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Oberlausitz: Gebirge und Orte im äußersten Südosten Deutschlands

Von Dirk Glembin

Alljährlich geht der Schwarzwaldverein Denzlingen auf große Fahrt. Ziel war diesmal die Oberlausitz und speziell das Zittauer Gebirge, das mit rund 100 Quadratkilometern das kleinste Mittelgebirge in Deutschland ist. 44 Teilnehmer erlebten eine wunderbar organisierte und interessante Wander- und Kulturwoche, so recht nach dem Motto des diesjährigen Deutschen Wandertages „Natur, Kultur und Wandern- eins gehört zum andern“.

Nach dem Überqueren der Elbe bei Dresden durchfährt man in Richtung Osten ein sanft gewelltes Land mit riesigen Getreidefeldern, nur unterbrochen durch einzelne Baum- und Buschgruppen und kleine Wäldchen. Bei Löbau wendet sich der Weg nach Süden. Nun wird es hügeliger, einzelne Höhenzüge, bedeckt mit Wald, und die ersten kegelförmigen Berge tauchen auf. Dann ganz im Südosten Deutschlands, im Länderdreieck mit Polen und Tschechien, erhebt sich südlich von Zittau das Zittauer Gebirge. In Oybin, zentral im Gebirge gelegen, finden wir unsere Unterkunft für die nächsten Tage.

Das Zittauer Gebirge besteht hauptsächlich aus Sandstein und entstand aus Ablagerungen in der Kreidezeit. Stellenweise durchbrachen vulkanische Magmen den Sandstein und erstarrten zu Basalt und Phonolith. Nachfolgende Erosion formte zum Teil bizarre, stark zerklüftete Felsformationen.

Oybin liegt in einem Kessel, umgeben von den höchsten Erhebungen des Zittauer Gebirges, mit einem schmalen, fast schon schluchtartigen Zugang von Zittau her. Mitten in diesem Kessel erhebt sich der Oybiner Berg, ein gewaltiger Felsblock mit imposanten, durch Winderosion glatt geschliffenen Wänden. Gekrönt wird der Berg durch die Ruinen einer Burg- und Klosteranlage. Der Weg hinauf ist steil, teilweise erleichtern Stufen den Aufstieg. Die Ruinen vermitteln noch heute einen gewaltigen Eindruck. Dies gilt insbesondere für den Klosterkomplex mit seinen gotischen Fenster- und Torbögen. Fast andachtsvoll betreten wir die als Ruine immer noch großartige Klosterkirche und unser Gust Müller findet ein paar besinnliche Worte, die so recht zur Atmosphäre dieses stillen Ortes passen. Eine Brücke trägt den Namen „Jungfernsprung“ und erinnert damit an eine Sage, die von den Gebrüdern Grimm und Ludwig Bechstein erzählt wird. Der Klosterfriedhof soll einst die Maler Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus inspiriert haben.

Interessant ist auch die Camera Obscura, ein kleines Gebäude auf dem Burggelände. Über einen drehbaren Spiegel wird, gebündelt durch eine Linse, ein spiegelverkehrtes Bild der Umgebung in einem verdunkelten Raum auf einem gekrümmten Tisch erzeugt. Das Bild ist so lichtstark, dass selbst einzelne Fahrzeuge auf der Straße von Oybin nach Zittau beobachtet werden können. Der große Meister Canaletto hat sich zu seiner Zeit bei seinem Dresdner Bild einer Camera Obscura bedient, um eine fotographisch genaue Darstellung zu erzielen.

Das Zittauer Gebirge ist durch ein gut beschildertes Wanderwegenetz erschlossen. Bis auf die Tallagen der Dörfer und einiger Gipfelbereiche ist das gesamte Gebirge mit tiefen Wäldern bedeckt, wobei je nach dem Untergrund Buchen- oder Kiefern- und Tannenwald vorherrscht. Immer wieder tauchen im dichten Wald Felsformationen auf, die manchmal, wie der Nonnen- felsen, ganze Hänge bedecken. Der Scharfenstein ( 570 m) und auch der Töpfer (560 m) haben zerklüftete, felsige Gipfel, auf die man über luftige Stege und steile Stahltreppen gelangen kann.

Der höchste Berg, die Lausche (793 m), ist von Waltersdorf aus recht leicht zu besteigen. Die Lausche besitzt eine Graskuppe, die Grenze zu Tschechien verläuft direkt über den Lauschegipfel. Auf dem Rückweg gehen wir über die Grenze und kehren in der tschechischen „Lausitzer Baude“ ein. (Baude ist ein anderes Wort für Hütte). Fast ungläubig nehmen wir die niedrigen Preise zur Kenntnis. Der halbe Liter herrlich erfrischendes Bier kostet nur ca. 1 €.

Ein ganz ungewöhnliches Erlebnis ist unsere Wanderung auf dem Naturpfad durch die Mühlsteinbrüche bei Jonsdorf. Hier ist der abgelagerte Sandstein an vielen Stellen von vulkanischen Gängen und Schloten durchbrochen. Dadurch wurden in der Kontaktzone mineralische Körner im Sandstein aufgeschmolzen. Der Sandstein behielt seine Porosität, wurde aber besonders hart und abriebfest. Dies macht diesen so umgeformten Sandstein besonders geeignet für Mühlsteine. Schon im 16. Jh. wurde mit dem Mühlsteinabbau begonnen, der dann bis zum 1. Weltkrieg andauerte.

Die Landschaft der „Mühlsteinbrüche“ ist zum einen geprägt von dieser geologischen Besonderheit, zum anderen durch den mehrere Jahrhunderte andauernden bergmännischen Abbau. So begegnet man hier besonders vielen Felsgebilden, die durch Erosion entstanden sind, und die man mit etwas Fantasie als „3 Tische“, „Teekanne“, „Taube“ etc., etc. deuten kann. An wenigen Stellen ist der harte Sandstein zu Säulen zersplittert (Felsgebilde „kleine und große Orgel“), eine geologische Besonderheit, die gewöhnlich nur im Basalt vorkommt. Die Bergleute haben den Fels teilweise bis zu einer Tiefe von 50 m abgetragen („schwarzes Loch“) und mehrere 10 m tiefe Transportgassen sowie Tunnel in den Felsen geschlagen. Eine üppige Vegetation bedeckt heute das Abbaugebiet, der Pfad führt häufig über Stufen bergauf und bergab. Am Ende haben wir 825 Stufen gezählt.

Überall begegnet uns als besonderer Haustyp dieser Gegend das Umgebindehaus. Das Hauptmerkmal ist ein hölzernes Stützensystem, das mit Rundbögen verbunden und auf der einen Flurseite anzutreffen ist. Das Haus auf der anderen Flurseite ist in Massivbauweise erstellt.

Ein Leckerbissen für Eisenbahnfreunde ist die dampfbetriebene Schmalspurbahn, die noch heute kommerziell in Betrieb ist. Sie verbindet fahrplanmäßig Zittau mit Oybin und Jonsdorf.

Nicht nur historische Dampflokomotiven und Wagons sind das besonders Interessante an dieser Bahn, sonder auch das gesamte dazu gehörende, historische Netzwerk, bestehend aus Bahnhöfen, Stellwerk und Schienensystem.

Zittau ist heute eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern. Die Stadt wurde im Krieg nicht zerstört, die Bausubstanz war aber bis zur Wende stark heruntergekommen. Einige Häuser sind noch immer baufällig und unbewohnbar. Dies sind sicher hässliche Lücken im Stadtbild. Aber überwiegend strahlt alles im neuen, hellen Farbenglanz, ein Bild, was es sicher so nie zuvor gegeben hat. Unser besonderes Interesse galt aber dem fast 60 Quadratmeter großen Fastentuch aus dem Jahre 1472, das heute in der Kirche zum Heiligen Kreuz wieder zusehen ist. Jahrhunderte lang war es in Vergessenheit geraten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es stark beschädigt aufgefunden und ist dann aufwändig instand gesetzt worden. Nicht im alten Glanz, dazu war das Tuch zu stark beschädigt, aber doch sehr eindrucksvoll, trotz vieler verblichener Stellen, hängt es heute wieder vor dem Beschauer, der hier ein Kunstwerk von Weltgeltung zu sehen bekommt.

Görlitz stand als weitere Stadt der Oberlausitz und auch als östlichste Stadt Deutschlands auf unserem Programm. Wie auch schon in Zittau müssen wir staunend die Renovierungsleistung zur Kenntnis nehmen. Tausende von Häusern aus der spätgotischen, Renaissance-, und Barockzeit sowie die Bürgerhäuser erstrahlen im dezenten, hellen Farben. Wie stark das Stadtbild hierdurch verändert wurde, zeigt uns ein Blick hinüber auf das andere Neiße- Ufer zu dem polnischen Teil von Görlitz, heute Zgorzelec genannt. Hier scheint die Zeit seit 1990 so gut wie stehen geblieben zu sein, fast alle Häuser wirken düster und abweisend.

Auf der Rückreise machen wir noch Station in Freiberg und Dresdens. Dies ist aber nicht mehr die Oberlausitz, und darüber kann zu einer anderen Gelegenheit berichtet werden. Es bleibt ganz herzlich Dank zu sagen an Heinz Haußwald, Rolf Biber und Rolf Völker, die sich in ganz hervorragender Weise engagiert haben, diese Reise zu planen und durchzuführen. Und auch Dank an Lisa Peltz, die bei der Erstellung dieses Berichtes sehr geholfen hat.

22.06.2010


Autor: glueckspeltz

Dirk Glembin

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