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Barcelona - Dali, Gaudi und noch mehr

Weniger ein Reisebericht, als atmosphärische Reiseeindrücke

Von Peter Held, Leipzig

Gelernter Ossi, Jhrg.1934


Irgendwann Anfang Februar 2004 berichtete der Fernsehsender 3SAT über eine Ausstellung Dali und die Massenkultur in Barcelona.

Der TV-Bericht zeigte in Begleitbildern aus Barcelona merkwürdige Bauwerke mitten in Häuserzeilen, die offenbar eine Seelenverwandtschaft zu den weichen Uhren von Dali zu haben schienen.

Da erinnerte ich mich, dass dies offenbar die Häuser waren, die vor 100 Jahren (!) von einem genialen Architekten - Antoni Gaudi - geschaffen worden waren, Casa Batllo, Casa Mila - genannt La Pedrera (der Steinbruch), der Park Güell und alles übertreffend - als wären außerirdische Termiten am Werk - die unendliche Geschichte in Stein (kein Mensch weiss genau, ob und wann sie mal fertig wird) - die ewige Baustelle der Eglesia de la Sagrada Familia - die Kirche der Heiligen Familie!

Ich nehme an, eine Menge Filmarchitekten und Bühnenbildner, die sich tagsüber bemühen, obskure Kulissen für Science-Fiction-Filme zu kreieren, weinen abends still in ihre Kissen - voller Neid über diese Einfälle!


Ich musste mich sowieso ablenken von einem Schicksalsschlag. (Nach 48 Jahren mal mehr mal weniger glücklicher Ehe war ich plötzlich allein) Warum also nicht beides mal vor Ort in Augenschein nehmen: So etwa ein 5-Tage-Tripp - Dali und Gaudi in Barcelona - alles in einem.

Für manchen wäre der Anlaß - der Besuch einer Dali-Ausstellung und der Gaudi-Bauwerke, für einen Kurztripp nach Barcelona, und auch der Tripp selbst kaum der Rede wert. Vielleicht der 5. oder x-te Besuch in der Gegend in den letzten Jahren...?
Nicht so für einen 70-jährigen gelernten DDR-Bürger, männlich, frisch verwitwet; durch bestimmte Umstände über je einen dienstlichen Besuch in Moskau und in der Tschechei nie ins Ausland gekommen.
Und nun wird das Gerede vom Europa ohne Grenzen und den Vorzügen des Euro bei Auslands-reisen ganz beim Wort genommen - und das Abenteuer beginnt. Für den Berichterstatter war es jedenfalls eines, ein sehr schönes!


Vorbereitung

Nun mag ich bei der Vorbereitung einer Reise keine Reisebüros - da habe ich immer das Gefühl, ich werde geistig entmannt. Und ich mag keine Fernbusfahrten - entweder Bahn oder Flug. Beides organisiert man am besten selbst!

Also los, einige Telefonate und ein bisschen Internet. Mein Misstrauen gegenüber Reisebüros wurde sehr schnell bestätigt. Eine Reise in der von mir gewünschten Form bot niemand an. Allenfalls wollte man mir Flug und Hotel für 4-5 Tage vermitteln - so für ca. 700 EURO (erster Schätzwert).

In meiner anschließenden Eigenorganisation war das teuerste an der gesamten Reise der Flug. Ich hatte keinerlei Erfahrung, zu wenig zeitlichen Vorlauf - von Leipzig gibt es keinen Direktflug und auch keinen echten Billigflug. 2004 hat mir ein kleines Reisebüro Hin- und Rückflug für ca 300 EUR verkauft - Zwischenstopp in München oder Frankfurt - übrigens wäre ich selbst im Internet bei opodo oder expedia in die gleiche Größenordnung gekommen.


Bei meinen nächsten Reisen 2005 und Buchung 2006 habe ich es etwas schlauer angestellt: Ich habe mich sozusagen auf die Lauer gelegt und meine Recherche begonnen, sowie der Sommerflugplan raus war. Da hab ich wirklich das billigste erwischt, was man direkt von Leipzig aus bekommen kann - jede Richtung bei 40-50 EUR, dasselbe nochmal an Zuschlägen, Gesamtsumme bei 130-150 EUR.


Das selbst organisierte Zimmer mit Frühstück - sehr preiswert - bei einer deutschen Vermieterin flog mir durch Zufall von so einer Art Forumseite im Internet über Barcelona praktisch in den Schoss.


Nahverkehr

Das auffallendste an der Stadt Barcelona war für mich ein sehr preiswerter Nahverkehr - ca 10 Metrolinien (im Berufsverkehr 2-5 Min Zug-Abstand!)- am Anfang etwas verwirrend - in 3 Eigentümersystemen (TMB, FGC, RENFE ) ca 80 Buslinien.

Abgesehen von der jährlichen Preiszunahme - eine 10 Fahrten-Karte für ca. 6 EUR! Und ein toller Service. Ich bekam alle Auskünfte per Email nach Leipzig. Ich konnte sogar Mehrtageskarten für den Verkehrsverbund nach Leipzig bestellen!

Eine 2-Tageskarte für 20 EUR vor Ort für den Touristenbus, der wirklich an allem vorbeikommt, was sehenswert ist und an der Karte hängt ein Dutzend "Discounts" (bis zu 50 % Preisnachlass pro Sehenswürdigkeit) für alles mögliche von der Drahtseilbahn bis zum Barcelona-Shop. - Alles in allem ein durchaus preiswerter 5-Tage-Tripp!



Erster Eindruck
Es ist ganz erstaunlich, mit welchen Scheuklappen bezüglich des Nahverkehrs in Reiseführern und sonstigen Quellen (deutschsprachige Internet-Seiten) der potenzielle deutsche Barcelona-Besucher zu wenig oder falsch informiert wird. Kein Wort davon, dass der Tourist weder ein Auto braucht, noch eines benutzen sollte, denn der Verkehr ist für einen Ortsfremden (aus der Sicht eines Leipzigers) der blanke Wahnsinn!

Hier herrscht DICHTER VERKEHR! Ab 7.00 Uhr morgens bis weit in die Nacht. Ein für ewig rechthaberische deutsche Autofahrer unvorstellbarer Zustand: Hier wird die Verkehrsvorschrift dem Sinn nach befolgt! (nicht unbedingt nach dem einzelnen Buchstaben)
Der örtliche Nahverkehr sichert preiswert Mobilität ohne Auto!

Wenn man sich im Internet informieren will, ist dringend die englische Version (es gibt keine deutsche) von www.tmb.net zu empfehlen, die äußerst informative Internetseite der Verkehrsbetriebe TMB von Barcelona! Wenn man sich ein bisschen vorinformiert, bei der Benutzung vor Ort die Augen aufhält, kann man - auch wenn einem die Beine weh tun - mit Metro und Bus eine ungeahnte Mobilität entfalten und - mit ein bisschen Umsteigen - alles irgendwie Sehenswerte ohne große Anmarschwege erreichen. Und mit einer Geschwindigkeit, die der Ortsfremde im Auto auf der Straße nicht im Traum erreichen würde!
Überhaupt scheinen öffentliche Verkehrsmittel und insbesondere der Nahverkehr in der Augen der Stadtverwaltung und Regionalpolitik einen hohen Stellenwert zu haben. Sie fahren häufig (sehr häufig - Metro im 2 bis 5 -Min-Abstand!).

Im Nachhinein habe ich endlich auch die englische Version der Homepage der RENFE (staatliche Eisenbahngesellschaft) gefunden und dabei festgestellt, dass es zum Beispiel fast alle 1-2 Stunden einen Zug nach Figueras (ca 200 km Entfernung - 2 Stunden Fahrzeit!) mit berühmten Dali-Stätten gibt, die ich auch 2005 besucht habe.

Im Gegensatz zur Metro fahren zwar sehr viele Buslinien, aber nicht ganz so häufig. Eine alte Straßenbahn wurde in den 20iger Jahren abgeschafft (Eine Linie fährt noch als Touristen-Attraktion am Tibidabo - einem Erlebnis-Park). Aber erstaunlicherweise gibt es 4 funkelnagelneue hochmoderne Straßenbahnlinien (oberirdisch - in Anlage und Aussehen ähnlich den unseren) ganz offensichtlich mit der Option auf Verlängerung in und außerhalb der Stadt.


Barcelona - ein ganz anderes Spanien

Ich gebe zu, ich hatte aus alten Filmen aus den 50iger und 60iger Jahren eine bestimmte, auf jeden Fall ganz andere Vorstellung von SPANIEN, als ich in Katalonien angetroffen habe. Diktatur, halbe Leibeigenschaft, wahnsinniges Temperament - eben Klischees, von denen ich nicht die geringste Spur gefunden habe. Ich habe eine schnell vertraute, äußerst lebendige Weltstadt erlebt. Abgesehen von der Sprache - meist katalan (aber mein Latein, der Grundstamm dieser Sprache, ist so schlecht und minimal, dass ich nur einiges wenige in Schriftform deuten kann, z.B. Proxima Tren = der nächste Zug in der Metro) hätte ich mich bei meiner Neigung zum Hektomanen, in jüngeren Jahren -nach Erlernen der Sprache - sicher schnell einleben können.

Man sagte mir, die Deutschen, die sich erst mal eingelebt haben, wollen alle nicht wieder weg.


Reiseziele in Barcelona und im Umland 2004

Was soll ich zu den eigentlichen Zielen meiner Reise sagen. 2004 und in 5 Tagen habe ich mich erst mal auf das Wahrnehmen von Barcelona selöbst beschränkt, denn Kennenlernen kann man diue Stadt wahrscheinlich selbst in Monaten nicht.
Erst mal eine volle Runde Touristenbus Nordtour und dann eine Runde Südtour (letzteres fiel bei Regen besonders leicht). Da fallen einem sozusagen alle wichtigen Sehenswürdigkeiten im Vorbeifahren zu. Da man bei einer 2-Tage-Karte so oft ein- und aussteigen kann und mitfahren, wie man will, werden im zweiten Anlauf die Gaudi-Bauten abgeklappert: Casa Batllo, Casa Mila (La Pedrera), Park Güell - und ....Sagrada Familia. Allein der Besucheransturm ist schon gewaltig, das immer im Bau befindliche Bauwerk entzieht sich jeder Beschreibung.
Bei meinem anderen Ziel, Dali im Caixa Forum, hatte ich Glück. Das Gebäude lag meinem Quartier gleich nebenan - 10 Min. Fußweg, weniger als eine Bus-Haltestelle. im Caixa-Forum. Wie sich herausstellte, ist das Forum allein schon ein sehenswertes historisches Fabrikgebäude, in dem die Sparkasse Barcelona (oder des Landes Catalonien? - La Caixa) einen Teil ihrer umfangreichen Kulturstiftung betreibt.



Sehenswürdigkeiten

Dann gab es eine Reihe Erlebnispunkte, deren Besuch sich so nebenbei ergeben hat. Die Columbus-Säule, da wo die Ramblas auf den Hafen stossen, bietet eine tollen Ausblick in allen Richtungen über die Stadt. Und macht Lust auf die Seilbahn über den Hafen.

Wenn ich mich schön in der Mitte der 10-Personen-Gondel an die Stange klammere (und auf gar keinen Fall senkrecht nach unten schaue, den Blick immer schön über den ganzen Hafen schweifen lassen!), war es ein ganz tolles Erlebnis.

Erheblich abenteuerlicher war schon die Fahrt in einer Seilbahn mit Gondeln mit nur zwei Sitzen, in die die Regenböen reinschwappten, auf den Montjuic, den "Hausberg" von Barcelona. Aber ich war ganz glücklich, die Technik und mich selbst lebend überwunden zu haben.

Die Sehenswürdigkeit von Museu de la Erotica und Schokoladenmuseum fand ich vom Reiseführer echt übertrieben. Das Aquarium mit den zwei begehbaren Unterwasser- Kanälen war schon besser, aber im Preis nur zu ertragen mit dem erheblichen Discount aus der Turist-Bus-Karte. Poblo Espaniol, historische spanische Baustile in einem abgegrenzten Areal mit einer Unmenge Gastronomie und kleiner Läden, war eigentlich gar nicht im Plan, insgesamt aber eine angenehme Überraschung. Auch hier bot die Turist-Bus-Karte angenehmen Discount!


Kein Deutsch in Barcelona

Bei dieser Gelegenheit - der junge Kassierer im Erotikmuseum und ein junger Fleischer im morgendlichen Frischmarkt waren die einzigen, die ich gefunden habe, die deutsch sprachen und verstanden. Englisch ist an allen touristischen Attraktionen geläufig, auch bei Stadtpolizei und Gardia civil - und alle sehr nett und hilfsbereit.

Erstaunlicherweise sprechen Taxifahrer oft nicht mal englisch, aber mit der Adresse auf einem Zettel bin ich auch da immer ans Ziel gekommen.



Geldautomaten

Ein weiteres überraschendes Erlebnis waren Original-spanische Geldautomaten. Das ist ein Kapitel für sich. Die meisten Geldautomaten ähneln den deutschen, sind aber meist offen in die Hauswand der Bank eingebaut. Und von deren Benutzung rät der Einheimische dem Touristen grundsätzlich ab, wegen Überfallgefahr und er benutzt sie auch selbst nicht gern.
Ich bin übrigens kein einziges Mal irgendwie in Gefahr geraten oder gerempelt worden oder sonst wie belästigt worden, obgleich man natürlich gefahrdrohende Suituationen sich an bestimmten Stellen (Menschenmassen auf den Ramblas, dunkle Nebenstraßen in alten Vierteln) durchaus vorstellen kann.

Der nächstgelegene Geldautomat für mich war in einem SB-Bankraum, dessen Tür sich nach dem Betreten mit einem Riegel absperren ließ. - Aber da steht ein äußerlich völlig fremder Spanier, der allein nach den Piktogrammen und jeder Menge Schlitze zu urteilen, auch Schecks und irgendwelche Briefumschläge aufnimmt. Mit der Bedienung ist es fast wie mit den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Wenn man mehrere Fehlstarts und Anläufe hinter sich hat und das Ding auf einmal begreift, spricht (schreibt) es plötzlich ganz artig deutsch mit dem Bittsteller und reicht brav die gewünschte Geldmenge aus und gibt auch die Karte wieder her! Aber man muss erst mal dahinterkommen, wann man auf den anfangs spanisch schreibenden Bildschirm wohin drücken und wann man die Karte in welchen Schlitz stecken muss (sehr schnell!!), denn sonst kommt einem alles nur spanisch vor!


Wetter:

Das Wetter bleibt 2004 in Katalonien für den sprachunkundigen Touristen erst mal ein Rätsel. Radio versteht man nicht und der Wetterbericht im ganztägigen Nachrichtensender für Katalonien kommt 2004 nicht immer zum selben Zeitpunkt und ist optisch nicht so aussagekräftig wie ein deutscher. Ein Wolken-Piktogramm und die Nacht/Tag- Temperaturen ist alles, was man erkennt. Das ist allerdings 2005 ganz anders. Nach einigen Tagen hat man Sprachteile auch in katalan intus und die Piktogramme sind verständlich.
Viel praktischer ist da eine 2005 angewendete Methode: Man bestellt sich bei einem der im Internet angebotenen Dienste eine tägliche Wetter-SMS, die auch pünktlich kommt und zuverlässig ist!

Abreise

Und plötzlich sind die 5 Tage um und man muss wieder fort und das auch noch kurz nach 6,00 Uhr früh und noch am Sonntag! Obwohl eigentlich in Barcelona vor 10 Uhr - na gut, spezielle Touristen-Attraktionen (Bus u.ä.) schon um 9,00 Uhr - überhaupt und gar nichts läuft (außer was zum Berufsverkehr gehört - Frühstück in der Kneipe - ÖPNV - Zeitungen), kommt man mit dem ersten Bus zum Flugplatz um 6.10 Uhr ab Pl. Espanya oder mit Taxi.

A propos Taxi, man hat mir immer nur das abverlangt, was am Taxameter stand - und rein gefühlsmäßig aus der gefahrenen Strecke bzw, zweimal die gleiche Strecke, stimmte das auch.


Dieses wunderbare Erlebnis und Abenteuer war der Anlaß, das Ganze 2005 etwas umfangreicher zu wiederholen. Nach intesivster Vorbereitung im Internet habe ich über 10 Tage folgende Ziele aufgesucht:

Parc Güell - Casa Vicens
Finca Güell


Guggenheim-Museum in Bilbao (Tagesaus"flug" im wahrsten Sinne des Wortes!)


Catalunya en Mintiature in Torreles de Llobregat


Pavillon Mies van der Rohe - Poble Espanol


Magic fountain of Montjuic - der Zauberbrunnen am Montjuic


Figueres -Figueras - Dali-Museum


Parc Ciutadella


Museum Maritim - Kolumbus-Säule - Transbordador Aeri - Fundacio Miro


Montserrat


Colonia Güell


Poblenou - (Tramvia T4)


-immer abwechselnd - ein Ganztagsausflug (Montserrat, Figueres, Torreles, Bilbao) und zwei Halbtagsziele - der Rest.



Es gibt da für den Sprach- und Landesunkundigen eine Menge kleiner Hürden, wie

    das Finden und Benutzen einer Überland-Buslinie nach Torreles de Lobregat
    der Fahrkartenkauf für den Regionalexpress nach Figueres
    Fahrkartenautomat der FGC für die Fahrt nach Montserrat - Totmontserrat, dereen Überwindung und Beherrschung die Reise spannend und zum Abenteuer werden läßt - etwa wie das Bereisen des Wilden Westens für Mister Castlepool bei KarlMay! Aber natürlich viel ungefährlicher und bequemer.


Und für 2006 ist alles klar:

    Flug nach Barcelona ist gebucht
    Reiseziele sind Gerona, Montserrat und Andorra! Und noch so einiges in Barcelona selbst.


Wenn ich bloß jünger wär!


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