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Bad Camberg mit Stadtführung.

Für den 02.09. und 05.09.2020 hatte ich zu einer Stadtführung nach Bad Camberg eingeladen.
Zur Stadtführung waren wegen "Corona" nur 10 Teilnehmer zugelassen, deshalb habe ich zwei Führungen gebucht.
Nachdem ich die Teilnehmer am Bahnhof Bad Camberg abgeholt hatte kehrten wir erst einmal zu einem Frühstück im Cafe im Amthof Bad Camberg ein.

Der Kneipp-Kurpark.

Nach dem ausgiebigen Frühstück war für 13:00 Uhr, siehe "Sonnenuhr", ein kleiner Spaziergang durch den Kurpark angesagt.

Der Kneipp-Kurpark, die grüne Lunge von Bad Camberg, bietet mit Wasserspielen und Spazierwegen Gelegenheit zur Entspannung und Erholung. In das Gebiet sind eine Minigolf-Anlage, Boulebahnen, Großlandschach, Liegewiesen und Tennisplätze genauso eingebettet wie der angelegte Kneipp-Kräutergarten und Wassertretanlagen. Er zieht sich von seinem Eingang an der Grabenstraße bis hinauf zu den Median-Hohenfeld-Kliniken, im Norden grenzt er an die Obertorstraße, im Süden an den Badehausweg und die Bircher-Benner-Straße. Der Ernst-Maria-Lieber-Weg (im Volksmund auch Schluchtweg genannt) durchzieht den Kneipp-Kurpark, über die Seitenwege sind die genannten Anlagen zu erreichen.

An beiden Tagen um 13:45 Uhr führte uns Stefan Herber als Stadtführer durch die Altstadt von Bad Camberg.
Nach einer kurzen Begrüßung erzählte er uns die Geschichte von Bad Camberg, bevor der Rundgang in der Altstadt begann.

Tonscherben aus Bandkeramik der Jungsteinzeit sind Belege dafür, daß im Bad Camberger Raum vor rund 6000 Jahren Menschen lebten, und die über 100 Hügelgräber im Wald oberhalb der Stadt zeugen von jenen, die in der Hallstattzeit hier siedelten und begraben wurden. Erste genauere Auskunft über Camberg gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1000, laut derer Kaiser Otto III. den 'Königshof Cagenberg' dem Kloster Burtscheid zum Geschenk gab. Die Forschung weist jedoch darauf hin, daß Cambergs Entstehung in der Karolinger Zeit zu suchen ist. Am 27.August 1281 verlieh Rudolf 1. von Habsburg Camberg die Stadtrechte, die von späteren Herrschern noch dreimal bestätigt wurden. Diese Verleihung war für die Stadt im Jahre 1981 Anlass zu einer großen Feier mit der Entgegennahme des Titels 'Bad'. Aber zurück: Die Grafen von Diez machten aus dem Ort eine befestigte Stadt, bis 1360/1380 zog sich der Bau der Mauer und ihrer 13 Türme hin. Ein Stadtsiegel aus dem Jahre 1404 bildete die Vorlage für das heutige Stadtwappen. Ab 1420 stand Camberg bis 1803 unter verschiedenen Zwei- und Dreiherrschaften, nach außen dokumentiert durch den die jeweiligen Amtmänner beherbergenden Amthof. Danach lag die Stadt im Herzogtum Nassau, kam 1866 nach Preußen, Provinz Hessen-Nassau, und gehört seit 1945 zum Bundesland Hessen.
Auch die Stadtteile können jeweils auf eine lange historische Geschichte zurückblicken.

Der Amthof.

Von 1564 bis 1803 war er Sitz der kurtrierischen Amtmänner. Eine Augenweide bietet der Amthof mit seiner 145 m langen Straßenschauseite dem Fachwerkliebhaber. Vom Bürgerhaus „Kurhaus“ aus gesehen,ist der linke Bau, die ehemalige Rentmeisterei, der älteste Fachwerkbau. Er wurde 1609 errichtet, wie an einem der Brüstungsbretter zu lesen ist.
Der Bauherr war Amtmann Lubert v.d. Heiden. Das eigene Wappen und das seiner Ehefrau Ursula von Schönebergzieren die Fassade. Hier, wie an den anderen Gebäudeteilen, ziehen sich neben den Mannfiguren hochgestellte Andreaskreuze über zwei Gefache hin. Die Andreaskreuze sind Zeichen der Fruchtbarkeit.
An der Außenfront des Amthofs wirddie kunstvolle Kombination von Schmuck und Symbolen besonders deutlich. Die beiden zweigeschossigen Erker sind dekorativ mit gerahmten Hölzern und geschnitzten Reliefs in den Brüstungsfeldern geschmückt.

An der Außenfront des Amthofs wird die kunstvolle Kombination von Schmuck und Symbolen besonders deutlich. Die beiden zweigeschossigen Erker sind dekorativ mit gerahmten Hölzern und geschnitzten Reliefs in den Brüstungsfeldern geschmückt. Diese zeigen Phönix, wie er aus der Asche steigt oder einen Pelikan,der seine Jungen mit seinem eigenen Herzblut nährt. Der Doppeladler kommt in gleicher Form an der Alten Amtsapotheke vor. Ein Strauß hält ein Hufeisen im Schnabel. Wassermann und Jungfrau zieren einen Erker, an dessen Schmalseite Fortuna, die römische Göttin des Glücks,angebracht ist.

Die Hirtenhäuser.

Vier Fachwerkhäuser, 1722 an und auf der Stadtmauer erbaut, waren die Wohnhäuser der Camberger Hirten. Hier lebten die Schaf-, Kuh-,Schweine-, Ziegenhirten und der Torschließer vom Obertorturm mit ihren Familien.
1817 waren es 26 Personen, die sich hier die Wohnräume teilten. Bei dem großen Stadtbrand von 1798, der sich bis zur gegenüberliegenden Straßenseite der Hirtenhäuser ausgebreitet hatte, blieben diese verschont. Das schmucklose stark dimensionierte Fachwerk deutet darauf hin, dass die Stadt als Bauherr mit dem Baumaterial Holz aus dem eigenen Stadtwald nicht zu sparen brauchte.

Obertorturm.

Die Einfahrt in die Stadt aus östlicher Richtung war das Obertor (erbaut um 1392). Wenn es hier auch keine große Anlage wie am Untertor gab, so war dieses Tor dennoch gut gesichert.In der spitzbogigen Durchfahrt erkennt man noch die Reste des Falltores und die Aussparungen zur Sicherung mit starken Balken.
Im Inneren des Turms sind massive Holzdecken und eine ungewöhnliche Tonnendecke zu sehen. 1630 erhielt der Turm mit einem Fachwerkgeschoss, einem steilen Walmdach und einem Glockentürmchen sein heutiges Aussehen.

An den 33 m hohen Turm schließt sich die Hohenfeldkapelle aus dem Jahre 1611 an, deren östliche Außenwand
ein Teil der Stadtmauer ist.
1672 richtete Achatius von Hohenfeld hier die nach seiner Familie benannte Hauskapelle ein. 1979/80 erfolgte die Sanierung des Turmes und der Kapelle. 1981 konnte hier das Stadt- und Turmmuseum eingerichtet werden. Von der Hohenfeldkapelle aus gelangt der Besucher in den Turm und kann sich auf vielen Ebenen zur Geschichte der Stadt informieren, bis er in der ehemaligen Türmerwohnung
angekommen ist.

Glockenspiel im historischen Amthof

Seit dem 10. September 2011 ziert ein Glockenspiel den Amthof-Innenhof. Es zählt von diesem Moment an zu den besonderen Sehenswürdigkeiten in Bad Camberg, zahlreiche Zuhörer finden sich zu den regelmäßig wiederkehrenden Liedfolgen ein, die in einem kleinen Schaukasten auch publiziert werden.
Eine sehr ausführliche Beschreibung zur Entstehung des Glockenspiels kannst du unter dem folgenden Link nachlesen:

Mehr über das Glockenspiel hier

Alte Amtsapotheke.

Es ist ein besonders schönes Fachwerkhaus, das aus zwei rechtwinklig aneinander stoßenden Flügeln besteht. Das Vorderhaus an der Straße wurde um 1492 als Gutshaus der Familie von Riedesel über einem mittelalterlichen Gewölbekeller erbaut. 1659 fügte Achatius von Hohenfeld den Gartenflügel mit einem verzierten Schaugiebel und Sparrenschmuck an. Das mit Ranken- und Maskenschmuck umrahmte Fenster zeigt im Brüstungsbrett den Doppeladler, wie er in gleicher Form am Amthof zu sehen ist. Der Giebel der Eingangsseite zeigt eine mächtige Bundverstrebung mit seitlichen viertelkreisförmigen Fußstreben.
Massiv wirken die Eckständer mit den Streben und gebogenen Gegenstreben. Die Langseite zeigt klare und sehr einfache Formen im Fachwerk.

In der Mitte der Bächelsgasse an der Einmündung der Hainstraße gelangt man durch einen Torbau zu einem massiven gotischen Fachwerk-Doppelhaus mit einem hohen spitzgiebligen Satteldach.
Blickfang im oberen Stockwerk sind die sich kreuzenden Streben und Gegenstreben, die typisch für die gotische Fachwerkbauweise sind. Auf den überstehenden Deckenbalken des Erdgeschosses liegt die Schwelle des Obergeschosses auf. 1994 wurde bei dem verputzten Haus eine dendrochronologische Untersuchung der Eichenbalken mit den Jahresringen vorgenommen. Demnach wurde das Bauholz im Jahre 1525 und im Frühjahr 1526 gefällt. Mit dem frisch gefällten Eichenholz wurde das Haus dann errichtet. Als Jahre später das Fachwerk freigelegt wurde, konnte man erstaunt das genaue Erbauungsjahr entdecken. „Anno 1526“ kam hier zum Vorschein!

Das Tiefenbach Haus.

Das reichverzierte Patrizierhaus wurde 1592 von dem Trierer Schultheiß und Nassau-Dillenburger Keller Johannes Tiefenbach und seiner Frau Dorothea erbaut.
Die Figur des Amtmanns in der Mitte über dem Erdgeschoss trägt das Familienwappen. Die Balkeninschrift betont das Bekenntnis des Erbauers zum Protestantismus in der katholischen Amtsstadt.
Das Gebäude mit typischem Renaissance Fachwerk zählt zu den schönsten Fachwerkhäusern der Stadt. Der Giebel zeigt streitende Landsknechte und musizierende Engel. Die Engel mit ihren Posaunen symbolisieren den Anfang und das Ende der Welt. Hier ist nochmals die Jahreszahl der Erbauung zu sehen, links „15“, rechts „92“. Aus dem Eckpfosten wachsen aus Vasen reiche Blütenzweige heraus. Das zweite Obergeschoss hat in der Mitte eine mächtige Mannfigur mit Gegenstreben zum Rähm. Diese Figur kommt an der Seitenfront mit Schweifstreben mehrmals vor. Feuerböcke rechts und links der Fenster sollen Schutz vor dem Feuer geben. Dekorative Schmuckhölzer überziehen die Brüstungsfelder der oberen Geschosse.

Fachwerkhäuser können sich setzen, neigen oder schräg werden. Das wohl schrägste Haus steht in der Grabenstraße 5. Von der Fassadenmitte nach rechts hat es ein Gefälle von 1,20 Meter. Durch Verrottung der Schwellen hatte sich das Fachwerk gesenkt.
Die unterschiedlichsten Streben Anordnungen zeigen, dass das Haus in zwei Bauphasen errichtet wurde.
Der linke Teil mit dem Andreaskreuz und dem schmucken Fachwerk wurde 1599 errichtet.
Der rechte Teil mit den hohen Andreaskreuzen und den Feuerbögen kam 1607/08 mit dem angebauten Torbau von Haus Nr. 7 hinzu.

Der Marktplatz.

Die Ziege am Brunnen meckert nicht, die Atzeln auf der Stele bleiben sitzen und schauen dem Treiben auf dem Platz neugierig zu. 1994 wurde der Brunnen nach einem Entwurf von Duttenhöfer für den Erlebnisraum „Stadtmitte“ geschaffen. Hier wars schon vor mehr als 1000 Jahren des damaligen Dorfes Cagenberg, aus dem sich dann die Stadt entwickelte, der Mittelpunkt.

Ober- und Untertor geben die Linie durch die Altstadt vor, in deren Schnittpunkt der Marktplatz mit seinen Fachwerkhäusern liegt. Aus vier Jahrhunderten stammen die Häuser, von denen viele typische Fachwerkbauten ihrer Zeit sind. Schon 1909 begannen die Bürger ihre Fachwerkhäuser freizulegen, um das mittelalterliche Stadtbild aufleben zu lassen. Im Rahmen der Altstadtsanierung wurden seit 1990 viele Gebäude saniert und der Platz neu gestaltet.

Kirchgasse 11.

Fest schmiegt sich das Fachwerkhaus an die Stadtmauer. Sie ist an der rückwärtigen Seite des Gebäudes von der Eichbornstraße aus zu sehen. Als das Haus 1684 erbaut wurde, waren die Wehranlagen rund um die Stadt noch intakt. Hier wurde der Wehrgang im zweiten Obergeschoss des Hauses integriert und ist erhalten geblieben. Gut kann man hier die Symmetrie des Fachwerks an der Ecke der Straßen- und Hofseite erkennen. Schmuckhölzer zieren eines der Brüstungsfelder. Auch im benachbarten Gebäude, Bächelsgasse
1, ist die Stadtmauer ein Bestandteil des Hauses. Im Hof zwischen den Gebäuden stand an der nordwestlichen Ecke der Stadt der „Hexenturm“. In den Jahren 1630-1660 wurden in Camberg sieben Frauen als Hexen hingerichtet.

Der Untertorturm .

Graf Gerhard IV. von Diez im Jahre 1281 die Stadtrechte für Camberg. Doch erst in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt mit 13 Türmen befestigt. Die Ein- und Ausgänge am Unter- und Obertor wurden besonders befestigt und mit hohen Türmen und schweren Toren versehen. Der Handelsverkehr lief in der Regel von der westlichen Hohen Straße aus in die Stadt. Es muss ein eindrucksvolles Bild gewesen sein, von dort, wo heute die Trasse der Bundesautobahn verläuft, auf das Städtchen mit seinen Türmen zu schauen. Von der Befestigungsanlage ist heute nur noch der Hauptturm (erbaut um 1394) erhalten. Das Zeltdach des Turmes wurde in den letzten Kriegstagen 1945 in Brand geschossen. 2001 wurde der Turm saniert und mit einem neuen Dach versehen. Der neue Turmhelm ruht auf einer Stahlkonstruktion, die auf dem Mauerwerk und den Fensterhälften der Türmerstube verankert ist. Ab der Höhe der alten Stadtmauer und dem Wehrgang ist der Turm von außen zugängig und kann zu besonderen Anlässen bis zur Höhe bestiegen werden.

Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Zwei Bauphasen weisen auf die Bauzeit der Kirche hin. Der Westturm,im Kern gotisch, wurde 1580 errichtet,nachdem der Vorgängerturm umgefallen war. Um 1476 wurde die Vorgängerkirche St. Peter erbaut, die der 1777 bis 1781 erbauten heutigen Kirche St.Peter und Paul weichen musste. Das Langhaus wurde nach den Plänen des Weilburger und Dillenburger Baumeisters Johann Friedrich Sckell errichtet. Der Besucher ist beim Betreten der Kirche vom Raum, den bunten Stuckarbeiten und den Kunstwerken überrascht. Die vier Deckenfresken stammen von dem Mainzer Hofmaler Joseph Ignaz Appiani. Die Holzarbeiten wie Kanzel,Chorgestühl, Kommunionbank und Beichtstühle stammen aus der Bauzeit.Zu den ältesten Werken gehören auf den Seitenaltären die Muttergottes um 1525 aus der Mainzer Backoffen-Schule und der Hl. Josef um 1750 von Johann Theodor Thüringer der Hadamarer Schule. Der zwölfarmige Rokokoleuchter kam 1748 aus Mainz. Der integrierte hl. Sebastian ist bedeutend älter. Die beiden Kirchenpatrone Peter und Paul schuf 1865 Caspar Clemens Ritter von Zumbusch. Der Zelebrationsaltar und der Ambo wurden 1995 von dem Bildhauer Karl Matthäus Winter aus italienischem Marmor geschaffen.

Wir hatten an beiden Tagen gutes Wetter für unsere Stadtführungen in Bad Camberg.
Zum Schluss des Berichtes möchte ich mich noch einmal bei unserem Stadtführer Stefan Herber bedanken, und hoffe dass es euch gefallen hat. Mit Frühstück am späten Morgen und dem guten Kaffee mit Kuchen am Nachmittag.
Bis bald in Idar-Oberstein
Hans-Rüdiger

Text: Bad Camberg´s Fachwerkbauten

Text, Fotos und Layout Hans-Rüdiger (lahnelster)

*** Zur Diashow 1 von Hans-Rüdiger "lahnelster" ***

*** Zur Diashow 2 von Hans-Rüdiger "lahnelster" ***

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