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Fahrt zu den Kleinoden in Sulzburg mit anschließender Wanderung nach Hügelheim

Leicht durchgefroren kamen die FA’ler zum Treffpunkt Freiburg Hbf, Anke mit ihrer Lea, unserem Maskottchen. Trudel hatte es sogar trotz Schneeschippens geschafft, von fast 1000 Höhenmetern des Schauinslands zu kommen – chapeau!

Kurz war die Fahrt nach Heitersheim, die Sonne zierte sich noch, wurde aber allgemein freudig begrüßt! Nahtlos ging es mit dem Bus weiter nach Sulzburg –Pius hatte alles bestens organisiert.

Heitersheim
Ankunft in Heitersheim
Fahrt nach Sulzburg
Im Bus nach Sulzburg
Pius
Unser Pius erklärt wie's weitergeht

Es trafen noch weitere FA’ler mit dem Auto ein; die Synagoge Sulzburgs zu sehen und ihre Geschichte zu erfahren war vielversprechend.

Und dieses Versprechen wurde auch gehalten: keine Frage blieb unbeantwortet vom Leiter des Museums; er erklärte zusammenhängend und detailliert die Geschichte der kleinen, ein wenig verträumt liegenden, mittelalterlichen Stadt Sulzburg, die heute 2.700 Einwohner zählt.

In der Römerzeit wurde im Sulzbachtal Silber abgebaut. Ein Hinweis auf die Römerzeit ist die Ausgrabung eines Hauses mit Warm- und Kaltbad durch die Uni Freiburg.
Vom 8. – 11. Jahrhundert war die Blütezeit des Bergbaus in Sulzburg (das Stadtwappen ist das älteste Bergbauwappen mit mittelalterlicher Symbolik).
In 600 m Höhe wurde das Roteisenerz Hämatit ausgegraben. Roteisenstein ist ein Farbstoff, der bereits in der Altsteinzeit für kultische Zwecke genutzt wurde.
Im 11.-12. Jhdt. verlor Sulzburg an Bedeutung: Freiburg wurde Stadt und hatte gegenüber Sulzburg viele Vorteile.
Im Mittelalter verlor Sulzburg den Bergbau – viele Orte verschwanden vollständig.
Im 13. und 14. Jhdt. versuchten die Juden an den Rändern der nicht antisemitischen Städte Fuß zu fassen. Vorderösterreichische Städte, also auch Freiburg, waren antisemitisch.
Die Geschichte der Sulzburger jüdischen Gemeinde geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Sie verknüpft sich nicht mit dem Bergbau.
Sulzburg war markgräfisch-badisch, Ernst von Baden hatte Juden gegen ein hohes Entgelt für 1 ½ Jahre das Recht zur Niederlassung, Ausübung ihrer Religion und Kultur eingeräumt – ein einträgliches Geschäft für ihn! „Schutzjuden“ nannte man sie, weil sie keine bürgerlichen Rechte. Sie befanden sich auf einer ständigen Gratwanderung. Die Abgaben waren hoch. Handwerk wurde von jüdischen Männern nicht ausgeübt, jedoch Viehhandel, Handel mit Nahrung, Seide und Stoffen, Wein und Schnaps.
Von 1510 – 1520 entstand die erste jüdische Gemeinde in Sulzburg mit eigenem Friedhof.
Markgraf Georg Friedrich (1604-1622) holte sich aus Straßburg den Baumeister Georg Riedinger, der ein Schloss (mit Tennisplatz!) in Sulzburg baute, abgeschlossen durch eine Schlossmauer. Das Hauptschloss steht heute nicht mehr.
Langsam wuchs die jüdische Siedlungsstruktur. Die große Wohnstube des Schlosses wurde zur Synagoge umgebaut.
Die jüdische Gemeinde in Karlsruhe wollte eine dauerhafte Synagoge aus Stein, die den Ansiedlungswillen ausdrückte. Sie beauftragte den christlichen Spitzenarchitekten Weinbrenner, die Synagoge zu bauen - eine Herausforderung. Weinbrenner willigte ein; er baute eine Synagoge, ähnlich dem Tempel Jerusalems. Sie wurde 1806 fertig gestellt und sogar 1807 im neuen offenen Stadtplan in der Randleiste gezeigt.
Sulzburg hatte eine wohlhabende jüdische Gemeinde, die aber immer noch rechtlos war. Sie wollte nun auch eine steinerne Synagoge, die dann vom Neffen Weinbrenners, Johan Ludwig im klassizistischen Stil, im Kleinformat der Karlsruher Synagoge gebaut wurde. Der Eingang wurde bewusst nicht repräsentativ gestaltet, weil die Juden immer noch „Schutzjuden“ waren.
Die Synagoge erhielt das Hauptschiff, 2 Seitenschiffe und den Toraschrein sowie eine Galerie für die Frauen, deren Blick zusätzlich durch ein Scherengitter eingeschränkt wurde.
1822 gab es 900 Juden in Sulzburg, 330 jüdischen Glaubens mit einem Rabbiner. Die Juden wollten Staatsbürger werden, was sie 1862 erreichten. Sie konnten sich nun frei im Land bewegen, zogen in die Städte, die junge Generation brach weg. Die alte Generation verblieb in Sulzburg, zog nicht weg, sie blieben 1933 hier, auch als die ersten Parolen an Geschäften auftauchten, auch unter Hitler! 1938 ka es zur „Grundstücksentjuding“, 27 Juden wurden aus Sulzburg nach Gurs gebracht, einige kamen nach Auschwitz. Das Ende der badischen Juden war gekommen. In Sulzburg gibt es kein neues jüdisches Leben. Die Synagoge wurde an einen Privatmann verkauft und 1996 restauriert.
Heute finden hier Lesungen, Veranstaltungen, Wanderkonzerte statt.

Synagoge
Hier steht geschrieben: „Wisse vor wem Du stehst“ so nach dem Motto: „Benimm Dich“!
Synagoge
Gebannt hören alle zu
Synagoge
Die Sterne bedeuten: „Eure Söhne sollen so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel“ – Zitat aus dem 5. Buch Mose.

Still und beeindruckt verlassen wir die Synagoge und machen uns durch die kleinen Straßen im Ort auf zur nahe gelegenen romanischen Kirche St. Cyriak.

St. Cyria
Die romanische Kirsche in Sulzburg, St. Cyriak

Aus dem Internet:
„Wer auf dem “Bettlerpfad” oder dem “Weinwegle” durch Sulzburg wandert, denkt zuerst an St. Cyriak. Entstanden ist die romanische Kirche noch vor der ersten Jahrtausendwende, von 1008 an Nonnenkloster und seit dem 16. Jahrhundert evangelische Pfarrkirche. Im Eingangsbereich zeigt ein Modell die ursprüngliche Klosteranlage. Bescheidene Reste von Wandmalereien sind erhalten. Was St. Cyriak in ungewöhnlicher Weise aus der Reihe dieser frühen Kirchen heraushebt, ist die ungeheure Schlichtheit, mit der sie in allen Teilen sich darstellt”, so schreibt Karl List im Kunstführer, der in der Kirche ausliegt. Und weiter: “Kein Steinmetz war bei ihrer Erbauung zugegen; nur Maurerhände haben den Bau errichtet.” Es kann eine Wohltat sein, nicht schauen zu müssen: auf Kunst, auf Gemälde. Eine Wohltat, einen Raum auf sich wirken zu lassen, der schlicht ist, aber nicht langweilig — vielmehr ruhig, sammelnd, nach innen hörend. Diese Kirche lässt Raum für Besinnung. Nicht kunsthistorisches Wissen ist gefragt. Anders in der Krypta, die um 1050 in den Bau eingefügt wurde. Sie ist gestützt von einer einzigen mächtigen Säule unter dem Ostchor“.

St. Cyriak
St. Cyriak

Im „Café am Tor“ werden wir freundlich und gut bedient, wärmen wir uns auf. Ein Teil wird langsam unruhig, es liegt noch eine Wanderung von ca. 10 km vor uns im Schnee, es hält uns nichts mehr.

Wir erfahren erst viel später, dass unsere liebe Anneliese gestürzt ist und ihre Schulter gebrochen hat – sie wurde in die Uniklinik Freiburg gebracht – welch ein Wermutstropfen!

Stadttor
Das Stadttor von Sulzburg

Die Sonne lacht vom inzwischen blauen Himmel, sie wärmt sogar ein wenig beim Laufen. Wunderschön die Schneelandschaft, durch die wir jetzt wandern, im Markgräfler Land. Trotz des Dunstes können wir Ausblicke genießen, ebenso Bewegung und anregende Gespräche. Der Weg führt uns durch Weinberge, Wälder und Felder über Britzingen, Dattingen bis nach Hügelheim.

Wanderung
und so ganz nebenbei lernen wir noch, wie man Weinstöcke schneidet!
Wanderung
Die kleine Kirche von Dattingen
Wanderung
... und die Kirche von Hügelheim, unser Ziel!
Wanderung
Der Brunnen von Hügelheim

In der „Markgräfler Kräuterstube“ genießen wir frisch zubereitete und leckere Gerichte, wir werden überaus freundlich bedient, auch das Ambiente ist freundlich und hell. Im „Laden“ werden noch so einige Kräuter und Kleinigkeiten als Mitbringsel erstanden, zu verlockend ist das Angebot!

Mit dem Bus ging es zurück nach Mülheim, von dort mit dem Zug nach Freiburg – ein interessanter, lehrreicher, aktiver und harmonischer Tag ging zu Ende – hab’ ganz herzlichen Dank, lieber Pius!
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Autor: Anmargi

Margit Anhut

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