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Ausflug nach Staufen zur Firma Schladerer am 11.03.08

Noch einige Tage vor unserem Ausflug zur Firma Schladerer nach Staufen sah es so aus, als würde er gar nicht stattfinden können: Ein Streik der Lokführer drohte. Doch obwohl er in letzter Minute abgesagt wurde, bekamen wir die Nachwehen noch zu spüren.

Als ich in Denzlingen auf den Regionalexpress von Offenburg nach Basel wartete, kam die Durchsage, dass der Zug Verspätung habe, weil er nicht rechtzeitig bereitgestellt werden konnte. Aus den angekündigten 25 Minuten wurden 30, und als ich frierend auf dem zugigen Bahnsteig stand, beschlichen mich leise Zweifel, ob wir wohl rechtzeitig in Staufen sein würden.

Diese Zweifel waren schnell verflogen, als in Freiburg die froh gelaunte Gruppe der übrigen Bahnfahrer zustieg und Trudel verkündete, dass sie uns bei der SWEG als Gruppe zur Fahrt nach Staufen angemeldet habe und der Zug in Bad Krozingen auf uns warten werde. So war es dann auch, und wir kamen wie vorgesehen pünktlich in Staufen an.

Da bis zur Besichtigung bei der Firma Schladerer noch viel Zeit war, spazierten wir ganz gemütlich durch die alte, kleine Stadt, vorbei an einem Käseladen,

aus dem es verführerisch duftete, an einem Blumengeschäft, vor dem ostereierbunte Frühlingsblumen standen, und am Gasthaus, in dem einst Dr. Faust gestorben sein soll.

Bei der Firma Schladerer angekommen, gesellten sich noch die Autofahrer zur Gruppe, aber wir waren zu früh und mussten noch warten. Das war bei dem herrschenden Wind nicht gerade angenehm. Einige besuchten schon einmal den kleinen Laden, andere standen plaudernd in Grüppchen herum.

Dann ging es endlich los. Wir wurden in den Empfangsraum eingelassen. Hier gab es gleich einiges zu bestaunen:

In einer Ecke hingen alte Gerätschaften an der Wand, an einer anderen Wand Bilder der Schladererfamilie, in einem schönen alten bemalten Bauernschrank waren die Erzeugnisse der Brennerei ausgestellt.

Zu Beginn musste zunächst der Obolus für die Führung eingesammelt werden. Diese Aufgabe wurde von Storchenmann übernommen, der das Geld in seiner Baskenmütze einsammelte. Im Eifer des Gefechts hatte jemand wohl ein Zwanzig-Centstück mit einem Zwei-Eurostück verwechselt, sodass am Ende 1,80 Euro fehlten. Aber auch das Problem wurde gelöst.

Noch während das Geld eingesammelt wurde, eilte Trudel auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass man beschlossen habe, dass ich den Bericht über diesen Ausflug verfassen solle. Mein zugegebenermaßen etwas schwacher Protest nutzte mir gar nichts, ich musste schreiben.

So sitze ich also hier und versuche meine Gedanken zu ordnen, meine Notizen auf die richtige Reihe und alles zu Papier zu bringen und hoffe, dass etwas Brauchbares dabei herauskommt. Es ist fast wie nach einem Schulausflug, wenn die Lehrerin am nächsten Tag sagte: So als Hausarbeit schreibt ihr nun, was ihr gestern erlebt habt.

Zu Beginn der Führung wurden wir durch Herrn Steinle von der Firma Schladerer begrüßt, der uns zunächst in einen anderen Raum zu einer Filmvorführung einlud. Der kurze Film zeigte uns aus der Vogelperspektive Staufen, den Stammsitz der Firma, das schöne Eggener Tal, mit blühenden Kirschbäumen, die die begehrten Kirschen für das berühmte Schwarzwälder Kirschwasser liefern

Wir erfuhren u. a., dass sich die Firma Schladerer schon seit 6 Generationen im Familienbesitz befindet, und die Firma auf die Hausbrennerei im Gasthaus Kreuz-Post in Staufen zurückgeht, in die ein Schladerer 1844 einheiratete. Außerdem wissen wir jetzt, dass es die bekannte Vierkantflasche schon seid 1932 gibt und zum Markenzeichen für Schwarzwälder Obstwässer geworden ist

Heute liefert die Firma jährlich ca. 2 Mio. von diesen Flaschen in 40 Länder der Erde (man staune, selbst die betuchten Russen sind auf den Geschmack gekommen und trinken nicht mehr nur Wodka) und macht so das Schwarzwälder Kirschwasser und das kleine Städtchen Staufen in aller Welt bekannt. Der Name “Schwarzwälder Kirschwasser” ist im Übrigen genauso geschützt wie z. B. die Bezeichnung Champagner oder Cognac, denn wo Schwarzwälder Kirschwasser drauf steht, müssen auch Schwarzwälder Kirschen drin sein.

Der anschließende Rundgang nahm im Hof beim Brunnen seinen Anfang, denn inzwischen lugte sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. Über diesen Hof rollen zur Erntezeit die Lastwagen mit den angelieferten Früchten (nur ausgesucht gute Ware, denn das ist Voraussetzung für ein gelungenes Destillat), in guten Jahren allein 1000 Tonnen Kirschen.

Wir erfuhren hier auch, das Schladerer 65 Mitarbeiter beschäftigt, von denen bei unserem Rundgang merkwürdigerweise kaum jemand zu sehen war.

Nächste Station war die Halle mit Gärtanks. Die Maische lagert hier in großen Edelstahlkesseln mit bis 250.000 l Fassungsvermögen.

Dann ging es in das nächste Lager mit Reifetanks. Ein verführerischer Duft schlug uns entgegen. Wir konnten auf den angebrachten Schildern lesen, was alles darauf wartete, zu Obstbränden und

Im der nächsten Halle lagerten die Fässer mit noch hochprozentigen Destillaten um auf Trinkstärke herabgesetzt zu werden. Wir erfuhren hier, dass auch die Destillate unterschiedlicher Jahrgänge gemischt - der Fachmann sagt vermählt - werden um ein optimales Ergebnis zu erzielen und dass nur frisches, weiches Quellwasser von den Höhen des Münstertals, das in einer eigenen Leitung zur Firma kommt, zum Verdünnen verwendet wird. Interessant war auch, dass für den Weiterverkauf an die Schokoladen- und Pralinenhersteller stärkere Brände mit 60% Alkohol hergestellt werden. Ich werde jetzt einmal darauf achten, ob ich irgendwo Pralinen oder gefüllte Schokolade mit Schladerer Kirschwasser entdecke.

Dann das Fasslager. Hier reifen in belüfteten Eschenholzfässern, die anders als Eichenholzfässer weder Aroma noch Farbe an die Destillate abgeben, die Raritäten des Hauses Schladerer: Beispielsweise ausgesuchte Kirschwässer, Birnenbrände aus Walliser Williamsbirnen, Himbeergeiste aus Himbeeren von den Karpaten oder Zibärtlebranntwein, eine ganz besondere Rarität. Er wird aus Zibarten, einer Wildpflaumenart, hergestellt. Schladerer verwendet diese Zibarten nur, wenn sie in über 600 m Höhe an den Hängen des Schwarzwalds gereift sind und mindestens einmal Frost abbekommen haben.

Dann das Herzstück der Produktion: Als erstes die Geistbrennerei mit kleinen kupfernen Brennkesseln, dann die Wasserbrennerei mit größeren. Wir erfuhren, dass die Brennmeister eine besonders gute Nase haben müssen und immer wieder an den Proben riechen “schnüffeln” und schmecken um zum richtigen Zeitpunkt Vor- und Nachlauf vom Herzlauf zu trennen. Denn nur der Herzlauf wandert in die Flasche. Alles andere geht in die Kosmetik- oder Putzmittelindustrie. Die Brennmeister müssen also ausgesuchte Fachleute sein, denn von ihrem Können hängt ganz maßgeblich das Gelingen eines Brandes ab. Im Übrigen wacht der Staat über allem: allein in diesem Brennraum sind an Kesseln und Leitungen ca. 350 Plomben angebracht.

Dann war unser Rundgang beendet. Zum Abschied gab’s ein kleines, flüssiges Präsent und wer wollte, konnte nun noch all die guten Wässer und Geiste kaufen und mit nach Hause nehmen.

Dann strebten wir dem italienischen Lokal, in dem die Mittagspause stattfinden sollte, zu; ohne jedoch zu ahnen, auf welche Geduldsprobe wir dort gestellt werden sollten. Die Getränke wurden uns noch relativ zügig gebracht.

Auf die Speisen mussten wir - zumindest an unserem Tisch - mehr als eine Stunde nach Aufgabe der Bestellung warten. Aber allen hat es anscheinend geschmeckt, nur feile bekam ein Gericht mit Knoblauch serviert, das er vehement ablehnte. Es fand aber andere hungrige Abnehmer und als erstaunlich schnell ein Teller mit Spaghetti-Bolognese vor ihm stand, war auch er zufrieden gestellt.

Als es ans Bezahlen ging, warteten wir leider auch wieder, obwohl Trudel inzwischen drängte, denn die Sonne war wieder hinter den Wolken verschwunden, und es sah nach Regen aus. Man wollte doch trockenen Fußes nach Bad Krozingen kommen.

So war es schließlich 14.30 Uhr als sich die einzelnen Gruppen trennten: die einen, um noch nach Bad Krozingen zu wandern, die anderen, um zu ihren Autos zu gehen und eine kleine Gruppe, um noch einen kurzen Spaziergang zum Bahnhof zu machen. Dort wartete der Zug schon auf uns und brachte uns - ohne dass wir in Bad Krozingen umsteigen mussten - nach Freiburg.

Wie man hört, sind die Wanderer in rekordverdächtigem Tempo nach Bad Krozingen gelaufen und haben sich anschließend im Kurhaus bei Kaffee und Kuchen von dem zügigen Marsch erholt.

Im Kurhaus-Café

Was hat uns der Tag gebracht? Wir wissen nun eine ganze Menge über die Branntweinherstellung und wie der Geist in die Flasche kommt. Wir haben uns alle noch ein bisschen besser kennen gelernt. Das war vor allem für mich wichtig, denn ich war zum ersten Mal bei einem Ausflug dabei.

Und alle denen, die demnächst ihre eingekauften Köstlichkeiten probieren möchten, sei der Rat von Herrn Steinle ans Herz gelegt: Weg mit den alten “Schnapsstamperln“, edle Brände gehören in kleine Kelchgläser, am besten mit Deckel, damit sich das Aroma der edlen Destillate voll entfalten kann und schon vor dem Trinken die Nase kitzelt.
Na dann: Wohl bekomm’s.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an Anneli und Trudel für die Organisation dieses Ausflugs.

15.03.08
Anne-Grete Meier

Autor: Tettane

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