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Aus der Reha direkt auf's Zweirad

Motorradfahrer

Nach längerem Krankenstand wegen depressiver Erkrankung und anschließender Reha brachte mich jemand auf die Idee, ich könnte mit dem alten Führerschein 3 auch Motorrad fahren. Ich nahm die Idee auf und kaufte mir ein kleines Motorrad. Nach nur zwei Monaten wusste ich: "Das ist mir nicht genug". Also hin zur Fahrschule und den Motorradführerschein gemacht. Gut drei Monate nach der Anfangsidee stand also ein größeres Motorrad in der Garage.

Kaum war der Frühling da, juckte es mich wieder und ich wusste: "Das ist mir nicht genug". Ich wollte es sportlicher. Beim ersten Reinschnuppern mit Leihmotorrädern brach ich mir gleich den Knöchel. Allerdings brachte mich das nicht von meiner Idee ab. Kaum konnte ich wieder humpeln und den Schalthebel bedienen, saß ich wieder auf der Maschine und schaute mich um.

Kaum ein Jahr nach dem ersten Motorradkauf gesellte sich also ein Sportmotorrad zu der Alltagsmaschine, ein Motocross-Motorrad mit zwei Reifensätzen, einer für das Motocross-Übungsgelände, einer für die Straße. Mit letzterem ging es auf den Asphalt größerer Kartbahnen. Auf der größten derartigen Bahn, dem Harzring, nahm ich auch unerschrocken an Rennen teil.
Was für ein Unterschied zwischen Zuschauen und selbst fahren! Zunächst mal einige Zeit vorher furchtbares Lampenfieber, dann in der Startaufstellung der Puls auf 180, darauf wartend, dass die Ampel von Rot auf Grün springt, und dann los ins Getümmel. Diese Momente bleiben unvergesslich.

Als Anfänger hab ich mir nicht allzu viel erwartet und war zufrieden, dass ich nicht Letzter, nicht mal Vorletzter wurde.

Ein paar Jahre ging es im Wechsel mal ins Gelände, mal auf den Asphalt. Fortschritte wurden spürbar in Fitness, Körper- und Maschinenbeherrschung. Doch dann kam wie es kommen musste - man kann es sich schon denken - das bohrende: "Das ist mir nicht genug".

Schneller musste es sein. Mehr Kubik, mehr PS, breitere Reifen. Doch ab und zu mit 220+ ein Stück Autobahn macht auch nicht dauerhaft froh. Sportlich sollte es auch hier werden. Also Trainings gebucht auf echten Rennstrecken Nürburgring, Oschersleben, Bilster Berg, Sachsenring. Es hat ein ganz besonderes Feeling, auf demselben Asphalt in der Boxengasse zu stehen wie die professionellen Idole, auf derselben Strecke zu fahren.

Nun bin ich 63 und es treibt mich etwas um - na was schon: "Das ist mir nicht genug." Mein schnellstes Motorrad ist zu alt, zu langsam für die Rennstrecke geworden, ja und für mein Fahrkönnen. Mit einer schnelleren Leihmaschine gelang mir der Aufstieg von der Anfängergruppe zu den Fortgeschrittenen. Doch mit meiner "alten" fahren mir die Anfänger mit ihren neuen Schmuckstücken auf der Geraden wieder davon, wenn ich sie vor oder in der Kurve noch überholt hatte. Ich müsste mir also etwas Aktuelleres, Schnelleres zulegen. Aber leider sind immer nur ein paar Termine im Jahr möglich, ob sich dafür eine teure Anschaffung lohnt?

Immerhin hat mich mein Treiben davor bewahrt, wieder in länger andauernde Depressionen zu verfallen. Außerdem: So ein Tag auf einer Rennstrecke - egal ob im Dreck oder auf Asphalt - ist extrem kräftezehrend. Manchmal hatte ich Mühe, am Ende des Tages das Motorrad auf den Anhänger zu kriegen. Um darauf vorbereitet zu sein, war es notwendig, die persönliche Fitness zu steigern. So ist der Motorradsport auch ein Antrieb für dauerhaften Fitnessport. Immerhin scheine ich trotz meiner 63 vom altersbedingten Muskelschwund noch nicht beeinträchtigt worden zu sein.

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