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Lungensport: COPD Selbsthilfegruppe FFM

COPD ist eine schwere Lungenerkrankung. Doch geteiltes Leid ist auch hier halbes Leid. Daher organisieren sich viele Betroffene in Selbsthilfegruppen. Eine davon ist der Ortsverband Frankfurt am Main, geleitet von unserem Feierabend-Mitglied Irmgard (gree).

Bereits seit 20 Jahren treffen sich jeden Dienstag rund 20 Mitglieder in einem Gymnastikraum der Uniklinik Frankfurt, um dort gemeinsam mit einer Physiotherapeutin Atemgymnastik zu betreiben. Der Raum wurde ihnen von der Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V. zur Verfügung gestellt. Einmal im Monat hält im Anschluss an die Gymnastik ein Lungenfacharzt einen Vortrag über ein relevantes Thema und beantwortet alle Fragen der Mitglieder.

Die Diagnose

Irmgard selbst leidet bereits seit 20 Jahren unter Atembeschwerden. Die erste Diagnose lautete „Asthma“, denn die Krankheit COPD war damals noch unbekannt. Sie habe überhaupt sehr viele Asthmatiker in der Familie gehabt, erzählt Irmgard. Viele seien daran gestorben – heute würde die Diagnose wohl auch bei ihnen anders lauten.

Erst 2006 wurde bei ihr schließlich nach einem Zusammenbruch die Lungenkrankheit CODP festgestellt. Sie hatte nach einer Chemotherapie zusätzlich Lungenschäden davon getragen. "Dies ist sehr selten", sagt sie, „wohl einfach Pech gehabt“. Heute leidet Irmgard unter COPD der Stufe 4 und muss ständig mit Sauerstoff versorgt werden. Sie zeigt mir ihren Behälter, den sie in der Handtasche mit sich trägt. Zu Hause hat sie einen großen Tank, von dem aus sie den Behälter immer wieder auffüllen kann. Ein wenig beschämt erklärt sie mir, es sei am Anfang schon eine große Umstellung gewesen, sich mit den Schläuchen in der Nase in die Öffentlichkeit zu begeben. Auch heute würden manche Leute sie noch komisch anschauen, aber daran habe sie sich gewöhnt.

Einschränkungen im Alltag

Auf die Frage, mit welchen Einschränkungen sie denn leben müsse, antwortet sie mir: „Das fängt bereits beim Einkaufen an“. Schon das Tragen der Tasche ist ein Problem. Auch Straßenbahn fahren ist viel anstrengender geworden, vom Radfahren oder Gehen bei leichten Steigungen mal ganz abgesehen. Außerdem ist es nahezu unmöglich für einen COPD-Patienten, sich mal wieder so richtig satt zu essen. Ich merke das Bedauern in ihrer Stimme. Wenn der Magen zu voll ist, drückt er auf die Lunge, erklärt Irmgard. Außerdem sei Sodbrennen eine der Nebenwirkungen ihrer Medikamente.

Irmgards Sohn wohnt in Oslo. Auch ihn kann sie nicht besuchen, da sie mit ihrem Sauerstoff-Behälter kein Flugzeug betreten darf.

Irmgard hat aufgrund ihrer Krankheit viele Freunde verloren. Früher haben sie sich einmal in der Woche zum Kartenspielen getroffen, in lustiger Runde, in der viel gelacht und eben auch geraucht wurde. Doch als bei Irmgard die Lungenkrankheit diagnostiziert wurde, waren viele der sogenannten Freunde nicht bereit, auf das Rauchen in ihrer Gegenwart zu verzichten. Also hat sie irgendwann das Kartenspielen mit ihnen aufgeben müssen. Sie ist überzeugt, dass viele dieser passionierten Raucher ebenfalls an COPD leiden, sich darum jedoch keine Gedanken machen und etwaige Symptome ignorieren oder falsch einschätzen.

Folgebeschwerden der Krankheit sind nicht zu verhindern. Manche Medikamente wirken sich negativ auf ihre Knochen aus, sagt Irmgard. Die Folge ist Osteoporose. Darüber hinaus verursachen Atembeschwerden natürlich ein starkes Beklemmungsgefühl, was sich psychisch bemerkbar macht und zu Depressionen führen kann. Wichtige Übungen, die COPD-Patienten bei akuter Atemnot auch zu Hause durchführen können, sind die Kutscherhaltung, die Lippenbremse, sowie auch die Nasenstenose.

Die anwesenden Mitglieder der COPD-Selbsthilfegruppe Frankfurt mit Physiotherapeutin Julia (links)

Der Weg nach oben …

Der Gymnastikraum, in dem sie sich jede Woche zusammenfinden, befindet sich im 11. Stock der Uniklinik Frankfurt. Wir haben uns zuvor in der Eingangshalle getroffen und gehen nun gemeinsam nach oben. Sechs Gruppenmitglieder und eine Begleitung haben sich versammelt, um an der Atemtherapie teilzunehmen – heute eine reine Damenrunde. Es wird gewitzelt, ob die anderen etwa Angst vor der Kamera hätten. Tatsächlich sind COPD-Patienten jedoch sehr anfällig für Erkältungen und auch die Heilung dauert wesentlich länger. So mussten sich in dieser Woche viele Mitglieder der Selbsthilfegruppe leider krankmelden.

Trotz Fahrstuhls ist der Weg nach oben für einige Mitglieder eine große Anstrengung. Wir kommen am Raucherbereich der Krankenschwestern vorbei, und ich höre wie jemand lacht: „Ah, der Nachwuchs…“

Rauchen ist nur eine der Ursachen von COPD. Viele Faktoren kommen bei einer Erkrankung zusammen. Auffällig ist jedoch, dass alle der befragten Mitglieder einmal geraucht haben. Irmgard selbst ist seit 11 Jahren rauchfrei.

Auch Käthi hat früher einmal geraucht, das sei schließlich schick gewesen. Bereits seit 20 Jahren leidet sie unter Atembeschwerden. Ebenso wie bei Irmgard lautete auch ihre erste Diagnose nicht COPD, sondern chronische obstruktive Bronchitis. Als sie in Borkum eine Lungenfachklinik besuchte, diagnostizierte man schließlich die COPD. Käthi benötigt keine Sauerstoffversorgung, doch Laufen und Treppensteigen fällt auch ihr schwer.

Die beiden Mitglieder Ellen und Waltraud haben seit ungefähr 15 Jahren mit Atembeschwerden zu kämpfen. Bei ihnen lautete die Diagnose zuerst Asthma bis es zu einem Lungenemphysem kam.

Die Atemtherapie

Oben im Gymnastikraum angekommen, treffen wir auf Julia, die Physiotherapeutin, die in dieser Woche die Atemtherapie leitet. Julias freundliche und bestimmte Art führt zu einer angenehmen Atmosphäre. Man merkt, dass alle sich wohl fühlen und so beginnt die Gruppe relativ schnell mit den Übungen. Zuerst laufen die Mitglieder ein paar Runden durch den Raum, beugen sich, strecken sich und atmen bewusst tief ein und aus. Im Stehen wird durch die Nase ein und durch den Mund wieder ausgeatmet. Mit Tüchern in der Hand bildet die Gruppe mit den Armen große Kreise. Schließlich packt jeder den Tuchzipfel des Nachbarn und es wird im Kreis gelaufen. Hacke, Spitze, Hacke, Spitze, 1, 2, 3…

Erste Teilnehmer sind erschöpft und so legt Julia eine kurze Pause ein. Nun werden Hocker zu Hilfe genommen und im Sitzen weitere Atemübungen durchgeführt. Die Haltung wird bewusst korrigiert, da die Position von Becken und Wirbelsäule auch Auswirkungen auf den Brustraum und somit auf die Lunge haben. Auf Julias Anweisungen hin, beginnt die Gruppe sich auf dem Rücken abzuklopfen. Erst jeder sich selbst, sodass sich die Mitglieder auch strecken und dehnen müssen und dann schließlich in Partnerarbeit. Durch das Klopfen werden Muskeln gelockert und die Durchblutung angeregt.

Als nächstes wird die sogenannte Vokalatmung durchgeführt. Ähnlich wie im Yoga oder der Meditation, „singen“ die Mitglieder die Vokale „A“ und „O“. Durch die entstehende Vibration löst sich der Schleim in den Lungen und wird abtransportiert. Einige fangen an zu husten. Das ist gut, erklärt mir Julia, ein Zeichen, dass die Übung ankommt. Andere sagen, bei ihnen würde es immer etwas dauern. Der Schleim würde sich bei ihnen erst später abends bzw. am nächsten Morgen lösen.

Nach einer Stunde ist die Atemgymnastik zu Ende. Auch wenn die Übungen manchen Teilnehmern sichtlich schwergefallen sind, herrscht gute Stimmung und es wird viel gelacht.

Ratschläge für andere Betroffene

Als ich Irmgard auf dem Weg zum Ausgang frage, was sie anderen Betroffenen denn raten würde, sagt sie ohne zu zögern: „Sich unbedingt einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Dort trifft man andere Betroffene, man kann Fragen stellen, und muss sich auch nicht schämen, falls man sich mal setzten muss. Und beim ersten Verdacht: Unbedingt zum Arzt gehen“.

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