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Hirsch 'Heinrich'

Eine Weihnachtsgeschichte für Enkelkinder

Text: Opa Carlos - Fiddigeigei / Bilder: Elke Bontjer-Dobertin - egalis

Es war Winter geworden im Schwarzwald. Die dunkelgrünen Tannen hatten sich lustige weiße Kappen aus Schnee aufgesetzt und sahen gar nicht mehr so schwarz und grimmig ernst aus.

Patrick und Lenchen sind bei Oma und Opa zu Besuch. Im Zimmer ist es warm und das Holzfeuer brennt hell. Alle setzen sich um den Ofen. Es riecht herrlich nach Bratäpfeln, die Oma in der Küche schmurgeln lässt. Kerzen flackern und strahlen Gemütlichkeit aus. Das Schaf Bruno in seiner Ecke schlummert und träumt vom Frühling und saftigen Wiesen und määäht im Schlaf leise vor sich hin. Oma hat Bruno auch ein rotes Weihnachtsband um den Hals geknüpft und darauf ist Bruno mächtig stolz.

Patrick rutscht mit seinem kleinen Stuhl dichter zu Opa hin und Klein Lenchen kuschelt sich auf den Schoß von Oma und brabbelt dabei zufrieden: „Ladel, ladel, ladel, ladel...“ Mehr ist bei Lenchen noch nicht programmiert, obwohl sie jetzt schon über ein blitzeblank weißes

Zähnchen verfügt und seit neuestem zu Papa „Mama“ sagt. Lenchen ist aber auch noch sehr sehr klein!

Patrick lässt sich gerne Geschichten erzählen und es geht auch gar nicht mehr lange, bis er Opa bittet: „Opa, eine Geschichte, bitte eine Geschichte“.

Opa streicht sich über seinen Kopf und überlegt. Dazu nimmt er einen Schluck Rotwein. „Das hilft,“, sagt Opa – um die Gedanken im Kopf auf Trab zu bringen und dass es auch eine schöne Geschichte wird. Und Patrick meint dazu: „Gell, Opa, und damit sie auch recht lang und spannend ist.“ Darauf muss sich Opa gleich noch einen Schluck genehmigen.

„Patrick, Du erinnerst Dich doch noch daran, als Du uns im Sommer im Schwarzwald besucht hast. Damals haben wir doch den Hirsch in der Nähe vom Mummelsee besucht. Er war gewaltig groß. Sein Geweih war, sagen wir, wie – na wie denn? – Aber mindestens so groß wie ein Kronleuchter in einem Schloss und dazu hat er fürchterlich gebrüllt: Rööööhr und noch lauter: Rööööööhr.“

Gottseidank konnte der Hirsch nicht aus dem Gehege. Wer weiß, was sonst hätte passieren können! „Ja Opa,“, sagt Patrick, „daran erinnere ich mich noch und ich bin mächtig erschrocken, als der Hirsch mich so einfach angebrüllt hat.“

„Gut,“, meint Opa. „Und von diesem Hirsch, nennen wir ihn einfach Heinrich, möchte ich Dir jetzt eine Geschichte erzählen.

Es war bereits dunkel geworden im Tiergehege, als das Kaninchen Eduard zu seinem Freund Heinrich hoppelte um ihm etwas Schreckliches zu berichten. Eduard flüsterte seinem Freund zu, dass er zufällig gehört hätte, wie Oberförster Kleinmeier vor sich hin gesagt hat: „Jetzt weiß ich, was ich meiner lieben Frau Klothilde zu Weihnachten schenke: Ich werde dem Hirsch Heinrich sein Geweih absägen und daraus einen Kronleuchter für unser Wohnzimmer basteln.“

‚Juhuuu, ist das nicht eine tolle Idee?’, dachte der Oberförster Kleinmeier und schoss vor Freude mit seiner Flinte zweimal in die Luft, so dass die Eichhörnchen Klara und Sebastian glatt aus ihrem warmen Baumnest in der hohen Tanne sprangen um zu sehen, wer solchen Krach vollführte.


Heinrich war erschüttert, als er das hören musste! Er hatte dem Oberförster doch nichts getan und sein lautes Brüllen war ja gar nicht sooo ernst gemeint. Fieberhaft überlegte er, wie er sein stolzes Geweih vor der Säge retten könnte. Wie sähe er auch aus ohne das riesengroße Gehörn – die Hirschdamen würden sich kugeln vor Lachen. „Hahahaaa, schaut euch nur den hornlosen Heinrich an!“ Heinrich schämte sich jetzt schon. Daran mochte er gar nicht denken.

In der Zwischenzeit waren auch die Eichhörnchen zu Heinrich gehüpft, denn sie waren sehr neugierig und wollten auch wissen, warum der Oberförster gleich zweimal geschossen und ob er gar ein Tier getroffen hat.
Die Vier überlegten gemeinsam, was zu tun sei um das Geweih Heinrichs zu retten. Eins war sicher: Heinrich musste sofort fliehen. Aber wie?

Eduard, das schlaue Kaninchen, hatte die beste Idee: „Heinrich durchbricht den Zaun an seiner schwächsten Stelle und flieht in den Schwarzwald, da wo er am dichtesten ist und der Oberförster ihn niemals finden kann.“

Und die Eichhörnchen Klara und Sebastian, die im Schwarzwald schon auf jeder Tanne herumgehüpft waren um an die saftigsten Tannenzapfen zu kommen, was ihre bevorzugte Lieblingsspeise ist, wussten auch schon, wo.

Hirsch Heinrich stellte sich in seiner ganzen Größe auf, nahm einen Aaanlauf, brüllte dazu sein schauerlichstes ‚Röööööööööhr’ und riss gleich beim ersten Versuch ein großes Stück aus dem Zaun heraus. Dann wartete er mit stolz geschwellter Brust, bis seine Freunde ihm durch die Lücke folgten.

Klara und Sebastian setzten sich ganz außen rechts und links auf Heinrichs Geweihspitzen und Eduard hoppelte hinterher. Heinrich musste, gelenkt von den Eichhörnchen, durch tiefen Schnee traben und schnaufte dabei schwer, denn das war sehr anstrengend. In den Tapsern von Heinrich hoppelte Eduard, der sonst im hohen Schnee mit seinen kurzen Beinen glatt versunken wäre. Als sie eine lange, mühsame Strecke zurückgelegt hatten, sprangen Klara und Sebastian ab. „Hier, Heinrich, bist Du vor Oberförster Kleinmeier absolut sicher.“

Der Tann stand so dicht, dass man die Hand vor den Augen nicht sah und selbst der Mond oder die Sonne wären nicht zu sehen gewesen, selbst, wenn sie noch so hell geleuchtet hätten.

Heinrich grunzte. Endlich konnte er sich zur Ruhe legen. Ermattet schloss er seine Augen, klapperte kurz ein bisschen mit seinem Geweih und war auch schon eingeschlafen.

Eduard kuschelte sich direkt vor die Schnauze von Heinrich, schloss die Augen und träumte von saftigen Mohrrüben. Die Eichhörnchen waren gleich auf eine hohe Tanne geklettert, von wo aus sie die beste Aussicht hatten und außerdem an den Tannenzapfen knabbern konnten. Dann fielen auch ihnen die Äuglein zu. Dabei krallten sie sich an einem Ast fest, denn Eichhörnchen können überall schlafen, auch auf den höchsten Bäumen, ohne herunter zu fallen.“

Patrick dachte bei sich: ‚Wäre das toll, wenn ich wie ein Eichhörnchen wäre und das auch könnte. Mama und Papa haben schon Angst, wenn ich in mein Hochbett klettere und Oma und Opa machen vor Angst die Augen zu, wenn ich auf dem Spielplatz an Seilen hangele.’ Er seufzte ein bisschen.

Opa trank einen weiteren Schluck von seinem Rotwein, um die Gedanken neu anzuregen. „Bitte, bitte, Opa, wie geht’s nun weiter? Erzähl doch, was passiert nun mit dem Hirsch Heinrich und seinen Freunden?“ Lenchen brabbelte auch: „Ladl, ladl, ladl, ladl“, was man ohne weiteres als: „Mach weiter, Opa,“, übersetzen konnte. So begann der Schwarzwalder Opa weiter zu erzählen:

„Die Freunde hatten mindestens drei Stunden geschlafen, als Klara den Sebastian anstupfte: „Sebastian, wach auf!“ Sebastian schlief aber fest und schnarchte dabei.“

„Eichhörnchen können auch schnarchen, wie Du und Papa?“, fragte Patrick und sah Opa dabei an. „Na klar und gar nicht so leise.“, sagte Opa. „Manchmal hört es sich an, als ob im Wald ein Baum umgesägt würde. Dabei ist es aber nur ein schnarchendes Eichhörnchen.“ Opa schmunzelte dabei.

Klara musste Sebastian sogar in seinen buschigen Eichhörnchenschwanz zwicken, bis er prustend aufwachte. „Was ist los, Klara, warum weckst Du mich?“ Klara zeigte auf ein helles Licht, welches etwa 2-300 Meter von ihnen entfernt zu sehen war. „Ich habe ein lautes Rauschen in der Luft gehört und ein helles Licht vom Himmel fallen sehen und davon bin ich aufgewacht.“

In der Zwischenzeit hatte es auch aufgehört zu schneien und am Himmel blitzten und funkelten Tausende von Sternen auf die Erde herab. Ein kleiner Teil vom Mond war zu sehen, was aussah wie so ein Hörnchen aus einer Bäckerei, nur dass es leuchtete.

Klara und Sebastian dachten, dass es wohl das Beste sei, wenn sie auch Heinrich und Eduard wecken würden um gemeinsam zu beratschlagen, was zu tun ist.

Sie kletterten von ihrem Aussichtsturm herab und weckten die beiden auf. Eduard war gleich wach und begann sich nach Kaninchenart sofort zu putzen und den Schlaf aus den Augen zu reiben. Aber Heinrich war gar nicht gewillt aufzuwachen. Selbst die Schneeballen, die die Hörnchen von den Bäumen warfen, halfen nichts. Da hatte Eduard eine gute Idee. Er setzte sich mit seinem weichen Fell direkt auf Heinrichs Nasenspitze. Die Haare von Eduard kitzelten den Hirsch so in seinen Nasenlöchern, das er heftig niesen musste und dabei Eduard sogar ein stückweit fort pustete.
„Hatschi,“, machte Heinrich und wachte gerade aus einem bösen Traum auf, in dem der Oberförster Kleinmeier sich im Moment mit einer Motorsäge seinem stattlichen Geweih näherte.
„Gut, dass Ihr mich geweckt habt,“, und er schüttelte sein Geweih um zu sehen, ob wirklich noch alle Spitzen dran waren.

Die Eichhörnchen erzählten Eduard und Heinrich von ihrer Beobachtung. Die Abenteuerlust packte unsere vier Freunde und unter Führung von

Klara und Sebastian bewegten sie sich vorsichtig, aber ängstlich, auf das geisterhafte Licht zu.
Am Rand einer Lichtung sahen sie ein kleines Kind in einem weißen Kleidchen, welches über und über mit Goldfäden bestickt war, auf einem großen Haufen Pakete sitzen und weinen.



Das Kaninchen war sehr tapfer und hoppelte als erstes auf das kleine Wesen zu, stellte sich auf die Hinterbeine und mümmelte: „Was tust Du denn hier mitten im tiefsten Tannenwald, ganz alleine?“ Das kleine Kind hörte auf zu weinen und war auch gar nicht erschrocken, als der große, mächtige Heinrich die Lichtung betrat und die Eichhörnchen gleich zutraulich auf seine Schultern hüpften.

„Habt Ihr noch nie etwas vom Christkind gehört?“, fragte das Kind. Die Vier schüttelten die Köpfe und Heinrich schaufelte dabei mit seinem großen Geweih eine geballte Ladung Schnee von einer kleinen Tanne.

„Heute ist doch die Heilige Nacht und das Christkind und der Weihnachtsmann besuchen alle Kinder und bringen ihnen ein kleines Geschenk und was noch viel wichtiger ist: Sie bringen den Menschen eine frohe Botschaft von Freude und Friede.“

Klara und Sebastian, die jetzt auf der Schulter vom Christkind saßen, sahen sich um und sagten dann: „Aber wo ist denn der Weihnachtsmann?“
Das Christkind musste jetzt schon wieder etwas lachen und erzählte, wie es gekommen sei, dass es nun mutterseelenallein im tiefsten Schwarzwald sitzen muss und was noch schlimmer ist: den Kindern nicht die Weihnachtsgeschenke bringen kann.

Opa nahm noch ein Schlückchen von seinem roten Denkwasser und erzählte weiter, was dem Christkind passieret war:

„Als der Weihnachtsmann das Christkind aus dem Himmel abholte und die von fleißigen Engelchen gepackten Päckchen in den mit sechs Rentieren bespannten Schlitten lud, merkte das Christkind gleich: Der Weihnachtsmann war nicht gut aufgelegt. Er schimpfte und brudelte vor sich hin und das Christkind dachte: ‚Na, das wird ja eine schöne Bescherung werden, dieses Jahr.’

Warum der Weihnachtsmann so schlecht gelaunt war?

Die Frau vom Weihnachtsmann hatte vergessen, sein gewohntes Lieblingsessen vor der Abfahrt zu kochen, denn der Weihnachtsmann aß am liebsten Grießbrei mit Zimt und Zucker. Seine Frau hatte ihm aber, anstatt seiner Leibspeise, nur ein paar Leberwurstbrote gestrichen. Und als sie ihn beim Abschiedskuss auch noch ihr „Niki-Niki-
Nikoläuschen“ nannte, was er überhaupt nicht vertragen konnte, war der Weihnachtsmann echt sauer.

Er schmiss die Päckchen nur so auf den Schlitten und das Christkind schaffte es gerade noch, aufzusitzen und schon trieb er die Rentiere mit lautem „Ho, ho ho“ an und ließ dazu noch seine lange Peitsche knallen, dass die Tiere wie Rennpferde davonflitzten. Das Christkind konnte sich kaum auf der Sitzbank festhalten und als der Weihnachtsmann direkt über dem Schwarzwald in eine gewagte Steilkurve lenkte, purzelte das Christkind, zusammen mit einem Teil der Pakete, aus dem Schlitten, ohne dass der Weihnachtsmann etwas merkte. „Ja, so ärgerlich war er. Und da sitze ich nun,“, beendete das Christkind seine Geschichte und sah sehr unglücklich aus. Die Tiere waren sich sofort einig: „Dem Christkind muss geholfen werden.“

Hirsch Heinrich legte sich in den Schnee und das Christkind und Eduard beluden Heinrich mit allen Päckchen, die in den Schnee gefallen waren. Klara und Sebastian schmückten indessen das Geweih von Heinrich und steckten auf jede der Hornspitzen eine brennende Kerze.

Dann setzte sich das Christkind auf den Rücken von Heinrich, der sich nun vorsichtig aufstellte und gleich losgaloppierte.


Das Christkind wusste, dass der Weihnachtsmann als erstes die Kinder in einem kleinen Dorf unter den hohen Schwarzwaldbergen besuchen würde und in der Gegend kannte sich Hirsch Heinrich bestens aus. Er machte seine größten Schritte und Eduard musste von Tapser zu Tapser springen um überhaupt mitzukommen. Die beiden Eichhörnchen hüpften ausgelassen voraus und ließen kichernd ab und zu ein bisschen Schnee von den Bäumen auf Heinrich und das Christkind rieseln.

Der Weihnachtsmann war gerade am Anfang vom Dorf angekommen, wo er dem kleinen Lucas dessen Weihnachtspäckchen abliefern sollte. Aber da merkte er – oh Schreck – das Geschenk war weg und das Christkind dazu. Gerade wollte er mit seinem Handy die 112 anrufen um die Polizei zu verständigen, als er von weitem den leuchtenden Heinrich kommen sah und „Halleluja“, auf ihm reitend das Christkind.

Das war ein Erzählen und alle redeten durcheinander, wobei man darüber fast den kleinen Lucas vergessen hätte. Der trippelte schon vor Neugier von einem Fuß auf den andern und seine Augen strahlten, als das Christkind ihm dann endlich doch sein Geschenk gab und ihm dazu die frohe Botschaft aus dem Himmel verkündete.

Der Weihnachtsmann lud nun sorgfältig die Pakete von Heinrichs Rücken in den Schlitten und Heinrich durfte ganz vorne vor den Rentieren und mit seinem strahlenden Kerzengeweih den Schlitten ziehen. Eduard, Klara und Sebastian setzten sich mit dem Christkind auf die Rückbank und kuschelten sich warm zusammen.

Der wildgewordene Weihnachtsmann fuhr aber jetzt ganz vorsichtig und rief Heinrich und den sechs Rentieren nur ganz leise sein „Hohoho“ zu.

Im Försterhaus aber hing der Segen schief. Klothilde war sehr, sehr traurig. Ein Weihnachtsfest ohne Geschenk! Und Oberförster Kleinmeier musste zur Strafe auf den Weihnachtsbraten verzichten.“

Auf Omas Schoß war Lenchen eingeschlafen. „Opa,“, meinte sie, „jetzt ist Zeit für die Kinder ins Bett zu gehen. Außerdem wollen wir doch noch die duftenden Bratäpfel probieren!“

Patrick war von seinem Stuhl aufgestanden und hatte Opas Hand genommen. „Komm, Opa, lass uns ans Fenster gehen. Vielleicht sehen wir den Hirsch Heinrich oben am Himmel mit seinem strahlenden Geweih, wie er den Schlitten vom Weihnachtsmann und dem Christkind zieht.“

Vom Himmel löste sich eine Sternschnuppe und Patrick dachte bei sich: ‚Oh, jetzt hat der Hirsch Heinrich sicher eine Kerze verloren!’

Autor: Fiddigeigei

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