass und kalt ist das Wetter, ungemütlich. Wie meistens, bin ich sehr pünktlich am Treffpunkt, viel zu früh. Ich gehe vorbei am Museum für Stadtgeschichte, durch ein mittelalterliches Gässchen, links und rechts die Wände unglaublich dicht. So dicht stehen diese Mauern, dass man den Himmel kaum sieht. In einer Wand eine Tür, sogar Fenster, in der anderen ein zugemauertes. Nicht einmal ein Pferd würde da durchpassen, denke ich so bei mir, es sei denn, der Reiter steigt ab und läuft voraus. In meiner Fantasie sehe ich einen „Eisenmann“ mit ebensolchem, kragenbewehrtem Helm, und Hellebarde, durch das Gässchen gehen; Würde doch gut hier her passen, wenn man sich ein paar hundert Jahre zurückversetzt.

Am Ende des Gässchens, in die Herrenstraße mündend, kehre ich um, versuche, Bilder zu machen. Ob sie gelingen? Da höre ich hinter mir Stimmen, also bin ich doch nicht mehr allein, und vorn angekommen sind wir schon ein halbes Dutzend. Gemeinsam gehen wir in das Museum hinein, obwohl noch immer zu früh, das Wetter draußen läst einfach schaudern.

Ibobibo hat uns eine Führung organisiert, im Museum für Stadtgeschichte, untergebracht im Wentzingerhaus; Wir stehen in einem kleinen Raum mit vielen bunten Bildern. Peter Kalchthaler, der Museumschef, informiert uns höchst persönlich. „Das hier ist eigentlich ein Wohnhaus.“ Klärt er auf: „Nicht als Museum geplant.“ Und um diese bunten Bilder rings an den Wänden geht es, um Aquarelle, fünfunddreißig an der Zahl, sofern ich mir das richtig gemerkt habe, die offensichtlich unserer Ingeborg so gut gefallen haben, dass sie uns an ihrer Freude teilhaben lassen wollte.

Doch was sind das für Bilder? Ruinen zeigen sie, und „Ruinen in Wasserfarben“, heißt auch die Ausstellung, „Künstler sehen das zerstörte Freiburg“. 1944. Julius Steimel, ein Zeichenlehrer und Arthur Elgarts, der zusätzlich auch Künstler war, haben die anrührenden Bilder geschaffen. Ihren wirklichen Wert erhalten sie eigentlich erst heute, damals soll es sich wohl eher um eine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ gehandelt haben.

Es überrascht erst einmal, wie ästhetisch schön auch Bilder von Ruinen sein können. In zurückhaltenden Pastellfarben gemalt. Eine vorausschauende Auftragsarbeit soll es gewesen sein, um festzuhalten, wie das malträtierte Freiburg ausgesehen hatte, nach dem grausamen Angriff am Abend des 27. November 1944, durch britische Bomberverbände. Von den Bewohnern der Stadt hatte kaum jemand damit gerechnet. Sobald man das eine oder andere Bild erkennt, stockt doch der Atem: Eigene Erinnerungen, an ähnliche Erlebnisse....

Wie ein Wahrzeichen ragt die Spitze des Münsterturmes aus diesem unbeschreiblichen Trümmerfeld heraus, wie ein Wunder. Vom Münsterplatz war die Nordseite total zerstört worden. Auch die Martinskirche des Franziskanerklosters, Unterlinden und viele andere Gegenden wurden in den Bildern festgehalten. Fünf Tore habe es gegeben, davon sind die zwei Tore der Kernstadt, das Martinstor und das Schwabentor, noch vorhanden. Das Martinstor, im 13. Jahrhundert errichtet, soll übrigens der älteste, noch erhaltene Wehr- und Torturm sein, später wurde er um das Dreifache erhöht, nach 1900.

Wie an vielen anderen Orten auch, war die Stadt ein großes Trümmerfeld. Freiburger, welche die Stadt verlassen hatten aus welchen Gründen auch immer, schrieben Briefe und fragten als Erstes: „Steht das Münster noch?“ Im gleichen Raum, wo die schönen Bilder in den zarten Farben hingen, war, als Erinnerung, eine alte, ausgeglühte Nähmaschine in einem Glaskasten ausgestellt, man sah ihr an, wie schrecklich das Feuer gewütet haben musste, beim Predigertor soll sie gefunden worden sein. Wo der Einstieg zu einem Luftschutzgang sich befunden hatte, oder wo später ein Materiallager angelegt worden war, zur Wiederverwendung, für den Aufbau, wurde uns anhand der Bilder ebenfalls gezeigt.

Ruinen in Wasserfarben. Wie sie von Künstlern gesehen wurden, 1944 - (Das Geburtsjahr meines Bruders, in einer Gegend, die heute nicht mehr Deutschland heißt).
Es dürften einmalige Bilder sein. die erst jetzt ihren wahren Wert offenbaren.

1745, - also 200 Jahre früher, wurde schon einmal „die Festung geschleift“, erfuhren wir, und dann habe es 80 Jahre gedauert, bis die Stadt zu wachsen begann.


Diesmal ging es schneller mit dem Aufbau: Unter Federführung von Josef Schlippe, seit 1925 Leiter des Hochbauamtes und als solcher glücklicherweise bestens vertraut mit der historischen Substanz der todkranken Stadt, begann wenige Monate nach Kriegsende bereits mit der Planung, das schöne Freiburg wieder erstehen zu lassen: nach den in Auftrag gegebenen Aquarellen der ruinierten Straßenzüge, offenbar dienten die Bilder nun der Vorbereitung des Wiederaufbaues; Das einstmals wunderschöne Theater, welches ebenfalls 1944 weitgehend zerstört und in vereinfachter Form wieder aufgebaut wurde, sei bereits 1949 „wieder bespielbar“ gewesen. Genauer: Am 30. Dezember 1949, als erstes mit den Meistersingern von Wagner. Und wer weiß heute schon noch, dass unsere heutige Bertholdstraße einmal eine Jesuitengasse gewesen ist?

Freiburg gehörte zur französische Zone, wie das damals hieß, und Kulturelles wurde, trotz oder wegen? Der herrschenden Hungersnot gefördert. Bürgermeister Wolfgang Hoffmann, auch Pianist, gab Klavierabende und trug so wesentlich zur Rückkehr in ein soziales Leben bei. Kultur ließ Not für kurze Zeit vergessen und tröstete über den (physischen) Hunger hinweg, das war auch vorher im Kriege schon so.

Anhand dieser Bilder, und zusätzlich mit einer umfangreichen Fotoserie in Schwarzweiß, die das alte Freiburg vor und nach der Zerstörung zeigten, führte uns der Museumsleiter zurück in die schreckliche Zeit. Da wir ja beinahe alle (denke ich mal) aus „vor dieser Zeit“ stammen, die meisten noch vor dem Kriege geboren wurden, hat sicherlich der Eine oder Andere gestaunt, wie dehnbar doch Zeit sein, oder sich anfühlen, kann: Für Verliebte manchmal bis ins unerträgliche, für uns jedoch teilweise gefühlsmäßig so geschrumpft, als sei das alles erst vor kurzem geschehen, nicht vor schon etwa 65 Jahren, jedenfalls geht es mir ungefähr so.

Nun wurden diese Bilder der Erinnerung vom Hochbauamt vor einigen Jahren dem Augustinermuseum überlassen und konnten zum ersten Mal ausgestellt werden. Die Fotos, sie stammten von Ruth Groß Altenhausen, noch vor 1944, dokumentieren das alte Freiburg, wie es früher einmal war, rufen Erinnerungen wach.

Längst ist Freiburg wieder aufgebaut, dennoch soll es noch immer die eine oder andere Lücke geben. Schlippe hat versucht, auch anhand dieser Bilder und Fotos, das alte Stadtbild weitgehend zu erhalten, den Aufbau geplant, liebevoll alte Gebäude, oder doch zumindest deren schöne Fassaden, wieder erstehen lassen. Das alte Kornhaus mit seiner wechselvollen Geschichte ( Tanz-, Schlacht-, Komödienhaus soll es gewesen sein), dieses einst 1498 erbaute und 1944 zerstörte Kornhaus am Münsterplatz, zum Beispiel, wurde mit rekonstruiertem Giebel 1970 fürsorglich wieder aufgebaut; ich meine, mich noch an den Aufbau zu erinnern; auch an den Bau der Gerichtslaube, einige Jahre danach, etwa 1978, früher einmal ein Ort des Reichstages und auch Tagungsort des Stadtgerichts.

Alte Bausubstanz zu restaurieren lag Josef Schlippe am Herzen, aber auch die Entfernung späterer Zutaten, vor allem des Historismus. Neo-Renecance versuchte er zu erhalten, aber auch alte Ideen von vor dem Krieg nun nachträglich zu verwirklichen; mit den Arkaden, die ersten Vorläufer vor dem Kaufhaus Blust, jetzt Kaufhof, und eben in der Kaiser-Josef-Straße, die einmal in Adolf-Hitler-Straße umbenannt gewesen war. Das Musikhaus Ruckmich, groß auf einer Wand geschrieben, erkannte ich auf einem der Bilder, also hatte es das damals auch schon gegeben, eines der alten übrig gebliebenen Geschäfte, die nun doch noch verschwanden. Hettlage habe einen Betonkörper gehabt, sei voll kommen ausgebrannt gewesen, es wurde wieder aufgebaut.

Er wurde uns erzählt von Leder Rees, Kleider Müller, von vor dem Kriege; von einem Kaufhaus Knopf, das „arisiert“ worden wäre bzw. von einem seiner Angestellten übernommen worden sein soll, später habe sich an dieser Stelle das Kaufhaus für Alle“ befunden. Ähnliche Gemeinheiten, diese zwangsweise „Arisierung“, hatte viele, vor allem Handelshäuser, getroffen. Auch Hertie „in Berlin“ hatte dieses Schicksal erlitten, auch das Wertheimhaus.

Leidvoll muss man erleben, wie auch jetzt noch ein Privatgeschäft nach dem anderen verschwindet, wenn auch aus anderen Gründen, und wo Kleider-Müller war, an dieser Ecke befindet sich nun, und noch gar nicht lange, eine Volksbank-Filiale. Nicht nur damals, in der unseligen Zeit, gingen also Privatgeschäfte verloren, es hält immer noch an, und das einstmals prächtige Freiburg wird mehr und mehr vereinheitlicht.

An dieser Kreuzung, wo sich Salzstraße und Bertholdstraße treffen, steht nun auch unser heutiger Berthold als eigentlich Ersatz für den früheren 1807 errichteten Bertholdbrunnen auf der Kaiserstraße. Mehrere Versuche habe es gegeben, an dieser Stelle wieder einen Brunnen aufzustellen und kurzzeitig habe ein achteckiger Fischbrunnen dort gestanden und an der Ecke Nussmann/Grünwälderstraße der Albertbrunnen.

Ach je, ich kann einfach meine eigene Schrift nicht mehr lesen. aber so ist das eben: Schauen, hören, schreiben, wenn man doch ungeübt ist in so etwas, und mein Gedächtnis ist auch nicht das, wie ich es gern hätte. Also mir scheint, irgendetwas bringe ich durcheinander,

Doch meine ich mich zu erinnern, dass vor dem heutigen, modernen Berthold ein anderer dort gestanden hatte, der nicht so dünn war, auch ein richtiger eckiger Brunnen, und mir insgesamt besser gefallen hatte, doch vielleicht würde er heute, zwischen die modernisierten Bauten, doch nicht mehr so recht passen.

Nein, das meiste habe ich vergessen, leider.
Nach Beendigung der Führung stiegen wir zum Schluss noch einen Stock höher, um uns das Modell des, - noch unfertigen – Münsters anzusehen, das offensichtlich in mehreren Abschnitten gebaut wurde und, meiner Erinnerung nach, über 600 Jahre hinweg. Es sah aus, als hätte man zwischen mehreren Gebäuden später Lücken ausgefüllt, ..

Auch in den Keller stiegen wir noch hinab, dort waren Plastiken von Freiburg zu besichtigen aus Zeiten, die Jahrhunderte zurückliegen, mit vielen Türmen, einem Wehrgraben um das ganze gezogen, doch gleich am Eingang rechts stand eine Statue des berühmten Freiburger Erpels, der vor einem Brand oder Luftangriff gewarnt haben soll.

Alles in allem mal wieder ein nachhaltiges Erlebnis. Danke für die Organisation, liebe Ingeborg, und hoffe, Ihr hattet noch einen schönen Abschluss, bei dem ich leider nicht dabei sein konnte.

Autor: Heupferd

Irene Sasse

Eine fröhliche Gruppe
ass dann noch Mittag im "Milano"
wo wir schnell und gut und feundlich bedient wurden.

(Storchi)

Es war schön

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