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Gäste werden sie genannt, die Besucher in diesem besonderen Haus.

Ein Gast kommt, für ein zwei, oder zehn Tage, oder auch drei Wochen, selten länger.

Ein Gast ist ein Besucher, dann geht er wieder, nach einer Weile. In diesem Hause nach einer unbestimmten Spanne Zeit, im Schnitt nach etwa 18 Tagen, und er wird nie wieder kommen; er geht nicht zu Fuß, nicht mit dem Fahrrad, er wird getragen, er ist auf einem besonderen Weg. Bis dahin wird er ein behagliches Einzelzimmer bewohnt haben mit Dusche und Toilette, mit Telefon und auch Internet.

Traurig war das Wetter, es weinte, es war unfreundlich kalt, als die ersten Überpünktlichen einer angemeldeten Gruppe von etwa zwanzig Personen schon vor der Tür standen. Sie wurden eingelassen, zu einem großen Raum geleitet, und fanden dort einen weiten Kreis grün bezogener Stühle vor.

Bald füllte sich dieser Stuhlkreis, und später wurden auch noch andere Räume vorgestellt.

Hell und freundlich ist das Haus, bestens gepflegt und erstaunlich gut in Schuss, trotz der vergangenen zehn Jahre seit seines Bestehens. Eine heimelige, beinahe familiäre Atmosphäre strömt es aus, wie eine große Wohnung eben. Als besonders wohltuend wurde die sehr saubere Luft im Hause empfunden, ohne jegliche Gerüche, wie das sonst in Pflegeheimen oder Krankenhäusern üblich ist.

Hospiz
Gang zu den Zimmern

Nur sechs dieser Gäste, teilte Herr Debes, der Leiter dieses besonderen Hauses, mit, haben es anders verlassen, als hinausgetragen zu werden. Sechs Menschen von den 750 Besuchern in den zehn Jahren, die er nun mit diesem Hause verbunden ist, in dem er arbeitet, es leitet: Das Hospiz Karl Josef, in der Türkelouisstraße in Freiburg. Im Jahre 2001 wurde das Hospiz von einer Familie Leibinger gegründet. Hospiz heißt ursprünglich Herberge. Und schützende Herberge sollte es sein für diese besondere Art von Gästen, die sich am Ende eines langen Weges, ihres Lebensweges angekommen fühlten. Dafür hat das Haus acht Einzelzimmer, die derzeit alle belegt sind, und auch ein geräumiges Pflegebad.

Und jedes Zimmer trägt den Namen eines Berges, zum Beispiel Belchen, oder Schauinsland .....

Einen wohltuend ruhigen, abgeklärt erleichternden Eindruck machte der Mann. Mindestens dürften es die meisten von uns so empfunden haben. Fragen Sie, hatte er aufgefordert, und ruhig beantwortete Herr Debes geduldig jede Frage; und es wurde viel gefragt. Kein Wunder, sind wir doch eine besondere Gruppe, in einer besonderen Altersstufe, in der sich deshalb jeder längst um sich selbst Gedanken macht. Der Eine oder Andere hatte aus gegebenem Anlass das Hospiz schon von innen gesehen, um einen der Gäste zu besuchen, oder von einem lieben Angehörigen Abschied zu nehmen, der Gast dieses Hauses war, als letzter Station auf seinem langen, uns noch nicht bekannten Weg. Nun konnten viele Fragen gestellt werden.

Der Hospizgedanke hätte sich sehr schnell verbreitet, im ganzen Land, erzählte er, im Ausland und auch in Übersee. Ordensleute hätten im MA ursprünglich Kranke und Sterbende betreut, in den letzten Wochen ihres Lebens. Heute betreuen Palliativmediziner die Menschen. Palliativ heißt auch Linderungsmittel, kommt von Mantel; für die Schmerztherapie soll der Begriff aus dem Angelsächsischen kommen.

Ein Pallium war im Mittelalter der kaiserliche Krönungsmantel. Wie schön (den Begriff Paletot kennen sicher noch die meisten, für einen, meist Herren-, Dreiviertelmantel). Ich würde das Wort Palliativ gern als wärmend-behütend, sich aufgehoben fühlen verstehen. Das Wort Mantel, es passt gut, ein Mantel hüllt ein, schützt ....

Um hier in einem Hospiz die letzte Zeit seines Lebens zu verbringen, bedarf es der Einweisung aus einem Krankenhaus, durch eine Sozialstation. Wie war das noch mit der Warteliste? Es sei auf jeden Fall besser, einige Tage vorher anzurufen, meinte der Leiter des Hauses, oder auch immer wieder. Vor der Aufnahme erfolge jeweils erst ein Besuch bei dem Patienten zu einem persönlichen Gespräch, allein mit ihm, um seine Wünsche und Gedanken zu erfahren.

Aus einem Pflegeheim ist keine Überweisung möglich. Es ist angebracht, vor der Aufnahme in das Hospiz bei der Krankenkasse, Pflegekasse einen Antrag zu stellen wegen der Kostenübernahme. Die Pflegestufe spiele dabei keine Rolle, der Satz sei für alle gleich. Allerdings würden dem Hospiz davon 10% abgezogen, weil mit dieser Arbeit kein Geld verdient werden solle. Der Rest müsse über Spenden finanziert werden, teilte Herr Debes mit. Das Haus steht unter katholischer Trägerschaft. Das nächste Hospiz gibt es in Lörrach, auch noch anderswo, zum Beispiel im Landkreis Emmendingen, im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Acht Fachkräfte kümmern sich in Freiburg um die Betreuung und auch Ehrenamtliche, freiwillige Begleiterinnen. Eine Ausbildung ist ambulant in einer Hospizgruppe möglich, in Seminaren. Sie setzen sich ein für die Hospizidee, auch Angehörige zu betreuen, auch bis nach dem Tode; ebenso Sterbende zuhause zu besuchen, in Kliniken, in Heimen. Pflegedienste und Hausärzte sind mit eingebunden in die ambulante Zusammenarbeit, vor allem auch zu Hause. Gespräche, auch mit den Angehörigen, sind Regelleistungen, doch natürlich müssen auch Hospiz-Mitarbeiter betreut werden.

Mahlzeiten könnten, wenn dies gewünscht werde, gemeinsam eingenommen werden, wer aufstehen mag und kann. Das Essen komme aus dem Lorettokrankenhaus Freiburg. Dokumentation über die Arbeit ist Pflicht, und von Zeit zu Zeit komme unangemeldet eine Heimaufsicht.

Viele der Gäste würden die liebevoll Betreuung als Erleichterung empfinden, keine Angst und Schmerzen haben zu müssen, je nach Wunsch in Begleitung oder auch allein sterben zu dürfen. Falls erforderlich gäbe es Unterstützung durch Sauerstoff.

Angehörige haben jederzeit Zutritt zu den Gästen, Tag und Nacht. Falls gewünscht, wird in dem jeweiligen Raum ein Notbett aufgestellt. Es gibt aber auch ein extra Gastzimmer zum Übernachten. So Mancher bleibt tagelang bei seinen Lieben, bei dem Partner, ist jedoch irgendwann so erschöpft, dass er unbedingt auch mal Ruhe braucht; dafür ist dieses extra Schlafzimmer da.

Nach den ersten einführenden Worten wurde die Gruppe durch das Haus geführt. Ein großes Wohnzimmer gibt es, einen Raum der Stille, einen Besprechungsraum für Alleingespräche.

Hospiz
Raum der Stille

Gottesdienste werden gehalten für Verstorbene, für die Hilfen, das Personal. Die Motivation ist christlich, die allgemeine Seelsorge katholisch und auch evangelisch, das Haus ist aber für andere Glaubensrichtungen ebenfalls offen. Davon zeugt auch ein Bild an der Wand im Raum der Ruhe, welches gestiftet wurde, und in dem man alle Richtungen finden kann. Auf einem Ständer ist ein Erinnerungsbuch ausgelegt und lädt Angehörige dazu ein, einen letzten Gruß zu hinterlassen.

Hospiz
Gästebuch für die Hinterbliebenen

Wenn einer der Gäste verstorben ist, brennt im Flur eine große Kerze zur Erinnerung, auch mit dessen Namen; ein Versteckspiel gibt es nicht.

Der Sterbende oder Verstorbene kann die von ihm gewünschte Kleidung anhaben. 95% der Todesfälle sind einem Krebs geschuldet. Es gibt auch Trauergruppen.

Nach einem Aufenthalt in dem allgemeinen Wohnzimmer

Hospiz
Das Wohnzimmer

nach dem Rundgang, fanden wir uns alle wieder in dem Raum mit den vielen Stühlen ein, um noch weitere Informationen zu erhalten, letzte Fragen zu stellen.

Respekt vor dem Sterbenden sei angebracht, hörten wir und es sei wichtig, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen.

Da alles Leben Begegnung sei, würden dennoch auch heitere Momente da sein, Freundschaften geschlossen und sogar eine Hochzeit habe es gegeben, weil eine Sterbende zehn Tage vor ihrem Tode unbedingt noch heiraten wollte.

Es war eine wundervolle Idee, liebe Anke, uns diesen Besuch ermöglicht zu haben und wir danken Dir dafür. So mancher fühlt sich nun vielleicht beruhigter. Ängste sind etwas so Unbestimmbares, nicht zu Benennendes. Jeder geht, besonders heute, anders um mit dem Tod, der doch zum Leben gehört, der uns viel gewisser ist, als das Geborenwerden. So manches Menschlein schafft es nicht und kehrt noch vorher wieder um. Der Tod aber, das Ende eines mehr oder weniger langen Lebens, ist auf jeden Fall gewiss. Schwer wird es eher für die Zurückgebliebenen, die damit leben müssen: Mit diesem Tod, mit der Tatsache, dass ein lieben Mensch nun nicht mehr da ist. Wir sollten uns nicht fürchten vor dem Übergang durch das große Tor, in ein künftig anderes Leben, ohne Schmerzen, und ohne Angst.

Weil Sterben auch Leben ist. Ein wichtiger Teil davon.

Auf einer der Faltkarten, die ich dort mitnahm, steht der schöne Spruch:

Verachte nicht den Tod,
sondern befreunde dich mit ihm,
da auch er eines von den Dingen ist,
die die Natur will.


Marc Aurel

Beim anschließenden Treffen in "Omas Küche" wurde über die Eindrücke lebhaft diskutiert.

Fotos: Anke/Oleander

Autorin: Irene/Heupferd


Autor: Heupferd

Irene Sasse

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