Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.

» Tübingen im Herbst«

-Impressionen aus einer romantischen Stadt -
An der Neckarfront

Das ist das Schöne in Deutschland: Man steigt in einer Stadt aus und ist immer gleich mittendrin, dort wo das Leben stattfindet.

Wir stehen auf der Eberhardsbrücke und schauen auf die schön besonnten Fassaden der Fachwerkhäuser, die die Neckarfront zieren. Sichtbarer Endpunkt ist der Hölderlinturm, er leuchtet mit seinem Gelb mit unserem Planeten um die Wette. Traulich dümpeln die Stocherkähne im dahintreibenden Wasser des Neckars. Die Boote werden scherzhaft auch: Schwäbische Liebesgondeln genannt. Während wir den Platanenwald auf der Neckarinsel bewundern: 200 Jahre alte urmächtige Bäume, auch als „Seufzerwald“ beschrieben, müssen wir auf die Besichtigung des Ottilie Wildermuth-Denkmals und des Denkmals von Silcher im Platanenwald aus Zeitgründen verzichten.

„Dein Bus“

Ja, und das kam so: Trudel las von der Liberalisierung des Fernverkehrs und dem Ende des Bahnmonopols. Ein Sonderangebot von „Dein Bus“ kostete nur 18 € hin nach Tübingen und retour. Ein solches Schnäppchen wollen sich badische Schnäppchenjäger natürlich nicht entgehen lassen und so versammelten sich 20 FAler um 8 Uhr in der Früh‘ um mit dem „Dein Bus“ in Richtung Tübingen zu fahren. Nett war auch, dass uns unser Mitglied Wilfried / Greybear als Buskapitän persönlich fuhr, da konnte schlicht nichts schiefgehen. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass uns exakt nur vier Stunden Aufenthalt in Tübingen angeboten wurden. Einfach zu wenig um auch nur in die Ränder der Materie vorzustoßen.

Beim Vorstoß in die Geheimnisse Tübingens wurden wir von der recht resolut agierenden Stadtführerin Dr. Helga Kansy unterstützt, mit studienrätlichem Blick musterte sie ihre Pappenheimer, insbesondere die, welche wissbegierige Fragen stellten!

Tübingen
"Greybear" - unser Busfahrer und zugleich Mitglied!
Tübingen
... und so freundlich wurden wir empfangen!

In der Oberstadt

Hinter der Neckarfront schichtet sich die Altstadt an den Abhängen allmählich auf. Das labyrinthische Auf und Ab der Gassen lag unter der spiegelnden Sonne dieses Herbsttages. Kein Wölkchen trübte den Himmel. Als erstes Bauwerk tangierten wir die Burse. Die erste universitäre Lehranstalt, zugleich auch Wohngebäude für die Studenten. Später wurde die Burse zu einem Krankenhaus umgewidmet, in dem auch Hölderlin behandelt wurde.

Im weiteren Verlauf der Führung trafen wir auf das sogenannte evangelische Stift, eine Kaderschmiede für evangelische Geistliche.
Das Gebäude, ehemals Kloster des Augustiner-Eremitenordens, dessen älteste Bauteile auf 1255 datiert sind. 1512 wurde die Kirche errichtet 1792 Bau des Haupttraktes. Im evangelischen Stift lehrten oder studierten solche Geistesgrößen wie: Kepler, Hauff, Schwab, Hölderlin, Schelling und Hegel.

Angelangt am Wienergässle wehte der Wind die Klänge des 12 Uhr- Glockenspiels der Stiftkirche zu uns her. Ein märchenhafter Klang, der durch das kleinteilige Ambiente der Stadt noch unterstrichen wurde.

Am Markt

Der leicht abschüssige Marktplatz wird im höheren Teil des Marktes vom Rathaus im Renaissancestil dominiert. 1435 erbaut, wurde es 1508 zum ersten Mal renoviert, 1543 wurde das 3. Stockwerk aufgesetzt. Um 1598 wurde der Ziergiebel errichtet und 1876 und 1969 wurde die Bemalung grundlegend saniert. Der Giebel enthält eine auffallend schön gestaltete astronomische Uhr.

Gerahmt wird der Platz durch Schulter an Schulter stehende Fachwerkhäuser, die sich zu einem schönen Ensemble vereinen. Ein Blickfang ist der Brunnen vor dem Rathaus, ein Nachguss des verwitterten Renaissancebrunnens an gleicher Stelle. Auf dem Markt ist natürlich immer etwas geboten, zumal an Markttagen. Das Publikum hockt je nach Couleur und Einkommen vor den entsprechenden Beizen und Restaurants.
´
Getrost kann man den Markt als den Mittelpunkt der Oberstadt bezeichnen.

In der Unterstadt

Durch die Marktgasse hinuntergehend, stößt man zunächst auf die Kornhausgasse. Dort wurde uns ein großes Fachwerkhaus gezeigt, das äußerlich unversehrt blieb und heute als Bürgerhalle und Stadtmuseum dient.

Einen Steinwurf weiter gerieten wir an die Fassade des Fruchtkastens, ebenfalls mit einem völlig erhaltenen streng funktionalen Fachwerk. Typisch ist die Vorkragung der einzelnen Stockwerke. Das heißt, dass die oberen Stockwerke mit ihren Fassaden immer weiter in die Gasse hineinragen.

„Wasser ist Leben.“ Mitten durch die Unterstadt fließt der Ammerkanal. An nicht sanierten Abschnitten des Kanals gibt es noch Stege die über den Kanal zu Lägern und Schuppen führen. Als Kuriosität wurde uns ein auf Stelzen stehendes Plumssklo, über dem Kanal aufgebaut, gezeigt.

Während in der Oberstadt das Establishment Tübingens wohnte, lebten in der Unterstadt die weniger gut situierten Bürger der Stadt. Also die Handwerker, Bauern und Winzer, letztere wurden scherzhaft die Gogen genannt.

Dichter und Denker und der sogenannte schwäbische Dichterkreis.

Die Zahl deutscher Geistesgrößen, die jeder für sich, eine Beziehung zu Tübingen besaßen, ist beinahe unerschöpflich. Der Philosoph Johannes Reuchlin traf in Tübingen auf den Reformator Philipp Melanchthon. Johannes Kepler folgte nach. Die Dichter Christoph Wieland und Ludwig Uhland arbeiteten und lebten Ende des 18.Jh. in Tübingen. Ebenso der Komponist Friedrich Silcher, wie auch die Philosophen Georg Wilhelm Hegel und Friedrich Wilhelm Schelling. Eingebunden in das ausgehende 18.Jh. ist auch der Pfarrer und Schriftsteller Gustav Schwab. Zum Anfang des 19.Jh. lebten Ottilie Wildermuth, Wilhelm Hauff und Eduard Mörike ebenso in Tübingen wie etwas später der Philosoph Ernst Bloch. Nicht zu vergessen ist der unglückliche Lyriker Friedrich Hölderlin, der fast sein ganzes Leben mehr oder weniger freiwillig in Tübingen verbringen musste. Für die neuere Zeit weise ich noch auf zwei Professoren hin die lange Zeit je einen Lehrstuhl für Theologie und Rhetorik inne hatten: Walter Jens und Hans Küng.

Der schwäbische Dichterkreis war ein Zusammenschluss von Dichtern und Schriftstellern der sich um 1805 an der Universität Tübingen um Justinus Körner und Ludwig Uhland gebildet hatte.
Ein Gedicht über den „schwäbischen Dichterkreis“ endet deshalb auch etwas spöttisch: „Dr Schelling und dr Hegel, dr Schiller und dr Hauff. Des isch bei uns die Regel. Fällt gar net weiter auf!“

Die Stiftskirche St. Georg.

Dem Drängen der Zeit nachgebend besuchten wir noch schnell die Stiftskirche. Eigentlich hätte Frau Dr. Kansy mit der Führung in der Stiftskirche beginnen sollen. Ihr gebührt die erste Referenz!
Die Hallenkirche wurde von 1470 - 1483 im Zusammenhang mit der Universitätsgründung erbaut.

Der Chor mit dem Hochaltar, der beim Bildersturm 1536 vernichtet wurde, diente als Chorherrenkirche. Erhalten ist der Lettner, der Chor und Schiff voneinander trennt in eine Priester - und Laienkirche. Ab 1534 wurde der Chor zur Grablege der württembergischen Regenten. Eine Besichtigung der Grabanlage war leider nicht möglich.

Ein Kleinod stellt die Kanzel der Kirche dar. Die schöne, freundlich lächelnde Madonna steht auf der fein geschwungenen Mondsichel, von 4 Kirchenvätern sorglich eingerahmt.

Erwähnenswert sind noch die Glasmalereien auf den Chorfenstern die aus dem Jahr 1475 stammen und als sehr wertvoll gelten.
Mit dem Inneren der Kirche kommt man zunächst nicht so recht ins Reine. Die so betont nüchterne Ausstattung ist dem Protestantismus geschuldet.

Auch die Lichtgebung scheint nicht besonders gelungen zu sein, schien doch draußen der Planet in Septemberhelle, drin aber eher mystisches? Dunkel. Sei es drum, die äußere Hülle der Kirche konnte nicht besichtigt werden, sie war eingerüstet und mit großen Planen ganz und gar verdeckt.

Dem Leib und der Seele Gutes tun.

„Neckarmüller“ hieß das Gasthaus, das unsere zwanzigköpfige Gruppe ohne großes Aufsehen verschluckte.
Direkt am Ufer des Neckars gelegen mit einer schönen Terrasse als Vorbau. Die Bedienung war trotz des mittäglichen Ansturms gelassen und freundlich. Mehrheitlich wurde das schwäbische Nationalgericht: Geschmelzte Maultaschen geordert, es gab auch eine vegetarische Variante. Der Kartoffelsalat wurde lauwarm serviert, was dem lieben Erwin Seufzer der Bewunderung entlockte.

Geschmacklich gab es auch nichts zu meckern und das Preis-Leistungsverhältnis zeigte sich neutral. Kurzum, nachdem wir alle ein wenig schläfrig schauten, wurde zum Aufbruch geblasen, doch zunächst musste noch bezahlt werden, eine Prozedur die dauerte.

in einen friedlich ausatmeten Abend
Und so gastlich wurden wir für die Rückfahrt empfangen! Das war eine weitere erfreuliche Überraschung!
Tübingen
- Trudel mit den guten Ideen! -
Tübingen
- im Hintergrund der versierte Verfasser dieses Berichtes, Pitt70 -

Schließlich erreichten wir den Busbahnhof zur vereinbarten Abfahrtszeit und der „Dein Bus“ kam auch pünktlich um die Ecke.
Nach ereignisloser Fahrt gerieten wir in das Weichbild von Kappel und in einen Stau im Tunnel. Unser Käptn blieb aber gelassen und entließ uns dann am Hauptbahnhof in einen friedlich ausatmenden Abend.



Herzlicher Dank gebührt Margit/Anmargi für die gute Organisation und für die Verwirklichung der Trudel’schen Idee.

Danke auch an Wilfried/Greybaer für die sichere Fahrt.

Und auch ein Dankeschön an alle Teilnehmer.


Fotos: Christel/Christkindle; Margit/anmargi

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (27 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


Artikel kommentieren