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Besuch im Tango- und Bandoneon-Museum
in Staufen am Sonntag, den 23. November 2014

An diesem teils nebligen, teils sonnigen November-Sonntag trafen sich 24 an Tanz und Instrumenten interessierte Feierabendler vor dem Kapuzinerhof in Staufen, wo das Museum nach langen Jahren des Suchens am 12. Juni dieses Jahres eröffnet worden war. Schon im Hof begrüßte uns Herr Axel Steinhart, der Museumgründer und „Führer“ durch die Ausstellung in Begleitung seines „Assistenten“, Herrn Jacobs, der besonders dem Tango verbunden ist.

Nun wollte der Zufall, dass gerade eine Tango-Session zu Ende ging und wir infolgedessen in den Genuss einer Vorführung durch das Ehepaar Disch kamen, die den Tango Argentino mit beherrschter Mimik und pirouettenartigen Schritten aufs Parkett legten. Reicher Beifall dankte es dem Paar.

Nun kam Herr Steinhart zu Wort, dem man schon gleich die Begeisterung ansah, mit der er seinen und seines Vaters Lebenstraum erfüllt hatte. Seine Ausführungen lassen sich im Wesentlichen in drei Themen zusammenfassen:

1. Geschichte und Entwicklung des Bandoneons, das übrigens auch als Bandonion bezeichnet wird, je nach Sprache.

2. Geschichte und Entwicklung des Tangos, wobei der neuen argentinischen Variante eine besondere Bedeutung zukommt,


3. Geschichte und Aufbau der Bandoneon-Sammlung.

Zum 1. Punkt ist zu sagen, dass schon vor ca. 3000 Jahren in China eine Form der Tonerzeugung bekannt war, die den Gebrauch von im Luftstrom schwingenden Metallzungen zur Grundlage hatte, nur dass dabei aus einem kugelförmigen Zentrum Flötenfortsätze ragten.

Diese Methode war jedoch offensichtlich nicht nach Europa gedrungen, so dass gewissermaßen eine zweite Erfindung nötig wurde, die so um 1820 herum zu einem Instrument führte, welches zwischen 2 Holzteilen mit Knöpfen einen Balg hatte. Nun gab es wechseltönige und gleichtönige Ausführungen, d.h. beim Auseinanderziehen des Balges entsteht ein anderer Ton als beim Zusammendrücken – oder eben derselbe.

Natürlich wetteiferten die Instrumentenbauer der verschiedenen Nationen um das beste und schönste Modell, und Herr Steinhart sagte nicht ohne Schmunzeln, dass die Deutschen dem sechseckigen englischen Modell ein quadratisches (Originalton: „praktisch quadratisch“) entgegensetzten.

Der Name Bandoneon kommt von einem Manne namens Band, der aber das Instrument nicht selbst baute, sondern dies Friedrich Zimmermann überließ, der in Carlsfeld im Erzgebirge die Fabrikation betrieb.

Viele bisher unbekannte Namen schwirren uns um die Ohren, aber einer darf noch erwähnt werden: Alfred Arnold, dessen Fabrik auch Export nach Argentinien betrieb, wir befinden uns bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Übrigens gab es auch Varianten des Instrumentes, die auch klangvolle Namen wie Concertina oder Sinfonietta führen, aber das ist was für Spezialisten.

Das Bandoneon geriet in den Kriegswirren fast in Vergessenheit, was auch mit dem Produktionsort Carlsberg zu tun hat, der im „Osten“ liegt.

Heutzutage werden wieder Bandoneons hergestellt, aber die seien sehr teuer und kämen im Klang nicht an die alten ran, wie Herr Steinhart ausführt.

Zu Punkt 2 lässt sich sagen, dass der Tango seine Wurzeln in Buenos Aires hat, wo das eng zusammengepferchte Gemisch aus Einwanderern verschiedener Nationen gewissermaßen in einem Schmelztiegel Elemente der Volksmusik aus Südeuropa mit ortsansässigen Rhythmen verknüpfte. Der Rücktransfer nach Europa stieß nicht immer auf Wohlwollen, Körperhaltung und Gebärden schienen der bürgerlichen Gesellschaft derart anrüchig, dass Papst Pius X den Tanz indizierte. Nichtsdestotrotz war 1920 die große Zeit des Tangos, wo auch die Tango-Orchester nur so aus dem Boden sprossen.

Aber auch dieses Hoch war – nicht nur des Krieges wegen – von einem Tief gefolgt; vielmehr war in den USA das Rock´n‘Roll-Fieber ausgebrochen, dem auch die Südamerikaner fast erlegen wären, hätte nicht der geniale und mit allen Stilen vertraute Astor Piazzolla den Tango Nuevo aus der Taufe gehoben, ein Gemisch aus Tanzmusik und klassischen Elementen. Was wir ja als Aperitif geboten bekamen.

Zu Punkt 3 gibt es die rührende Geschichte des Vaters Konrad Steinhart, der als Schuster nicht (nur) bei seinem Leisten blieb, sondern von einer Schellack-Platte mit Bandoneon-Musik so fasziniert war, dass er selbst ein solches Instrument erwarb, und zwar von einem französischen Soldaten für 50 Mark.

Er lernte auch mit dem Instrument umzugehen, war aber mit dem Klang nicht zufrieden – und so entwickelte sich die Suche und Sucht nach allem, was Bandoneon und Tango und Argentinien hieß: Instrumente, Platten, Plakate, Staatssymbole etc.

Waren es in den 1970ger Jahren noch 5 – 6 Bandoneons eines Freudenstädter Virtuosen, die er erwarb, so haben wir jetzt einen großen Raum voller Instrumente, deren Gestalt und Verzierung auch auf die Zeit der Entstehung hinweisen, worauf schon Sohn Axel in seiner Schulzeit hingewiesen hatte, nach dem kunstgeschichtlichen Exkurs ins Biedermeier.

Soviel dazu. Wir hatten viele Fragen, die alle ausführlich und mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft beantwortet wurden. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass der Sohn das Hobby des Vaters übernimmt und weiterentwickelt – wie hätte sich wohl Vater Konrad über das Museum gefreut!

Jahrelang ging die Suche nach geeigneten Räumen, und Axel Steinhart lässt dankbar durchblicken, dass es ohne die Mithilfe der Gemeinde Staufen nicht gegangen wäre.

Fotos von Anmargi

Autor: Ibobibo

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