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Horizon Field
Eine Landschaftsinstallation im alpinen Hochgebirge


Das Kunsthaus Bregenz hat mit dem britischen Künstler Antony Gormley ein einzigartiges Landschaftsprojekt in Vorarlberg realisiert, das bis April 2012 in den Bergen zu sehen ist. Horizon Field besteht aus einhundert lebensgroßen Abgüssen eines menschlichen Körpers aus massivem Gusseisen, die über ein Gebiet von 150 Quadratkilometern verteilt, eine horizontale Linie auf 2.039 Metern über dem Meeresspiegel bilden. Der gewählte Höhenhorizont hat keine metaphorische oder inhaltliche Bedeutung. Sie resultiert aus der Erfahrung des Künstlers vor Ort, dass es sich hierbei um eine gut zugängliche und dennoch dem Alltag enthobene Höhe handelt. Es ist die bis heute größte künstlerische und landschaftliche Intervention in Österreich. Mit dem im Bregenzerwald und im Arlberggebiet angesiedeltem Horizon Field ist erstmals ein derartiges Kunstprojekt im Hochgebirge umgesetzt worden. (…) *

Der britische Künstler Antony Gormley

Antony Gormley wurde 1950 in Großbritannien geboren. Er wuchs in Dewsbury Moor in West Jorckshire auf. Er war Schüler am Benediktiner- Internat Ampleforth College bevor er von 1968 bis 1971 am Trinity College in Cambridge studierte.

Seine Fächer waren Archäologie, Völkerkunde und Kunstgeschichte. Die folgenden drei Jahre verbrachte er in Indien. Von 1974 bis 1977 schloss er in London sein Kunststudium am Central Saint Martins College of Art and Design ab.

1994 wurde er mit dem Turnerpreis ausgezeichnet. Seit 2003 bekleidet er einen Lehrstuhl an der European Graduate School in Saas Fee.
Antony Gormley zählt zu den wichtigsten Künstlern weltweit und ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer Großbritanniens.
Seit den 1990er Jahren experimentiert er mit verschiedenen Materialien, so auch mit Stahl. Seine Arbeiten behandeln zumeist den menschlichen Körper als Thema. Sein eigener Körper diente in vielen Fällen als Vorlage für lebensgroße Metallplastiken.

Oberhalb der Baumgrenze

Die Installation der einhundert Plastiken, jede 640 Kilogramm schwer, war eine logistische Meisterleistung zumal in der vorgegebenen Höhe. Zunächst musste ein Fundament vor Ort gegossen werden, dem das Gewicht der Statuen sicher standhielt. Diese Arbeiten übernahmen die Mitarbeiter der Seilbahngesellschaften, der Bergrettung, sowie Pioniere des österreichischen Bundesheeres und viele andere Freiwillige. Die Standorte wurden mit GPS-Technik nach den Vorgaben Gormleys festgelegt. Und der Transport aus den Lagern im Tal nahm ein Helikopter wahr, der solcher Last gewachsen war.

Der Höhenhorizont von 2.039 m ü. NN liegt in den Vorarlberger Alpen allemal über der Baumgrenze.

Gormley sagt zwar er habe die Höhe der Standorte willkürlich gewählt, aber sein Hintergedanke war sicher die Erreichbarkeit der Plastiken dem Besucher nicht zu einfach zu machen. Von den Tälern aus sieht man die Statuen nicht, man muss schon hinaufsteigen, in die Höhe, in den Lichtraum des Gebirges.

Begegnungen

Am Fuß der Rüfispitze, einem grandiosen, kargen Felsendom, 2.632 m hoch, oberhalb von Lech, breitet sich zwischen Monzabonsee und Monzabonalpe das Gebuckel der Hochweiden aus; mäßig steil ins Tal fallend. 593 Meter unter dem Gipfel traf ich nach wegloser Querung auf den ersten „eisernen Mann.“ Er stand da wie ein Prätorianer im Dienste der Rüfispitze.

Mit kühlem Blick in die grauen Felswände des Lechquellengebirges jenseits des Tales schauend. Sein Körper hatte die Wärme des ganzen Tages gespeichert.

Ich saß zu seinen Füßen, angelehnt, entspannt. Es gibt Orte, die strahlen etwas Besonderes aus. Orte mit Kraft und Poesie, hier am Standort dieser Skulptur war so ein magischer Ort. Eine Insel der Ruhe, der Ausgeglichenheit und Beständigkeit.
Seufzend gürtete ich nach einiger Zeit meinen Rucksack. Addio!

Einige Hundert Meter horizontal des Weges weiter in Richtung Monzabonalpe traf ich zu meiner Überraschung einen weiteren „eisernen Mann.“ Aber welch ein Kontrast! Lärm und Geschrei von drei halbwüchsigen Buben, die unter den besorgten Blicken ihrer Mutter sich im Reibungsklettern an dem eisernen Mannsbild übten. Dieser ließ die Belästigung mit stoischem Blick über sich ergehen. Immerhin eroberten sich zwei der Knaben je eine Schulter der Skulptur, während der dritte Bub sich zwischen Körper und Arm des Iron Man im Rissklettern übte.

Ein Mordsspaß für die Buben. Nur die Mama war wenig amüsiert über die rostigen Patinaflecken auf den T-Shirts ihrer Kinder. Dafür strahlte der „eiserne Mann“ frischgeputzt und mattglänzend in britischer Nobility.

Zerstörung?

Nicht verstehen kann ich den engen Zeitrahmen der diese riesige und großartige Installation begleitet. Nach dem großen Erfolg der „Eisenmänner“, dieser hundertköpfigen Gebirgswacht, frage ich mich warum man die Installation im Juni 2012 zerstören will. Und ich frage mich warum man die Skulpturen nicht ankauft. Dem Land Vorarlberg und dem Staat Österreich böte sich die einmalige Chance dieses gewaltige Kunstwerk für immer zu besitzen.

Den „Eisenmännern“, die mit soviel Begeisterung empfangen wurden, böte sich ihr Standort als immerwährende Heimat an. Robust genug sind die Statuen allemal. Hat sich auf Gusseisen erstmal eine Patina gebildet, trotzen die Skulpturen Jahrhunderte lang den Unbilden des Wetters an ihrem Standort.

Erst nach einem Jahrtausend würden sie zu Rudimenten der „Eisenzeit!“
Warum eigentlich nicht?

* Quelle: KUB Kunsthaus Bregenz

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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