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Die Vortour

Das hastige und dumpfe Dumm-Dumm der Gürtelreifen verebbte schlagartig, eingenickt schreckte ich auf. Stau! Auf der A 5 versammelten sich die Teilnehmer zur abendlichen rush hour.

Margit, hinter dem Volant, schaute auch nicht sehr erfreut, schließlich waren wir seit 9 Stunden unterwegs, davon 5 Stunden im Sattel.

Morgens lag eine dichte wattige Wärme über dem Ried, wir hatten uns einen der heißesten Tage dieses monsunalen Sommers ausgesucht.
Am Abend grüßte die schön geschwungene Hügellinie des Schwarzwalds herüber. Ein glänzend schöner Tag neigte sich.

In Ottmarsheim versuchten wir einen kürzeren Weg nach Chalampé zu finden, suchten mit unseren Drahteseln, um dann aber stets auf einen „Holzweg“ zu stoßen. Finales Ende: Maisfelder, undurchdringlich. Also reingebissen in den sauren Apfel und auf der Landstraße nach Chalampé gebolzt. Mehr als 60 Kilometer legten wir, sportlich ambitioniert, bei der Vortour zurück, einschließlich aller unnützen Arabesken.

Ottmarsheim
- die Vortour -

Die Sonntagstour

Ottmarsheim ist eines jener selbstvergessenen Nester am Rand des Sundgaus, welches man nie besuchen würde, ja, stände da nicht eine der interessantesten Kirchen des Elsass. Vom Vorplatz dieser Kirche starteten wir zunächst nordwärts nach Chalampé, querten dort den Grand Canal d’Alsace und den Rhein, wandten uns dann nach Süden und fuhren auf dem Rheindamm im Schatten großmächtiger Bäume völlig entspannt dahin.

Die ersten 10 Kilometer – bis Bad Bellingen, zeigen sich recht monoton, man schaut immer auf das gleiche Motiv: Den Blick auf den traulich dahingleitenden Fluss, und blickt durch das Sommerlaub der Bäume hindurch, die Damm und Ufer säumen.

Später öffnet sich der Rheinwald und alsbald tangierten wir die riesigen Baustellen der Hochwasserpolder. An manchen Stellen glaubt man ein Riese hätte sich einen Scherz erlaubt und ein wenig Sandkasten gespielt, so gewaltig sind die Eingriffe in das Ufer und das anliegende Land.

Später erreichen wir die Isteiner Schwellen, die aber näher bei Efringen-Kirchen liegen. Mehrere Katarakte bilden diese Stromschnellen, durch deren felsige Schächte der Rhein mehr oder weniger ungestüm rauscht, je nach Wasserstand. Das Wasser-und Schifffahrtsamt baute dort eine Aussichtsplattform die gerne zur Besichtigung benutzt wird.

Dort standen wir eine Weile im Laubschatten der Weiden und lauschten dem Rauschen des Wassers und freuten uns an der Helle und Wärme dieses Sommertages.

Picknick Nummer 1

In der Nähe der Kandermündung wurde als Ausgleichsfläche für die Hochwasserpolder ein sehr schöner, kleiner Park angelegt. Uralte Weiden rahmen die Wiesenflächen und spenden Schatten. Richtig rustikal zeigen sich die Tische und Bänke, die fest installiert sind. Dort in diesem hübschen Ambiente rasteten wir eine knappe Stunde und erholten uns von den ersten 30 Kilometern der Tour. Und da wurde sehr gesund getafelt, manche Tomate und manche Karotte wurde das Opfer der Gesundesser. Dabei hätten wir doch bei der Nähe zu unseren Nachbarn mal Crevetten und Gänseleberpastete auf die Tafel bringen können. (Und Champagner gab es auch keinen!)

Da war es kein Wunder, dass wir alle sehr zeitig zur Weiterfahrt bereit standen.

Ottmarsheim - Radtour
- Wir überqueren den Rhein und kommen nach Frankreich -

Durchs Ried

Am Stauwehr auf der Höhe von Märkt, wandten wir uns nach der Passage wieder nordwärts.

Es gab nun etwas Wind, es war ein leichter, beinahe sanfter Wind, der uns nun entgegenkam. Kembs-Loechle ließen wir links liegen, konzentrierten uns auf den Saumpfad der den Canal de Huningue so schön begleitet.

Kurz vor Niffer betrachteten wir noch die Schleuse von le Corbusier, bevor wir den Kanalweg verließen und uns nun ganz dem Ried und seinen Dörfern ergaben.

Im perlgrauen Licht des Mittags zogen wir in recht hohem Tempo gegen Ottmarsheim. Auch in der Hoffnung dort noch ein Restaurant oder wenigstens eine Beiz‘ offen zu finden. Die Mühe war vergeblich um 14°° Uhr sind halt im Elsass alle Rollläden unten.

Nun hatten wir 2 Stunden Zeit uns die Langeweile zu vertreiben, denn erst um 16°° Uhr würde die Vesper gesungen.

Picknick Nummer 2

Not macht bekanntlich erfinderisch. Margit öffnete ihren Campingbus, bot alle ihre Sitzgelegenheiten an, Erwin ebenfalls, und so kam schon mal eine ganze Reihe von Sitzplätzen zusammen. Aber einer oder zwei Stühle fehlten halt noch immer. Und so spielten wir „Reise nach Jerusalem!“ Immer wenn wer aufstand und die Runde verließ, wurde sein Sitzplatz okkupiert und – schwupps – weg war er. Die Gutmütigkeit von Margit kannte keine Grenzen und so spendete sie ihr letztes Kaffeepulver. Das recht „coffeinfreie“ Getränk fand dann doch noch genügend Liebhaber, obwohl Margit manchen (liebgemeinten) Schmäh ertragen musste.
Und überhaupt: In dieser Runde wurde geflachst was das Zeug hielt. Sehr eng zusammengerückt, saßen, erzählten, prahlten, spotteten und klatschten wir und vergaßen dabei wie die Zeit verging.

Nun schlug die Glocke mahnend zur Vesper, außer uns saßen nur noch drei oder vier ältere Damen in der Kirche.


Die Kirche St. Peter und Paul

Die Kirche stellt sich als achteckiger Zentralbau dar, entstanden in der sogenannten Karolingischen Renaissance.

Der Dichter Prosper Mérimée, dem die Erhaltung des Bauwerks zu verdanken ist, schreibt, es sei vielleicht »la seule église carlovingienne bien authentique et bien pure, qui existe en France« (die einzige, authen-
tische, klare, karolingische Kirche die in Frankreich existiert.)

Beim Betreten der Kirche erscheint einem das Innere als ein Wunder an Konstruktion und Dekoration. Der Blick zentriert sich auf den rechteckigen Chor. Über dem achtseitigen Unterbau erhebt sich auf halber Höhe die Empore, die von massigen Säulen und Würfelkapitellen getragen wird. Das Oktogon gibt dem Raum sein Maß. Antike Klarheit und Weiträumigkeit korrespondieren mit glücklich einfallendem Licht. Ein vollendeter sakraler Raum, ein kostbares Gefäß erschaffen zur Verbreitung des Wort Gottes.

Nach dem verheerenden Brand 1991 ist die Kirche inzwischen wieder saniert und restauriert, und strahlt nun wieder in festlicher Atmosphäre.
Fünf Mönche des benachbarten Klosters sangen in ebenso schlichtem wie feierlichem Ritus die Vesper. Eine dankbar empfundene halbe Stunde, losgelöst vom getragenen Rhythmus des Alltags.

Ein ungewöhnlicher, aber sehr schöner Abschluss einer Radwanderfahrt.

Adieu

Uns glückte ein leichter, beschwingter Abschied, weil wir uns Alle sicher waren, wir sehen uns ja bald mal wieder.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten! Die Gruppe war hoch belastbar und kam mit der sehr guten Zeit von 15.6 km/Stunde ins Ziel. Das ist für 58 Gesamtkilometer exzellent!

Mein besonderer Dank gilt Margit, die sich einmal mehr als unerschütterlicher Scout offenbarte.

Und Halt!
Fast hätt‘ ich’s vergessen: Wer mehr über die Kirche wissen will, liest im 1. Basler Hock 2011 den ausführlichen und elegant geschriebenen Bericht von unserer charmanten Helga/Tinsky.


Fotos: Erwin/Zahnrad, Margit/anmargi

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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