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Klepperle - aus "Erinnerungen" von Fiddigeigei

Die Zeit von den Klepperle liegt weit zurück in meiner Kindheit. Die Straßen in den meisten Städtchen und in den Dörfern waren noch ungeteert und in den Städtchen mit Kopfsteinpflaster versehen. Autos gab es kaum, dafür Pferde und Kühe die die Frachtwagen bewegten. Die Zeit war nicht danach. Die wichtigsten Leute, wie der Doktor und der Bürgermeister fuhren mangels Benzin mit Holzvergasern. Dazu waren an den Autos ein Art Boiler, - wie bei einer Badewanne montiert, der mit Holz befeuert wurde, aber nicht zum Wasser wärmen da war, sondern das in den geheimnisvollen Behältern so erzeugte Holzgas diente als Antriebskraft. Echter BIO - Treibstoff!

Dazumal sind auch noch alle Kinder vom ersten warmen Sonnenstrahl im März, bis in die kalten Novembertage hinein barfüßig gelaufen. Schuhe gab es erst, wenn es uns an den Zehen gefroren hat und der erste Schnee fiel.
Liebe heutige Mütter, könnt ihr euch vorstellen, wie solche Füße abends ausgesehen haben?
In den Schulen waren die Fußböden geölt und das Öl welches man verwendete sah aus, als käme es aus des Teufels Tintenfass; so schwarz war es.
Die Fußsohlen waren schwärzer als die Nacht und trotz strenger Abendwaschkontrolle der Mutter ist es einem von uns 5 Kindern, doch ab und zu gelungen ungewaschen davon zu kommen. Die weißen Betttücher haben dann am anderen Morgen entsprechende Muster gezeigt und man war enttarnt, dass gab dann immer eine geharnischte Standpauke, die oft auch hinter die Ohren „geschrieben“ wurde.

Das war auch verständlich, denn damals gab es keine Waschmaschinen und im Winter war die Wäscherei ein Heidengeschäft. Die Hände der Frauen waren rau von der aggressiven Seifenlauge und dazu rot gefroren. Später hingen die Wäschestücke im zugigen Dachboden zum Trocknen und im Winter waren die weißen Dinger steif zu Brettern gefroren. Also nichts mit lustig!
Unsere nackten Füße waren so an Härte gewohnt, dass wir ohne Schuhe Fußball gespielt haben, die höchsten Bäume erkletterten und in den Ernteferien Ähren gelesen haben und über die Stupfelmatten gelaufen sind wie Indische Fakire. Blutige Zehen waren an der Tagesordnung wurden aber einfach ignoriert. Der Dreck hat wohl steril gehalten.

Dann aber kam der Sonntag und da mussten wir die Klepperle anziehen. Barfuß das ging nun wirklich nicht, obwohl wir Kinder auch mit nackten Füssen in die obligatorische Sonntagskirche gegangen wären.

Dieses Schuhwerk wies eine interessante Konstruktion auf. Die aus Holz gefertigten Sohlen bestanden aus drei Teilen. Im hinteren Teil fand die Ferse Platz, dann kam ein Mittelteil und vorne ebenfalls separat war eine bewegliche Aufnahme für die Zehen. Die Verbindung der 3 Teile untereinander bestand aus Lederbrücken. Oben waren verstellbare Riemen, kein Klettverschluss, um die Klebberle an den Füssen festzuhalten.
Aber Achtung, es war nicht einfach sich schnell mit diesen Dingern fortzubewegen. Klepperle waren regelrechte Stolperfallen und kam man aus dem Tritt, half nur noch den Aufprall geschickt abzufangen, oder aber der Flug erfolgte ungebremst mit schmerzhaften Folgen.

Klepperle haben auch, wenn einige Kinder über das Pflaster klapperten, einen Heidenlärm veranstaltet, als ob ein wilder Ritterhaufen durch das Städtchen gezogen käme, oder als Beispiel aus der heutigen Zeit, wenn 50 Spanische Castagnettenspieler am Werke sind. Oder diese Tänzer aus Irland mit ihren rhythmischen Stepptänzen kommen dem Klepperlelärm auch sehr nahe.

Gingen Klepperle kaputt, mussten die Väter handanlegen und das ging nie ohne Geschimpfe und Ermahnungen ab. Und mancher von uns Bengels wurde übers Knie gelegt.

Heute gibt es keine Klepperle mehr. Eigentlich sehr schade. Gerne würde ich wieder Kinder klappern hören. Und gesünder für die kleinen Füße, wie diese Turnschuhe oder Gummischlappen wären Klepperle allemal.

Manchmal träume ich davon, einer dieser Modefritzen würde die Klepperle neu erfinden.

Anhang:

1)Ursprünglich habe ich diese Geschichte in meiner Heimatsprache dem Hochalemannisch verfasst. Aber das ist so ähnlich wie Russisch.

2)Meine Recherchen ergaben, dass ein großer Hersteller von den früheren Klepperle in Hamburg noch Schuhe aus Holz herstellt. Nachfrage ergab: Kein Markt mehr für meine Klepperle. Schade.

Liibi gruess vum Carlos
un ä gueds Wucheend!

Die Fotos wurden von Käthe im Écomusée und im Automuseum, Elsass aufgenommen und nach Gutdünken eingefügt!

Autor: Fiddigeigei

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