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Mehr Privatsphäre beim Suchen

von Günter Born

Der Begriff “googeln” für das Suchen im Internet ist mittlerweile jedem Internetnutzer geläufig. Viele Menschen setzen “googeln” synonym für das Suchen mit der Suchmaschine von Google. Neben Google gibt es aber noch andere Anbieter von Suchmaschinen, wie zum Beispiel Microsofts Bing.

Die betreffenden Anbieter stellen die Suchfunktion für das Internet zwar kostenlos bereit, erhalten aber über die täglich millionenfach durchgeführten Suchanfragen sehr viele Informationen über die Benutzer. Kaum ein Internetnutzer macht sich Gedanken darüber, was mit den Daten einer Suchanfrage alles passiert.

Der gläserne Surfer - oder was Google weiß

Das Geschäftsmodell von Firmen wie Google besteht darin, möglichst viel über die Vorlieben der Surfer herauszufinden und diesen später zielgerichtete Angebote unterbreiten zu können. Dies kann durch Google bei der Suche durch zielgerichtet eingeblendete Werbeseiten im Suchergebnis sein. Es ist aber auch vorstellbar, dass beim Besuch weitere Webseiten Werbung durch Google, basierend auf den Suchanfragen und vorher besuchten Webseiten, eingeblendet wird.

Verantwortlich hierfür ist einmal die Tatsache, dass der Browser bei jeder Google-Anfrage und beim Besuch weiterer Webseiten die vom Internetanbieter zugewiesene IP-Adresse mitliefert. Ist im Browser noch die Option zum Speichern von Cookies freigegeben, können Google sowie weitere Anbieter genau verfolgen, welche Webseiten aufgerufen werden. Hier ist auch zu berücksichtigen, dass viele Webseitenbetreiber Werkzeuge von Google (z. B. Google Analytics) zur Auswertung des Besucherverhaltens einsetzen.

Berücksichtigt man nun noch, dass Google neben der Suche weitere Funktionen wie das Fotoprogramm Picasa oder den Chrome-Browser sowie Dienste wie YouTube, Google-Mail, Blog-Seiten etc. bereitstellt, wird es schon kritisch. Eine Anmeldung bei einem dieser Dienste, und Google kennt bereits die E-Mail-Adresse und einen Benutzernamen. Die auf manchen Systemen vom Hersteller vorinstallierten Programme “Google Toolbar” und “Google Desktop Suche” erleichtern zwar das Surfen im Web oder das Suchen auf dem Rechner – übertragen aber die Adressen der besuchten Webseiten oder die auf dem Computer gefundenen Dateien an Google. So liest Google mit GMail versandte bzw. empfangene E-Mails maschinell und versieht diese mit passender Werbung. Die Liste der Möglichkeiten lässt sich beliebig fortschreiben. Selbst bei den mit Android laufenden SmartPhones (Handys) sitzt Google "mit am Tisch".

Werden die so gewonnenen Daten geschickt mit anderen Informationen (z. B. Einkauf bei einem Online-Shop) kombiniert, oder gelangen Informationen über andere Kanäle zu Google, wird der “gläserne Surfer” Wirklichkeit. Zusammengeführt mit den Suchbegriffen lässt sich dann sehr einfach ein Profil mit den Vorlieben des Benutzers erstellen, welches durchaus auf das Individuum schließen lässt. Dies kann unangenehme Folgen haben. So ging 2006 der AOL-Datenskandal in die Geschichte ein, als ein Protokoll mit 650.000 Suchanfragen irrtümlich an die Öffentlichkeit gelangte. Von Hand herausgepickte Datensätze der anonymisierten Benutzer reichten, um die betreffenden Personen anhand ihrer Benutzernummer und den so zuzuordnenden Suchanfragen eindeutig zu identifizieren. Die Betreffenden staunten nicht schlecht, als sie mit den Ergebnissen konfrontiert wurden.

In Goethes Faust geht die Hauptperson Heinrich Faust einen Pakt mit Mephisto ein und verschreibt diesem seine Seele. Wer die Google-Dienste verwendet, geht ebenfalls ein Tauschgeschäft ein: gratis Zugang zu Google-Angeboten wie Suchmaschine, digitale Landkarten oder E-Mail-Konto – dafür gewährt man Google Einsicht in sein Leben. Interessierte Leser möchte ich auf einen Artikel der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) verweisen, der diese Gesichtspunkt umfassender beleuchtet.

Privatsphäre beim Suchen sicherstellen

Selbst wer auf Google-Dienste wie Google-Mail (Gmail), ein YouTube-Konto oder Programme wie Picasa aus Datenschutzgründen verzichtet, wird aber um die Benutzung der Websuche nicht herumkommen. Zwar besteht die Möglichkeit, alternativ die Suche über Microsofts Suchmaschine Bing (www.bing.com) durchzuführen. Aber damit verlagert man das Problem nur zu einem anderen Anbieter. Was gebraucht wird, wäre eine Art anonymisierte Suchanfragen, bei der Google & Co. nicht erfahren, wer dahinter steht. Und noch wichtiger ist, dass die Protokolle dieser Suchanfragen spätestens nach ein oder zwei Tagen gelöscht werden.

Und genau für diesen Zweck gibt es spezielle Metasuchmaschinen, die eine Suchanfrage vom Benutzer annehmen und anonymisiert an eine oder mehrere Suchanbieter weiterleiten. Die Suchergebnisse werden eingesammelt und an den Suchenden zurückgeliefert. Die Menge der Suchanfragen sorgt dafür, dass Google und andere Suchanbieter zwar Daten bekommen, diese aber nicht mehr auf ein Individuum zurückführen können (es sei denn, der Suchbegriff enthält Angaben zur Identifizierung wie z. B. Name und Adresse). Statt also die Suche über Google oder Bing durchzuführen, empfiehlt es sich einen der folgenden Anbieter zu verwenden

Suche mit Scroogle
Suche mit Scroogle

  • Scroogle: Die Webseite www.scroogle.org fungiert als “Vermittlungsstelle” (neudeutsch Proxy) zu Google. Der Benutzer kann über die Startseite ein Suchformular in einer der 28 unterstützten Sprachen abrufen und dann, wie bei Google, den gewünschten Suchbegriff eingeben. Scroogle liefert die Ergebnisse von Google, bereinigt um Google Werbung, an den Suchenden zurück.

  • Ixquick: Dieser, unter www.ixquick.com erreichbare, Anbieter geht sogar noch einen Schritt weiter: Die in der Suchseite eingegebenen Begriffe werden an mehrere Suchmaschinen weitergereicht. Alle Ergebnisse erscheinen danach konsolidiert in der Anzeigeseite des Browsers. Welche Suchanbieter verwendet werden, ist im Kopfbereich der Ergebnisseite zu erkennen.

Suche mit Scroogle 2
Suche mit ixquick

Beide Angebote sind kostenlos, stellen aber sicher, dass der Suchende gegenüber den abgefragten Suchmaschinen nicht direkt in Erscheinung tritt und die Suchprotokolle kurzfristig gelöscht werden.

Ixquick als Standartsuchmaschine für den Browser

Wer sich für Ixquick entscheidet, kann noch von einem besonderen Service profitieren: Der Anbieter lässt sich mit wenigen Mausklicks als Standard-Suchmaschine für den verwendeten Browser (Internet Explorer, Firefox etc.) einrichten. Es reicht, die Adresse www.ixquick.com im Browser einzugeben und auf den Hyperlink Deutsch zu klicken, um die deutschsprachige Suchseite anzuzeigen. Dann lässt sich unterhalb des Suchfelds der neue Hyperlink FÜGEN SIE IXQUICK IHREM BROWSER HINZU anwählen.

Suche mit Scroogle 3
Ixquick zum Browser hinzufügen

Anschließend reicht es, in der angezeigten Seite das Kontrollkästchen zur Anerkennung der allgemeinen Geschäftsbedingungen zu markieren, die Ausgangssprache (z. B. “Deutsch”) zu wählen und dann auf die Schaltfläche Installieren zu klicken. Je nach Browser erscheint dann ein Dialogfeld, in dem Ixquick noch als Standardsuchanbieter festgelegt werden und dann über eine Schaltfläche installiert werden kann.

Suche mit Scroogle 4
Ixquick als Suchanbieter installieren

Tippt der Surfer anschließend einen Suchbegriff in das Suchfeld des Browsers ein und drückt die Eingabetaste, wird die Suche über Ixquick durchgeführt. Einfacher kann man es kaum noch haben. Führt die Suche über Ixquick nicht weiter oder möchte man ausnahmsweise mal eine andere Suchmaschine für eine Anfrage verwenden, reicht es, den Suchbegriff ins Suchfeld einzutippen, dann das Menü des Suchfelds zu öffnen und den gewünschten Suchanbieter anzuklicken.

Auswahl des Suchanbieters im Internet Explorer
Auswahl des Suchanbieters im Internet Explorer

In der hier gezeigten Abbildung sind die Suchanbieter Ixquick, Bing und Google im Internet Explorer eingerichtet. Beim Firefox als Browser funktioniert dies genauso. Über den Befehl Suchanbieter verwalten oder ähnlich lässt sich zudem ein Dialogfeld des Browsers öffnen, um einen anderen Standardsuchanbieter zu wählen oder unerwünschte Suchanbieter zu entfernen.
Fazit: Dank Ixquick oder Scroogle lässt sich wenigsten ein minimaler Datenschutz bei der Internetsuche erreichen. Das Ganze ist kostenlos und mit Ixquick ist die Suche genau so komfortabel als mit dem vom Browser vorgesehenen Suchanbieter.

Buchvorstellung

Günter Born

Internet - leichter Einstieg für Senioren
Internet - leichter Einstieg für Senioren

E-Mail, Googeln, Einkaufen, Surfen

ISBN: 978-3-8272-4495-6
336 Seiten - 2-farbig
erschienen 15.10.2009

Ein Buch für Menschen ab der Lebensmitte, die das Internet für sich entdecken und nutzen möchten. Der Titel nimmt den Leser an die Hand und führt diesen Schritt für Schritt in die wichtigsten Techniken zum Arbeiten im Internet ein. Surfen im Web, E-Mail, Chatten und mehr sind keine spanischen Dörfer mehr. Interessante Webseiten, Suchen im Internet oder das Thema Sicherheit werden ebenso behandelt wie Fragen rund um Geldgeschäfte per Internet (Online-Shops, Internetbanking).
Das Buch zeigt dabei, bezogen auf die Zielgruppe 50 Plus, was es alles gibt, wie etwas geht und was man im Internet beachten sollte. Im Anhang gibt's noch eine Pannenhilfe sowie ein Lexikon mit Fachbegriffen.


Über den Autor

Günter Born
Dipl. Ing. Günter Born, Jahrgang 1955, absolvierte nach einer Lehre und dem zweiten Bildungsweg ein Studium der physikalischen Technik. Zudem studierte er nebenberuflich mehrere Semester Mathematik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Tätigkeiten in der Luft- und Raumfahrttechnik sowie in der chemischen Industrie als Entwicklungsingenieur, Projektleiter und Leiter Softwareentwicklung führten ihn bis nach Thailand und Japan. Nachdem er beruflich immer mit den neuesten Entwicklungen im Computerbereich befasst war, begann Günter Born 1985, zunächst mehr als Hobby, über Computerthemen zu schreiben. Aus diesem "Hobby" wurde Ende 1993 eine freiberufliche Tätigkeit als Buchautor. Mit zwischenzeitlich über 200, teilweise auch international veröffentlichten, Buchtiteln gehört er zu den erfahrensten und erfolgreichsten deutschsprachigen Computerbuchautoren. Seine Einsteiger- und Senioren-Computerbücher sind Bestseller, da er auch schwierige Sachverhalte leicht und verständlich vermitteln kann.

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