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Besuch der Münsterbauhütte

Besuch der Münsterbauhütte am 11 .11. 2008


Die FA - Gruppe trifft sich pünktlich um 10 Uhr 20 an der Pyramide vor der Neuen Münsterbauhütte und erhält letzte Instruktionen von Trudel, die allerdings am Besuch verhindert ist, uns aber der kompetenten Führung einer Kunsthistorikerin, nämlich Frau Stephanie Zumbrink, anvertraut.

Diese weist uns zunächst auf den vor uns aufragenden eingerüsteten Münsterturm hin und meint, vor einigen Jahren sei das Münster mal ganze 5 Wochen lang ohne Gerüst ausgekommen.

Schon daran sehen wir, dass es ohne Münsterbauhütte nicht geht. Übrigens, um das vorwegzunehmen: die Turmrenovierung bedient sich auch noch einer eigenen Hütte am Fuße des Turms.

Wir erfahren auch einiges zur Geschichte der Münsterbauhütte, die ja ursprünglich in der Nähe des Chores war und bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts als solche gedient hat, um seit etwa 10 Jahren als Münsterladen zu fungieren.

Die jetzige Münsterbauhütte, in deren Hof wir uns zunächst versammelten, war ursprünglich eine Kutscherei, von der noch die Mauern zum Schlossbergring zeugen. Im Innern des Hofes lagern die Sandsteinquader, die - schon im Steinbruch grob zurechtgeschnitten -, auf ihre Weiterverarbeitung warten. Heute kommen sie aus der Gegend von Lahr; anfänglich waren ja Lorettoberg, Tennenbach und die Gegend um Emmendingen die Herkunftsorte.


Im Hof steht auch eine große Steinsäge für interne Sägearbeiten.


Der Hof ist flankiert von 2 Gebäuden, die, wie der Beton zeigt, neueren Datums sind: nach Norden liegt die eigentliche Werkstatt im Erdgeschoß. Darüber befindet sich der so genannte Reißboden, wo früher die Risse angefertigt wurden und lagerten, die heute der Computer erstellt. Jetzt ist das ein Veranstaltungssaal.

Das Aufregendste an so einem Besuch der Münsterbauhütte ist natürlich, die Steinmetze bei der Arbeit zu beobachten. Das ist zwar mit einigem Lärm verbunden, der von den pressluftbetriebenen Werkzeugen und den Absaugvorrichtungen herrührt und unsere Kunsthistorikerin zum Anheben der Stimme zwingt, aber nichtsdestotrotz sehr instruktiv.

Wir kommen auch mit einigen Steinmetzen ins Gespräch, auch mit einem jungen Mann in Ausbildung, der sein erstes Münsterstück macht, und das nach alter Weise mit Eisen und Klöpfel - das ist zu Lehrzwecken 2 Jahre lang obligat- die andern arbeiten alle mit Pressluft, was zwar Kraft erspart, nicht aber Augenmaß und Schablone.

Für eine „Krabbe“, das ist ein großes stilisiertes Pflanzenteil, werden 3 bis 6 Wochen benötigt z.B. für den Helm des Hauptturms, für die zahlreichen Fialen natürlich erheblich mehr

Übrigens wird die Münsterbauhütte von einer Frau geleitet, einer Frau Yvonne Faller, und es gibt auch Steinmetzinnen; leider sehen wir heute keine.

Jetzt geht es über den Hof ins gegenüberliegende Gebäude, das den Hof nach Süden hin begrenzt, es ist darin das Museum und das Depot untergebracht. Unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen (Schirme und große Taschen ablegen!) betreten wir das Museum, wo wir die verschiedenen Arbeitsutensilien zu sehen bekommen, die ganz unterschiedlichen „Eisen“, die Klöpfel, die Greifzangen und „Wölfe“, mittels derer in alten Zeiten die Steine auf die Höhe gehievt wurden.

Auch ein „Storch“ genanntes Gerät ist aufgestellt, ein Punktiergerät, das der Kopie von Statuen dient.

Ein sehr interessantes Kapitel stellen die Gipsabgüsse dar, die vor allem 2 Männern zu verdanken sind, die zwischen 1900 und 1915 etwa 3000 (dreitausend) Exemplare anfertigten, ohne die heutzutage eine Rekonstruktion vieler Figuren gar nicht möglich wäre, so sehr hat die Steinzerstörung gerade in den letzten 100 Jahren gewirkt.

Und dann staunen wir noch die riesigen Heiligenfiguren an, die so „gebaut“ sind, dass sie beim Blick von unten natürlich wirken, aus der Nähe aber disproportional.

Und die stark angegriffene Münsterspitze inklusive Sonne und Mond ragen vor uns auf und wir erfahren, dass bereits im Jahre 1843 ein Blitzableiter installiert wurde; zuvor musste der Turm alles schlucken.


Nachzutragen ist noch, dass wir auch ins Innenleben der Türme und Aufbauten schauen durften: da ist viel mit Eisen zusammengehalten, was sonst auseinander driftete. Aber von außen ist es nicht zu sehen und auch von Wasser nicht angreifbar, wie auch die Bleifugen, die zwischen die Steine gegossen wurden. Und Dübel hatte man auch schon, aus Eisen natürlich.

Ein Holzmodell für Großherzog Friedrich von Baden lässt das Münster zum Abschluss noch mal aufleuchten, dann gehen wir nach anderthalb aufschlussreichen Stunden aus dem Gebäude, in dessen Obergeschoß jene 3000 Gipsabgüsse ruhen, und wenden uns wieder der Jetztzeit zu, wohl wissend, dass gegen den Zahn der Zeit das Münster immer eine Bauhütte haben muss, ja es an ein Wunder grenzt, dass es Kriege und Schadstoffe bis heute überstanden hat. Übrigens ist der Turm in der Jahren 1910 - 1920 zuletzt umfassend restauriert worden.

Autor: Ibobibo

Ingeborg Dr.Singer-Lambert

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