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Kuschelig ist es, das niedliche Narren-Museum in Kenzingen. In einem alten Privathaus, auf drei Etagen verteilt, zuzüglich Keller. Liebevoll zusammengetragen, lebendig aufgestellt, dekoriert mit allerlei Zutaten, ohne welche die Kostüme nicht vollständig wären, die zur Geschichte dazu gehören.

Optimistisch hatte sich unsere Feierabendgruppe Freiburg aufgemacht nach Kenzingen, wo in der „Alten Schulstraße 20 das Mekka aller Narren“ liegen soll; Tettane sei Dank, die uns diesen erlebnisreichen Besuch organisiert hatte. Dazu trafen wir uns, wie immer, in der Bahnhofshalle in Freiburg. Die Reise hat sich gelohnt, wir waren alle angenehm überrascht: Von der Vielfalt (es sollen ca. 300 Häs(Träger) ausgestellt sein), der liebevollen Art der Darstellung, auf im Grunde engstem Raum. Ein altes Wohnhaus beherbergt diese interessante Ausstellung, und wie es schien, fehlte da nichts.

Unsere Museumsführerin, Frau Gertrud Zier, wusste sehr anschaulich zu berichten von den Anlässen, wann zuerst, und wie und weshalb sie entstanden sind; die einzelnen beruflichen Vereinigungen, Zünfte, Vereine, Gilden, Klicken.

Wusste zu erzählen von den in ansprechenden Gruppen aufgestellten Figuren mit allem was dazu gehört: Mit ururalten, hohen „Kinderchaisen“ für den (vielleicht) späteren „Narresome“, (die Kinder) die ja manchmal auch mit dabei sind.

Sie erklärte die kunstvoll geschnitzten Masken, die verschiedenen „Neckwedel“, also wenn ich das richtig verstanden habe, alles, was in den Händen mit herumgetragen wird und irgendwas haben beinahe die allermeisten Narren alle in den Händen: Seien es allerlei geschnitzte Holz(narren)puppen oder Ähnliches im Armformat, besetzt mit Schellen, oder auch als Knuten, in allen Variationen, Sensen (aus Holz), Feuergabeln, (Gruben)Lampen, der Silberklopfer aus Bleibach den Silberhammer, der Schergässler aus Reichenbach bei Lahr eine Schere, aber auch die gefürchteten Narrenscheren, die sich weit über die Köpfe der Besucher hin öffnen lassen, die „Saublodere“, angebunden an langen Peitschen, und manchem um den Kopf gehauen, falls die Peitschen nicht einfach zum Knallen benutzt werden; lärmende Kuhglocken oder Rätschen, um mit Getöse „den Winter auszutreiben oder die bösen Geister“, „Glottertäler Tribel“ führen Trauben aus Glocken mit sich herum, auch so ein Lärminstrument, viele der Hästräger tragen Narrenschellen, größere oder kleinere, ganze Ketten, um den Leib gebunden, damit es bei jedem Hüpfer, jedem Sprung laut klingelt.

Unsere Führerin erklärte, was die verschiedenen Häs versinnbildlichen sollen, sprach anschaulich davon, weshalb Fasnet, Fasent, Fassenacht wie das hier in unserem alemannischen Raum heißt, begangen wird und welchen Ursprung sie hat, wann sie „ihr Haupt erhebt“ und wie sie nach fünf Tagen ihrer „Hoch-Zeit“ verabschiedet wird, trauernd, weinend „heulend“. Mit leeren Geldbeuteln. So leer, dass sie in Freiburg in den Bächle ausgewaschen werden und die „Geldbeutelwäsche in Freiburg“ ist, so meine ich, eine extra Veranstaltung.
Aufbruch der Fasnet ist eigentlich die Nacht vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern; Für die Unverwüstlichen jedoch beginnt sie am 11.11. um 11 Uhr 11, weil es eine so närrische Zahl ist: Mit Tanz, mit gemeinsam Essen und Heiterkeit, ehe die lange Zeit des Fastens beginnt, bis zu Christi Auferstehung, die Fasnacht ist katholischen Ursprungs.

Jedes der fantasievollen Kostüme und ihrer Masken versinnbildlicht eine der in der Region häufig vorkommende Tätigkeit oder resultiert auch aus Vorkommnissen; z.B. die Trauben–Gesichter des Triebel aus Glottertal, mit rundlichen Ausformungen, Wangen, Nase und Kinn, vom Maskenschnitzer den Beeren nachgeformt, mit weinseligem Gesichtausdruck, angetan mit einem Flecklehäs, dem herbstbunten Weinlaub nachempfunden, oder auch den holzigen Weinstock, da gibt es einige verschiedene Darstellungen schließlich leben wir in einem guten Weinland, und hier mittendrin, mit vielen wunderbaren Weinen, und manchmal eben auch.... Folgen: Anzuschauen, wie ein auf einem leeren Weinfest sitzender, selig lächelnder Narr demonstrierte.

Beindruckend die Elzacher Schuttig, mit ihren dreieckigen, aus Schneckenhäuschen geformten großen Hüten, an jeder Ecke eine rote Bommel, martialisch anzuschauende Masken, immer schweigend, höchsten bedrohlich brummend und auch ein wenig gefürchtet. Vor langer Zeit erlebte ich einmal mit, wie einer dieser „Kerle“ einen unserer Begleiter seinerzeit, schweigend, mit der Stuhllehne umkippte und weit unter den Tisch schob. Keiner sagte ein Wort, auch unser „Geschobener“ nicht, und die Schuttig sowieso nicht. Eine andere Geschichte fällt mir ein, die einmalig sein dürfte, nämlich: Dass ein nach der üblichen Zeit geborenes Kind (war es ein Mädchen?) dreißig fiktive Väter hatte (!) weil eine ganze Zunft von 30 Mann „mannhaft“ zusammen hielt und den Urheber lebenslänglich niemals verriet. Eisern trugen sie die Schande gemeinsam, so etwas durfte einfach nicht vorkommen. Die Mutter konnte es (auch nicht) wissen: Gesprochen wurde ja nicht und Masken, so erfuhren wir, dürfen erst ab Mitternacht abgenommen werden. Doch dies ist schon etliche Jahre her, drei oder mehr Jahrzehnte mindestens dürften es wohl sein. - In den Gegenden, wo es viele Weinbergschnecken gibt, sind verschiedene Schneckenzünfte entstanden und werden natürlich auch Schneckenfeste gefeiert.

Wir standen und staunten und hörten zu und wussten kaum, wo zuerst hinschauen.
Da gibt es Feuernarren, Feuerteufel mit einer dreizinkigen Feuergabel bewaffnet aus Kollnau, am Kohlenbachtal, zurückgehend auf Köhler, auf Schmelzöfen, schließlich gab es auch einmal Silberbergwerke in unserem Ländle.

Schindele-Jockel, Schnefler, Schniidesel aus dem Glottertal, aus Bernau, bedeckt mit Umhängen und Westen aus Holzschindeln, hinweisend auf wichtige Winterarbeiten mit dem Ziehmesser: Holzrechen, Löffel, Bohnenstecken und anderes Hölzernes wird im Winter hergestellt, vor allem aber Schindeln, um die Dächer einzudecken und vielleicht auch die Wände zu verkleiden. Schindele machen ist eine Kunst; nicht aus jedem Holz können sie gemacht werden; wenn sie lange halten sollen, dürfen nur in einer Maserrichtung bearbeitet sein, und nur aus Bäumen, die zu einer bestimmten Zeit gefällt wurden. Wenn alles richtig eingehalten wird, halten die Schwarzwaldschindeln ewig und brennen auch nicht so leicht. Ob man diese Arbeit im Schniiderli-Hof noch besichtigen kann?
Die Lahrer Korkenzieher tragen Capes aus vielen Korken und auch einen riesigen Korkenzieher mit sich herum, hinweisend auf die vielen Weinflaschen, die geöffnet werden im Laufe eines Lebens. Mit echten Korken dürfte es künftig auch schwieriger werden.

Krutstorze aus Gottenheim sah man, mit Kohlblattmaske, eine der jüngeren Zünfte, etwas über 50 Jahre, angeblich aus der Kritik der Käufer entstanden, weil die Krautköpfe zu klein und der „Storze“ zu dick gewesen seien. Kleebolle aus Windschläg, die Blätter vierblättrig, (die Häsfleckchen) mit roten Bollenblütenmützen, Buhneschäfe, das sind Bohnenschoten, aus Zunsweier, Rämässer aus Ringlsheim (Rebenmesser) Auch dieses Instrument ein „Neckwedel“, grün mit gelbbraunen Rebenlaublättern und braunen Holzmasken bekleidete Figuren.

Eine wundervolle Nordracher Eule mit echten Federn, die ganz bestimmt keinen Regen vertragen dürfte, doch auch die Degerfelder Eulen, wieder anders anzusehen, etwas wettertauglicher, mit schönen Eulenmasken, Breisacher Gaukler mit der Hörnermaske, etwa 500 Jahre alt, dem bunten, sehr aufwändigen Flecklehäs, zu Anlässen von Kaiser und Königen und Fürsten durften sie ja früher nicht fehlen.
Biber aus Biberach, zurückgehend auf Heinrich Hansjakob, der wissen wollte, wie der Biber in das Biberacher Wappen kam;
Und weil es so viele Schnaken gibt am Rhein, entstand die Zunft der Rhiischnooge inNeuenburg, angeblich etwa achthundert Jahre alt, so alt wie die Stadt. Auf den lustigen Narren Gruß: „Schnoog-Schnoog“ wird mit „Quack-Quack“ geantwortet.

Geißenmeckerer aus Schonach mit gewaltiger Hörnermaske; sah man, Fledermäuse aus Steinen, 1788 bereits urkundlich erwähnt.

Sogar den Tod, ganz schwarz, mit weißen Punkten, Schnee symbolisierend, und einem abgestorbenen Ast in den Händen, auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisend.

Baumfrefler aus Maulburg; Die Elzacher Wellebengel nicht zu vergessen, -„Welle“ sind Reisigbüschel aus dem Wald, gern genommen um die Backöfen aufzuheizen, vor dem Brotbacken, und natürlich, die Offenburger Hexen, die bekanntesten, aber auch die Villinger Hexen und viele andere, die auf ihrem Reisigbesen durch die Lüfte reiten. (Wie man so sagt).
Die vielen Bächle in Freiburg, einst angelegt, um die Stadt zu klimatisieren, müssen auch heute noch sauber gehalten werden, vom Bächleputzer, doch davon gab es nur noch eine Maske, kein Kostüm mehr, das ist, wie wir erfuhren, im Freiburger Narrenmuseum. Von den vielen Freiburger Narren war auch sonst nichts zu sehen. Endinger Jokili, so hörten wir, haben angeblich einen italienischen Ursprung.

Es wurde aufmerksam gemacht auf die Nasen der Welschkorngeister, die einem Maiskolben nachgeformt sind, ähnliches gibt es auch in anderen Kostümen; Und Schnurrewiibli, gibt es, die einem „den Mund stopfen“ und......
Nein, natürlich kann man nicht alle aufzählen.
Insgesamt etwa 300 Figuren sollen versammelt sein, im Kenzinger Narrenmuseum, viele mit einer 150-jährigen oder auch noch sehr viel älteren Geschichte, entstanden aus (eben alten) Zünften oder auch anderen Anlässen.


Zur Aufnahme in die Zunft ist die „Narrentaufe“ wichtig; sie wird durch das Schlagen mit der „Saublodere in einen Brunnen und mit dem“ Bespritzen des Täuflings“ vollzogen. Erst die Narrentaufe berechtigt, das Zunftkostüm tragen zu dürfen, wurde uns erzählt. Erst damit wird der Eintritt in die Klicke besiegelt. Danach sollte das Mitglied die elf Narrengebote einhalten und natürlich Regeln beachten
Übrigens waren in früheren Zeiten auch alle weiblichen Gestalten in erster Linie, namentlich die Hexen – Männer! Ob daher das Gebot kam, nicht „unter die Röcke“ zu schauen? Frauen jedenfalls trugen früher kein Häs, das kam erst später.

Das Flecklehäs, eine sehr aufwendige Angelegenheit, sowohl finanziell als arbeitsmäßig, ist auch von Gewicht her nicht leicht. Viele, viele kleine Stoffstückchen müssen, ziegelartig, neben- und aufeinander genäht werden. Ich meine, in früheren Zeiten musst der Hästräger dies selbst bewerkstelligen, aber sicher bin ich mir nicht so sehr. Es erhob sich auch die Frage, ob heute noch eine Ident-Marke in das Häs eingenäht würde, zur Erkennung des jeweiligen Trägers.

Neben dem wundervollen, liebevoll entworfenen Häs gehört vor allem die kunstvoll geschnitzte Maske aus Holz dazu: Genau passend auf das Gesicht des jeweiligen Trägers, hinter dem sich der Fasnachter versteckt, obwohl in früheren Zeiten - angeblich immer auch ein leiser Anklang des Besitzers in den geschnitzten Zügen Eingang fand, allerdings nur für Kenner herauszulesen war; sie war immer etwas einmaliges, ganz persönliches, die Holzmaske.
Masken erlauben es dem Träger, aus sich heraus zu gehen, mal „jemand anders“ zu sein, vielleicht wahrhaftiger, oder heute auch „enthemmter“? Jedenfalls ist für einen „echten Narren“ die „fünfte Jahreszeit“, die wichtigste Zeit des Jahres. Freude haben und Freude schenken, das ist ein Anliegen der Fasnachtklicken.

Auf einem Aushang, überschrieben: Die Welt der Maske, war u.a. zu lesen.Durch das „in ein anderes Wesen schlüpfen“ wollte der Mensch für sich und oft auch für andere die Kraft Dritter gewinnen...Er begann...sein Gesicht zu verkleiden...Die Gesichtsmaske hat, in allen Kulturen, die größte Bedeutung, das den Körper bedeckende Maskenkleid konnte seine Funktion nur gemeinsam mit der Gesichtsmaske erfüllen.
Die Fasnacht ist katholischen Ursprungs. Und wann beginnt sie? Am schmotzige Dunnschtig, mit dem Setzen des Narrenbaums, mit einem Hemdglonkerumzug, abends wenn alles dunkel ist, in langen weißen Nachthemden, mit Nachtmützen auf dem Kopf, bewaffnet mit Fackeln und langen Peitschen und eben der Saublodere daran, sofern vorhanden. Das war früher auf den Dörfern nicht schwierig, wenn vorher ein Schwein geschlachtet worden war. Am Fasnetzischdig, wird sie wieder begraben, die Fasnacht, in Freiburg als „Ignaz Fasnet“ verbrannt auf einem Scheiterhaufen, eben mit lautem Trauergeheule.

Und am Aschermittwoch, wenn alles vor bei ist, streut der Pfarrer in der Kirche den Gläubigen Asche auf das Haupt als Merkmal, dass das Leben nicht ewig währt.
Die eigentlich viele hundert Jahre alte Fasnet, in der „unseligen Zeit“ verboten, ist, - etwa 1950, mit Macht wieder auferstanden, und viele neue „Zünfte“ sind seither auch entstanden.

Fast hätte ich vergessen, dass, nach wieder einmal einem schönen Erlebnis, diesmal dank Anne-Grete, ein gemütlicher Ausklang natürlich trotzdem nicht fehlen durfte, bei einem gemeinsamen Essen im Hotel Beller, ehe wir, der Schneeflocken halber auf einen Spaziergang durch das Städtchen verzichtend, zum Bahnhof wandelten, um die Heimreise anzutreten.

NACHTRAG:
Es war übrigens mein Mann, der als Fasnetrufer mit lautem Rätschengetöse und Schellengeklingel durch die Gänge der Ämter raste; im Narrensprung, versteht sich, die Türen der Amtstuben aufriss und laut: „narriiii“ brüllte (und brüllen konnte er gut) sämtliche Arbeitsmoral zunichte machte und dafür sorgte, dass es Fasnetferien gab, auch an den Schulen (in den Ämtern mindestens am Rosenmontag) - Ach ja, das waren noch Zeiten.....
Die „fünfte Jahreszeit“ sie war schließlich die Wichtigste; danach, nach der ausgelassenen Zeit, konnte man sich um so mehr in die Arbeit stürzen......


Autor: Heupferd

Irene Sasse

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