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Vergesslichkeit

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes über meine Vergesslichkeit schreiben, aber ich hatte es einfach vergessen. Warum ich nun doch zu diesem Thema aufs Neue gefunden habe?, ergab sich so:

Es steht ausser Frage ich bin vergesslich. -Hol mir Kartoffeln aus dem Keller- ruft mir meine Frau zu- und ich gehe brav nach unten, denke dabei aber an die Funktion von „Schwarzen Löchern und Weissen Zwergen„ stehe dann ratlos vor der Kartoffelkiste und weiss nicht mehr was ich da soll.
Ich schleiche mich also leise wieder nach oben und frage scheinheilig so nebenbei -was gibt es heute denn zu essen mein Schatz- und erfahre beiläufig: Ah, Kartoffeln sind gefragt und schwupp geht mein Weg zurück und diesmal hatte ich kein „Schwarzes Loch“.

Das geht aber nicht immer so glimpflich ab. Meine Frau verstrickt mich oft in weibliche Thematiken, die mir einfach nicht interessant erscheinen und deshalb konzentriere ich mich während ihres Vortrages auf die Rettung der Bundesrepublik vom nahen Untergang, oder ich denke wie Einstein über das Endliche-Unendliche nach und lebe völlig in anderen Welten.

Plötzlich kommt, wie aus einer Pistole ein gezielter Schuss auf mich zu:

<Peng knallt es>. Was habe ich dir gerade erzählt!

Nun, ich habe gelernt auf zwei Hochzeiten zu tanzen und mein Hirnrinde vermag wohl im linken Teil oberflächlich zu speichern, währen auf der rechten Seite das geballte Zentrum auf Hochtouren arbeitet und so ist es mir auch gegönnt in das weiblich einseitig geführte Gespräch ab und zu ein schwach klingendes > Mh- na so was- kaum zu glauben- aber nein auch >, einzublenden.

Da ich meine Frau als sehr streng kenne, schalte ich die Rettung der BRD und Einsteins Theorie rechtsseitig kurz ab und versuche zu retten, was zu retten bleibt. Meistens ist das nicht viel, was meine linken Gehirnlappen noch wissen und das folgende Gestotter treibt meine, sonst liebe Gattin zur Weissglut.

Du bist nicht konzentriert- nie hörst du mir zu- du hast wieder alles „vergessen“, was ich dir gerade eben noch erzählt habe, muss ich mir dann mit recht anhören.

Da war es also wieder dieses drohende unheimliche Wort „Vergessen“ gefallen.

Es war die Zeit gekommen, mir bei meinem Onkel Doktor, einige Laborberichte vorlesen zu lassen. Mein Doktor ist ein sehr junger Mann, von ca. 35 Jährchen, dabei ehrgeizig und nimmt (Gott sei Dank) alles was seine Patienten betrifft sehr ernst. Ich sass noch kurz vor dem Gespräch alleine vor seinem Schreibtisch und nahm mir aus dem Prospektenständer eine Information über Demenzerkrankung und deren Früherkennung.

Mein Doktor kam herein, begrüsste mich, besprach kurz die Labordaten mit mir und sah dabei auf das Demenzprospekt in meinen Händen.

Haben Sie Probleme da oben, sich dabei seine Stirne berührend?

Ich erklärte ihm meine Schwierigkeiten beim Kartoffel holen und so und dass ich tags dauernd dabei bin alle Probleme der Welt zu lösen und sogar Einsteins Theorien anzweifele; welchen bedrohlichen Zorn ich dabei bei meinem weiblichen Gegenüber auslöse und dass es in der Zukunft zu schlimmen Exzessen zwischen uns beiden kommen könnte.

Und jawohl, es doch nur an der linken Gehirnhälfte liegen würde, die einfach nicht richtig beim Manne funktionieren, dagegen sei es wissenschaftlich erwiesen: Bei der Frau funktionieren beide Gehirnhälften und…………..

Der Dotore hatte für all mein Gejammer und wissenschaftlichen Ausführungen kein Verständnis.

-Mein lieber Mann, mit 70+, klappt es da oben nicht mehr so gut und deshalb machen wir jetzt sofort einen Alzheimertest-.

Sprachs, ging aus dem Zimmer um den Testbogen zu holen und ward nicht mehr gesehen.

Er hatte mich einfach vergessen!

Ich verspreche euch, die ihr das gelesen habt, ihr bleibt mir „unvergessen“.

Persönlich erlebt und in Form gebracht
Carlos

Autor: Fiddigeigei

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