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Schneefeder und Waldbruder

Nein, Waldbruder lebte nicht immer im Wald, aber geht, wenn es ihm die Zeit erlaubt in den Wald. Waldbruder kennt die Bäume, ihre Früchte die glatten und rissigen Borken der Stämme. Er freut sich am Geflüster der Baumkronen, wenn ein Wind durch Blätter und Nadeln streicht, oder ein Sturm die schweren Äste bewegt. Er liebt die Tiere die dort hausen, die fröhlichen Buchfinken, den arbeitsamen Specht, das flinke behände Eichhörnchen mit seinem aufgeregtem Keckern. Ringeltauben rufen traurig und sehnsuchtsvoll aus ihren Baumverstecken.

Am Boden die emsigen Waldameisen, die es nicht lassen können immer noch höhere Burgen aus abgestorbenen Tannennadeln aufzurichten. Schwerfällige, pummelige Käfer die über Wurzeln stolpern, oder gar der grimmige Hirschhornkäfer der mit seinen gefährlichen Kneifzangen keinen Kampf scheut.

Mücken die ihr kurzes Leben leichtsinnig im Sonnenstrahl vertanzen, in Sonnenstrahlen, die sich heimlich durch die dichten Blätterdächer stehlen.

Er denkt über den Waldboden nach, der jedes Jahr wächst,- seit einer Ewigkeit-. Schicht um Schicht, Jahr für Jahr. Darauf läuft man wie auf Daunen und Schritte hört man kaum. Wie leicht es ist im Wald zu gehen! Staunenswert das Moos, das in seiner Vielfalt miniaturartige Dschungellandschaften bildet und deren Entdeckung nach scharfen Augen verlangt.

Gestorbene Baumriesen, aufrecht, unbeugsam gestanden bis zum Ende und dann gefallen in den eigenen Friedwald. An den moosigmodrigen Stämmen siedeln breitkrempige Baumpilze,langsam den toten Baumleib verzehrend. Geschwätzige Bäche, die sich über Steine stürzen, versickern und plötzlich wieder wie aus dem Nichts als Brünnlein zwischen alten ehrwürdigen Quadern hervor sprudeln. Das Wasser gluckert und plappert wie eine Schar junger kichernder Mädchen, die sich glückselig von ihren Liebsten erzählen. Waldbruder erschrickt, wenn er die gierige Säge hört, die einem Baum den Lebensfaden durchtrennt. Er fühlt den Schmerz, als wenn es sein Bruder wäre, der getötet würde.

Ganz zufällig hat der Waldbruder bei seinen vielen Gängen den versteckten Waldsee gefunden. Er lag so verborgen hinter einem undurchdringlichen Dickicht, dass es fast ein Wunder war ihn zu finden.Der kleine See lag eingebettet in einem vergessenen Steinbruch aus alten Zeiten. Vielleicht wurde hier der weiche geschmeidige Buntsandstein gebrochen um eine beherrschende Burg zu bauen, oder besser Wohnhäuser,- was ihm lieber gewesen wäre. Vielleicht stellte er die Fundamente für einen einsamen Schwarzwaldhof, um den schweren Balken des Holzhauses sicheren Halt zu gewähren. Auf dem kleinen See schwamm zu seinem Erstaunen eine Gans, eine weiße Hausgans.

„Es war Schneefeder.“

Still setzte er sich an den Rand des Teiches und Schneefeder und Waldbruder wurden Freunde auf den ersten Blick. Aus seinem Rucksack kramte er eine kleine karge Mahlzeit und Schneefeder kam aus dem Wasser und sie teilten das Wenige wie Bruder und Schwester. Sie redeten zusammen, aber in verschiedenen Sprachen und so konnte nicht geklärt werden, unter welchen Umständen Schneefeder gerade hier her gefunden hatte. War sie gar dem unseligen Martinsbrauch entkommen. Verstanden sie eventuell doch unsere Sprache oder hatte sie zusehen müssen, wie eine Schwester nach der anderen den Tod durch das Messer erdulden musste. Jeden falls war Waldbruder froh sie hier lebendig, in dieser von den Menschen vergessenen Einsamkeit anzutreffen.

Nun verging fast kein Tag an dem Waldbruder nicht am verwunschenen See saß und Schneefeder besuchte. Im Herbst, wenn die Wildgänse über ihn hinwegfliegen und rufen: „Komm mit, komm mit wir ziehen in den Süden“, wünschte er sich mitfliegen zu können.
Und in diesem Herbst geschah etwas seltsames, Schneefeder hatte plötzlich einen Freund. Es war ein stolzer Gänserich, eine Kanadische Graugans. Er war zwar kleiner als Schneefeder, aber dies schien der Liebe keinen Abbruch zu tun.

Der Rucksack wurde etwas schwerer, denn nun galt es für zwei Schnäbel zu sorgen. Als das Frühjahr kam war Schneefeder wieder alleine. Der flatterhafte Kanadier hatte sie einfach sitzen lassen. Sie ist wohl nicht reiselustig, dachte Waldbruder bei sich und es freute ihn, sein Vesperbrot wieder nur mit ihr teilen zu dürfen.

Übers Jahr kam eine weitere Überraschung. Schneefeder hatte einen neuen Liebhaber. Einen Stockenten Erpel. Zwar war er noch ein gewaltiges Stück kleiner als der Luftikus von Kanadier, aber dafür ein Prachtbursche. Glänzendes bläuliche/grünes Gefieder ein wunderbares Federkleid und schnattern konnte er, dass es eine Freude war. Zwei Jahre sind vergangen und die Liebe der beiden scheint ungebrochen. Dem Waldbruder ist der Rucksack wieder schwerer geworden und es fällt ihm nicht leicht sich mit einem Dreiecksverhältnis abzufinden.

Schneefeder aber und der kleine See bleibt Waldbruders Geheimnis.

Autor: Fiddigeigei

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