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29.10.2013 Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln...

Um hierzu mehr zu erfahren besuchten wir den Kartoffelzuchtbetrieb Böhm auf dem Kohlbacher Hof in Brensbach, wo seit vier Generationen auf 120 Hektar Ackerfläche Kartoffelsorten neu gezüchtet und bestehendes Pflanzgut zum weiteren Anbau vermehrt werden.

Herr Uwe Böhm erklärte den Besuchern wie Kartoffeln gelagert, sortiert und verpackt werden. Er sprach aber auch über die Feinde der Kartoffeln, über das Züchten neuer Sorten, das Vermehren von Saatgut und vieles mehr. Dabei erfuhren wir, dass von einer Million ins Rennen geschickte Kartoffelsamen bei ständiger Überprüfung nach acht Jahren ein bis zwei brauchbare Kartoffelsorten entstehen, die beim Bundessortenamt angemeldet werden können. Herr Böhm sprach über die Beschaffenheit der Böden im Verhältnis zum Ertrag, die in Niedersachsen lockerer und damit für Kartoffeln besser sind, als in Hessen und über die Windverhältnisse, woraus in Mecklenburg-Vorpommern durch die Nähe zur See Neuzüchtungen besser gelingen.

Ein Sortenschutz hält 30 Jahre, sofern die jeweilige Sorte so lange am Markt verbleibt. In diesem Jahr wurden 30 % weniger Kartoffeln geerntet, als im Vorjahr, was hauptsächlich auf die Wetterprobleme im Frühjahr dieses Jahres zurück zu führen ist.

Der Kohlbacher Hof arbeitet mit Europlant in Lüneburg zusammen, einem Pflanzkartoffel-Zuchtunternehmen, das im Jahr 1895 im Odenwald durch Georg Friedrich Böhm, einem Vorfahr des jetzigen Inhabers, seinen Anfang nahm. Dabei werden die geernteten kleineren Kartoffeln als Saatgut vermarktet.

Die größeren Kartoffeln aber gelangen in Kochtöpfe, denn sie werden an die verschiedensten Lokale der heimischen Gastromonie und an End-Verbraucher als Speisekartoffeln verkauft.

Doch zuerst etwas Information zum Ursprung der Kartoffel:

Die ältesten Spuren wilder Kartoffeln, also der Ursprung unseres Hauptnahrungsmittels, liegt rund 13.000 Jahre zurück und haben ihren Beginn in Südamerika, wo es noch heute tausende Kartoffelsorten gibt. Die Inkas bauten sie in den Anden an, in Höhen zwischen 3000 und 4000 m und auf schlechten Böden, wo Mais längst nicht mehr angebaut werden konnte.

Der Einzug der Kartoffel in Europa fand im 16. Jahrhundert auf den Kanaren statt und vollzog sich langsam über Länder hinweg, weniger aber wegen der Knollen. Vielmehr wegen der schönen weiß-lila Blüten und des üppigen Laubes wurde das aus Südamerika stammende Gewächs als Zierpflanze geschätzt. Deswegen waren die botanischen Gärten die ersten, die Kartoffeln züchteten und auch der Adel und die Reichen schätzen diese exotischen Pflanzen, wobei noch niemand wusste, dass das Beste dieser Pflanze unter der Erde heran wuchs. In Deutschland kam die Kartoffel in der Mitte des 17. Jahrhunderts an.

Viele Mythen rankten sich um dieses Gewächs, zumal der oberirdische Teil teilweise giftig ist, weil eine Verwandtschaft zu den giftigen Nachtschattengewächsen besteht und der unterirdische Teil schlecht schmeckte. Erst Züchtungen führten zu besser schmeckenden Knollen. Nun herrschten zu dieser Zeit immer wieder Hungersnöte in Europa. Da erkannte der preußische König Friedrich II. (Der alte Fritz), dass die Kartoffel im Anbau größere Erträge brachte, als Getreide und zudem noch nahrhafter war. 1756 erließ er gegen allerlei Widerstand den Befehl Kartoffel anzubauen, was aber noch lange nicht hieß, dass die Bürger diese auch essen wollten.

Der Anbau der Kartoffeln und deren Verzehr in großem Stil aber gelang dann schließlich doch im 18. Jahrhundert. Heute verzehrt jeder Bewohner in Deutschland rund 65 kg Kartoffeln pro Jahr. Dabei haben diese Knollen einen hohen Anteil an Kohlenhydraten und liefern unseren Körpern eine schnell verfügbare Energie, bei nur 70 Kilokalorien pro einhundert Gramm Kartoffeln.

Weltweit gibt es heute rund 5.000 Kartoffelsorten, von denen uns aber nur sehr wenige bekannt sind. Europaweit kennt man cirka 300 Sorten, wobei die wenigsten beim Verbraucher ankommen. Dabei tragen die Sorten Namen, die oft aus im Dialekt geprägten Begriffen abgeleitet sind, wie Belana, Esprit, Finka, Leyla, Quarta oder Agria, aber auch Grummbiira, Herdöpfel oder Gedoffel.

Man unterscheidet Frühkartoffeln, Mittel-Frühe Kartoffeln und Späte Kartoffelsorten.

Die Frühkartoffeln sind ab Ende Mai bis Anfang Juli reif für die Ernte. Man kann sie aber schon ernten, wenn die Pflanzen noch in voller Blüte stehen. Dann aber muss man sie innerhalb von zwei Wochen aufbrauchen. Eine Lagerzeit bis zu 5 Wochen ist möglich, wenn man erntet sobald das Kraut vollständig abgestorben ist. Die Schale aber ist relativ dünn und lässt sich bei zu früher Ernte leicht abreiben.

Zwischen Mitte August bis Ende September werden die Mittel-Frühe Kartoffelsorten geerntet. Durch ihre schon festere Schale beträgt die mögliche Lagerzeit bis zu drei Monaten.

Späte Kartoffelsorten werden je nach Anbaugebiet von Mitte September bis Ende November geerntet. Die Schale ist dick, der Stärkegehalt ist durch die lange Reifezeit hoch und so werden sie zu mehlig kochenden Kartoffeln. Bis hier die letzten Kartoffeln abverkauft sind vergehen durchaus acht Monate. Dabei werden die Lagerhallen in ihrer Raumtemperatur entsprechend abgekühlt, um das Keimen zu verhindern.

Kartoffeln dienen in den unterschiedlichsten Formen der Ernährung, wie beispielsweise als gekochte Pellkartoffeln mit Schale, oder als geschälte Kartoffelstücke, aus denen man aber auch Speisen, wie Kartoffelbrei, Pfannenkuchen und vieles mehr erzeugen kann. Der Einsatz von Kartoffeln für schmackhaften Gaumenschmaus reicht beispielsweise von Aufläufe, über Chips und Fritten bis Kartoffelsalat und -suppe. Dabei spielt es schon manches Mal eine Rolle, ob man Frühkartoffeln verwendet, oder mittelfrühe und späte Sorten.

Darüber hinaus unterscheidet man zwischen mehlig kochenden Kartoffelsorten, aus denen man beispielsweise Püree macht, teilweise fest kochenden Kartoffelsorten für den perfekten Kartoffelsalat und fest kochenden Sorten, die sich u.a. für Bratkartoffeln eignen.

Dabei unterscheiden sich manche Kartoffelsorten im Geschmack. Allen aber werden weiter gute Eigenschaften nachgesagt: Kartoffeln enthalten mehr Vitamin C als manche Äpfel. Darüber hinaus liefern Kartoffeln Vitamine wie Natrium, Kalium, Magnesium und Phosphor. Bei manchen Sorten, wie beispielsweise bei der Annabelle, verbirgt sich noch Fluor in der Schale, wobei hier die Schale mitgegessen werden kann.

Wie bei allen Pflanzen ist auch beim Anbau von Kartoffeln eine optimal vorbereiteter Boden wichtig. Dies geschieht auf dem Kohlbacher Hof fachgerecht, weil Herr Böhm ein vielseitiger Fachmann ist.

Wer sich intensiv mit der Bodenkultur im allgemeinen und für den Kartoffelanbau im besonderen interessiert. Herr Böhm erklärt sehr viel Wissenswertes auf der Seite www.gartenwelt.de/experte/42/uwe-boehm/

Kartoffeln gelten hin und wieder als Dickmacher. Das stimmt nur dann, wenn man sie als Chips, Fritten, oder Bratkartoffeln im Übermaß geniest, weil die fettreichen Zubereitungen hier enorm zu Buche schlagen. Aber auch das Essen von Kartoffeln bei mangelnder Bewegung drückt auf die Waage ebenso, wie bei Brot, oder Nudeln.

Seit alters her ist bekannt, dass Kartoffeln heilende Wirkungen hervorrufen, bei Halsschmerzen, Arthrose, Rheuma und Sodbrennen. Dabei sind warme Kartoffelwickel zur Anwendung bei Ohren- und Halsschmerzen schon unseren Großeltern bekannt gewesen. Bei Sodbrennen wirkt der Saft von rohen Kartoffeln positiv.

Nun haben auch die Kartoffelpflanzen ihre Feinde:

Das größte Problem für Kartoffeln ist ein für Menschen unschädliches Virus, das das Kraut der Pflanze pergamentähnlich werden lässt. Es findet danach kein Austausch von den Blättern und den Kartoffeln mehr statt. Durch Stickstoffanwendung kann man dieses Problem verhindern, wobei dieses Problem an der See, wegen stark wehender Winde wenig auftritt und Kartoffelneuzüchtungen dort besser gelingen.

Ein weiterer Feind ist die Kraut- und Knollenfäule, die insbesondere in feuchten Sommern, aber zum Teil auch im Frühjahr die Kartoffelpflanze befallen. Ertragsausfälle von mehr als 20% sind dann die Regel. Erkennen kann man den Befall an den Blättern, wo von den Rändern aus dunkelbraune Flecken auftreten, die sich bei entsprechend feuchtem Wetter rasch vergrößern. Auf den Unterseiten der Blätter zeigt sich dann ein weißer Pilz, der an Schimmel erinnert. Dieser Pilz verlagert sich während der Wachstumsphase, aber auch während der Ernte in die Knollen, die graublaue Flecken bekommen und ein braunes Knollenfleisch. Solche Knollen sind ungenießbar und müssen beim Erkennen aus dem Kartoffelbestand aussortiert werden.

Schließlich ist es der 7 - 15 mm lange heute weltweit verbreitete Kartoffelkäfer. Zu erst tauchte er im US-Bundesstaat Colorado auf, was bei den Nazis im 2. Weltkrieg und später bei den Despoten der DDR zum Gerücht verwendet wurde, wonach die USA diese Käfer per Flugzeug abgeworfen hätten, um die Ernährung in Deutschland lahm zu legen. Vielmehr ist belegt, dass die ersten deutschen Funde 1877 in Mülheim am Rhein und in Torgau statt fanden.

Der Kartoffelkäfer und seine Larven ernähren sich von den Blättern und Stielen der Kartoffelpflanzen. Sie können in kürzester Zeit ganze Kartoffelfelder kahl fressen. Schon immer wird erheblicher Aufwand betrieben diese Plage in den Griff zu bekommen.

Im Juni legen Kartoffelkäfer an den Blattunterseiten der Pflanzen jeweils 20 bis 80 Eier ab. Alleine ein Käferweibchen kann so etwa 1200 Eier legen. Hieraus schlüpfen nach 3 bis 12 Tagen die Larven, die schnell wachsen und sich drei mal häuten. Etwa zwei bis vier Wochen später kriechen die Larven in die Erde, wo sie sich verpuppen. Weitere zwei Wochen später schlüpfen die Käfer aus den Puppen, bleiben aber noch mindestens eine Woche im Boden. Jedes Jahr entstehen so ein bis zwei Käfergenerationen, die sich unbekämpft explosionsartig vermehren würden, wenn man sie nicht bekämpft, denn sie haben keine natürlichen Fressfeinde.

Die meisten von uns kennen die Kartoffelernte noch aus unserer Kindheit, wo selbst Stadtkinder versuchten auf irgendwelchen Äckern an Kartoffeln zu kommen. Denn trotz den vom Ackerpersonal per Hand aufgelesenen Kartoffeln blieben hin und wieder einige wenige Knollen liegen. Doch meistens griff sehr schnell der Feldschütz ein....

Heute werden die Kartoffeln mit großen Maschinen ausgemacht, so genannten Vollernterodern und die paar Kartoffel, die von der Maschine nicht erfasst werden bleiben liegen. Mit jeweils 25 Tonnen fassenden Anhängern gelangen die Kartoffeln auf den Hof, wo sie mechanisch abgeladen werden.

Förderbänder transportieren die Kartoffeln zu dem vorläufigen Bestimmungsort und von dort zur Weiterverarbeitung nach Sorten, Verwendungszweck, zur Sortierung nach Größen, oder dem Abpacken in Säcken.

Die Säcke werden dann automatisch auf Paletten gestapelt. Dennoch ist bei alle den Vorgängen noch immer Handarbeit erforderlich.

In den Hallen vom Hof werden die Kartoffeln gelagert. Hier gibt es zwei unterschiedliche Wege:

Zum einen werden die Knollen bis zu einer Höhe von vier Metern gestapelt.

Hier erfolgt eine per Computer gesteuerte Lüftung, die je nach Erwärmung im Kartoffelstapel durch einen Kanal zum Schutz der Zellen in den Knollen zwischen 12 °C und 6 ° variiert werden kann. Bei niedrigerenn Temperaturen nämlich werden Kartoffeln süßlich, weil Stärke in Zucker umgewandelt wird. Dies aber gilt es zu vermeiden.

Zum anderen werden die Kartoffeln in Gitterboxen gelagert und diese übereinander gestapelt. Hier kann die umgebende Raumluft die gelagerten Kartoffeln gut durchlüften.

In allen Verarbeitungs- und Lagerorten brennen grünlich strahlende Leuchtstofflampen. Diese wirken der Bildung von Solanin entgegen, einer schwach giftigen Verbindung, die bei lange Zeit normalem Licht ausgesetzte Kartoffeln grün werden lässt. Solche Kartoffeln kann man noch immer essen, wenn man die grünen Stellen großzügig wegschneidet.

Im Kohlbacher Hof kann man Kartoffeln für den Hausgebrauch erwerben und dabei zwischen Sorten und Größen wählen. Ein Besuch lohnt immer.

Noch einmal möchten wir uns bei Herrn Böhm bedanken für den sehr informativen Vortrag und die Führung auf dem Hof. Wir haben erstaunt lernen können, was es alles zu Kartoffeln zu berichten gibt, an das man beim häuslichen Essen niemals gedacht hätte.


Bericht: Richard (rikue)
Bilder: Wikipedia (KA Wiki); Wikimedia (KA Wikim); rikue (KA Ri)

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