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Altkleider

Alte Kleidung in Truhe, quelle photos.com
Zu eng, zu kurz, zu schwarz, zu bunt, zu unmodern – es gibt viele Gründe, warum Kleidungsstücke ausgemustert werden, obwohl sie noch intakt sind. Schnell ist da ein ganzer Sack mit den abgelegten Schätzchen gefüllt. Und wohin nun damit? Die Schwägerin will sie nicht, für den Müll sind sie zu schade, und die auf kleinen Zettelchen angekündigte Altkleidersammlung wirkt auch nicht ganz geheuer. Was ist dran an den Berichten über windige Geschäfte und fragwürdige Exporte? Gibt es vielleicht bessere Möglichkeiten, gebrauchte Kleidung zu entsorgen?

Altkleidersammlungen

Gesammelte Kleidung, quelle Photos.com
Das Sammeln und Verwerten von Alttextilien hat Tradition in Deutschland. Früher dienten die gerissenen Lumpen hauptsächlich zur Papierherstellung - ein Verfahren, das von China aus über den vorderen Orient nach Europa gelangt war. Aber die Reißereien produzierten auch den Rohstoff für die Faser-Rückgewinnung, z.B. aus Wollstoffen. Seinen Höhepunkt erreichte diese Form des Textil-Recyclings während des zweiten Weltkrieges, als die Primär-Rohstoffe knapp waren. Nach 1945 war die Rohstoff-Knappheit so ernst, dass die westlichen Alliierten die Einfuhr gebrauchter Textilien nach Deutschland organisierten. Bis in die 1950er Jahre hinein war die Rohstoffgewinnung das Hauptgeschäft der Sortierbetriebe und Reißereien in Deutschland. Steigende Arbeitslöhne und gleichzeitig sinkende Weltmarktpreise für die Primär-Rohstoffe wie Baumwolle und Wolle ließen die Erträge jedoch spürbar sinken. Viele Betriebe mussten schließen. Mit dem steigenden Wohlstand in der Bundesrepublik stieg auch der Anteil der noch tragbaren Kleidung in den Altkleidersammlungen an. Die Sortierbetriebe begannen, neben den textilen Rohstoffen auch die Kleidung zu vermarkten. Heute ist die Vermarktung der Second-Hand-Kleidung das Kerngeschäft der Sortierbetriebe.

Dabei weiß niemand so ganz genau, wie viele gebrauchte Textilien hierzulande in der Altkleidersammlung landen. Die Schätzungen reichen von 400.000 bis 600.000 Tonnen im Jahr. Natürlich ist nicht alles davon Kleidung, in den Tüten und Containern stecken auch alte Gardinen, Tischdecken, Putzlappen und, und, und... Etwa 30 bis 40 Prozent der Sammelmenge bestehen jedoch aus noch tragbarer Kleidung - vorsichtig geschätzt sind das ungefähr 300 Millionen einzelne Kleidungsstücke. Wollte man all diese T-Shirts, Jacken, Hosen, Röcke und Kleider auf eine Wäscheleine hängen, so würde man sie von der Erde bis zum Mond spannen können.

Die Verwertung

Pappe, quelle photos.com
Das Sammelgut wird in spezialisierten Betrieben sortiert. Die fachgerechte Sortierung der so genannten "Originalsammelware" ist das A und O der Altkleiderverwertung. Etwa 30 bis 40 Prozent der Sammelware bestehen aus noch tragbarer Kleidung, der Rest teilt sich auf in textile Rohstoffe für das Recycling (etwa zur Herstellung von Dämm-Materialien oder Pappenlumpen) oder zur Herstellung von Putzlappen für die Industrie.

Bis zu 20 Prozent sind nicht mehr verwertbarer Müll, den der Sortierbetrieb kostenpflichtig entsorgen muss. Kleidung, Rohstoffe und Putzlappen werden in bis zu 200 verschiedene Fraktionen differenziert. Diese Feinsortierung ist reine Handarbeit, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert. Besonders gut erhaltene, top-modische Kleidung bildet die so genannte "Creme-Ware". Sie macht zwar nur einen sehr kleinen Teil der Kleidung aus, trägt aber wesentlich zum Betriebsergebnis bei. Diese Kleidung wird meist an Second-Hand-Läden in Deutschland und Westeuropa verkauft. Die übrige tragbare Kleidung wird vor allem nach Osteuropa und in afrikanische Länder verkauft. Die Sortierbetriebe haben meist einen festen Kundenstamm, für den sie gezielt bestimmte Qualitäten sortieren, wie beispielsweise Herrenhemden für afrikanische Abnehmer oder Winterware für Osteuropa. Auch die sortierten Materialien für Recycling und Putzlappenschneiderei werden ab Sortierbetrieb an entsprechende Verwerter verkauft. Allerdings sind die Preise für diese Materialien häufig nicht kostendeckend, da sie unter den Einkaufs- und Sortierkosten liegen. In der Kalkulation jedes Sortierbetriebes spielt daher die Vermarktung der sortierten tragbaren Kleidung eine entscheidende Rolle. Ohne den Verkauf von Second-Hand-Kleidung ließe sich das Recycling der anderen Sammelbestandteile nicht finanzieren.

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