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Theaterfabrik Sachsen

NEU IN LEUTZSCH - THEATERFABRIK SACHSEN

Wer kannte sie nicht - die Farben- und Lackfabrik in Leutzsch. Ein riesiges
Fabrikgelände - Arbeitgeber für viele Leipziger. Nach der Wende das AUS -
Schicksal einer Großzahl ehemaliger VEB Betriebe. Die großen Stahltore schlossen
sich für immer.
FÜR IMMER?
Als ich neulich an dem Fabrikgelände vorbeifuhr staunte ich nicht schlecht.
Über dem Haupteingang prangte in riesigen beleuchteten Lettern:
THEATERFABRIK-SACHSEN
Neugierig geworden sah ich mir alles an, sammelte Material übers Internet und
verschaffte mir Insiderwissen im Gespräch mit dem Initiator H.A.Brüchert
Diese dem Verfall bereits preisgegebene Industrie-Ruine hatte Käufer gefunden
- . Wolf Bongòrt von Roy und sein Partner Hoppla-Holger Pester, zwei namhafte
studierte Theaterfachleute .
Eine Theaterfachschule ist entstanden - mit eisernem Willen, ohne staatliche
oder städtische Zuschüsse. Ein kleiner Kreis Enthusiasten bildete sich um die
zwei Künstler. Alle arbeiteten bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, oft
nächtelang und früh am Morgen ging es weiter. Im Winter in eisiger Kälte noch
ohne Heizung, im Sommer bei glühender Hitze. Manchmal mit geschwollenen
Händen, schmerzenden Knochen, blutenden Knien. Tonnenweise wurden Schrott und alte
Farbkübel aus dem Gebäude entsorgt.
Sie haben es geschafft! Im Sommer konnte die Theaterfachschule mit Internat
eröffnet werden und dann gab es die ersten Vorstellungen.
Ich wollte es selbst erleben. Staunend und mit sehenden Augen betrat ich das
Gebäude. Mit viel Liebe und mühevoller Arbeit war hier ein kleiner Musentempel
entstanden. Ich kam in den großen Saal des Theaters und fühlte mich gleich
wohl. Eine große Spielfläche (der Wunschtraum vieler Theater!), kleine
Vierertische im Zuschauerraum laden zum Verweilen ein, gedämpftes Licht, Lichterketten,
Sprudelsäulen, Kerzen - eine Wohlfühlatmosphäre. Hübsche junge
Schauspielstudentinnen servieren Getränke.
Eine rebellisch-reizvoll- erotische Revue - "HOPPLA - WIR TREIBEN´S" stand am
Wochenende auf dem vielseitigen Spielplan.
Diese Revue erwies sich als sehr moderne Form, anspruchsvoll, amüsant
dargestellt von den Mitwirkenden. Das Sujet geschickt angesiedelt zwischen Schauspiel
und Kabarett
Ein Besuch lohnt sich. Zumal das Angebot lt. Spielplan weit gefächert ist:
Für Liebhaber der Klassik über Nietzsche, Ringelnatz, Goethe und Ovid sind auch
Gastspieldarbietungen eines Marionettentheaters für unsere Jüngsten im
Programm (Rumpelstilzchen, Rotkäppchen).
Glückwunsch den Künstlern und Glückwunsch den Leutzschern für einen neuen,
aufstrebenden Musentempel ganz in ihrer Nähe.
Bedauerlich, daß kürzlich ein Berichterstatter der LVZ sich nicht die Mühe
gemacht hat, hinter die Kulissen dieses jungen Unternehmens zu schauen und zu
einer Einschätzung gelangt ist, die jeder Realität widerspricht.

- hawei+hinner

Das Theater ist auch im Internet erreichbar.

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