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Besuch im Museum für ehemals Großherzoglich Badische Schulen in Badenweiler.

Um es vorweg zu nehmen, es war ein vergnüglicher, kurzweiliger Nachmittag in Badenweiler.
Ich glaube, er hat allen gefallen.

Nun aber der Reihe nach:

Die meisten Teilnehmer reisten mit Bahn und Bus an und so gab es schon im Bahnhof und dann im Zug ein fröhliches Hallo. Wie immer hatten sich alle viel zu erzählen und daher verging die Bahnfahrt wie im Flug. Am Bahnhof in Müllheim erwartete uns Gretl, der Bus wartete auch schon auf uns und war sehr voll. Einige freundliche junge Leute boten uns aber ihre Plätze an und so kamen wir alle gut nach Badenweiler – leider etwas verspätet und so mussten wir uns sputen.

Das Museum fanden wir im alten Gärtnerhaus direkt hinter dem Kurhaus, wo uns der Museumsdirektor, Herr Schneider, schon erwartete.

Dann zwängten wir uns in der eigentlichen Schulstube in die engen Bänke.

In Zell-Weierbach bei Offenburg gibt es ein gleiches Museum – nur größer. In Badenweiler befindet sich quasi ein Ableger. Beide Museen werden von Herrn Schneider und seiner Frau geleitet.
Das Badenweiler Museum trägt den Namen "Großherzogin Hilda von Baden Schule“. Diese Dame hat bis zu ihrem Tod 1952 in Badenweiler gewohnt.

Dann verschwand Herr Schneider kurzzeitig um als gestrenger Herr Lehrer in die Klasse zurückzukommen.

Zunächst hieß es aufstehen und den Herrn geziemend begrüßen. Danach sprach er ein Gebet und wir mussten anschließend „Großer Gott wir loben Dich“ singen und weil es beim ersten Mal zu leise war gleich ein zweites Mal.

Schon beim Singen war ihm Hanspeter durch sein unverschämtes Grinsen aufgefallen.

Es bekam die Eselskappe auf und musste sich auf die Eselsbank setzen.
Dann kam die Sauberkeitskontrolle: Wir mussten die Hände vorzeigen, der Herr Lehrer schaute einigen in und hinter die Ohren und schaute auch nach, ob sich vielleicht auf einigen Köpfen Läuse tummelten. (Daran kann ich mich auch noch aus meiner „Volksschulzeit“ erinnern).

Dann spielte er ein frommes Kirchenlied auf dem Klavier, hatte uns dabei aber immer im Blick, denn er schaute dabei in einen Spiegel.

Waldy, die beim Rechnen mit den 10 Fingern versagte, musste vortreten und bekam einen Schlag mit dem Rohrstock auf die Hände und weil er ihr nicht weh getan hatte gleich noch einen zweiten.
Trudel hingegen, die eine gute Antwort gegeben hatte und sehr brav in ihrer Bank saß, bekam ein Fließbildchen mit dem Heiligen Bernhard. (Auch die gab es noch während meiner „Volksschulzeit“)

Am Ende der Schulstunde mussten wir die erste Strophe des Badener Liedes singen und ein dreifaches Hoch auf den Großherzog ausrufen, der aus einem Bild an der Wand auf uns herabschaute.

Danach konnten wir uns noch in der Schulstube umsehen.

In einer Ecke befand sich hinter Vorhängen das Bett des Hilfslehrers. Er schlief hier zu jeder Jahreszeit und hatte es also auch im Winter warm.

Dass die Sütterlinschrift von einem jüdischen Mitbürger gleichen Namens aus Lahr erfunden wurde und nach 1936 im Deutschen Reich nicht mehr gebraucht werden durfte, habe ich auch erst hier erfahren.
Die Junglehrer waren in der Regel Bauernsöhne aus dem Dorf, die wegen schmächtiger Gestalt oder eines Gebrechens zur Arbeit im Hof und auf dem Feld nicht taugten. Einzige Voraussetzung: Sie mussten eine gute Singstimme haben und ein Instrument spielen. Die Lehrer spielten ja auch die Orgel in der Kirche und leiteten oft auch den Kirchenchor. Einige Wochen schauten sie dann dem Lehrer im Nachbardorf bei seiner Arbeit zu. Das war ihre ganze Ausbildung. Zurückgekehrt in ihr Dorf, mussten sie dann darauf hoffen, dass der derzeitige Lehrer bald das Zeitliche segnete und nicht selten übernahmen sie nicht nur seinen Arbeitsplatz sondern seine meist jüngere Witwe mit dazu. Das war für die Gemeinde sehr praktisch, sparte sie so doch das Witwengeld.
Das Gehalt eines Dorfschullehrers war sehr gering und er war auf die milden Gaben der Eltern seiner Zöglinge angewiesen. Ein Spruch aus der damaligen Zeit lautet: „Speck und Eier machen Einser und Zweier“.

Im Lied vom armen Dorfschulmeisterlein wird so ein Leben ziemlich treffend beschrieben. Hier zwei Links dazu: www.volksliederarchiv.de/text766.html und http://ingeb.org/Lieder/willstwi.html

Das erste Lied ist eine Nachdichtung aus dem 19. Jahrhundert, das zweite die Originalfassung aus dem 18. Jahrhundert.

Zum Schluss unseres Museumsbesuchs gab es noch eine Überraschung:
Wir wurden zu einem Glas Wein in die Verkaufsstelle mit Probierstube der Winzergenossenschaft Britzingen eingeladen.

Der Weg dorthin war nicht weit und dort angekommen ließen sich die meisten den Gutedel schmecken, den uns ein sehr freundlicher Mitarbeiter der Winzergenossenschaft einschenkte.

Das Flaschenetikett zeigte den Lehrer Lämpel aus den Max und Moritz-Geschichten von Wilhelm Busch. Es wurde von Herrn Schneider entworfen. Jetzt gibt es also einen Lehrer-Lämpel-Wein aus Britzingen.

Nun wurde es aber Zeit für ein Eis oder einen Kaffee. Einige, die Badenweiler noch nicht kannten, zogen jedoch einen Spaziergang im schönen Kurpark vor.

Wir anderen saßen bald im Café Gehrwig, vor uns Eisbecher von beträchtlicher Größe, Kaffee und Zwetchgenkuchen oder was es sonst noch an Leckereien gab. Ein schöner Ausklang eines gelungenen Nachmittags.

An der Bushaltestelle trafen sich die Nutzer des ÖPNV wieder. Die Rückfahrt verlief genauso unproblematisch wie die Hinfahrt und ich denke, alle sind wieder gut daheim gelandet.

Auf der Rückfahrt haben wir einmal mehr festgestellt: Wir haben Glück im wunderbaren Südbaden leben zu dürfen und wir sollten froh und dankbar dafür sein.

Bilder von Zahnrad / Erwin

Autor: Tettane

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