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EINSTEINJAHR 2005
Mensch und Wissenschaftler
„Aus Ihnen wird nie etwas, Einstein!”
Albert Einstein wird am 14. März 1879 in Ulm geboren und verbringt seine Kindheit in München. Er ist ein ungewöhnliches Kind. Nur langsam lernt er sprechen. Bis er sieben Jahre alt ist, sagt er jeden Satz erst einmal leise vor sich hin, bevor er ihn laut ausspricht.
Aber auch wenn er einen verschlossenen Eindruck erweckt: Er interessiert sich schon früh für die Welt der Ideen und der Physik. In der Schule ist Einstein, anders als die Legende es will, nicht schlecht, sondern durchschnittlich – außer in Physik, da sind seine Leistungen sehr gut. Als Student an der Eidgenössischen Polytechnischen Hochschule (ETH) in Zürich bekommt er immer hervorragende Noten. Manche Lehrer meinen allerdings, aus Einstein werde nie etwas, weil er eigensinnig und lernunwillig sei. Kurz nach seinem Abschlussexamen schickt er seinen ersten wissenschaftlichen Artikel an die „Annalen der Physik“, eine der renommiertesten Zeitschriften auf diesem Gebiet.
Er findet nicht sogleich Arbeit. Nach zwei Jahren erfolgloser Suche erhält er eine feste Anstellung beim Schweizerischen Patentamt in Bern. Als Beamter des Patentamtes verbringt Einstein sieben glückliche Jahre in Bern. Er heiratet seine Kommilitonin Mileva Maric, sie haben gemeinsam zwei Söhne; die vor der Eheschließung geborene Tochter Lieserl wird unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben, Einstein hat sie nie gesehen. Frei von Geldsorgen geht Einstein in der Freizeit seinen Interessen nach: Er beschäftigt sich mit den Theorien über Atome, Elektronen, Raum und Zeit.
1905 – in Einsteins „Annus mirabilis” – öffnet der 26-Jährige in kurzer Zeit mehr Horizonte in der Physik als irgendjemand zuvor. Er veröffentlicht in kurzer Folge fünf bahnbrechende Aufsätze – unter anderem einen Aufsatz zum Photoelektrischen Effekt, für den er 1921 den Nobelpreis erhält. Auch seine berühmteste Formel, E=mc2, schreibt er in diesem Wunderjahr nieder – jene Gleichung, die fast jeder kennt und die doch kaum jemand so recht zu erklären vermag. Diese Formel ist Teil der „Speziellen Relativitätstheorie“, die Einstein zunächst die Anerkennung der Fachkollegen und später allgemeinen Ruhm einbringt.
Nach einigen Jahren als Professor in Zürich und Prag zieht es ihn nach Berlin, dem damaligen Zentrum der naturwissenschaftlichen Forschung schlechthin. Von 1914 bis 1932 lebt und arbeitet er dort als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und als Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Es sind 18 ereignisreiche Jahre, eine politisch wie privat bewegte Zeit. Nach der Scheidung von seiner Frau Mileva heiratet er seine Cousine Elsa Löwenthal und adoptiert ihre beiden Töchter aus erster Ehe.
1919 gerät Einstein schlagartig in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Grund: die „Allgemeine Relativitätstheorie“, die er vier Jahre zuvor aufgestellt hat, wird durch astronomische Beobachtungen bestätigt. Eine der zentralen Vorhersagen war, dass Licht im Gravitationsfeld der Sonne abgelenkt werde. Dieser minimale Effekt kann jedoch nur während einer totalen Sonnenfinsternis beobachtet werden. Im Jahr 1919 gelingt dies einer britischen Expedition. Das spektakuläre Ereignis kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges macht Einstein zu einer internationalen Berühmtheit.
Einstein stellt seine Prominenz in den Dienst politischer und sozialer Ziele. Er setzt sich aktiv für Zionismus und Pazifismus ein und unterstützt zahlreiche Initiativen und Aktionen zum Erhalt und Ausbau demokratischer Rechte. Die Reichsregierung bedient sich Einsteins als Botschafter des neuen demokratischen Deutschlands in Europa und der Welt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Sieg des Antisemitismus wird Einstein als Jude und sein wissenschaftliches Werk als „jüdische Physik“ diffamiert. Der im Ausland weilende Einstein erklärt daraufhin seinen Austritt aus der Akademie und kehrt bis zu seinem Tod nicht mehr nach Deutschland zurück. Das nationalsozialistische Deutschland verstößt und enteignet den zuvor gefeierten Wissenschaftler.
Von Herbst 1933 bis April 1955 lebt Einstein in den USA. Seine bekannteste und zugleich folgenreichste politische Tat im Exil ist wohl der Brief, den er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt schreibt. Darin weist er aus der Befürchtung heraus, dass Deutschland in der Lage sein könnte, eine Atombombe zu bauen, auf die Notwendigkeit einer verstärkten Anstrengung bei der Entwicklung einer US-Atombombe hin. Nach dem Einsatz der ohne sein persönliches Zutun gebauten Bombe in Japan und der Erkenntnis, dass hiermit ein für die Menschheit verhängnisvoller Weg beschritten worden ist, widmet Einstein den Rest seines Lebens dem Ziel Atombomben zu ächten.
In seinen späteren Jahren beschäftigt sich Einstein wissenschaftlich verstärkt mit der Quantentheorie und der Formulierung einer einheitlichen Feldtheorie – der so genannten Weltformel – die Schwerkraft und Elektrodynamik miteinander vereinen soll. Aber trotz intensiver Arbeit und langer Suche findet er sie nicht.
Einstein stirbt am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren. Alle Versuche, die einheitliche Feldtheorie zu definieren, sind bislang ohne Erfolg geblieben. Auch 50 Jahre nach Einsteins Tod lautet die Frage immer noch: Wird es die „Weltformel“ jemals geben?
„Aus Ihnen wird nie etwas, Einstein!”
Albert Einstein wird am 14. März 1879 in Ulm geboren und verbringt seine Kindheit in München. Er ist ein ungewöhnliches Kind. Nur langsam lernt er sprechen. Bis er sieben Jahre alt ist, sagt er jeden Satz erst einmal leise vor sich hin, bevor er ihn laut ausspricht.
Aber auch wenn er einen verschlossenen Eindruck erweckt: Er interessiert sich schon früh für die Welt der Ideen und der Physik. In der Schule ist Einstein, anders als die Legende es will, nicht schlecht, sondern durchschnittlich – außer in Physik, da sind seine Leistungen sehr gut. Als Student an der Eidgenössischen Polytechnischen Hochschule (ETH) in Zürich bekommt er immer hervorragende Noten. Manche Lehrer meinen allerdings, aus Einstein werde nie etwas, weil er eigensinnig und lernunwillig sei. Kurz nach seinem Abschlussexamen schickt er seinen ersten wissenschaftlichen Artikel an die „Annalen der Physik“, eine der renommiertesten Zeitschriften auf diesem Gebiet.
Er findet nicht sogleich Arbeit. Nach zwei Jahren erfolgloser Suche erhält er eine feste Anstellung beim Schweizerischen Patentamt in Bern. Als Beamter des Patentamtes verbringt Einstein sieben glückliche Jahre in Bern. Er heiratet seine Kommilitonin Mileva Maric, sie haben gemeinsam zwei Söhne; die vor der Eheschließung geborene Tochter Lieserl wird unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben, Einstein hat sie nie gesehen. Frei von Geldsorgen geht Einstein in der Freizeit seinen Interessen nach: Er beschäftigt sich mit den Theorien über Atome, Elektronen, Raum und Zeit.
1905 – in Einsteins „Annus mirabilis” – öffnet der 26-Jährige in kurzer Zeit mehr Horizonte in der Physik als irgendjemand zuvor. Er veröffentlicht in kurzer Folge fünf bahnbrechende Aufsätze – unter anderem einen Aufsatz zum Photoelektrischen Effekt, für den er 1921 den Nobelpreis erhält. Auch seine berühmteste Formel, E=mc2, schreibt er in diesem Wunderjahr nieder – jene Gleichung, die fast jeder kennt und die doch kaum jemand so recht zu erklären vermag. Diese Formel ist Teil der „Speziellen Relativitätstheorie“, die Einstein zunächst die Anerkennung der Fachkollegen und später allgemeinen Ruhm einbringt.
Nach einigen Jahren als Professor in Zürich und Prag zieht es ihn nach Berlin, dem damaligen Zentrum der naturwissenschaftlichen Forschung schlechthin. Von 1914 bis 1932 lebt und arbeitet er dort als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und als Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Es sind 18 ereignisreiche Jahre, eine politisch wie privat bewegte Zeit. Nach der Scheidung von seiner Frau Mileva heiratet er seine Cousine Elsa Löwenthal und adoptiert ihre beiden Töchter aus erster Ehe.
1919 gerät Einstein schlagartig in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Der Grund: die „Allgemeine Relativitätstheorie“, die er vier Jahre zuvor aufgestellt hat, wird durch astronomische Beobachtungen bestätigt. Eine der zentralen Vorhersagen war, dass Licht im Gravitationsfeld der Sonne abgelenkt werde. Dieser minimale Effekt kann jedoch nur während einer totalen Sonnenfinsternis beobachtet werden. Im Jahr 1919 gelingt dies einer britischen Expedition. Das spektakuläre Ereignis kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges macht Einstein zu einer internationalen Berühmtheit.
Einstein stellt seine Prominenz in den Dienst politischer und sozialer Ziele. Er setzt sich aktiv für Zionismus und Pazifismus ein und unterstützt zahlreiche Initiativen und Aktionen zum Erhalt und Ausbau demokratischer Rechte. Die Reichsregierung bedient sich Einsteins als Botschafter des neuen demokratischen Deutschlands in Europa und der Welt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Sieg des Antisemitismus wird Einstein als Jude und sein wissenschaftliches Werk als „jüdische Physik“ diffamiert. Der im Ausland weilende Einstein erklärt daraufhin seinen Austritt aus der Akademie und kehrt bis zu seinem Tod nicht mehr nach Deutschland zurück. Das nationalsozialistische Deutschland verstößt und enteignet den zuvor gefeierten Wissenschaftler.
Von Herbst 1933 bis April 1955 lebt Einstein in den USA. Seine bekannteste und zugleich folgenreichste politische Tat im Exil ist wohl der Brief, den er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt schreibt. Darin weist er aus der Befürchtung heraus, dass Deutschland in der Lage sein könnte, eine Atombombe zu bauen, auf die Notwendigkeit einer verstärkten Anstrengung bei der Entwicklung einer US-Atombombe hin. Nach dem Einsatz der ohne sein persönliches Zutun gebauten Bombe in Japan und der Erkenntnis, dass hiermit ein für die Menschheit verhängnisvoller Weg beschritten worden ist, widmet Einstein den Rest seines Lebens dem Ziel Atombomben zu ächten.
In seinen späteren Jahren beschäftigt sich Einstein wissenschaftlich verstärkt mit der Quantentheorie und der Formulierung einer einheitlichen Feldtheorie – der so genannten Weltformel – die Schwerkraft und Elektrodynamik miteinander vereinen soll. Aber trotz intensiver Arbeit und langer Suche findet er sie nicht.
Einstein stirbt am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren. Alle Versuche, die einheitliche Feldtheorie zu definieren, sind bislang ohne Erfolg geblieben. Auch 50 Jahre nach Einsteins Tod lautet die Frage immer noch: Wird es die „Weltformel“ jemals geben?
