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»Tour de Bavaria«


Freiburg, Sechs Uhr Dreißig.

Beim Start in der Engesserstraße hatte sich die fahle Pastille der Sonne in einen flimmernden Feuerball verwandelt. Der Himmel in Freiburg von der Hitze des Vortags noch bleiern grau, zeigte sich in der Rheinebene schon in wolkenlosem Blau.

Der Umweg über Karlsruhe war der Baustelle im Höllental geschuldet, die nur Abwärts-verkehr durchließ. Die Fahrt verlief in einschläfernder, ereignisloser Weise. Der Bus, komfortabel klimatisiert, trug das Seinige dazu bei.

Unterwegs wurde eine Jause unter freiem Himmel abgehalten, die Gäste verdrückten sich soweit als möglich in den Schatten halbwüchsiger Bäume, und dankten den beiden Drivern, dass sie so freundlich waren und den Bus wieder öffneten.
Feiertäglicher Verkehr, keine Staus. Weite Blicke in die Landschaften Südwest-
Deutschlands, Hier und dort ragten aus der Weite Kirchtürme heraus, die Häuser der Dörfer drängten an sie heran. Der Blick wanderte weiter über die Trichter der Täler und über die Kämme der Hügel, die namenlos die Autobahn begleiten.
Nach achtstündiger Reise trafen wir in Ruhpolding ein. Ein schmuckes Dorf, ganz mit dem Fremdenverkehr verwachsen.

Radltour Chiemgau
Das Busmaskottchen Bruni

Das Hotel „Zur alten Post“ zeigte sich rustikal, nach dem Landesindex ein **** Sternehotel, mit allen Angeboten die sich der Gast wünscht. Der Service zeigte sich sehr freundlich und hilfsbereit und die Köche hatten ebenfalls gute Tage erwischt.


Unser Guide, mit dem typisch bayerischen Namen Charly, ein Charakterkopf mit wilder Haartracht und 1.85 Meter Größe klärte uns in einem ersten Gespräch – und in bayerisch – über seine Vorhaben auf. Charly bemühte sich um uns in recht solider Weise, und wir staunten über seine Ortskenntnisse. In der Nacht rumpelte ein Gewitter über Ruhpolding und nahm der Hitze einige Wärmegrade ab.

Charly führte uns mit einer verblüffenden Ortskenntnis an die Ufer des Sees und durch die Ortschaften Seebruck, Gstadt, Chieming und Prien.

Schöllkopf Nr. Eins

Heute, am Montag war die Umrundung des Chiemsees angesagt. Der Chiemsee wird auch das bayerische Meer genannt, und ist tatsächlich der zweitgrößte See Deutschlands.

30 Radler! fuhren mit ihren silbernen Helmen hintereinander wie auf einer Perlenschnur aufgefädelt, und es sah aus als zöge eine Schar Ritter mit ihrem Harnisch in ein Scharmützel.

Endlich klarte der Himmel auf und zeigte sich in den „Nationalfarben“ Blau und Weiß. Der Hitze konnten wir nicht entfliehen, aber der Fahrtwind trug das Seinige dazu bei und kühlte uns ein wenig ab.

Am Schöllkopf Nr. 1, einem traumhaften Stück weißblauer Erde rasteten wir. Eine versponnene Sonne lag über dem Wiesenviereck, dahinter der unendlich hingebreitete See.

Radltour Chiemgau
- Ein Platten - kein Problem für Charly! -

Urmächtige Eichen säumten den Spülsaum des Sees. Das Laub leuchtete, alles war überstrahlt von diesem starken Licht. Die Badenden, die unter den Eichen lagerten, konnten ihre Kinder einfach laufen lassen, wegen der Größe des Areals und dem großen Flachwasserbereich mit feinem Kieselgrund.

Zur Fraueninsel

Nun teilte sich die Gruppe in zwei Hälften. Die Einen besuchten die Fraueninsel, die Anderen nahmen Kurs auf den südlichen Uferabschnitt des Sees und nahmen die verbliebene Reststrecke der Chiemseeumrundung mit der Gelassenheit von Profis.

Wegen eines Fahrplanwechsels verhedderte sich die Abfahrt auf der Fraueninsel und die Biker mussten warten bis die Fraueninselbesucher wieder an Bord waren.

Abends gutes Essen, der Zweigelt im Glase verschönte den milden Abend, danach traumloser Schlaf.

Über das Seegatterl

Strahlender Sonnenschein verbesserte unsere gute Laune weiter. Heute, am dritten Tag, war eine Tour nach Reit im Winkel angesagt. Diese Tour sollte die schwierigste Tour dieser Tage werden.

Azzuro nennen die Italiener ein gewisses Blau, das schwer zu beschreiben ist. Jedenfalls ein tieferes Blau war an diesem Tag nicht zu erreichen. Stetig moderat hinauf durch dichten Laubwald gewannen wir rasch an Höhe. Unter uns die drei kleinen Seen: Weitsee, Mittersee und Lödensee. Die flachen Ufer laden zum Verweilen ein, die Seelis (wie die Schweizer sagen) lagen mit ihren grünen Augen recht kommod und entspannt in ihren Betten. Kaum besucht, weil dort Baden nicht gestattet ist.

Unmissverständlich verwies Charly auf den nun beginnenden Aufstieg zum Seegatterl. Es wurde dann auch recht mühsam, vor allem für die Fahrer, die ohne elektrische Hilfe unterwegs waren. Oben waren dann aber alle gut angekommen, mehr oder weniger verschwitzt. Zum Lohn bekamen wir eine rasante, lange Abfahrt geschenkt, die erst an der Winklmoosalm endete. Dort teilten wir uns wieder, vier recht gut trainierte Damen fuhren ins Tal zurück. Der Rest machte sich nun auf den Weg nach Reit im Winkel, einem eher kleinen Dorf. Aber recht üppig mit Weilern gesegnet, die behäbig in der Sonne lagen und um Reit im Winkel einen bäuerlichen Kranz woben.

Die Hitze wurde nun unerträglich, wir retteten uns in verschiedenen Grüppchen in die vorhandene Gastronomie und kühlten uns ab.

Radltour Chiemgau
Triathlon-Anlage

Dann wurden wir vom „eisgekühlten“ Bus abgeholt und nach Ruhpolding gefahren. Dort erwartete uns nun nicht eine Siesta, beileibe nicht.

Am späten Nachmittag wurde ein Kontrastprogramm angeboten, mit der Auffahrt zum Rauschberg, 1645 Meter hoch, dem Hausberg von Ruhpolding. Die Bahn fährt recht schneidig steil bergauf mit einem einzigen Stützmast und überwindet 922 Meter, mit einer Geschwindigkeit von 9 Meter/sec. Oben angekommen wäre die Aussicht grandios gewesen, aber starker Dunst verhinderte den gewünschten Weitblick.
Dafür entschädigte uns der Gondolfieri mit profundem alpinem Wissen, dass er reichlich und auf sehr freundliche Weise verteilte.

Interessant war die Tatsache, dass sich hier oben die Wärme genau so breit machte wie unten im Tal.

Abends im Hotel wurden wir mit einem „bayerischen Abend“ überrascht. Am Buffet
gab es alles was die Bayern gerne essen, nur Weißwürste gab es nicht! Das schmälerte das Buffet aber nicht, es war mit Akkuratesse hergerichtet und schon beim Anschauen lief einem das Wasser im Mund zusammen. Chapeau an die Küche!

Sehr spät in der Nacht wurde Ruhpolding von einem Gewitter überfallen, mit Starkregen, Temperatursturz und allen anderen Attributen die Gewitter halt so mitbringen, an Schlaf war zunächst nicht zu denken.

Am grünen Inn

Das Gewitter hinterließ Spuren, alle Straßen waren noch nass, als wir uns auf den Weg nach Rosenheim am Inn machten. Die Lufttemperatur war um 20°C gefallen!
Wir stießen gegen den Walchsee vor, durch die sattgrünen Wiesen, und die dunklen Wälder. Wir sahen schöne stille Winkel und einsam gelegene Weiler. Dann fing es an zu regnen. Also „Kleiderwechsel.“

Eine Superabfahrt hinunter ins Inntal. Wieder „Kleiderwechsel!“ Es klarte auf. Die Abfahrt nahm kein Ende, hinter einer Biegung erschien der grüne Inn. Er sah aber eher grau aus, das war dem Stauwehr und dem schlechten Wetter geschuldet.

Der Spiegel des Inn schimmerte matt, jedoch ohne das lebhafte Glitzern das sonst die Sonne auf dem dahintreibenden Fluss hinterlässt.

Wir fuhren auf dem Inndamm einige Kilometer in Richtung Nußdorf, dort wollten wir rasten. Wir gerieten in eine echte Bayerische Wirtschaft mit Biergarten, über den sich die riesigen Äste von Kastanienbäumen ausstreckten. Und da gab es dann auch Weißwürste mit Brezn, das ist in Bayern das Nationalgericht in jedem g’scheiten Lokal.


Die Brotzeit wurde nun wieder von einem Regenschauer mit kapitalen Regentropfen unterbrochen. An Radfahren war nicht zu denken, aber Rosenheim stand ja noch auf dem Programm. Also Verladen der Lastesel und in den Bus geschlüpft. Die Besichtigung Rosenheims war uns aus prosaischem Grunde verwehrt, der Driver fand keinen Parkplatz für seinen Gigaliner. Also kein Aufenthalt, dafür Heimfahrt nach Ruhpolding. Dort besuchten einige Unentwegte noch die „Windbeutelgräfin.“ Zu was wohl?

Die Melancholie des Abschieds

Zum Abschluss stand noch eine etwa 20 Kilometer lange Tour in Richtung Traunstein auf dem Programm. Zunächst lief alles nach Plan. Aber dann geriet bei einer Teilnehmerin ein Stück Holz zwischen Kette und Antrieb und an eine Weiterfahrt war – zunächst – nicht zu denken. Aber es gibt sie, die hilfsbereiten Männer mit genügend Werkzeug in der Satteltasche. Zwei halfen zusammen und sehr bald war das Rad wieder fahrbereit.

Aufbruchstimmung, Kofferpacken.

Radltour Chiemgau
Eine Lederhos'n für Erwin?

Beim Packen schon die Erinnerung an das Gestern. „Abschiede kommen wie Hunger und Durst,“ suggerierte ich mir und schaute nicht mehr zurück.

Danke zu sagen am Ende solcher Tage fällt leicht. Dank an Michael, den unermüdlichen Driver und Fahrradstapler, Dank an Charly, den charmanten Guide.

Ende der Achtziger Jahre schrieb ich über Ingrid Kern, als Organisatorin einer Skiwoche, zusammen mit dem Skiclub Freiburg: „Eine ebenso engagierte wie liebenswerte und charmante Frau – die muss man einfach mögen.“
Ich habe meine Meinung nicht ändern müssen.

Euch allen: Merci vielmals, ihr wart einfach Spitze!



Radltour Chiemgau
Bericht: Pitt - hier links im Bild

Bericht: Pitt70

Fotos:

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