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Bericht über den Chaco, die Mennoniten und die Indianer

von Rosi und Klaus

7 Monate sind wir nun im Chaco Paraguays, es gibt viel zu erleben und zu berichten. Heute etwas über den Chaco und die Indianer, die hier leben.
Der Gran Chaco ist eine gewaltige, faszinierende Landschaft mit noch weiten, unberührten Gebieten, die sich weit nach Argentinien und Bolivien hinein erstreckt. In Paraguay beginnt er an der Stadtgrenze Asuncións und dehnt sich bis zur bolivianischen Grenze aus. Dabei weist er eine Höhe von 50 Metern über dem Meeresspiegel auf. Auf 24 Millionen Hektar Land wohnen rund 100 000 Menschen. Das entspricht ca. einer Person pro qkm Land. Große Teile des Chaco sind noch nicht erschlossen, doch die Viehwirtschaft findet auf weiten Landstrichen ideale Bedingungen vor. Der Chaco wird lediglich von einer Asphaltstraße, der Ruta 9, benannt nach Carlos A. Lopez, durchzogen. Im Jahre 1921 begleitete Fred Engen (ein in Paraguay ansässiger Deutscher) eine Expeditionsgruppe, bestehend aus 5 Mennoniten aus Kanada, um erneut den Gran Chaco zu erkunden. Sie suchten geeignetes, abgelegenes Land, wo sie mit ihrer Glaubensgemeinschaft weltabgelegen in Frieden leben konnten. Zuerst fuhr die Gruppe mit einem Flussdampfer bis hoch in den Norden auf dem Paraguayfluss. Danach benutzten sie eine 145 km lange Schmalspurbahn (heute schon lange nicht mehr in Funktion) bis tief in das Herz des Gran Chaco. Dann weiter in Richtung Westen mit Ochsenkarren, bis zu dem Gebiet der heutigen Kolonien Menno, Fernheim und Neuland. Wege gab es keine, nur undurchdringlichen Chacobusch, in den mit Buschmessern (Macheten) Wege geschlagen werden mussten. Einen großen Anteil an der Erschließung des Chacos haben die Mennoniten. 1926 wurde die Kolonie Menno gegründet, deren damalige Einwohner aus Glaubensgründen ein neues Land suchten. Der damalige Präsident Paraguays Eligo Ayala siedelte die Landsuchenden mit ihren religiösen Ansprüchen als Pilotprojekt im Chaco an. Zu dieser Zeit gab es in diesem Gebiet ca. 400 Indianer. Erst durch die Ansiedlung der Mennoniten und damit der Arbeitsmöglichkeiten, Essen, Kleidung und medizinischer Versorgung, erhöhte sich die Zahl der Indianer auf die heutige Anzahl von ca. 20 – 25.000.
Von Nichtkennern immer noch die Grüne Hölle genannt, hat der Chaco mit seiner reichhaltigen Fauna, insbesondere seinem immensen Vogelreichtum, und seiner Flora seine Besucher gefesselt. Die Temperaturen im Chaco sind sehr variabel (von Gefrierpunktnähe bis über 50 Grad Celsius) und wer behauptet, dass es im Chaco nicht regnet, der wurde spätestens während des Naturphänomens des EL NIÑO eines besseren belehrt. Der Chaco ist gleichbedeutend mit Abenteuer und Erlebnis.
Die einwandernden Mennoniten in den 1930er Jahren, kamen in das Jagd- und Wohngebiet der Lengua-Indianer. Die Lenguas waren ein Volk, das vom Aussterben bedroht war. Sehr viele wurden durch eine Pockenepidemie, kurz vor Ankunft der Mennoniten, in den Tod gerissen. Dann waren es auch die überlegenen Feinde anderer Ethnien, welche die weitzerstreuten Sippen der Lenguas immer kleiner werden ließen..
Heute leben im Raum der Chaco-Kolonien über 20.000 Indianer. Die Ursachen für die Zuwanderung sind verschieden. Zuerst ging es um die Verdienstmöglichkeiten in der Erntezeit. Bald merkten die Indianer, dass sich hier Möglichkeiten boten, gutes Geld zu verdienen.
Die Mennoniten verdanken sicher einen guten Teil ihres heutigen Wohlstandes den indianischen Arbeitskräften.
Im Laufe der Zeit bauten die Mennoniten 12 indianische Kolonien mit insgesamt 108 Dörfern auf 110.000 ha Land. In den Siedlungen gibt es Indianer vom Stamm der Lengua, Nivaclé und Sanapaná. Betrieben werden Viehzucht und Ackerbau. Das jüngste Projekt, ist der Sesam.
Die Mennonien bauten den Indianern auch Schulen und Krankenhäuser. Sie versuchen alles, um Indianern und Paraguayern in ihrem Gebiet zu Kulturland und Wohnraum zu verhelfen. Nicht ganz ohne Eigennutz, denn eine zufriedene Bevölkerung in ihrer Umgebung schafft auch ihnen weniger Probleme mit Diebstahl, Arbeitslosen und Unzufriedenheiten.
Wir können die 55 km nach Filadelfia, der Hauptstadt der Kolonie Fernheim, fahren und brauchen nichts abzuschließen. Der Chaco ist „noch“ sicher.
Der Chaco Paraguays ist das Land der Indianer, überall begegnen sie uns, immer sind sie friedlich und freundlich. Ein Fünftel der Bewohner im Chaco sind Mennoniten und jetzt auch mehr und mehr andere Ausländer, der Rest Indianer. Oben im Norden am Cerro Leon, eines kleines Gebirges, gibt es noch wilde Stämme, aber auch sie werden langsam von der Zivilisation eingeholt. Wir finden es toll mit diesen Stämmen zu leben und wir meinen, dass die Indianer im Chaco mit den Mennoniten gut daran sind. Denn ohne sie, würden die Indianer ein viel schwereres Leben haben und wären vielleicht eines Tages nicht mehr da, wie all die anderen Stämme auf der Welt, die ausgerottet sind.

Geschrieben von Leiro im Oktober 2008

Wenn du die Animation anklickst, werden die Bilder größer.

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Rosi (leiro)

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