Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.

Der erste Tag, 26. September, von Pforzheim bis Dobel

Der Westweg führt von Pforzheim im Nordschwarzwald über die Hornisgrinde, das Kinzigtal und den Feldberg nach Basel. Er ist 285 km lang und überwindet ca. 10.000 Höhenmeter. Die Etappen sind zwischen 18 und 30 km lang. Der Höhenweg ist 110 Jahre alt, er ist der westlichste von insgesamt 3 Höhenwegen des Schwarzwaldes von Nord nach Süd. Er verbindet 10 Gipfel über 1.000 m miteinander. Er ist durchgehend mit der roten Raute markiert. Ein anspruchsvoller und zum Teil anstrengender Weg, an manchen Stellen hat er alpinen Charakter.

*****


Gerade hatte ich mich genüsslich im Zug von Karlsruhe nach Pforzheim niedergelassen, meinen 13 kg schweren Rucksack auf dem Sitz neben mir deponiert (mit allem drin was man für eine Woche braucht incl. Fotoausrüstung) und mich zufrieden umgeschaut; hier könnte ich unbehelligt bis Pforzheim sitzen bleiben dachte ich. „Ist hier noch frei?“, eine freundliche Stimme – meine Schwägerin Ute! Gerne räumte ich den Platz neben mir – wir fuhren zusammen nach Pforzheim – sie war von Köln und ich von Freiburg gekommen, wir wollten zusammen den Westweg laufen, so weit wir kommen würden.

Westweg mit Ute
- Zeit zum Schuhwechsel! -

Es war sehr warm als wir um 10 h losliefen in Richtung Dobel, zunächst durch die Stadt Pforzheim, die uns von dem was wir sahen, gut gefiel. Sie liegt am Zusammenfluss von Enz, Nagold und Würm. Der Name leitet sich vom römischen Portus ab, die erste urkundliche Erwähnung war 1067. Zur Beschäftigung von Waisenkindern wurde eine Uhrenfabrik eingerichtet. Die „Goldstadt“ gilt heute noch international als bedeutende Uhren- und Schmuckindustrie.

Aber wir wollten ja weiter über Neuenbürg nach Dobel, unsere erste Etappe. Hoch oben thront auf einer Enzschlaufe ein Schloss, etwas tiefer steht eine Kapelle. Wir liefen über einen alten Friedhof. Die kleine Stadt hat schöne Fachwerkhäuser, wir tranken einen feinen Kaffee. Danach tauchten wir in den Schwarzwald ein, liefen an den Volzemer Felsen vorbei und erreichten Dobel. Diese Etappe war 24,7 km lang.

Eine Unterkunft war vorher gebucht, das Essen gut, wir konnten draußen essen.

Westweg mit Ute
Das Schloss in Neuenbürg
Westweg mit Ute
Die Burg in Neuenbürg
Westweg mit Ute
Die Kapelle auf dem Alten Friedhof von Neuenbürg.

Der zweite Tag, 27. September, von Dobel über Forbach nach Unterstmatt

Am nächsten Morgen liefen wir gleich nach dem Frühstück los in Richtung Forbach, durch dichte Wälder, unterbrochen von zahlreichen Aussichten, die Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 ermöglichte – er hatte auch sein Gutes! Der höchste Punkt dieser Wanderung ist der Hohlohturm (998 m) zwischen Enztal im Osten und Murgtal im Westen. Wir schauen zur Hornisgrinde und zu den Vogesen im Westen und zur Schwäbischen Alb im Osten, den Feldberg und die Schweizer Alpen im Süden liegen zu sehr im Dunst, wir können sie nur erahnen. Aber dieser Dunst garantiert uns eine Woche besten Wetters! Wir schwitzten in kurzärmeligen Shirts und Shorts! Vom Pavillon des Latschigfelsens hatten wir einen schönen Blick auf Forbach. Wir liefen durch die urtümliche Landschaft des Kaltenbronn, wo die Jahresdurchschnitts-Temperatur nur 6 Grad C beträgt! Es haben sich mehrere Hochmoore mit Moorseen gebildet. Wir konnten ihre Schönheiten ganz nah auf den Holzbohlenwegen erleben.

Urkundlich wurde Forbach zum ersten Mal im 13. Jahrhundert erwähnt. Über die Murg wurden im 16. Jahrhundert Baumstämme geflößt. Forbach’s Wahrzeichen ist seine alte überdachte Holzbrücke, die 1778 gebaut wurde. Viele Sportarten werden hier praktiziert: Wandern, Mountainbiken, Wildwasserfahren, Klettern und Rafting.

Westweg mit Ute
- Die überdachte Holzbrücke in Forbach -
Westweg mit Ute
- Forbach -
Westweg mit Ute
- Aussichten -
Westweg mit Ute
- Wegweiser -

Wir waren wie aufgezogen gelaufen, schon um 14 h waren wir in Forbach - zu früh zum Bleiben, also liefen wir weiter. Es ging ordentlich bergauf. Die Rucksäcke drückten – wir machten eine kleine Pause an einer Wasserstelle, wohltuend frisch!

Weiter ging es vorbei am Schwarzenbach-Stausee, eine der größten Talsperren des Schwarzwaldes. Die Staumauer ist 400 m lang und 65 m hoch – ein großer Energiespeicher. Blau leuchtete das Wasser in der Sonne. Von hoch oben von Herrenwies ging es weiter zur Badener Höhe auf 1.000 m. Wieder – ein herrlicher Rundumblick!

Wir wollten im Naturfreundehaus übernachten, hatten den Weg verfehlt (hatten mal wieder zuviel Thema zum Erzählen gehabt!) und mussten durch ein unwegsames, dorniges Stück bergauf laufen, wir hätten eine Machete gebraucht! Mit zerkratzten Knien und fix und fertig kamen wir oben an. Die unfreundliche Wirtin wies uns ab: wir hätten nicht bis mittags angerufen und dann gibt es um 17:30 h auch kein Zimmer – essen könnten wir schon noch. (Mit unserer heutigen Etappe hatten wir 38,6 km hinter uns gebracht!) Das Essensangebot lehnten wir nun ab, die Wirtin fuhr uns zum Hundseck, lud uns ab, hier war alles belegt. Die Wirtin vom Hundseck war sehr freundlich, sie fuhr uns noch bis nach Unterstmatt, der eigentlich 3. Etappe des Westweges. Hier gab’s Abendessen, ein Zimmer, Frühstück und – freundliche Wirtsleute.

Westweg mit Ute
- Der Hexenbrunnen -
Westweg mit Ute
Die Schwarzenbach-Talsperre

Der 3. Tag, 28. September, Unterstmatt bis Alexanderschanze/Kniebis

Nach einer guten, ruhigen Nacht liefen wir früh flott drauf los, der Wirt rief uns noch hinterher: Ihr müsst links laufen – wir waren falsch gelaufen und stutzten. „No, wo isch links?“ – dann ging’s wieder. Wir lachten herzlich.

Zügig kamen wir voran, konnten uns nicht sattsehen an den herrlichen Ausblicken auf Städte und Dörfer des Rheintals in den Seitentälern.

Von der Hornisgrinde liefen wir zum Mummelsee, viel zu touristisch fanden wir – das riesige Hotel erdrückt ihn fast, den idyllisch gelegenen kleinen See.

Das Gebiet hier oben wird Grinden bezeichnet – das sind kahle hochmoorige Bergkuppen und Hochflächen im Nordschwarzwald. Wir sahen verwelktes Heidekraut, Heidel- und Preiselbeersträucher und Krüppelkiefern. „Grind“ bedeutet „kahler Kopf“. Dieses Gebiet erstreckt sich bis zum Schliffkopf. Im 16. Jahrhundert wurde es überweidet; die Bauern rodeten auf den Bergen die Wälder und legten Hochweiden an, auf denen das Vieh den Sommer verbrachte. Weidbrennen verhinderte die Bewaldung. Viele Niederschläge begünstigten die Entstehung von Mooren und Grinden. Diese Landschaft hört bei der Alexanderschanze auf – wir beendeten hier unsere Etappe von 32 km und fanden in Kniebis eine familiäre Pension mit einem guten Abendessen im „Café Günter“ (wo die Kellnerin nicht sehr viel von den Wanderern hält: die sind doch verrückt, wenn die hier so abgeschafft und todmüd ankommen – na ja!) Ein reichliches Frühstück gab‘s am 4. Tag, hier in Kniebis.

Westweg mit Ute
- Am Mummelsee (ohne Hotel!)

Der 4. Tag, 29. September, Alexanderschanze über Hark, Hausach nach Gutach

Nach einer längeren Strecke, genau gesagt 17 km meistens durch den Wald, vorbei an der Teufelskanzel und dem Glaswaldsee bis ins Kinzigtal, tat sich plötzlich wohltuend der Blick auf den Harkhof auf – hier blieben wir zur Pause, schauten bei einer großen Tasse Kaffee auf Obstbäume und grüne, saftige Wiesen.

Westweg mit Ute
- Ankunft beim Harkhof -

Aber was soll’s, wir wollten ja weiter, also los ging’s in Richtung Hausach, bis dorthin waren es noch 15 km. Der Weg führte am 945 m hohen Brandenkopf vorbei, ging über den Spitzfelsen durch Wald auf dem Kamm zwischen Wolftal und Einbachtal. Nach der Hohenlochhütte hatten wir einen Blick auf wunderschöne Bauernhäuser – die Geranien und Lupinen blühten noch immer. Wir folgten nun der gelben Raute direkt nach Hausach, es ging steil bergab.

Hausach erlangte Bedeutung, als im Jahr 1866 mit dem Bau der Schwarzwaldbahn von Offenburg durch das Kinzig- und Gutachtal hinauf nach Villingen und weiter zum Bodensee begonnen wurde. Heute ist Hausach ein bedeutendes Industriezentrum des Kinzigtals.

Wir kamen um die frühe Nachmittagszeit in Hausach an – die Apotheke fürs Blasenpflaster hatte geschlossen – wir lobten ausnahmsweise die Ketten-Drogerie! Es gab ein leckeres Eis beim Italiener, denn nun sollte es zur Sache gehen: es wartete der sehr steile und trotz der relativ späten Jahreszeit Schweiß treibende Aufstieg von 550 m auf den Farrenkopf auf uns. Den Rest der anstrengendsten Etappe des gesamten Westweges – Farrenkopf – Wilhelmshöhe wollten wir uns für morgen aufheben. Oben saßen zwei nette Leute, wir unterhielten uns kurz und begannen mit dem Abstieg – wir wollten runter nach Oberprechtal. Wollten schon, aber wir verliefen uns tüchtig und kamen in Gutach an: dieser kleine, eigentlich schöne Ort wird erdrückt von einem unerträglichen Verkehrslärm von LKWs, PKWs, Traktoren, Motorrädern – pausenlos! Wir fanden eine Unterkunft – für eine Nacht wird’s schon gehen – leicht angeschimmelt und sehr, sehr einfach – sie sollte 60 Euro kosten! Wir überzeugten die Wirtin von einem annehmbaren Preis, konnten direkt nebenan im „Löwen“ recht gut essen. Eine Überraschung: unsere beiden Wanderer vom Farrenkopf saßen davor; die sehr nette Frau bot an, uns am nächsten Morgen zum Büchereck wieder auf den Westweg zu fahren, ein Schatz - die Getränke gingen auf unsere Rechnung. Wir verbrachten eine eher schlaflose Nacht und liefen in der Morgendämmerung des nächsten Tages wieder los.

Westweg mit Ute
- Auf dem Farrenkopf -

Der 5. Tag, 30. September, vom Büchereck über die Wilhelmshöhe und Kalte Herberge zum Schweizerhof

Ute hatte eindeutig die falschen Schuhe – die Sohle war zu hart, es waren Bergschuhe für die Alpen. Resultat: Blasen und durch Fehlhaltung eine Knochenhautentzündung. Tapfer war sie und lief weiter. Sie hatte gecremt, gepflastert und gesprüht…

Trotzdem hatten wir ein Auge für die traumhaft schöne Landschaft der Hochmoore, Wälder und Wiesen. Ein viel zu großes Auge hatten wir für die Schönheiten, so dass wir den Wegweiser nach der Schanze auf dem Höchst übersahen - wir standen plötzlich wieder vor der Schanze! Wir waren im Kreis gelaufen! Das hatte uns mindestens 3 km gekostet.

Die Schanzen in dieser Gegend sind Teil einer Verteidigungsanlage, die die Württemberger im 17. Jh. gegen die Franzosen angelegt hatten. Die Schanze auf dem Höchst sollte die alte Straße von Hornberg über Gutach nach Elzach sichern.

Vom Karlstein (968 m) hatten wir eine herrliche Aussicht nach Süden, fast wie aus einem Flugzeug.

Wir liefen über den Bohlenweg des Blindensees, der mystisch und geheimnisvoll mit seinem dunklen Wasser in der Sonne lag. Bei der Martinskapelle, der europäischen Wasserscheide zwischen Donau und Rhein rasteten wir, das war nun wirklich Schwarzwald! Steil fallen die Hänge zum Rhein ab und sanft die Bergkuppen zur Donau. Auf dem Brend sahen wir zum ersten Mal den Feldberg im Dunst, Freude kam auf! Die Alpen des Berner Oberlandes hielten sich bedeckt. Mir fiel der Streit zwischen Donaueschingen und Furtwangen um die Donauquelle ein – fast 500 Jahre ist er alt! Die Fürsten von Fürstenberg behaupten, dass die Quelle im Garten des Schlosses liegt, realistisch ist es aber die Bregquelle unterhalb der Matinskapelle. Man hatte wohl mal einen Test mit Tinte durchgeführt, die in die Bregquelle eingeleitet wurde!

Westweg mit Ute
- Der Karlsfelsen -

- Das Hochmoor am Blindensee -

Das Gasthaus Brend, 1.149 m hoch, das am Fernskiweg Schonach–Belchen liegt, umgingen wir – für meine Schwägerin war die Wanderung keine rechte Freude mehr mit ihren geschundenen Füßen.

Am Neueck hielt ein freundlicher Autofahrer an, der uns bis zum Schweizerhof fuhr, ich hatte angerufen und eine Übernachtung reserviert. Wir waren etwas getröstet als wir erfuhren, dass der Westweg hier immer parallel zur Straße verlaufen würde. Eine Wohltat, die Freundlichkeit, die Sauberkeit und das gute Essen hier!

Westweg mit Ute
- Der Herbst ist nicht mehr zu verkennen -
Westweg mit Ute
- Schwarzwald -

Der 6. Tag, 1. Oktober, vom Schweizerhof nach Hinterzarten und Freiburg

Es wurde ein Frühstück für uns am Abend vorgerichtet, so konnten wir um 7:30 h langsam nach Hinterzarten loslaufen, hier wollten wir aufhören.

Diese Etappe war wunderschön – Nebel lag in den Tälern, die Sonne begann alles in warmes Licht zu tauchen, der Tau trocknete von den Gräsern – wir ließen uns sehr viel Zeit – etwas Wehmut kam auf, denn wir hatten ja geplant, bis zur Halde zu laufen. Schnell nahmen wir uns den Rest der Wanderung bis nach Basel möglichst noch in diesem Jahr vor!

Laut war es wieder, als wir bei der Lafette die B 500 überquerten, bevor wir Hinterzarten erreichten. Trotz allem waren wir stolz auf unsere 187 km und 5.680 Höhenmeter in 5,5 sonnen- und abwechslungsreichen, harmonischen Tagen!

Westweg mit Ute
- Der letzte Morgen, 06:30 h -
Westweg mit Ute
- Blick in Richtung Bodensee -
Westweg mit Ute
- Die haben noch geblüht in der Nähe von Hinterzarten! -

In Freiburg am Bahnhof verabschiedeten wir uns, Ute fuhr nach Hause zurück, ich lief durch die Stadt nach Hause, zurück in den Alltag und die Zivilisation.

Autor: Anmargi

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (25 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


12 10 Artikel kommentieren