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Die Art unserer heutigen Veranstaltung passte gut in den Monat November, allein das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung: es war frühlingshaft warm und sonnig, das Thermometer stieg auf 18 Grad C.

Herrn Bahnchef Rüdiger Grube konnte man für die kleine Verspätung nur bedingt verantwortlich machen, denn die Elztalbahn gehört zur DB Netz AG, eine Tochter der Bahn. Sie brachte uns sicher in einer halben Stunde nach Bleibach.

Herr Schätzle hatte uns geduldig erwartet. Heute war sogar ein Reporter des SWR mit von der Partie!

Wir wurden in die St. Georgskirche von Bleibach geführt. Ganz plötzlich hielten wir in unserer wie immer sehr lebhaften Unterhaltung inne, als aus dem Beinhaus der ohrenbetäubende Lärm einer riesigen Holzratsche kam – Herr Schätzle hatte sie bedient, bevor wir das Beinhaus betraten. Diese Holzratschen wurden immer (und werden noch heute) anstatt des Kirchengeläutes in der Fastenzeit eingesetzt. Der Eingang ins Beinhaus ist sehr niedrig gestaltet worden – eine Ehrerweisung an den Tod: man muss sich bücken, um hinein zu gelangen.

Herr Schätzle
Herr Schätzle und der Reporter vom SWR

Im ehemaligen Beinhaus stellt der Bleibacher Totentanz die Begegnung des Menschen mit dem Tod dar, er holt die Lebenden zum Tanz in die Ewigkeit ab. Er macht bewusst, dass er in das Leben der Menschen eingreift, wann und wo er will und keinen Unterschied macht zwischen Geschlecht, Alter, Beruf oder Stand. Er ist mit menschlichen Zügen versehen, die Gesichter zeigen regelrecht Mimik, was in einem Totenkopf nicht einfach darzustellen ist.

Die Darstellung eines Totentanzes sollte die Menschen zufriedener machen, zeigen, dass zum Beispiel Macht und Geld nicht alles sein kann. Es bleibt nur ein Häuflein Knochen von uns übrig, deshalb sollten wertvollere Prioritäten im Leben gesetzt werden.

Das Motiv der Gegenüberstellung von drei Lebenden und drei Toten war ca. 1250-1550 ein beliebtes Thema. Die Aussage der Toten war: Das was Ihr seid, waren wir. Das was Ihr werdet sind wir.“

Elztal-Radtour
- der Totentanz -

Totentänze waren im romanischen Raum Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland verbreitet. Die Grenze ist in Heidelberg. Sie beinhalten 3 Aussagen: sozialpolitische, pädagogische; die theologische kam erst später dazu.

Der Bleibacher Totentanz aus dem Jahre 1723 ist ein Wandgemälde und im südbadischen Raum einmalig, weil er bis heute vollständig erhalten geblieben ist. Die ursprünglichen Verse können unter den einzelnen Szenen noch nachgelesen werden. Er ist dargestellt mit einer Gruppe musizierender Gerippe und 33 Tanzpaaren.

Die Gruppe der sechs Sensenmänner spielen mit merkwürdigen Instrumenten das Lied vom Tod. Der Geiger spielt die Melodie mit einem Bogen, der als Sensenblatt dargestellt ist.

Das Gemälde wurde in Ölfarben rundum an den Wänden ausgeführt.

Auf dem umlaufenden Bilderfries tanzt der als Skelett dargestellte Tod mit seinen Opfern in allen Altersstufen. Es wird niemand verschont und jeder wird auf seine Weise abgeholt.

Er lockt in der ersten Szene ein Kind mit einem roten Apfel zum Tanz. Es folgen die Würdenträger des geistlichen Standes: Papst, Kardinal, Bischof, Abt und Priester. Anschließend treten die weltlichen Standespersonen auf: Kaiser, König, Herzog, Edelmann, Amtmann, Jurist, Doktor, Reicher Mann, Kaufmann, Bürger, Junggeselle, Soldat, Krämer, Koch, Bauer, Tagelöhner, Spielmann, Blinder und Alter Mann. Herr Schätzle zeigt ein wenig Mitleid weil den Schluss die Frauen bilden: Jungfrau, Kaiserin, Äbtissin, Freifrau, Stadtfrau, Bäuerin, Pilgerin und Altes Weib. Manche Bilder haben noch heute nicht an Aktualität verloren (z.B. das des Bankers, Bauern, etc.).

In fast allen Szenen kommt die Sanduhr als Zeichen der abgelaufenen Lebenszeit vor; beim ärmlich gekleideten Tagelöhner wird sie allerdings ersetzt durch eine Sonnenuhr.

Dem Totentanz vorangestellt ist ein Prolog. Herr Schätzle nahm dem Thema die Ernsthaftigkeit durch seine amüsante und lebhafte Interpretation der Verse – fast wie in einem Schauspiel konnte man sich vorkommen.

Herr Schätzle hat ein großes Wissen, er stellte Vernetzungen zu der übergreifenden Geschichte her und machte uns den Totentanz damit zusätzlich noch besser verständlich. Er ist Kunstmaler von Kulturgütern und in Hotels.

Nach dieser Führung erklärte er uns die Geschichte St. Georgskirche. Beide Gebäude sind direkt miteinander verbunden, die Kirche ist ganz besonders kunstvoll renoviert worden.

Aus Wikipedia:

Die dem Heiligen Georg geweihte Kirche vereint nach dem letzten Umbau 1978 sowohl in der Architektur als auch in der Inneneinrichtung baugeschichtliche Elemente von der Gotik bis zur Moderne.

Das Kirchengebäude kann in drei Bauteile untergliedert werden. Das moderne Kirchenschiff weist einen im Prinzip dreieckigen Umriss auf und verbindet den gotischen Chor mit dem Beinhaus aus dem Jahr 1720. Der von außen unspektakulär wirkende Bau wird vom bis zum Boden gezogenen rot gefärbten Aluminiumdach des Kirchenschiffes geprägt und besitzt keinen Kirchturm. Die 1950 gegossenen Glocken sind über dem Chor untergebracht.

Der Chor weist ein Netzgewölbe und vier Fenster auf. Besonders bedeutend ist hierbei ein angeblich von Hans Baldung Grien entworfenes Fenster aus dem Jahr 1514. Der Chorboden ist mit dem Sandstein des alten Kirchenschiffes ausgelegt. Der moderne Sandsteinaltar besteht aus Teilen des ehemaligen Altars von 1878, das Taufbecken aus dem gleichen Material stammt von 1997. Vom Chor durch eine Tür abgetrennt befindet sich in der ehemaligen Sakristei die St. Georgskapelle mit einem Reiterstandbild des Heiligen von 1699.
Das Kirchenschiff, das den ehemaligen Langhausgrundriss ins Dreieck vergrößert, indem die Chorseite als Schenkel eines in etwa gleichseitigen Dreiecks mit gekappten Winkeln erheblich verbreitert wurde, wird vom Wechsel der hölzernen Deckenverkleidung mit den großen, modern gestalteten Fenstern geprägt. Der Boden ist mit Waschbeton gestaltet, die Kirchenbänke sind in drei Reihen halbkreisförmig zum Chor hin ausgerichtet. Der Kreuzweg stammt aus dem Jahr 1697, die vom Chor aus im rechten Eck untergebrachte Orgel wurde 1978 neu angeschafft. Unterhalb des Kirchenschiffs sind Gemeindesäle untergebracht.

Mit einigem neuen Wissen angereichert schmeckten uns anschließend Kaffee und Kuchen in der naheliegenden Bäckerei besonders gut. Ein interessanter und lehrreicher Nachmittag für eine nette Freiburger FA-Gruppe ging danach zu Ende.

Fotos: Ibobibo, anmargi

Autor: Anmargi

Margit Anhut

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