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Die Entwicklung des Musicals

Das „Rock“- Musical


Szene aus der Rocky Horror Show

Ende der 60er Jahre gingen neue Ideen und Klänge, beeinflusst durch Woodstock, Underground-Musik, etc. auch an den Musicals nicht vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Zu dieser Entwicklung gehörte auch das Musical „Hair“ von 1967, das sich intensiv mit den Problemen Jugendlicher und deren aktueller Lage beschäftigt. Durch eingebaute Mitspielszenen wurde die Barriere zwischen (jugendlichen) Darstellern und dem Publikum gebrochen. Auch der musikalische Stil und die Instrumentalisierung passten sich den neuen Anforderungen an. Aktuelle Rockmusik verdrängte Orchester- und Jazzelemente. Des Weiteren setzte sich eine neue Tendenz in der Kompositionsweise durch: die früheren handlungstragenden Dialoge im „natürlichen“ Sprachstil verschwanden, es wurde nun, wie in vielen großen Opern, durchgehend gesungen. Die Musik schaffte so einen lückenlosen Zusammenhang. Die Zeit der Musical Comedy war nun endgültig vorbei. In diese Zeit entstanden Musicals wie Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“ (1971), das schon erwähnte „Hair“ (1967), Richard O'Briens „The Rocky Horror Show“ (1973) und Pete Townshends „Tommy“ (1974).

Moderne Musicals

Reklame für Les Miserables am New Yorker Imperial Theatre
Im Musical hat die Bühnenproduktion absoluten Vorrang. Die Show ist im Musical also in gewisser Weise wichtiger als die Musik für sich allein. Auch deshalb wurden Ende des 20. Jahrhunderts in vielen Städten spezielle Musical-Theater gebaut, um dort ein bestimmtes Musical aufzuführen und dieses optimal zu präsentieren. Zudem ist das Musical, wie bereits beschrieben, keinesfalls auf ein bestimmte musikalische Richtung festgelegt, auch ein einzelnes Werk kann verschiedenste Stile beinhalten und vereinen. Dies schlägt sich auch in der Gesangstechnik wieder. Vor allem bei den Frauenstimmen wird dies deutlich. Stimmen, die auch in höheren Lagen eine progressive Lautstärke und Emotion haben, bei denen der Text allerdings gut verständlich ist, um besonders gefühlsbetonte Balladen oder schwungvolle Uptempo-Nummern zu singen, nennt man Beltstimmen. Das meistgesehene Musical der Welt, Les Misérables ist dafür ein gutes Beispiel, aber auch in fast allen anderen modernen Musicals ist diese Gesangstechnik zu finden, wie beispielsweise in „Starlight Express“, „Aida“, „Cats“ und „We Will Rock You“.)

Ein Dirigent erhebt den Taktstock
Die Musik der früheren Musicals bestand aus einfach aufgebauten Songs, die in den Handlungsablauf der gesprochenen Dialoge eingeschoben waren. Darüber hinaus gab es keine weitergehende Beteiligung der Musik am dramatischen Geschehen. Die frühen Musicals waren somit dem Revuetheater sehr ähnlich. Das Musical „West Side Story“ überwand erstmals diese Merkmale. Bernstein ordnete den Personen und Stimmungen bestimmte musikalische Motive und Melodien zu, was das Geschehen auf der Bühne mit der Musik verband und damit einen Rahmen um die Darstellung auf der Bühne und die musikalische Darstellung bildete.

In späteren Musicals wie „Jesus Christ Superstar“, „Les Misérables“ etc. gibt es kaum noch gesprochene Dialoge, die die Handlung tragen. Diese Rolle übernehmen Rezitative, Arien, Ensemblesätze und Chorstücke (ähnlich der Oper). Die Musicals wurden somit im Laufe der Zeit zu durchkomponierten Musiktheatern.

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