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Ich gestehe: In die kleine Stadt Endingen am nördlichen Kaiserstuhl bin ich schon lange verliebt, in die engen Gässchen, den Marktplatz, das Königsschaffhauser Tor. Nachdem die Umgehungsstraße gebaut wurde und der Durchgangsverkehr nicht mehr durch Endingen fließt, kann man dort auch etwas ungestörter bummeln. Auf diesen Ausflug und die Stadtführung in Endingen hatte ich mich daher besonders gefreut.

Leider war die Wettervorhersage für diesen Tag nicht besonders verheißungsvoll und sehr uneinheitlich. Mein erster Gang am Morgen führte mich daher auf den Balkon und dort ging dann mein Blick zum Himmel: bewölkt und letzte Regentropfen. Die Straßen in Denzlingen waren noch nass. Glücklicherweise waren das dann auch die letzten Regentropfen und wie sich später herausstellte, hatten wir mit dem Wetter Glück. Es war für eine Stadtbesichtigung nahezu ideal. Es konnte also losgehen, zunächst einmal nach Freiburg.

Endingen
- Frau Kauschat führt uns durch Endingen -

In der Bahnhofshallein Freiburg trafen Waldy und ich dann weitere Ausflugsteilnehmer und nach Erledigung der Formalitäten (Einsammeln der Kosten für die Führung, Fahrkartenkauf) ging es mit der Breisgau-S-Bahn über Gottenheim nach Endingen. Dort warteten schon die Autofahrer auf uns. Wir waren eine stattliche Gruppe von 29 Teilnehmern. Natürlich begrüßte man sich zunächst herzlich und fast jeder hatte etwas zu erzählen (in meiner Nachbarschaft hörte ich die Bemerkung „das ist ja fast als kämen wir aus Amerika und hätten uns mindestens ein Jahr lang nicht gesehen“) Die Begrüßung fiel so laut aus, dass Frau Kauschat von der Touristinformation, die uns auch am Bahnhof erwartet hatte, zunächst Mühe hatte, sich Gehör zu verschaffen. Aber dann kehrte doch Ruhe ein, Frau Kauschat konnte beginnen und uns zunächst ein wenig über die Geschichte von Endingen erzählen.

Endingen
- So viele waren gekommen! -

Diese Geschichte reicht bis in das 4. oder 5. Jahrhundert zurück. Da siedelten sich wahrscheinlich Alemannen etwas nördlich der heutigen Stadt an. Es gibt Grabfunde aus dem 6./7. Jahrhundert, die dies belegen. 862 wird die Stadt dann erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst waren die Herren von Endingen mehrere Jahrhunderte Schultheiße und Vögte der Stadt. Ihnen folgten die Herren von Üsingen nach, die Endingen1285/86 das Stadtrecht verliehen. 1318 erhält Endingen das erste Marktrecht. 1379 stirbt das Geschlecht der Herren von Üsingen aus und Endingen kommt unter die Habsburgische Landesherrschaft, also zum sog. Vorderösterreich, zu dem auch Teile des Elsass, aus dem die Habsburger wohl ursprünglich kommen, gehören. Bis 1806 bleibt Endingen vorderösterreichisch und kommt dann zum Großherzogtum Baden. Noch heute erkennt man an den unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten, zu welcher Herrschaft eine Gemeinde gehörte: katholisch waren die Vorderösterreicher, evangelisch die Untertanen des Hauses Baden.

Am Bahnhof, der 1896 gebaut wurde, beginnt also unser Rundgang. Diese Bahnlinie wurde vor allen Dingen zum Transport von landwirtschaftlichen Gütern, wie z.B. Wein, errichtet. Heute dient die Kaiserstuhlbahn fast ausschließlich dem Personennahverkehr. Ohne es recht zu merken gelangen wir durch noch vorhandene Mauerreste in die innere Stadt. Gleich links ist das Tor zum Innenhof eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens weit geöffnet. Der Innenhof ist imponierend groß. Von unserer Führerin erfahren wir, dass es inzwischen nur noch einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb in der Kernstadt Endingen gibt.

Prägte in der Vergangenheit vor allen Dingen der Weinbau die Stadt, so ist durch die Eingemeindung der Orte Amoltern, Königsschaffhausen und Kiechlinsbergen der Obstanbau hinzugekommen (allein 10.000 Kirschbäume). Viele handwerkliche Betriebe, die ehemals in Endingen ansässig waren, gibt es heute nicht mehr. Dafür hat der Fremdenverkehr zugenommen.

Endingen
- Nicht ganz unumstritten -

Dann geht es vorbei am neuen Rathaus (es gibt 4 Rathäuser in Endingen). Im schönen, über mehrere Etagen reichenden Glasfenster sind u.a. das Stadtwappen von Endingen und das Wappen von Vorderösterreich auszumachen. Als nächstes kommen wir zu einem prächtigen Fachwerkbau, den zweistöckigen Üsenberger Hof. Bürgerstolz spricht aus den Worten von Frau Kauschat als sie vom schönsten Fachwerkbau Badens spricht. Dieses Gebäude wurde Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, ist zweistöckig unterkellert und im Innern wurden spätgotische Fresken entdeckt. Heute beherbergt er das Kaiserstühler Verkehrsbüro und die Museumsausstellung zum Thema Vorderösterreich (sollten wir vielleicht auch einmal besuchen, vor allem um auch das Innere des Gebäudes kennenzulernen).

Endingen
- Mutter und Tochter! -

Anschließend gelangen wir durch ein enges Gässle zur Hauptstraße, der Ost-/Westachse von Endingen. Am westlichen Ende dieser Straße befindet sich das Königsschaffhauser Tor, das einzige noch erhaltene Stadttor. Die Häuser stehen traufseitig zur Straße. Das war nicht immer so. Nach Bränden im 18./19. Jahrhundert wurden die ehemals giebelseitig stehenden Häuser durch zum Teil prächtige Bürgerhäuser im Barockstil, teils auch in Fachwerk, ersetzt.

Vor so einem Bürgerhaus stehen wir nun. In der Wand links und rechts vom Haupteingang zwei Mauernischen. In einer Nische steht eine Marienfigur, in der anderen ein Heiliger. Endingen ist sehr katholisch. Das hat im Zusammenleben mit den Nachbargemeinden in den vergangenen Jahrhunderten eine große Rolle gespielt. So erzählt uns die Stadtführerin, dass die evangelischen Bürger von Königsschaffhausen (Großherzogtum Baden), wenn sie ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse ins evangelische Emmendingen (Großherzogtum Baden) bringen wollten, den katholischen Endingern (Vorderösterreich) Wegezoll bezahlen mussten

Endingen
- Das typische hiesige Fachwerk -
Endingen
- Ein kleiner Gruß von oben! -
Endingen
- Weinstadt Endingen -

Weiter geht es durch das Zunftgässle (schön bemalte Faßböden an einer Hauswand) zum Amtshof mit dem Amtshofbrunnen. In diesem Brunnen läuft das Wasser über einen Felsstein aus dem Bregenzerwald, einen ebensolchen aus Erstein im Elsass (beide Vorderösterreich) und aus einer Brunnenschale aus Stein aus Tovar (Venezuela), wohin im 19. Jahrhundert fast 400 Menschen aus Endingen und den umliegenden Gemeinden ausgewandert sind. Sie wollten den politischen Wirren und der Armut im Heimatland entgehen und glaubten in der „Neuen Welt“ mehr Wohlstand zu erreichen, was sich zunächst als Trugschluss erwies.

Über einen Treppenaufgang geht es hinauf zum Marktplatz. Er wird beherrscht von der Giebelansicht des Rathauses, einem ehemaligen Kornhaus von 1617 mit Treppengiebel. Vom Dach herunter schaut das „Laubenmännle“, das das Haus und die darin gespeicherten Waren schützen sollte.

An der nordöstlichen Ecke des Platzes befindet sich das 1527 errichtete Rathaus, in dem sich heute das Kaiserstühler Heimatmuseum befindet mit einer Sonderabteilung über die Auswanderungsgeschichte nach Tovar.

Den nördlichen Abschluss bildet an der Hauptstraße das sogenannte Neue Rathaus (ehemals Haus Krebs). Der wunderschöne Barockbau wurde 1775 errichtet.

Endingen
- auf dem Marktplatz -

Gegenüber liegt der große Marktplatzbrunnen. Endingen war vor der Wassererschließung durch Tiefbrunnen eine wasserarme Gemeinde. Man sagte die Endinger hätten mehr Wein als Wasser gehabt und auch getrunken. So spielten Brunnen immer eine große Rolle in der Stadt. Es gibt zwei alte Bräuche, die man in diesem Zusammenhang erwähnen sollte:

In der Heiligen Nacht gehen die Endinger zu ihren Brunnen um die „Heiliwog“ zu holen. Zunächst singt man Kirchenlieder um dann während der zwölf Glockenschläge um Mitternacht die mitgebrachten Krüge mit dem Brunnenwasser (der Heiliwog) zu füllen. Dieses Wasser im Haus versprengt soll im kommenden Jahr Unheil fern halten.

Der Marktplatzbrunnen spielt in der Endinger Fasnacht eine besondere Rolle. In ihm schläft der Endinger Hauptnarr, der Jokili, das Jahr über. Am „Schmutzige Dunnschtig“ (schmutziger Donnerstag) wird er aus dem Brunnen hervorgelockt und regiert dann das Endinger Narrentreiben bis er am Fasnetzischdig (Fasnachtdienstag) wieder im Brunnen versenkt wird. Hierzu gibt es einen Narrenvers:

Der Jokili is in Brunnen gheit, i hab ä herä blumsä, i hab gemeint s isch ä großer Mann, jetzt isch äs nur ä Stumpä.

(Der Jokili ist in den Brunnen gefallen, ich habe ihn hören plumpsen, ich habe gemeint es wäre ein großer Mann, jetzt ist es nur ein Stumpen).

Endingen
- das Endinger Jockele -

Eine wichtige Endinger Narrenfigur ist das Endinger Stadttier, halb Pferd, halb Stier, das furchterregend allen Fasnachtsumzügen vorangeht. Diese beiden Figuren und noch andere dazu sind in einem Fresko an der Wand der Volksbank verewigt.

Endingen
- Endingen hat 4 Rathäuser! -

Weiter geht es zur oberen Kirche, der Martinskirche. Sie ist Wallfahrtskirche, wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt und wurde 1846 neu erbaut. In der Kirche befindet sich eine Marienstatue. In der Nacht vor Christi Himmelfahrt im Jahr 1615 soll die Muttergottes Tränen vergossen haben. Seither findet jedes Jahr am Tag vor Christi Himmelfahrt eine Wallfahrt zu dieser Kirche statt, man singt noch immer das gleiche Marienlied wie schon vor nun beinahe 400 Jahren. Im Glockenstuhl hängen noch zwei Glocken aus dem 13. Jahrhundert. Sie überstanden das Einschmelzen im 2. Weltkrieg nur, weil die Endinger ein Schreiben aus Berlin vorweisen konnten, das bestätigte, dass die Glocken in der Kirche verbleiben dürften. Dieses Schreiben war natürlich eine Fälschung.

In der Martinskirch fand auch der Verabschiedungsgottesdienst für die Auswanderer nach Venezuela statt. Zur „Colonia Tovar“ bestehen auch heute noch freundschaftliche Kontakte, die jedoch seit Chavez an der Macht ist, etwas seltener geworden sind. Jedenfalls ist Tovar eine südbadische Idylle in Venezuela mit Restaurants und Konditoreien, die deutsche Namen tragen und in denen man deutsche Spezialitäten wie Eisbein und Sauerkraut oder Schwarzwälder Kirschtorte bestellen kann.

Die Bewohner, zumindest die älteren, sprechen auch heute noch einen dem „Elsässerditsch“ nicht unähnlichen alemannischen Dialekt. Und selbst Endinger Fasnacht wird dort im fernen Venezuela gefeiert.

Endingen
- Passionsblumen -

Über einen Treppenweg ging es dann hinunter in die Unterstadt. In den engen Gassen fiel besonders der schöne Blumenschmuck in Blumenkästen und –kübeln auf. Dann standen wir vor der Stadtpfarrkirche St. Peter.

Von außen wirkt diese schon 1256 erstmals erwähnte Kirche wuchtig und einer Wehrkirche nicht unähnlich. Der jetzige Bau stammt jedoch aus den Jahren 1773 – 75. Zu dieser Zeit wurden keine Wehrkirchen mehr errichtet. Im Glockenturm befinden sich noch 5 Glocken, die im 13., 15. Und 18. Jahrhundert gegossen wurden. Wenn man den Kircheninnenraum durch den Turmeingang betritt, wird man überrascht durch die Schönheit des spätbarocken Innenraums. Von der bisherigen Führung waren unsere Füße schon etwas müde geworden und so verteilten wir uns in zwei Bänken und lauschten den Ausführungen von Frau Kauschat. Sie erzählte uns u.a., dass die Altar- und das Deckengemälde von dem bekannten Breisgauer Maler Johann Pfunner (der ursprünglich aus Innsbruck kam), die Holz – und Bildhauerarbeiten von Josef Amann aus Tirol stammten. Ein besonderes Kleinod sei die Stieffel-Orgel. Stieffel war ein Schüler Silbermanns.

Sie erwähnte auch die dritte Endinger Kirche, die evangelische Pfarrkirche. Dieses Gotteshaus wurde 1908! errichtet, aber vor der Stadtmauer auf ungeweihtem Boden. Heute beträgt der Anteil der evangelischen Christen in Endingen ca. 30% und die Ökumene sei so weit vorangekommen, dass die evangelischen Kinder in der Stadtpfarrkiche St. Peter konfirmiert würden.

Endingen
- Kirche St. Peter -

Unser Stadtrundgang endete bei Sonnenschein in der Hauptstraße direkt vor dem Gasthaus Engel, in dem wir unsere Mittagsrast einlegen wollten. Lange Tische waren für uns reserviert. Es dauerte eine Weile, bis wir alle mit Getränken versorgt waren und auf die von uns vorbestellten Gerichte muss wir zunächst etwas lange warten. Das hatte aber auch den Vorteil, dass wir uns über das Gesehene unterhalten und schon Pläne für einen nächsten Besuch in Endingen (vielleicht Besichtigung des Käsereimuseums) machen konnten. Dann ging alles sehr zügig und schnell hatte jeder sein Gericht vor sich stehen. Wie immer fiel die Gruppe nach dem Essen dann auseinander. Die Autofahrer konnten noch sitzen bleiben, einige wollten noch einen kleinen privaten Rundgang in Endingen anschließen, die ÖPNV-Nutzer mussten als erstes gehen. Zug oder Bus warten nicht.

Was bleibt von diesem Tag? Wir haben viel Neues erfahren und wissen, dass es in den Endinger Museen noch einiges zu entdecken gibt. Außerdem lassen sich von Endingen aus vor allem jetzt im Herbst schöne kleine Wanderungen unternehmen. Zwiebelkuchen und neuer Wein locken. Ich habe ihn schon im Gasthaus Engel probiert und finde, dass er dieses Jahr besonders gut schmeckt. Es war einmal mehr ein gelungener Vormittag mit netten Menschen. So kann man sich schon auf die nächste Unternehmung freuen.

Endingen
- Gasthaus Engel -
Endingen
- Unser Mitglied Irmgard/Zäpfchen serviert uns das Mittagessen -
Endingen
- Im Gasthaus Engel -
Endingen
- Tettane schreibt den Bericht für uns -
Endingen
- danke für dieses Foto, liebe Trudel! -

Autor: Tettane

Anm. von Tettane: Einzelne Erläuterungen zu den Gebäuden habe ich dem "Wegweiser durch die Stadt Endingen a.K." des Kaiserstühler Verkehrsbüros entnommen.

PS: die Fotos sind von mir (anmargi; hatte ich vergessen einzugeben), Gruß Margit

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