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Ein schöner Tag im Taubergießen am

6. Mai 2009

Komm lieber Mai und mache... Zu spät.. Diese Bemühungen hatte ihm, dem Wonnemonat, der April schon längst abgenommen, in einer Blitzaktion. Üppig grün ist es überall, kein Baum „tat uns was“ (schlug aus !?) Der Mai fügt uns nun noch viele schöne Blumen und Blümchen hinzu; die Natur ist ein einziges Fest

Mit Bahn oder Bus, wie sonst meist, war unser Ziel diesmal nicht zu erreichen, also bildeten sich Fahrgemeinschaften. Wer glücklicher Besitzer eines Autos ist, bot freie Plätze denen an, die keines haben, und an einem vereinbarten Platz, wo wir in einer Art Sternfahrt zunächst mal alle landeten.


Das ganze wurde noch „verdichtet“, die „überflüssigen“ Fahrzeuge stehen gelassen, bis zum nächsten Parkplatz, kurz vor dem eigentlichen Ziel. Hier empfing uns ein netter Führer von der Familie Kirner,

um uns dort hin zu geleiten, wo wir heute eigentlich hin wollten. Genau weiß ich es nicht, schätze aber etwa 15 bis 20 Wegminuten durch den Wald; der Boden bedeckt mit unzähligen weißen Blütensternen des (noch) blühenden Bärlauchs, den Zenith hatte er allerdings überschritten. Bärlauch und Maiglöckchen

die zu den ersten Frühlingsblümchen zählen, blühen zwar beide weiß, doch ihre Blüten sind doch sehr unterschiedlich, der Duft auch, mit dem betörenden Duft des Maiglöckchens hat der eher rustikale Knoblauch“Duft“ des Bärlauchs nun wirklich nichts zu tun, dafür sind sich die Blätter beider Pflanzen zum verwechseln ähnlich, - und das kann gefährlich sein. Unzählige Speisen werden mit Bärlauchblättern gewürzt, und ein Salat kann sogar mit den Blüten garniert werden, die man mitessen kann; bei dem giftigen Maiglöckchen wäre das tödlich. Doch der Duft des Bärlauchs zieht ebenfalls in ganzen Wolken über den Waldboden hin und ist daran ganz gut zu erkennen, man muss nur am Blatt schnuppern, wenn man sich unsicher ist. Auf einem Feld balgten sich Hasen (leider kein Bild „geschossen“), ein inzwischen seltener Anblick.
Durch die Bäume glitzerte es, und da wollten wir hin, - wir sind im Taubergießen.


Ein längst weit bekanntes Zauberwort. Ein Naturschutzgebiet seit dem Jahr 1979, hier sind wir am Ziel.
Alte, hölzerne, flache Fischerkähne lagen am Wasser, sie wurden nun so weit aus dem Wasser heraus gezogen,


dass wir nicht mehr so jungen „Herrschaften“ bequem einsteigen, auf den niedrigen, stoffbezogenen Sitzbrettern Platz nehmen konnten; schon seit Wochen hatten wir uns auf diese Unternehmung gefreut, die dieses mal Riviera für uns organisiert hatte und dafür sei ihr großer Dank.
Still und ruhig war es um uns herum, das heißt: hätte es sein können, wenn unsere, wie meist, aufgedrehte Truppe (und ein Hund, der kaum etwas sagte!) es nicht fertig brächte, einen ziemlichen Lärm zu veranstalten, alle redeten aufgeregt durcheinander, so konnte man „die Stille nicht hören.“ Und Glück hatten wir natürlich auch; zwar fast ohne Sonnenschein, doch „regenlos“ und ohne nennenswerten Wind, wurde es eine schöne „Kahnpartie.“

Und eigentlich brauche ich Euch nicht mehr so viel zu erzählen, das Meiste wisst ihr ja schon. Für mich war ganz interessant, endlich mal zu erfahren, weshalb dieses Gebiet so heißt: Nämlich das mit „taub“ nährstoffarmes Gewässer gemeint ist; auf diese Idee käme man allein überhaupt nicht, letztlich gibt es darin doch eine ganze Menge Grünzeug.


Brunnenkresse und gelb blühende Teichrosen wachsen hier, flutender Hahnenfuß. Fische sah ich tatsächlich keine. Ein taubes Fließgewässer, gibt es das? Mit Gießen jedoch sind die Bodenaustritte des Wassers gemeint, wovon möglicherweise die vielen kleinen Strudelchen zeugten;

daher „tauber Gießen.“ . Tot ist dieses Gewässer also doch nicht ganz, und vor längerer Zeit hatte jemand versucht, Forellen zu züchten. Den Forellen gefiel es offensichtlich nicht; das Wasser ist nicht nur nährstoff- sondern eben auch sauerstoffarm, klar und sauber allein reicht nicht für eine Forelle, für Fische; auch sie müssen „atmen.“
Ruhig gleiten unsere beiden Kähne auf dem stillen, blaugrünen Wasser dahin, da hörte man es rechts von uns plätschern, ein großes, hölzernes Mühlrad drehte sich da.

Es hatte Abhilfe schaffen, den Forellen Sauerstoff in ihr Becken schaufeln sollen, das romantische braune Mühlrad. In der nahe gelegenen Hütte seien Netze und Reusen aufbewahrt worden. Die Forellenzucht gibt es nicht mehr. Doch es gäbe Welse, meinte der Bootsführer, die könnten 150 bis 180 cm lang werden. Erscheint dass nicht ein wenig wie Anglerlatein? Auch von einem früheren Anglerplatz erzählte er und brachte uns zum Lachen mit der Auskunft eines Anglers, der auf die Frage, wie viele Fische er denn schon gefangen hätte, gesagt haben soll: „Also wenn ich den jetzt kriege, und noch 9, dann habe ich 10 Fische.“ Eine 425 Jahre alte Lachsfalle sei aber noch vorhanden, Lachse seien früher ein Arme-Leute-Essen gewesen. (Ähnlich wie auch Krebse und Heringe, heute unvorstellbar).

Wir fuhren an dem blauen Wasser des Quelltopfes vorbei, dem größten im Naturschutzgebiet. Dass Wasser teile sich in zwei Arme von 12 und 8 Metern. Links und rechts unseres Fahrwegs waren eingeschlagene Pflöcke zu sehen, sogen. Faschinen, die das Gewässer vor dem Verschlammen bewahren sollen.


Und auch vor Hochwasser schützen, falls das Grundwasser steige, erfuhren wir und dass gewitzelt würde, wer kein Wasser hätte, hätte auch keinen rechten Keller. Auf eine große Spitzpappel wurde hingewiesen, die eigentlich Napoleonpappel heiße, weil sie genau auf der Grenze zwischen Elsass und Deutschland stehe, (auch „unser“ Kahn gehöre einem Elsässer). Überhaupt pendelten wir offensichtlich dauernd zwischen zwei Ländern hin und her, weil die Grenze irgendwo im Wasser verlaufe. Zwei Drittel seien französisches Gebiet und ein Drittel Deutsches.


In einer Flachwasser Zone wohnten Kröten, waren sie es, die uns das Froschkonzert lieferten? Und von den Elstern erzählte der Bootsführer, sie bauten Deckel über ihre Nester, weil sie sonst von den Raben geplündert würden. Ja, auch Vögel können erfinderisch sein, wenn es denn sein muss.

Mehrmals waren Bisamratten zu beobachten, (Nicht deuten, sonst sind sie sofort weg“, meinte unser Führer) und ich bin schon sehr gespannt, ob unserem „Hoffotografen“ Erwin tatsächlich auch ein Bild

von denen geglückt ist (ja). Die letzte die ich sah, saß dicht am Uferrand und putzte sich eifrig. Übrigens ein Tier, das noch immer keiner Gattung zugeordnet werden konnte. Nutria heißt es u.a., Biber- oder auch Ferkelratte, doch verwandt ist es mit keinem von ihnen. Die Bisamratte (die auch keine Ratte ist) ist ein eingebürgertes Tier, wie so manche andere auch, andere Tiere sind eingewandert. Andererseits seien 148 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. Dieses Gewässer, bestehend aus der Elz und der in sie mündenden blinden Elz, ist ein ideales Gewässer für Tiere, die in unterirdischen Bauen wohnen, deren Ausgangsröhren noch unter dem Wasser münden. Die Bisamratte ist Vegetarier, die Nahrung besteht ausschließlich aus Wasserpflanzen, nur ganz gelegentlich wurden auch schon ausgefressene Muscheln gefunden, Fische fängt das Tier nicht. Sie lebt ähnlich wie der Biber und die Indianer sollen beide als Brüder bezeichnet haben, wobei die Bisamratte die Dümmere sei.



Erwin, der gewöhnlich die schönsten Bilder macht, stand plötzlich auf in dem kleinen Boot. „Bleib sitzen!“ rief ich entsetzt, „sonst landen wir im Bach!“ Das störte ihn nicht“..,.. aber, ich will doch euch alle habe, - und dees Boot do hinde...“

sagte er seelenruhig, und kümmerte sich nicht um mein Gezeter. Tatsächlich brachte ein Schwan, der in den Bootsrand biss,


den Kahn eher noch zum wackeln. Zuvor hatte mich auf der anderen Seite einer in die Hand gebissen, offenbar war ich ihm beim Brotwürfel verteilen wohl zu langsam gewesen. Riesig erschienen sie mir, die schönen Vögel. Leider waren es nur vereinzelte, offenbar gingen die Schwanenfrauen gerade dem Brutgeschäft nach, und die Herren lösten sich in beinahe gleichen Abständen aus dem Ufer und wollten wissen, wie mir schien etwas verärgert, wer sich da in ihr jeweiliges Territorium wagte und die Ruhe störte. Sie schwammen dem Boot entgegen, was wiederum uns freute, und solange ich noch Brotwürfel hatte, nahmen sie diese auch gern, ehe sie wieder umkehrten.

Später kamen einige wenige Erpel, ebenfalls ohne ihre Damen, die „Stockenten ohne Stock“, wie unser Bootsführer meinte. Ich hatte mit mehr Wasservögeln gerechnet, doch dazu war es wohl noch zu früh

Seit 1979 steht Taubergießen unter Naturschutz und das ist immer wunderbar, Menschen sind gedankenlos und so achten sie (vielleicht) etwas besser auf die Schönheiten unserer Natur. Solche Refugien sind kostbar, weil immer seltener. Der November schickt viele Zugvögel in solche Gebiete, und hier sind es Kolben –und Reiherenten, Grau- und Saatgänse, und noch andere.


Der Eisvogel wohnt hier, er brütet nahe am Ufer, drei mal im Jahr, war aber leider ebenfalls nicht zu sehen. Überhaupt war es sehr still, vielleicht waren einfach alle Vögel zu beschäftigt mit dem beginnenden Brutgeschäft; auch der Kuckuck, den hörte man rufen, macht es sich zunutze. (Er sei gar nicht scheu). 8 bis 15 Eier legt das Weibchen, und diese bekanntlich in fremde Nester, in jedes Nest eines, und bringt es tatsächlich fertig, die Farbe und Zeichnung ihrer Eier denen der Wirtsvögel anzupassen; deshalb sucht der Kuckuck sich auch immer wieder die gleichen Wirtsvögel aus. Das Kuckuckskind allerdings benimmt sich sehr rabiat, es wirft einfach alle seine „Geschwister“ aus dem Nest, weil es so gefräßig ist, damit hält es seine armen Pflegeeltern ziemlich in Atem.

Auf eine Länge von 12 Kilometern soll sich das Taubergießengebiet erstrecken sowie einer Breite von 2 Kilometern, gesamte Größe etwa 1700 Hektar. Bestehend aus urwaldähnlichen Auenwäldern, in denen Silberweiden, und Silberpappeln wachsen, die gern in der Nähe von Wasser leben, aber auch Ulmen und Eichen, Rotbuchen. Schwarzdorn blüht am Ufer, eine „deutsche Eiche auf französischem Grund.“ Die „Königin der Nacht“ gibt es im Taubergießengebiet.

Eine gemächliche Fahrt war es in dem braunen, alten Fischerkahn. Von der Saukopfbrücke erzählte uns der Führer unseres Bootes,

Abfahrt Rheinau Kappel, das einmal ein Boot fast gekentert wäre, weil es von einem schwimmenden Wildschwein gequert wurde. Erzählte, dass Tulla die Grenze von Elsass- Lothringen festgelegt hätte 1820; er hatte den Rhein begradigt und dadurch 90 Kilometer Strecke eingespart. Wir fuhren unter einer Brücke hindurch und nun bekam unser Wasserfahrzeug richtig Fahrt.

Es gäbe noch viel zu erzählen, doch das Lesen meiner schlechten Schrift ist mühsam, zu viel Text gäbe es vermutlich auch, und außerdem wollten wir uns noch die hier heimischen Orchideen anschauen. Riviera hatte einen Führer gefunden, der es wunderbar verstand, uns die Blüten einzelner Orchideen und auch anderer Wiesenblumen zu erklären.

Orchideen, erfuhren wir, seien die einzigen Pflanzen, die einen typischen Insektenduft produzierten, und die für sie jeweils wichtigen Insekten anzulocken, und dann kämen eben nur die Männchen. Die Rheinauewiesen seien zum Mähen an die Bauern verpachtet, sie dürften aber erst nach dem 15. Juni mähen, und nicht bei den Orchideen:

Brandknabenkraut und Helmknabenkraut , Ragwurz und
Bocksriemenzunge stellte er vor, Ohrenzunge und Hahnenklee, den wir auch als Katzenpfötchen kennen, silberne Spinnenragwurz, Hummelragwurz, Breitwegerich und Wundklee, Kartäusernelken blühten. Schachtelhalm, wurde uns erklärt, nähme man zum Töpfeschrubben, wegen der darin enthaltenen Kieselsäure, aus Beinwell würden Salben hergestellt. Schachtelhalm, Bärlapp und Farne seien die ersten Pflanzen gewesen, die aus dem Wasser auf das Land gekommen seien, Orchideen seien vor 2 Millionen Jahren die letzten gewesen, die auf der Erde auftraten, gleichzeitig mit dem Menschen. Eine besondere Eigenschaft haben die schönen blauen Blütchen des Wiesensalbei.

Damit der Bläuling, ein Falter, der dort herumschwirrte, gut an den Nektar käme und vor allem den Pollen weiter trage. Doch auch andere Schmetterlinge die „fliegenden Blumen“, konnte man vereinzelt beobachten. Blüten und Insekten bilden oft Gemeinschaften, wobei die Blumen überhaupt nicht uneigennützig seien, ihnen sei ihre Verbreitung wichtiger, das geht meist nur mit Insekten. Manche hätten deshalb ihre Blüten, zur Täuschung, dem Aussehen von Hummeln oder Bienen nachempfunden. Nebenbei wurde unsere Aufmerksamkeit auf das zarte Tirili einer Mönchsgrasmücke gelenkt; die, für uns unsichtbar weit oben im Geäst eines Baumes, ihr Liedchen trällerte. Dieser Vogel trägt eine dunkle Haube wie die Mönche, den Rest der interessanten Erklärung habe ich leider vergessen, weiß nur, es hat weder mit Gras noch mit Mücken zu tun.

Schön ist ein solcher informativer Spaziergang, man wird künftig mit anderen Augen durch die Wiesenblumenwelt gehen, die längst nicht mehr so bunt ist, wie das noch in unserer Kindheit war, und wenn man Orchideen hört, denkt man doch gewöhnlich an die prächtigen, um ein vielfaches größeren, Blüten aus den Blumengeschäften.

Mittlerweile waren wir hungrig, auch ein bisschen müde und ehe es heimwärts ging, gab es natürlich auch wieder ein gemeinsames Essen zum Abschluss, das gehört einfach dazu, und da so viel von Forellen die Rede war, aß ich auch mit großem Appetit eine solche, mit Mandelbutter und viel Mandeln.

Riviera hatte, denke ich, ziemlich viel Mühe,


mit dem diesmal unglaublich häufigen Auf und Ab bei den Meldungen,

danke, liebe Renate, für einen schönen Tag!


Bilder wird Anneli diesmal sicherlich sehr viele bekommen von allen Seiten und ich nehme mal an, die meisten und schönsten sind, wie immer, von Zahnrad. Davon spricht kaum jemand, deshalb auch ihm gleich mal im Voraus „danke“, jedenfalls möchte ich mich nicht „mit fremden Federn“ schmücken. Bisher waren unsere Unternehmungen und Berichte, von Organisation bis Schreiben, gewöhnlich Gemeinschaftsarbeit, bis zuletzt alles bei Anneli landet, der die restliche große Mühe bleibt, damit wir es endlich auch lesen können, das muss doch auch einmal erwähnt werden Danke deshalb auch Anneli.

Autor: Heupferd

Irene Sasse

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