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Weihnachten ist überall

oder Karibische Weihnacht oder wie ich Weihnachten wiederfand...




Ein einschneidendes Erlebnis, welches das Leben von Grund auf ändert, hat so mancher Mensch. Nichts ist danach mehr so, wie es mal war. Nichts kann zurückgeholt werden.
Was sich dagegen einstellt ist nicht das Weihnachtsgefühl, diese freudige Erwartung auf den wichtigsten Geburtstag der Christenheit. Traurigkeit und Resignation sind Nahrung für depressive Stimmung, die im Dunkel der Gedanken versinken lässt.
In so einem Zustand die Weihnachtszeit kommen sehen, verursacht Unbehagen bis hin zur Verzweiflung.
Ich wollte kein Weihnachten mehr. Ich wollte dieses heimelige Gefühl und den vorweihnachtlichen Stress nicht mehr durchleben. Ich wollte von Weihnachten absolut nichts mehr wissen. Von dem Weihnachten nach diesem einschneidenden Erlebnis nicht und allen kommenden. Am besten, man macht sich in dieser Zeit auf und davon. Entflieht.

Eine Kreuzfahrt in die Karibik wird angeboten: auf der in der Papenburger Meyerwerft gebauten MERCURY. Das Schwesterschiff, CENTURY, habe ich kurz vor dessen Auslaufen besichtigt und war beeindruckt und begeistert und von Fernweh gepackt. „Da möchte ich einmal mit!“ (Wer soll das denn bezahlen, bekam ich damals zu hören.)
Die Auszahlung einer Versicherung kommt wie gerufen und macht das Auf und Davon möglich. Tochter kommt mit. Eine Gruppe aus Leer ist dabei.

In Fort Lauderdale landen wir im Sommer. Knapp 30° im Schatten! Wer denkt da noch an Weihnachten? Erst einmal baden wir im warmen Atlantik; erkunden das aus Fernsehfilmen bekannte Miami Beach. Weihnachten ist so weit weg! Zunehmend fühle ich mich wohler.

Und die Vorbereitungszeit zum Fest der Feste holt uns dann doch schneller ein als gedacht.
Im kilometerlangen, übermächtig weihnachtlich geschmückten Kaufhaus dudelt es aus allen Lautsprechern: Stille Nacht, Heilige Nacht. – O Tannenbaum. – O du fröhliche, o du selige...
Überwiegend deutsche Weihnachtslieder! Dazwischen wohl mal ein „Jingle bells“ – oder das Lied vom rotnasigen Rentier Rudolf... Dieser Ohrwurm hat mich dann gepackt. Ich werde ihn nicht wieder los und nerve mein Umfeld damit. Und öfter als mir lieb ist, bremst meine Tochter mich aus, mit ihrem leidend-verbietenden Ton: MAMAAA!!

Mittendrin in dem Gewimmel der Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben sitzt in einem kleinen Märchenland der Weihnachtsmann. Er sieht tatsächlich so aus, als wäre er es.
Aufgeregte braun-, gelb-, weißhäutige Kinder, teils bedenklich, teils mutig, sind um ihn gruppiert. Mamas und Papas fotografieren, was die Kameras hergeben. All das muntere Treiben um den Gaben bringenden Rotmantelmann wird per Videokamera auf einen überdimensionalen Bildschirm übertragen.

Wir gondeln mit der JUNGLE-QUEEN, einem aus der Südstaaten-Glanzzeit nachgebauten Raddampfer, durch das Venedig Floridas. Welcher Reichtum entlang den Wasserstraßen!
Wo bei uns der Normalbürger sein Auto vor der Tür hat, liegen dort die schicksten Yachten vor dem Haus. Und die Häuser selbst sind prachtvolle Villen. Eine schöner als die andere. Mit gepflegten Rasenflächen umzu.

Die Säulen vor den Häusern sind mit Girlanden umwickelt oder als gigantische Kerzen dargestellt. Dicke Schleifen schmücken Pfosten und Zäune. Lichterketten ranken sich an Palmenstämmen empor. Auf einem Rasen steht eine fast lebensgroße Giraffenskulptur.

Auf ihre Hörner wurde eine rote, weißrandige Zipfelmütze gestülpt. Ihren langen Hals ziert eine breite rote Schleife.
Als die JUNGLE-QUEEN eine Riesenyacht neben sich hat, sehe ich im Spiegelbild der blankgewienerten Bordwand, dass unser Schiff sich auch weihnachtlich geschmückt hat, was mir vorher gar nicht aufgefallen war: Auf dem nicht begehbaren Oberdeck zieht ein Rentiergespann einen Drahtschlitten, auf dem der Weihnachtsmann sitzt...

Geschäftiges Treiben beim Einschiffen. Über 1.980 Leute wollen es machen wie wir: Fliehen vor dem Weihnachtsfest und dem Schmuddelwetter in die Sonne. Nach dem Kabinenstudium mit Hilfe des Stewards bummeln wir über einen Teil der 12 Decks. Vor jedem Eingang in die verschiedenen Bereiche steht ein über- und über geschmückter Tannenbaum!! Er spiegelt sich im riesigen blanken Metallteller, der dahinter angebracht ist. Vor dem Rendezvous-Square steht die Blauschmucktanne. Beim Kasino ist sie rot, vor dem Salon lila. Sämtliche Farben sind vertreten, vom Nadelgrün ist nicht viel zu sehen. Die Geländer der großen Treppe im Foyer sind mit Girlanden umwunden, verziert mit riesigen roten Schleifen. Alles ist hier riesig!
Durch die Flurlautsprecher tönen Weihnachtslieder. Und dann geht man aus den klimatisierten Räumen auf das offene Deck und wird von der Tropenhitze geradezu erschlagen. Vor dem Pool spielt die dunkelhäutige Band Calypso, Tango, Walzer, Swing und zwischendurch Weihnachtliches: I´m dreaming of a white christmas... Bei mehr als 30° im Schatten!
Das Schiff gleitet mit uns durch die Karibik. In Mexiko stellt sich mir ein Herr aus Holtrop aus meinem Landkreis vor. Ab sofort machen wir nicht nur diesen Landgang gemeinsam. Auf der Insel Cancun blüht rot der Hibiskus, kreischen Papageien in den Tamarisken, beäugen neugierige Tukane die schwitzenden Menschen, die sich im Atlantikwasser abzukühlen versuchen, huschen Leguane durch raschelndes Unterholz oder sonnen sich auf warmen Steinen. Auf den Palmwedel-Sonnenschirmen dösen Pelikane. In einem flachen See stelzen rosagefiederte Flamingos umher und durchpflügen mit ihren krummen Schnäbeln den
schlammigen Grund. Im Palmengarten schmücken schreiend-bunte Bänder die Stämme. Vor dieser Kulisse steht eine schulkindgroße Figurengruppe. Die sehr farbigen Holzgestalten sind Maria, Josef und das Christuskind.
Auf der Insel Cozumel ist mal endlich keine Spur von Weihnachten und wir lauschen gespannt der Maya-Geschichte bei den Ausgrabungen.

Erst in Georgetown, Hauptstadt der Insel vor Kuba, werden wir von Weihnachten eingeholt und sind von der Prachtentfaltung überwältigt. Die Läden um den Hafen herum und in der Stadt sind in grellen Farben geschmückt. Alles dreht sich um Weihnachten.
Und es ist heißßß.

In der nicht weit vom Hafen entfernten Kirche ist es angenehm kühl – und - sehr weihnachtlich. Alles dreht sich um das Weihnachtsfest, das ich nicht will.
Mit freundlicher Gelassenheit bewegen sich hier die Menschen unterschiedlicher Couleurs tütenbepackt durch die Straßen. Ihre Gesichter wirken heiter, wie in freudiger Erwartung. Fröhliches Lachen klingt bei Begegnungen auf, mürrische Gesichter sind nicht zu entdecken.

Auf unserem Schiff hält das Nachmittagsbüfett Kekse bereit, wie wir sie zu Weihnachten backen. Der für die Kekse zuständige Koch ist ein Schweizer. Er sieht so aus, als wenn er alle Sorten selbst durchprobiert. Die Kekse schmecken unglaublich gut – und ... rufen Erinnerungen wach.

In Key West schließlich erinnert manch geschmückter Vorgartenzaun auch wieder an Weihnachten. Es ist der Ort Ernest Hemingways. Seine Stammkneipe ist so geblieben, wie er sie kannte. Wenn man eine Zeit lang mit einem Bier an der Theke sitzt, meint man seinen Geist zu spüren. Jeden Moment müsste er zur Tür hereinkommen.

Über der Bucht kreisen Seeadler. Es herrscht Touristenrummel.
Nach etlichen heißen Tagen und lauen, romantischen Nächten, an denen ein Mensch aus Holtrop nicht ganz unschuldig ist, von quietschenden Delphinen und fliegenden Fischen begleitet, gelangen wir wieder nach Miami.
Es gießt wie aus Kübeln. Landiger Sturm treibt die Wolken auf den Ozean hinaus. Wir sind froh, dass wir im sicheren Hafen und nicht mehr da draußen auf See sind.

Hinter weihnachtlich geschmückten Palmen brodelt der Atlantik. Schickt seine gewaltige Brandung an den Strand. Wirft nie gesehenen Meeresinhalt in den Sand, dass uns die Sammelleidenschaft packt.
Kleine Papageien schwirren im Schwarm durch die Palmenwedel. Sitzen auf den glühbirn-kabelumwickelten, weihnachtlich blinkenden, Kokosnuss tragenden, fremden Gewächsen.

In einem Restaurant an der Strandpromenade sitzen wir am offenen Verandafenster und schauen uns das nächtliche Treiben draußen an. Ein junger Mann fährt auf einem Liegerad vorbei. Er trägt eine Nikolausmütze auf dem Kopf und der surfbrett-ähnliche Bügel hinter seinem Sitz ist mit blinkenden rot-gelb-grün-blau-weißen Birnchen versehen. Wenig später kommen wohl 20 Radler und mehr angefahren. Sie tragen ebenfalls Nikolausmützen und haben ihre Fahrräder mit bunten Glühbirnchen ausgestattet. Sie rufen uns fröhlich etwas zu, was aber in dem allgemeinen Lärmen, Lachen und Geklingel nicht zu verstehen ist.

Die Ausgelassenheit steckt an. Wir steuern vergnügt unserem Hotel zu.
Die Hotelbelegschaft war nicht müßig: Große Weihnachtsbüsche im Foyer, Girlanden, buntverpackte Päckchen an den Wänden und der geschmückte Tannenbaum in der Sitzecke, weisen auch hier auf das Christfest hin.

Wieder zu Hause. Wie trist es hier ist! Feuchte Kälte, die einen durchdringt und bibbern lässt. Immer noch der gleiche Stress im Supermarkt, Hektik auf den Straßen, mehr verkniffene Gesichter als heitere, gelassene...

Dass es anders sein kann, habe ich nun erlebt. Habe dabei erfahren, dass ich dem Weihnachten, den Gedanken an die Geburt Jesu, nicht entfliehen kann. Ob in der Karibik, in Florida, sonst wo in der Welt oder hier in Ostfriesland: Hier wie da wird dieser bedeutendste Geburtstag gefeiert. Hier geht es hektisch, stressig, verhaltener zu. Dort, auf der anderen Seite des Ozeans, ist es lauter, unbeschwerter, fröhlicher. Eigentlich so, wie man einen Geburtstag feiert.

Und ich habe erfahren: Vor Weihnachten kann man, kann ich, nicht weglaufen. Weihnachten ist gegenwärtig. Weihnachten ist überall und das ist gut so.

Das Weihnachtsgefühl: Ich habe es wiedergefunden.

© Elke Bontjer-Dobertin

Autor: egalis

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