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Malerisches Heppenheim
Herbstausflug der Feierabend-Gruppe Frankfurt-City am 20.10.2012

Das Wetter wurde bestellt von Roswitha/Stadtwaldfee und Ursula/Fichtegiggel.
Und so fing der Tag schon mal gut an – strahlende Sonne. Wie immer Blumen-Hanisch, Bahnhofshalle, dann Gleis 10, Abfahrt 10.03 Uhr, Ankunft Heppenheim zirka eine Stunde später. Bis hierhin hätten selbst wir Senioren den Ausflug noch ohne Reiseleitung geschafft.

Nach dem Ausstieg aus dem Zug allerdings vertrauten wir uns gerne unseren beiden Mädels an, die zielsicher die Altstadt ansteuerten und uns am Alten Marktplatz mit seinem Brunnen dann zunächst mal uns selbst überließen. Wunderbar. Eine Bar mit Außensitzplätzen lockte. Sonne, Olivenbäume und Tapas brachten südliches Flair unter hessischen Himmel.

Kurz vor 13 Uhr passierte Ungewöhnliches. Zwei mittelalterlich gekleidete Frauen füllten die inzwischen auf dem Brunnenrand aufgebauten Kelche mit Sekt und baten uns, näher zu treten. Die Fische im Brunnen schwammen im Kreis in der Hoffnung auf einen guten Schluck. Doch sie erhielten nur ein paar Krümel vom Laugengebäck, das uns aus einem Korb gereicht wurde.

Ilse und Ezel, unsere beiden Empfangsdamen, legten los – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie tratschten und schwätzten und erzählten die „Neuigkeiten“ vom Ort. Der eine Nachbar machte aus Ziegenmilch neuerdings Käse. Und der Mann von der sowieso? Ja, über den macht man sich so seine Gedanken. Es wurde amüsant. Wir erlebten eine „Theateraufführung“ in einer historischen Altstadtkulisse.



Nachdem wir aufgeklärt waren, dass der Justus, Sohn eines Drogisten aus Darmstadt, nicht mal für eine Apothekerlehre geeignet war, wiesen sie auf das Gebäude, in dem just dieser Justus seine Lehre als Apotheker begann. Beendet hat er sie nie, denn irgendwann knallte es im obersten Stockwerk bei Experimenten mit der Chemie. Ob nur die Fenster herausflogen oder auch der Dachstuhl das Weite suchte, blieb ungeklärt. Aber auch ohne abgeschlossene Lehre wurde Justus von Liebig ein berühmter Mann.

Nicht weit entfernt, in einem kleinen Haus der Mühlgasse, wohnte einst eine Margarethe Berg. Ihre Familiengeschichte, so erzählten unsere beiden „Landfrauen“, sorgte für Staatsbesuch. Margarethe Berg war die Oma der Fürstin Gracia Patricia. Und auch der Urenkel, Prinz Albert, hat inzwischen seine Wurzeln entdeckt und Heppenheim besucht.

Für uns ging es dann am Rathaus vorbei zum Stadttor. Dieses Tor wurde im Mittelalter abends geschlossen. Außer der Hebamme und dem Pfarrer hatte niemand mehr Zutritt. Wir bekamen Torschlusspanik, denn weder eine Hebamme, noch ein Pfarrer befanden sich in unsesren Reihen. Irgendwann muss das Tor dann zugefallen sein, denn Ilse – drinnen – und Ezel – draußen – diskutierten lautstark darüber, ob Ezel eingelassen werden sollte. Wollte sie aus ihre Korb eventuell nur Waren verkaufen? Oder sei sie etwa so eine, die den Soldaten vor der Stadt zugetan ist? Wir wissen es nicht.


Auf den Stufen der Kirche St. Peter ging das Theaterspiel weiter. Ilses Kerze für die Mutter Maria wurde von Ezel nicht geduldet. „Du bist evangelisch“, schimpte sie, „da betet man nicht zur Maria.“ Ilse aber wollte katholisch sein. Hin und her und her und hin. Die arme Ilse wusste am Ende überhaupt nicht mehr, war sie nun katholisch oder evangelisch? Anschaulicher hätten wir den Wechsel der Religionen zur damaligen Zeit nicht erleben können. Die Heppenheimer Kirchen-Obrigkeit übrigens konnte sich an diesem Tag nicht einmischen, sie war verreist. In Rom fand am Sonntag die Heiligsprechung für Marianne Cope statt, und diese deutsch-amerikanische Nonne wurde in Heppenheim geboren.

Während wir all diesen spannenden Geschichten lauschten, machte uns eine fast durchsichtige Gestalt immer wieder neugierig. Mal huschte sie hier durch eine Gasse, mal dort. Ein merkwürdiger Geist – eine kleine weiße Frau.






Wir ließen uns aber nicht ablenken und besuchten als nächstes das private Feuerwehrmuseum von Rudolf Kohl. Hier hat ein Enthusiast alles zusammengetragen und liebevoll aufgebaut, was zur Feuerwehr gehört. Als besondere Rarität zeigte er uns einen Helm aus dem Vatikan.

Anschließend wurde ein Päuschen eingelegt. Es gab Wein aus heimischem Anbau und dazu die Erläuterungen über Rebsorten, Größe, Erntemenge und vieles mehr. Von unserem Standpunkt aus schauten auf den gegenüberliegenden Hang mit der Starkenburg. Dort wollten wir später hin, aber der Weg schien weit und steil. Und so entschloss sich dann doch die Mehrheit der Teilnehmer gegen die Wanderstiefel und eher für eine Taxifahrt.

Aber bis es so weit war, betraten wir noch den Kurmainzer Amtshof. Viele Staatsakte fanden hier statt, viel Geschichte haben diese Gebäude ringsherum erlebt. Auch Nachkriegsgeschichte wurde geschrieben, als im Jahr 1948 mit Theodor Heuss hier die FDP gegründet wurde.

In diesem Amtshof, in dem jährlich die Heppenheimer Festspiele stattfinden, durften auch wir unsere schauspielerischen Fähigkeiten zeigen. Wir waren das Volk. Das Volk, das mit Hofknicks und Verbeugung dem Kurfürsten huldigt. Also alle Damen nach rechts, die Herren nach links und schnell geübt. Das Zeremoniell klappte. Und dann war es so weit. Der Fürst schritt majestätisch durch die gebildete Gasse – gekleidet mit Dreispitz, Lederweste und wehendem Umhang. Da war er, unser Fürst – unser Fürst Winny. Das Gelächter war nicht mehr aufzuhalten. Doch dieser Kurfürst liebte sein Volk und verwöhnte es reichlich mit Goldmünzen. Aus späteren Berichten weiß man, dass manche verspeist wurden, andere in der Hosentasche schmolzen.

Der Altstadt-Bummel ging langsam dem Ende zu. Nachdem uns Ezel mit der Geschichte der drei ältesten Häuser vertraut machte, ging der Weg zurück zur Liebig- Apotheke, deren Einrichtung noch im Original erhalten ist.

Beinahe hätten wir die Weiße Frau vergessen. Die arme und unglückliche Seele einer Burgdame, die ihren Liebsten verlor, geistert noch immer durch die schmalen Gassen dieses alten Städtchens. Der kleinen Judith ein Dankeschön dafür, dass sie uns stundenlang geheimnisvoll in dieser Rolle begleitet hat.

Die gar nicht traurige, aber gute Seele Roswitha war trotz müder Füße inzwischen ziemlich aktiv und hatte Sammeltaxis für die Burgfahrt bestellt. Wir stolperten auf vier Rädern die ausgefahrenen Wege in die Höhe, doch ein paar gute Wanderer unter uns bewältigten die Strecke zu Fuß. Oben in luftiger Höhe konnten wir den Blick auf den herbstlichen Odenwald genießen. Und wer noch fit genug war, bestieg den Burgturm. Die meisten von uns allerdings ließen sich zur Erholung in einem Gartenlokal nieder.

Für die Abfahrt wurden dieselben Fahrer bestellt wie hoch hinauf. Aber auch nach unten rumpelte und pumpelte das Fahrzeug über ausgefahrenes Kopfsteinpflaster. Darüber, wo es bei wem auf der Fahrt am meisten fibriert hat, sollten wir lieber nicht reden. Jedenfalls wollte der Fahrer diese Gruppe wegen ihrer guten Laune noch ein paar mal rauf- und runterfahren.

Bei der Suche nach einem Abschlusstreff folgte Roswitha dem Rat eines Einheimischen und reservierte im A-Z. Und auf diese Empfehlung war Verlass. Gutes Essen, guter Wein, gemütliches Ambiente. Das hast Du gut gemacht!

Leider muss auch an einem gemütlichen Abend mal Schluss sein. Und da drei der Damen Angst hatten, sich im Dunkeln zu verirren, stiegen sie in Richtung Bahnhof wieder in das Taxi. Die anderen hatten sich inzwischen erholt und liefen zu Fuß.

Liebe Roswitha und liebe Ursula, was Ihr hier auf die Beine gestellt habt, hat uns alle begeistert. Jeder von uns weiß, wie viel Arbeit und letzten Endes auch Verantwortung in so einer Sache steckt. Deshalb von uns allen ein dickes Dankeschön.

Unserem Kurfürsten sagen wir Dank für die Goldstücke, die uns vielleicht die nächste Reise erst ermöglichen.

Text: Karin(100lakritze)
Bilder: Hans-Rüdiger(lahnelster)
Layout: Winfried(winny11)

Film von Winny

*** Zum Video von Winny ***

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