Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.

Der Tourist, der durch das beschauliche Günterstal hoch zum Schauinsland fährt, wird hinter dem Ambiente der alten Villa im Toscana-Stil wohl kaum ein Kloster vermuten.

Deshalb war es schön, dass Margit uns (20 FA-Mitgliedern) einen ausführlichen Einblick ins klösterliche Leben der Benediktinerinnen verschaffte, die heute dort leben.

Kloster Lioba
- Einige besonders Sportliche waren per Velo gekommen! -
Kloster Lioba
- Über die e-bikes wurde ordentlich gefachsimpelt -

Die Führung begann im klösterlichen Kräutergarten durch Schwester Guda.

Ihr Name stammt von der Dienerin der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Der Garten selber atmet den Geist von Hildegard von Bingen, eine Mischung aus kirchlicher Legende und altem Heilwissen. Der Garten ist vorwiegend auf Magen-und-Darmkrankheiten ausgerichtet.

Hier werden die Pflanzen nicht streng nach den Wünschen der Menschen zusammengesetzt, sondern jede darf dort wachsen, wo sie sich ansiedeln will. So hat der Kräutergarten seinen ganz eigenen Charme bzw. so heiter stelle ich mir Gottes Garten vor.

- Jedes Kraut riecht anders! -

Strenger wird es beim Betreten des Klosters. Licht durchflutet empfängt uns die Klosterpforte, behutsam wurde sie dem alten Baustil einer Toscana-Villa angepasst und ist dennoch modern gestaltet.

Hier empfing uns Schwester Edith, ein wahrer Edelstein für die christliche Gemeinschaft der Benediktinerinnen.

Ihre Ausbildung als Musikerin und Kantorin verbindet sie souverän mit dem *Management* eines modernen Klosters:

Man bleibt weltoffen, nimmt Anteil am politischen und gesellschaftlichen Geschehen - und handelt frei nach den Regeln des Heiligen Benedikts: Bete, arbeite und gebe denen ein Obdach, die in Not sind.


Kloster Lioba
- Psalter -

Heute sind es einige Flüchtlingsfamilien aus anderen Ländern, wie z.B. Syrien. Keine leichte Aufgabe für die Schwestern, die inzwischen alt geworden sind und immer noch, getreu ihrer Berufung, Menschen in Not helfen wollen.

Kloster Lioba
- für Flüchtlinge dienen Kinderbücher zum Erlernen der deutschen Sprache -

Zurück zum Ursprung des Klosters:

Ursprünglich war das Gebäude die Villa des Oberamtsrichters August Wohlgemut und seiner Gattin, die aus der Familie des Seidenfabrikanten Mez stammt. Beide wünschten sich eine Villa im Toscana-Stil aus der Zeit von 1400, eine Moderichtung der damaligen Zeit, die auf alte Baustile zurückgriff: Den Historismus.

Weil der Bruder des Erbauers, Wilhelm Wohlgemut akademischer Maler aus München war und sein Freund, der Architekt Seitz, die Idee ebenfalls gern aufgriff, entstand im kleinen Schwarzwaldtal ein *Hauch von Toscana*, ein Kleinod, an dem leider viele Touristen vorbei fahren.

Ein künstlerisches Kleinod der Villa verschwand schon früh Einzug beim der Benediktinerinnen: Die wunderbaren Fresken des Malers Wohlgemut wurden im Atrium unter einer grauen Schutzschicht verborgen, ein Wunsch, der von den Schwestern ausging, da sie diesen Raum als großen Andachtsraum für ihre innere Einkehr nutzten.

*Gott ist in der Mitte - der Raum ist in der Mitte* nichts darf vom Inneren ablenken denn Andacht ist *Ein Weg um nach innen gehen* …. So wird es von den Schwestern heute empfunden und deshalb bleiben die heiteren, farbigen Fresken weiterhin im strengen Grau verborgen.

Zur Historie dieser klösterlichen Gemeinschaft: Durch die Weltwirtschaftskrise verlor die Familie Wohlgemut ihr Vermögen, die Villa stand danach lange zum Verkauf.

Kloster Lioba
- Die Decken der Innenräume -

Nach dem letzten Weltkrieg litten viele Freiburger große Not, viele Häuser waren zerstört, es fehlte an allem, vor allem Frauen und Kinder litten sehr und waren auf Hilfe angewiesen.

Deshalb fasste Maria Föhrenbach, der damaligen Leiterin der Diakonie, den Entschluss, eine Gemeinschaft von Frauen für Frauen in Not zu gründen, nur wusste sie noch nicht, in welcher Form das sein würde und an welchem Ort.

Den *inneren Ruf* bekam sie am Dreikönigstag: Getreu den Regeln des Heiligen Benedikts, konnte sie nun ihr Projekt entwickeln.

Die Kirche war bereit, die Villa samt großen Grundstück zu erwerben und so begann Maria Föhrenbach Frauen zu gewinnen, die bereit waren, mit ihr einen neunen Benediktiner Orden für Frauen zu gründen:

„Die Welt braucht Menschen, die für sie beten und Menschen, die aktiv für Menschen in Not arbeiten wollen…,“ sagte Schwester Edith während sie uns in weitere Räume des Klosters führte, die immer noch den Geist ihres Erbauers spüren lassen, Eleganz, Gediegenheit, Kunstwerke aus der Zeit des Erbauers, ein handgefertigter Kachelofen mit Adam und Eva als Reliefs, heiter, sinnlich, wie man sich damals die Toscana vorstellte.

Bevor wir gehen, berichtet uns Schwester Edith noch von den neuen Projekten, die gerade erst fertig wurden:

Da die Benediktinerinnen inzwischen alle alt geworden sind, wurde für sie eine moderne Pflegestation eingebaut, damit sie im Kloster sterben können.

Ein wunderbarer, kleiner Andachtsraum wurde neu geschaffen:

Schwebend im Weiß der Wände…., ein gelbes Glasfenster als Kreuz,… der Altar ein schlichter, goldpolierter Schrein an der Wand….. meint man in lichte Sphären empor zu steigen, ein Ort der Stille, der Weite und Geborgenheit zugleich… auch so kann Strenge innere Einkehr vermitteln.

Schwester Edith lächelt: „Eins können wir besonders gut: Sterben und Feste feiern….“

Dass wir danach besonders beschwingt ins kleine Günterstaler Cafè gehen, muss ich wohl nicht groß erwähnen...

Kloster Lioba
- Amazonia/Renate, die für uns diesen einfühlsamen Bericht geschrieben hat -

- Links auf dem Foto: Wolf Dieter, der einen Großteil der Bilder fotografiert hat -

Außerdem Fotos: anmargi/Margit

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (15 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


18 16 Artikel kommentieren