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Lothringen
- Anlage bei der Pflimlinbrücke, der Grenzübergang über den Rhein -
Lothringen
- Hapetki und Zahnrad, unser Fotograf -

In Lutzelbourg

Der Bus rollte träge über die Brücke des Rhein-Marne-Kanales. Das Städtchen rieb sich die verschlafenen Augen bei dem Ansturm der vierzig Insassen des Busses, die indessen nicht alle die einzige Boulangerie erstürmten. Es war ein gesitteter Ansturm, schließlich führen wir ja schon lange keine Kriege mehr gegen die Franzosen.

Lothringen
- idyllisches Lutzelbourg -
Lothringen
- am Rhein-Marne Kanal in Lutzelbourg -

Zuvor rollten wir mit „unserem Bus“ in einem freundlichen Tempo durch das nördliche Elsass. Eine Idylle. Weit breitete sich das Land vor uns aus. Der Himmel hatte sich mit kleinen koketten Wölkchen überzogen, die Sonne versteckte sich zeitweise dahinter, dann wirkten die Felder fahl, nur die Weinberge leuchteten in unverdrossenem Grün.
Das Elsass – ich liebe dieses Land; Hinwege sind für mich Heimwege, die Gegenden sind mir alle bekannt, aber so wunderschön, dass jeder Besuch denselben Reiz hat wie der erste.

Molsheim und Maursmünster streiften wir nur an ihren Peripherien, der Bus war zu schwer für das Katzenkopfpflaster der Städtchen. Und was wir dabei alles versäumten: Die Madonna auf der Mondsichel in der Molsheimer Kirche; die Gläubigen auf den Kapitellen im Innern, mit ihren Gesichtern die sie in den Lichtraum des Chores strecken. Oder der plastische Schmuck am Westwerk der Kirche in Maursmünster. Den kupferte R. Jeblinger, der damalige Münsterbaumeister und Architekt des Freiburger Ordinariats einfach ab. Heute schmückt er die Ornamentik der Fassaden am Ordinariat. Wie gut!

Lothringen
- eine typische, weitläufige Lothringer Landschaft -
Lothringen
- Wasserpflanze und unser Berichtschreiber - mal ein bisschen anders! -

Das Schiffshebewerk in St. Louis/Arzviller

Auf dem Weg nach Lutzelbourg lag Saverne einfach so im Weg, dass wir es durchqueren mussten. Der Geschicklichkeit unseres Drivers Wilfried ist es geschuldet, dass wir ohne Kratzer die Enge der Altstadt am anderen Ende verlassen konnten.

Die lothringischen Städtchen zeigen sich doch recht bescheiden.

Der Glanz elsässischer Winzerdörfer mag sich hier nicht verbreiten. Alles ist mit einer etwas ranzigen Patina überzogen. Aber das besitzt auch einen gewissen Charme.

Nach kurzer Fahrt durch das grün schattierte Tal der Zorn in welchem der Rhein-Marne-Kanal liegt erreichten wir das Schiffshebewerk von St. Louis/Arzviller.

Zunächst ist man verblüfft über die Größe und ungeheure Ausdehnung der Gesamtanlage. Welch ein Eingriff in die Topografie des Zorntales.
In den Jahren 1962 – 1963 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die vor
gegebene Bedingung – die Zusammenfassung von 17 Schleusen mit einem Gesamthöhenunterschied von 44,55 m durch ein einziges Bauwerk, schloss den Typ der klassischen Schleuse aus.

Neun Arbeitsgemeinschaften legten 40 Vorschläge vor. Nach genauen Prüfungen wurde der Querschrägebene der Zuschlag erteilt. Die Arbeiten begannen 1964. Unmittelbar am Schrägaufzug wurde ein großes Wendebecken angelegt. Die eigentliche Schrägebene besteht aus einem auf Rollen gelagerten Trog, der durch Seile gehalten wird und sich mit Gegengewichten im Gleichgewicht befindet.

Der Schrägaufzug wurde am 27. Januar 1969 in Betrieb genommen.
Die Leistungsfähigkeit des Aufzuges beträgt 39 Schiffe pro Tag bei 13stündigem Betrieb.

Die Gesamtdauer des Schleusungsvorganges beträgt weniger als 20 Minuten. Davon 4 Minuten Fahrzeit im Trog.

Den Betrieb des Aufzuges konnten wir leider nicht erleben, weil just am 4. Juli 2013 ein Unglück in der Schleuse geschah, das glimpflich verlief, es gab keine Verletzten. Nun ist die Anlage, nach Auskunft eines Sprechers, für zirka 9 Monate außer Betrieb

Der Schrägaufzug von St. Louis – Arzviller ist vor allem ein Versuchsbauwerk, aus dessen Bauausführung man Lehren ziehen konnte und aus dessen Betrieb man Erfahrungen sammeln wird die ähnlichen Anlagen für die Großschifffahrt nützlich sein werden.

Typisch französisch ist der Rummel der die Anlage begleitet. Da fehlt weder das Zügle, das sich zu einer Rundfahrt anbietet, noch die üblichen Devotionalien. Folklore wird im Überfluss angeboten, leider auch der landesübliche Kitsch. Aber anders herum gefragt: “Sind wir uns da nicht sehr ähnlich?“

Lothringen
- Das Museumsschiff Sophie Marie -
Lothringen
- Im Maschinenraum -
Lothringen
- Kajüte im Museumsschiff -

Marc Chagall in Sarrebourg

Unser nächstes Ziel: Sarrebourg erreichten wir reichlich verspätet, was sich auch mit unseren knurrenden Mägen bemerkbar machte.
In einem schön eingerichteten Restaurant, französisches Ambiente eben, wurden wir dann mit elsässischen/lothringischen Spezialitäten wie: Bäkaoffe oder Quiche Lorraine bekocht. Die Saaltöchter hatten ihre liebe Mühe uns deutsch zu verstehen, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Was mich immer wieder bei unseren Zusammenkünften beeindruckt sind die Dialoge und die Lautstärke der „Konversation!“
Mir kommt es manchmal vor als sei eine Gruppe Auswanderer zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder in den Schoß der Daheimgebliebenen heimgekehrt. Welch eine Empathie! Welch eine Intensität! Toll!

Nun aber zur Kunst.

Die Kapelle des Cordeliers in Sarrebourg ist eine ehemalige Kapelle in romanischem Baustil. Im 11. Jh. ließen sich Franziskaner in Sarrebourg nieder und begannen mit den Bauarbeiten eines Konvents.
Im 16.und 17. Jh. wurde die Kapelle „gotisch überformt!“ 1792 wurde die letzte Messe gelesen. Der Konvent löste sich auf und die Kapelle wurde als Pferdestall benutzt.

1970 wurde die Kapelle restauriert. Marc Chagall wurde beauftragt die offene Front mit einem Glasfenster zu schließen. 1976 wurde das Fenster, das den Frieden als Motiv hat, fertiggestellt.

Es misst 12m x 7,5m und wiegt 0,9 Tonnen. Chagall lieferte allerdings nur den Entwurf. Umgesetzt, also ausgemalt, wurde das Fenster von einem gewissen Charles Marcq.

Nun, soll man jetzt das Fenster geringer schätzen, nur weil es ein „Gehilfe“ kopiert hat? Ich denke: Nein! Es ist ein epochales Kunstwerk, das den Betrachter die Inspiration Chagalls fühlen lässt. Das gilt sinngemäß auch für die Chagall‘sche Tapisserie im
nahegelegenen Heimatmuseum von Sarrebourg.

Zur Information für alle von unserem Mitglied Barbara/Sternwald, die wieder der Sache auf den Grund gegangen ist (herzlichen Dank, liebe Barbara!):

Das Glasmaleratelier Jacques Simon in Reims setzte unter der Leitung des Künstlers Charles Marq die Fensterentwürfe von Chagall in Glas um. Der erfahrene Charles Marq arbeitete ständig an neuen Verfahren, um die Farbe von Chagalls Gouache-Entwürfen möglichst genau und durchleuchtend ins gebrannte Glas umzusetzen. Dabei sind die Farben innerhalb der einzelnen Glasscheibe stets subtil abgestuft; nur so kann der unvergleichliche Zusammenklang der Farben und Formen in diesen großen Fenstersymphonien entstehen. Chagall ließ Marq und seinen Mitarbeitern in der Werkstatt Raum zu eigener Entfaltung. „Er denkt nicht daran, von ihnen absolute Treue gegenüber seinen Entwürfen zu verlangen, die an sich schon vollkommene und unwiederholbare Kunstwerke sind“ bezeugt Charles Marq.
Wie differenziert Charles Marq und Marc Chagall im Einzelnen gearbeitet haben, sieht man nur, wenn man nah an die Fenster herantritt: Wie in gotischen Kathedralen sind höher gelegene Details allein dem Auge Gottes anheim gegeben.

Die fünf großen Fenster für das Zürcher Fraumünster waren innerhalb eines Jahres fertig. Dann reiste der Künstler an und zeichnete mit Griffel, Pinsel und Bürste in Schwarzlot die Figuren und Schatten auf die provisorische in Blei gefassten Glasscheiben. Dabei kommt es darauf an, die Wirkung des einfallenden Lichtes mitspielen zu lassen. Entspricht die Durchstrahlung der einzelnen Scheibe schließlich dem Willen des Künstlers, wird sie gebrannt und mit den anderen zusammengesetzt.

(aus: Aaran,N.: Marc Chagall.- Reinbek: Rowohl Taschenbuch Verlag, 2003, S. 129-130)

„In Abrahams Schoß!“

Die üppige Hitze des Nachmittags hatte uns nun schon deutlich geschwächt, uns konnten jetzt nur noch kühle Getränke retten. Aber für rund 40 Leute Platz im Café "Chez Anthony" zu finden ist schier unmöglich, zumal die Einheimischen schon alle strategischen Erfrischungsplätze okkupiert hatten. Die Gruppe war dann auch ziemlich zerfleddert als zum Aufbruch geblasen wurde.

Lothringen
- Die süßen Versuchungen im Café "Chez Anthony" -

Nun rollten wir südwärts in „unserem Bus“, geborgen wie in Abrahams Schoß, dank der Fahrkünste von Wilfried/Greybaer.

Margit hatte uns schon auf der Hinfahrt Zitate aus dem Buch: “Liebe zu Lothringen“ vorgelesen. Heimwärts brachte sie dann immer noch genug Energie auf weitere Nachrichten vorzutragen.

Im Osten, noch vor Straßburg, glomm ein Gewitter auf, es erlosch wieder und stand dann drohend am Himmel wie eine Zitadelle.
Und jetzt am Ende dieses Berichtes gleitet dieser ereignisreiche Tag in meine große Schublade für: “Schöne Erinnerungen!“

Margit/anmargi hat sich wieder selbst übertroffen, nicht nur mit der Idee und deren Durchführung, sondern auch mit der vielfältigen Organisation und der vielen, vielen Mühe die sie sich jedesmal macht um uns einen schönen, vergnügten Tag zu bereiten.

Nochmal herzlichen Dank auch an Wilfried, unseren „Abraham!“

Quelle: R. Descombes Ing. Arrt Service Navigation Strasbourg

Lothringen
- Wilfried/Greybear - unser "Driver" -

- Erwin/Zahnrad, unser Fotograf -

Lothringen
- hier noch einmal Pitt, der Verfasser dieses wunderbaren Berichtes -

Fotos: Erwin/Zahnrad, Ingeborg/Ibobibo, Margit/anmargi

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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