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«Einmal Mulhouse und retour!»

Mit dieser Schlagzeile begleitete die BZ am Samstag, 8. Dezember 2012 die Bemühungen der DB und der SNCF die Bahnverbindungen zwischen Freiburg und Mulhouse zu aktivieren. Gelingen soll das mit dem „Blauwal“, einem Stromlinienzug französischer Bauart.

Davon ganz unberührt starteten am Donnerstag, 13. Dezember 2012, 35 Mitglieder der FA- Regiogruppe Freiburg zu einem Besuch von Mulhouse – ganz ohne Blauwal – dafür aber in einem Bus der Firma Winterhalter. Mit GREYBEAR, alias Wilfried am Steuer und einem konkurrenzlosen Fahrpreis.
Die Anregung zu dieser Reise kam von Ibobibo/Ingeborg.

Durchs verzauberte Ried.

Meinen blendenden Beziehungen zum elsässischen Petrus war es zu verdanken, dass es nur minus 6° C kalt war. Außerdem schüttelte er ungeheure Mengen an Rauhreif über das Ried. Selbst die kleinsten Äste und Zweige waren mit himmlischem Puderzucker überzogen. Ein Märchen. Die Spargelfelder sahen mit ihren bereiften Gerippen wie Chaparralfelder aus. Rundlich und pummelig, in makellosem Weiß.
Ohne großes Aufsehen rollte der Bus in Mulhouse ein, nicht mal die Marsaillaise wurde für uns intoniert, dabei sah der Bus doch recht offiziell aus, mit all seinen Werbeplakaten für Freiburg auf den Breitseiten des Busses. Übrigens war es gar nicht so einfach einen Halteplatz für den Bus in der Nähe des Zentrums zu finden.
Aber es gelang schließlich und Wilfried entließ uns in das weihnachtliche Gewühl der Stadt.

Stadtgeschichte im Stenogramm.

Erste urkundliche Erwähnung 803.

Mulhouse, die im nördlichen Sundgau gelegene Stadt befand sich ursprünglich im Besitz des Straßburger Bischofs bevor es im 13.Jh. Reichsstadt wurde. Mulhouse war Mitglied des elsässischen Zehnstädtebunds. Mulhouse gehörte 1515 und 1798 zweimal für eine gewisse Zeit zur Eidgenossenschaft, bevor es sich die Franzosen einverleibten.

Mulhouse an der Ill und am Rhein-Rhonekanal gelegen ist ein bedeutendes Industriezentrum. In der Mitte des 18.Jh. entwickelte sich in Mulhouse die Textilindustrie, die bald Weltruhm erlangte. Als zu Beginn des 20.Jh. auch noch riesige Kalilager entdeckt wurden, war der Aufschwung zu einem Industrieimperium nicht mehr aufzuhalten. Mit dem Kaliabbau, der wachsenden Elektro-und Chemiebranche und der Kfz.-Produktion der Firma PEUGEOT vergrößerte Mulhouse sein wirtschaftliches Potential und dadurch bedingt auch seine räumliche Ausdehnung.

Bemerkenswert ist der Bau vorbildlicher Arbeitersiedlungen, die auf hohe soziale Verantwortung der Unternehmen schließen lassen.

Mulhouse ist eine – untypisch elsässische – moderne Stadt, die in beiden Weltkriegen schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde und von ihrem alten Antlitz deshalb nicht viel übrig blieb. Doch im Umkreis der Place de la Réunion stehen noch bedeutende und gut erhaltene Reste des alten Zentrums.

Bummel durch die Innenstadt.

Die Morgensonne kroch nur zögernd über die Stadt, schließlich gab sie es ganz auf bei uns Eindruck zu schinden und verschwand grußlos. Auf dem Place de la Réunion gab der turbulente Weihnachtsmarkt nur ein unvollkommenes Bild des Platzes und seiner wirklichen Schönheit ab.

Nun suchten wir den Marché du Canal Couvert auf, das ließ sich aber nur mit einem beherzten Spaziergang durchführen. Alsbald sahen wir viele Einheimische mit weißen Plastiktüten herumlaufen, und da musste der Markt ja schließlich seinen Anfang nehmen. Schon von weitem hörte man die Markt-schreier ihre Waren anbieten. Aber es war ja auch zum Staunen: Auf dem Freigelände vor der Halle versammelten sich 2 Dutzend Händler verschiedener Couleur, mit ihren überquellenden Obstständen, ihrem Gemüse in französischer Fülle. Drinnen in der Halle ging es nicht weniger lautstark zu.

Ein anregendes Sinnenerlebnis: Lärm und Geschrei, Geschmack und Geruch, Farbe und Licht. Fleischberge, rote, rohe Beugen, neben Regimentern kopfüber baumelnder Hühner. Nebenan Käse. Blau geaderte, fette Gorgonzolalaibe, Münsterkäse, die spezielle elsässische Spezialität.

Nebenan in der Koje, die Früchte des Meeres, glanzvolle schwarze Muschelberge, wehmütig blickende Krebse. Im gleißenden Licht unzähliger Glühlampen, das intensive Rosa der Crevetten. Hier roch es herrlich appetitlich. Hier konnte man sich nicht satt sehen, nur hungrig sehen.

Mulhouse
- von ihm stammen viele Bilder in diesem Bericht! -

Nach Rixheim.

Zurückgekehrt auf die Place de la Réunion wurde noch eine Boulangerie geplündert, und solide Kohlenhydrate eingekauft. Dann suchten wir am vereinbarten Platz unseren Bus, und siehe da: Der Bus stand schon, schön gewärmt, zur Abfahrt bereit.

Auf die Idee Rixheim einen Besuch abzustatten käme wohl kein Reisender, es sei denn er wüsste von zwei historisch bedeutsamen Stätten, nämlich der Commanderie und dem Musée du Papier Peint.

Die Commanderie des Deutschherrenordens.

Der Orden wurde 1190 gegründet. Die Ritter waren verpflichtet die Hl. Stätten zu verteidigen. Im Elsass wurden acht Commanderien gegründet, Mulhouse gehörte zur Provinz Elsass-Burgund. Alle Ritter stammten aus adligen Familien. Die Deutschen Ritter übten einen starken Einfluss aus und besaßen beispielsweise das Mühlenmonopol. Zudem erhob der Orden als Steuereinnehmer einen wichtigen Teil des Zehnten.

Mit Beginn der Reformation in Mulhouse wurde die Commanderie nach Rixheim verlegt. Durch Ludwig XIV. erhielt der Kommandeur von Rixheim die Erlaubnis und die finanziellen Mittel, der Bestimmung des Ordens, ein angemessenes Bauwerk zu errichten.

Gebaut wurde von 1735 bis 1738. Die Konstruktion hat ihren eigenen Charakter. Zweifelsohne handelt es sich um das imposanteste Bauwerk im Oberelsass aus dem 18.Jh. Im Einklang mit der religiösen Bestimmung des Ordens zeigt die Architektur einen nüchternen Klassizismus. Die franz. Revolution hatte den Abzug der Kommandeure zur Folge. Das Gebäude wurde Futtervorratslager, Gefängnis, und Hospital. Schließlich wurde der Komplex als „Nationalgut“ 1797 an Antoine Struch verkauft.

Der wiederum verkaufte den Komplex an einen Herrn Risler der dort eine Tapetenmanufaktur einrichtete. Schließlich wurden von Jean Zuber, dem Mitgesellschafter Rislers 1802 alle Anteile aufgekauft und ihr die Firmenbezeichnung „Jean Zuber et Cie“ gegeben, unter der die Firma Weltruhm erlangte. Im Februar 1984 wurde die Commanderie von der Stadt Rixheim gekauft um ab September 1986 als Rathaus genutzt zu werden. Die Herstellung von Tapeten durch die Firma Zuber wird auch heute noch in dem Gebäude fortgesetzt.

Das Musée du Papier Peint.

Seit 1983 lässt das Tapetenmuseum in einem dafür prädestinierten Ort Geschichte und Technik der Tapete zu neuem Leben erwachen. Durch einen Förderverein verwaltet, ist das Museum bestrebt zu zeigen, welche Rolle dieses heute vielerorts wenig bekannte Produkt in unserem Alltag gespielt hat – dies sowohl in materieller wie auch in emotionaler Hinsicht.

Das Museum befindet sich im rechten Flügel der Commanderie aus dem 18.Jh., welche seit 1797 der Tapetenherstellung dient.

Das Museum beherbergt ca. 130.000 Dokumente:
- Die vollständige Produktion der Manufaktur Zuber & Cie, vom 18.Jh. bis heute.
- Und 30.000 Dokumente unterschiedlicher Herkunft, vom 18.Jh. bis heute.

Dieses Archiv umfasst praktisch sämtliche Aspekte der Tapetenproduktion, von der herkömmlichen bis hin zur aussergewöhnlichen – wie beispielsweise die Panoramatapeten.

Aufgrund von Konservierungsschwierigkeiten ist es dem Museum nicht möglich, seine Sammlungen permanent auszustellen. Das Museum präsentiert jedoch mit themenzentrierten Temporärausstellungen die Kunst und die Technik der Tapete, aber auch ihren Einsatz im Alltag, vom 18.Jh. bis heute.
Ein Rundgang.

Mme. Suzanne Schmitt, der gute Geist des Museums, zeigt uns im Erdgeschoss zunächst die Entwicklung vom Handdruck bis zum Maschinendruck, und erläutert uns die Sammlung z.T. gewaltiger Maschinen, die in der 16-Farbendruckmaschine ihre Entsprechung findet.

Im 1.Obergeschoss wird uns die Ausstellung von Tapetenmustern vom 18.Jh. bis heute mit Empathie erläutert. Schließlich geraten wir in die „Traumwelten“ der Panoramatapeten im 2. Obergeschoss. Die Bildtapete ist eine der originellsten Seiten in der Welt der Papiertapeten. Es handelt sich um ein spezifisch französisches Produkt, das sich über ganz Europa und in Amerika ausgebreitet hat.

Vom Ende des 18.Jh. bis in die sechziger Jahre des 19.Jh. wurden fast hundert solcher Tapeten hergestellt, hauptsächlich in Paris und in Rixheim. Die Schilderung einzelner Panoramen würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, es sei empfohlen dem Museum einen Besuch abzustatten.

„Im Reich der kleinen Prinzen.“

Tapeten im Kinderzimmer. Lange Zeit hatten Kinder keine eigenen Räumlichkeiten: Das Kinderzimmer im privaten Wohnraum entsteht erst zu Anfang des 19.Jh. in den geräumiger gewordenen Wohnungen des Großbürgertums, und am Ende des Jh. auch in den Häusern der Arbeitersiedlungen. Die Kinder können in diesem Zimmer spielen ohne die Erwachsenen zu stören. Damit wurden die Kinder erstmals aufgefordert zu spielen, zu lernen, sich zu beschäftigen. Die Engländer sind die ersten, die sich über die Freude und die Erziehung ihrer Kinder Gedanken machen. Parallel zur Verbreitung des Bilderbuchs entwickelt sich bald ein Markt rund um das Kinderzimmer. Auf den Tapeten sind tanzende, spielende Kinder zu sehen.

Nach der Ästhetik des Jugendstils kommen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen erstmals Dekore auf den Markt, deren Design dem kindlichen Verständnis besonders angepasst ist. An der Gestaltung der Kindertapete kann man die allgemeine Entwicklung des Designs ablesen. Der Markt passt sich dem Geschmack der Kinder an, die zu Kaufentscheidern geworden sind.

Seit dem Anfang des 21. Jh. erlebt die Tapete im Kinderzimmer einen neuen Aufschwung. Die Hersteller reagieren darauf und bieten heute eine ganze Palette an kreativen Dekoren an.

Das Kind bestimmt sein Leben selbst und erschafft sich ein Universum nach seinen Vorstellungen…

Diese Sonderausstellung ist noch bis zum 31.12. 2012 besuchbar.

Wie schreib‘ ich einen guten Schluss?

Ein gelungener Ausflug in eine fremde Welt. Wir haben im Kopf wieder einmal dazugelernt, fast spielerisch, und staunend über soviel komplizierte Handwerkskunst. Sehr gut instruiert von Mme. Suzanne Schmitt, der herzlicher Dank gebührt.

Herzlichen Dank auch an unsere unermüdlich planende Margit, es war ein sehr gelungener Tag bei unseren Nachbarn.

Quellen: Presseabteilung des Musée du Papier Peint.
Mme. Suzanne Schmitt, Musée du Papier Peint.

© Helmut Büchler / Pitt 70



Fotos: Wolf Dieter/Lupus5, Christel/Christkindle, Margit/anmargi

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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