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- Radwandern und Kulturgeschichte im Landkreis Emmendingen -

Der spinnerte Petrus.

Am Vorabend dieser Tour saß ich völlig entspannt auf meiner Terrasse, genoss einen Roten Gutedel und war mit mir und der Welt zufrieden. Endlich war ich morgen die Last einer Radveranstaltung los, die schon zweimal verschoben worden war. Kein Zweifel: In die Dämmerung des Abends mischten sich jene altrosa Farben des Abendrots die unverbrüchlich gutes Wetter avisierten.

Morgens, noch schlaftrunken, beim Abholen der BZ, bekam ich einen Schwall Regenwasser in den Nacken, nach dessen Kühle ich aber so was von nüchtern war.

Sapradi! Es regnet!

Der Hl. Petrus, der spinnerte Wettermacher, war sich mal wieder treu geblieben und hatte sich den Weissagungen der Meteorologen angeschlossen.

Es muss sein schlechtes Gewissen gewesen sein, dass ihn bewog seinen Malkasten zu öffnen und bizarres Gewölk an den Himmel zu tupfen. Sehr spät, denn wir elf Unentwegten waren zu der Zeit schon unumkehrbar unterwegs!

Zum Hermannsbrunnen

Dunkelgraue Wolken, die sich wie schwere Seide am Himmel drapierten, sorgten für angenehmes Klima, nur 23°C an einem windlosen Samstag am Monatsanfang des Septembers.

Start um 10°° Uhr vor dem Portal von IKEA nordwärts durch Vörstetten hindurch, ein wirklich malerisches Dorf, das sich durch seine achtsam restaurierten Fachwerkhäuser selbst ein Denkmal setzte.
In Wasser erreichten wir den Elzdamm. Spinnweben blitzten in den Uferwiesen im Licht, der Geruch von Herbstzeitlosen lag in der Luft, die dritte Jahreszeit zeigte diskret, aber unmissverständlich den Verrat am Sommer an.

In Köndringen stießen wir durch den Seegraben in Richtung Heimbach vor, dem Hauptziel unserer Reise. Am Hermannsbrunnen eine erste Rast. In drei Brunnenschächten murmelt eine nicht versiegende Quelle. Dieser Platz, schön ausgestaltet in rotem Sandstein, war jahrhundertelang Sitz des Waldgerichts des Vierdörferwaldes.

Der Vierdörferwald ist seit der 2. Jahrtausendwende ein von den Dörfern Malterdingen, Heimbach, Köndringen und Mundingen gemeinsam genutzter Waldbesitz. Die älteste Waldordnung stammt aus dem Jahr 1482. Die Hoheit über die Nutzung des Waldes lag beim Waldgericht, es tagte einmal im Jahr und führte alle sieben Jahre eine Waldinspektion durch. Es bestand aus 24 Waldrichtern, je sechs aus jedem Dorf, der Vorsitz wechselte von Dorf zu Dorf. Zahlreiche Waldbestimmun-
gen sind erhalten, so durfte Holz nur von St.Gallus bis Ostern gefällt werden. Jeder Waldgenosse durfte vier Schweine in den Wald treiben, wer keine Schweine besaß, durfte Eicheln sammeln.

Häufige Streitigkeiten führten zur Aufteilung des Vierdörferwaldes. Bis 1805 gehörte Heimbach zum habsburgischen Vorderösterreich. Das bewirkte, dass in Heimbach – anders als in den übrigen Ortsteilen von Teningen – die Reformation nicht durchgeführt wurde.

Eine endgültige Aufteilung des Waldes erfolgte 1838. Heimbach musste für die Buntsandsteingruben, die in ihrem Sektor lagen, den anderen drei Dörfern eine Abfindung zahlen.

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Markgrafen stets ein begehrliches Auge auf den Wald warfen, und wenn Heimbach nicht in habsburgischem Besitz gelegen hätte, wäre ein besitzergreifender Zugriff wohl unvermeidlich gewesen.

Die Heimbacher Pfarrkirche St. Gallus

Im 14.Jh.war die Kirche Vorläufer einer Marienkirche als Filiale der Kirche in Köndringen. 1744 – 1777 Neubau der Kirche unter dem Patronat des Hl. St. Gallus. Errichtung des Hochaltars 1776. Einbau der Orgel erst 1977.

Schon die äußere Erscheinung dieser Barockkirche ist bestechend. Ein schöner, mit Voluten bekrönter Giebel verspricht dem Betrachter im Inneren der kleinen Saalkirche weitere Sehenswürdigkeiten. Innen schlägt das Licht so hell in den Raum, dass man zunächst wie geblendet ist. Hervorragende Stuckarbeiten in angemessenen, zurückhaltenden Farben geschmückt, verweisen auf die Zeit des Spätbarocks und den Beginn des Rokokos. Die dekorative Ausstattung des Hochaltars und der beiden Nebenaltäre, die von dem Endinger Barockbildhauer Joseph Amann geschaffen wurden, oblag Johann Pfunner,
dem am meisten beschäftigten Barockmaler Freiburgs. Die Eigenheiten der Nebenaltäre zeigen deutlich die stilistische Übereinstimmung mit dem Hochaltar. Bildhauer und Maler schufen demnach das Altarensemble in einem zusammenhängenden Arbeitsgang.

Ganz frei und leicht kann man in dieser hellen Kirche stehen, das freundliche und gar nicht dramatische Licht beleuchtet das Sakrale dieser Kirche in vortrefflicher Weise.

In einer Nische des Platzes vor der Kirche fällt dem Betrachter ein Kreuz auf, es bildet den Mittelpunkt der Gedenkstätte für die Opfer aller Kriege, von denen dieses Dorf heimgesucht wurde. Ein Mahnmal, das ohne jedes Pathos auskommt, schlicht und unprätentiös. In der Annäherung und beim Lesen der Texte, die in den roten Heimbacher Sandstein eingemeißelt sind erkennt man die Intention des Schöpfers, dass er mit diesem Denkmal Frieden stiften will. Es gelingt ihm, insbesondere auch deshalb, weil er die Zivilbevölkerung, die an den unmittelbaren und mittelbaren Kriegsfolgen im Dorfe starb, mit in die Andacht einbezieht.
Sehr bemerkenswert.

Im Glashaus

In Köndringen und in Schallstadt gibt es ein Restaurant mit dem Namen Vinolivio. Beide Häuser sind in einem ganz aus Glas und Stahl gebauten „Treibhaus“ untergebracht. Das Interieur ist identisch, eine Mischung aus mediterranem Flair und urbanem Stil. Man sitzt unter Olivenbäumen, oder auch unter der den hohen Raum ausfüllenden Palme. Das Exterieur ist jedoch der äußerste Kontrapunkt.

In Schallstadt schaut man in den südlichen Breisgau, auf den Batzenberg oder in die Vogesen. Einfach in stimmungsvolles Grün!

In Köndringen schaut man in das Industrieviertel des Ortes, also ins Graue.

Das drückt die Stimmung aber nur in geringem Maße. Das mediterrane Angebot an Speisen ist solide, die Preise eher moderat, der Service freundlich und diskret.

Empfehlenswert!

Dort kehrten wir auf der Rückfahrt ein und stärkten uns für die letzen 30 Kilometer der Tour.

Danke an alle Teilnehmer, Ihr seid eine fidele und homogene Truppe gewesen. Ein anderes Mal bin ich gerne wieder mit Euch unterwegs.
Ich freue mich schon drauf!

Fotos: Zahnrad

Autor: Pitt70

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