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Thementreff Foto und Digitale Bildbearbeitung
Fotobuch
Zeichen setzen! Richtige Typografie und Schriftauswahl
Mit der Wahl von Schriften definieren Sie den grundlegenden Stil Ihres Fotobuchs. Ob klassisch, modern, sachlich oder verspielt – die geeignete Schriftart unterstreicht die Aussage Ihrer Bilder. Voraussetzung ist ein bewusster Umgang mit den Regeln von Typografie und Gestaltung. Die Bedeutung von Texten gewinnt oder verliert mit deren Inszenierung. Dabei ist die Verführung groß, das vielfältige Angebot an Fonts auf Ihrem Rechner allzu sehr auszureizen. Grundsätzlich gilt es, sich auf eine Schriftart und deren Schriftschnitte wie fett, kursiv oder mager festzulegen. Je dominanter Sie dabei die Schriften auf den Buchseiten gewichten, umso mehr treten die Bilder in den Hintergrund.Serifen oder Sans Serif?
Am Anfang steht die Entscheidung für die geeignete – wohlgemerkt durchgängige – Schriftart Ihres Fotobuchs. Testen Sie die Lesbarkeit einer Schriftenfamilie auf Ober-, Mittel- und Unterlängen sowie auf verfügbare und benötigte Schriftschnitte. Farblich sollten Schriften immer in hinreichendem Kontrast zum Hintergrund stehen. Fast eine Philosophie verbirgt sich hinter der Entscheidung für eine Schriftart mit oder ohne Serifen. Serifen (frz. „Füßchen“) schließen die Striche von Buchstaben mit feinen Querlinien ab. Aufgrund ihrer Herkunft von der römischen Kapitalis und ihrer langjährigen Geschichte in Bezug auf Werkzeugeinsatz und Drucktechnik gelten Serifenschriften wie zum Beispiel Times oder Palatino als tradiert, klassisch und gediegen. Modern wirken serifenlose Schriftarten (frz. Sans Serif, „ohne Füßchen“) wie Helvetica, Verdana oder Futura. DOCMA verwendet übrigens die feine, ausgewogene Myriad Pro von Adobe. Schreibschriften, die an Feder oder Pinsel erinnern (z. B. Berthold-Script) und handschriftliche Antiqua-Varianten (z. B. Mistral) sollten Sie im Fotobuch mit Bedacht einsetzen, denn sie wirken eher privat und emotional.Schrift und Schriftbild
Wie die meisten Fotobuch-Editoren bietet CEWE grundlegende Optionen zur Gestaltung von Schrift und Texten. Dazu gehört die Wahl der Schriftart, des Schriftschnitts, Größe, Farbe und Ausrichtung (linksbündig, mittig, rechtsbündig oder Blocksatz). Layoutspezifische Feinheiten, wie sie Photoshop oder InDesign bieten, können Sie allenfalls mit einigen Tricks einsetzen. Dazu zählen Zeichen- und Zeilenabstand, Laufweite, Grundlinienversatz, Grundlinienraster und Effekte wie Outline oder Schattierung. Dennoch können Sie im Fotobuch zu befriedigenden Ergebnissen gelangen.1 Schrift-Bild und Titel als Einheit
Das Cover Ihres Fotobuchs sollte bereits Stil und Thema seines Inhalts vermitteln. Im Beispiel werden Schriften des Editors mit Schriftbildern gemischt, die in Photoshop entstanden sind – so die Zeichnung der römischen Kapitalis mit den Buchstaben A, H und O oder die mit Foto hinterlegte „SCHRIFT“. Serifenschriften wie die linksbündig gesetzte „TYPO“ (Book Antiqua) werden hier ausnahmsweise mit serifenlosen Arten wie der Arial bei „GRAFIE“ kombiniert, da die Schrift selbst hier Thema ist. Versalien (Großbuchstaben) sorgen für die Einheit der Headline. Die Schrift im Fotomotiv unterstreicht das Spiel der Zeichen.2 Bild und Text im Gleichgewicht
Die erste Innenseite, also der Schmutztitel, spielt mit dem kursiv gesetzten Satz in Zitatmanier auf die Bildschirmdarstellung an. Die Kleinbuchstaben (Gemeine oder Minuskeln) entsprechen nicht nur der englischen Schreibweise, sondern wirken auch beiläufiger als „laute“ Versalien. Text (Segoe light) und Bild erscheinen gleich gewichtet. Das Kamera-Icon entstand per Font „Webdings“ und wurde in der Bold-Version (Fett) mit dunklem Grau als Schatten hinterlegt.3 Aufmachertext
Mit einer serifenlosen Schriftart wie Century Gothic betonen Sie den modernen, nüchternen Charakter eines Fotos. Aufgrund der großzügigen Laufweite und der großen Mittellängen sind Titelzeile (Schriftgröße 72 Pt) und Einleitungstext (24 Pt, Blocksatz) der Aufmacherseite leicht lesbar. In Kombination mit dem nach drei Seiten abfallenden Foto wirkt die horizontale Textzone im unteren Viertel fast, als würde sie die Schwerkraft aufheben. Die korrespondierende Texthöhe sowie der maximale Kontrast von „Schwarz auf Weiß“ unterstützen die Klarheit der Doppelseite.4 Klassisch mit Serifen
Tradition und Verbindlichkeit des Bildbeispiels kommen mit einer Serifenschrift wie der Book Antiqua zum Tragen. Die Viertellösung der Seitenaufteilung erfolgt diesmal horizontal. Der Einleitungstext weist relativ lange Komposita auf, die mit linksbündigem Flattersatz am besten auszugleichen sind, da ein Blocksatz unschöne breite Leerzeichen zwischen den Wörtern erzwingen würde. Der Titel greift einen Farbton des Fotos auf (RGB-Werte per Photoshop-Pipette) und steht durch seine geringe Farbhelligkeit in hinreichendem Kontrast zur Hintergrundfarbe. Nur für den Untertitel wurde der Schriftschnitt „Fett“ gewählt.5 Schrift im Bild mit Effekten
Schrifteffekte wie Halbtransparenz, Schlagschatten, Schatten nach innen oder Kontur legen Sie in der Größe der Doppelseite per Photoshop an. Hier können Sie auch Type 1-Schriften verwenden, die im CEWE-Editor fehlen. Bei formatfüllenden Fotos beachten Sie unbedingt den späteren Seitenfalz. Die luftige Gestaltung im Beispiel gestattet es, zwei Schriftarten, -größen sowie Groß- und Kleinschreibung zu mischen. Links leitet die Palatino Linotype den Text ein, rechts gewinnt die Myriad Web Pro in der Bold-Version mit Versalien an Gewicht. Die gewagte Schriftgröße wirkt durch die Halbtransparenz leichter.6 Fließtext und Titel integriert
Ruhige Flächen innerhalb eines Fotos laden dazu ein, sie im Fotobuch-Editor mit Texten zu bestücken. Voraussetzung ist ein genügend starker Hell-Dunkel-Kontrast von Text und Hintergrund. Bleiben Sie mit den Schriftfarben nach Möglichkeit innerhalb der Farbpalette des Fotos, um die Schrift optimal zu integrieren. Wie immer liegt der Akzent des Titels (und hier auch des Motivs) auf der rechten Seite. Der Fließtext links wäre mit einer Schriftgröße von 20 Punkt für eine reine Textseite schon viel zu groß. Der gesamte Text wurde mit einer Arial in den Varianten Bold und Regular verfasst.7 Mut zur Lücke
Nicht nur ein Foto, auch der Text kann atmen und wirken, wenn die Seiten nicht komplett gefüllt sind. Die Dreiviertellösung der Doppelseite betont Horizontale und Vertikale. Das Papier selbst erhält eine gestaltende Rolle. Entsprechend den Gegensätzen sind auch die Schriftgrößen der Goudy Old Style radikal verschieden. Während der Name des Autors mit dezenten 18 Punkt regulär gesetzt ist, erscheint die FOOD FOTOGRAFIE bei 120 Punkt im Schriftschnitt fett. Die gleichmäßigen Ober- und Unterlängen der Versalien betonen den Ornamentcharakter. Der Graphitfarbton mildert den Kontrast zum Fotomotiv.8 Fließtext-Tricks im Editor
Eine reine Textseite kann im Fotobuch durchaus zur Bleiwüste verkommen, wenn Sie nicht ein paar Akzente setzen: Gliedern Sie den Text nach Sinneinheiten in mehrere Absätze. Wählen Sie eine Schrift mit hohen Mittellängen wie hier die Avantgarde Bk BT. Als Standardschriftgröße für einen Fließtext sollten Sie 12 Punkt nicht überschreiten. Nur aufgrund der besseren Lesbarkeit des Screenshots wurde im Beispiel die 20 Punkt-Größe verwendet. Eine „hängende Initiale“ legen Sie per separatem Textfeld an und versehen die ersten Zeilen des Fließtextes links mit genügend Leertastenschritten. Die Doppelseite gewinnt an Ruhe, wenn Bild- und Textblock bündig sitzen.9 Satzspiegel und Grundlinienraster
Der Karteireiter „Layout“ des Fotobuch-Editors bietet leider keine Vorlagen für reine Fließtextseiten. Viel Text gliedern Sie zugunsten der besseren Lesbarkeit in Säulen, die Sie separat voneinander anlegen. Ziehen Sie dann mit gedrückter Maustaste einen Rahmen um beide Textblöcke und wählen Sie im Bedienfeld „Layout“ die Option „Objekt oben ausrichten“, um ein einheitliches Grundlinienraster vorzugeben. Für variierende Schriftgrößen behelfen Sie sich mit eigenen Textrahmen. Nach Bedarf können Sie wie hier eine Satzspiegel-Vorlage in Photoshop erstellen und als PNG-Datei importieren. Per „Hilfsraster“ (Gitter-Icon) überprüfen Sie das Ergebnis.10 Paginierung mit Purismus
Puristen bevorzugen es, allenfalls den Bildtitel auf der linken Seite anzugeben, um dem wesentlichen Element des Fotobuchs – dem Foto selbst – den maximalen Raum zu geben. Per „Hilfsraster“ (Gitter-Icon) überprüfen Sie die bündige Anordnung von Bild und Text. Sobald Sie im Bedienfeld „Layout“ das Dialogfeld „Seitenzahlen einfügen“ aufrufen (Zahlen-Icon), versieht der Editor alle Innenseiten des Buchs mit den gewünschten Eingaben. Leider macht der Eintrag auch bei abfallenden Bildern keinen Halt. Abhilfe schafft nur der manuelle Eintrag per Copy und Paste pro Seite.11 Symbiose im Emblem
Die nahezu plakative Symbiose von Bild und Text der rechten Seite lehnt sich im Aufbau an das barocke Emblem an. Formumfließender Text mit dem Motto, Bildmotiv und erläuterndes Epigramm darunter, in Photoshop gesetzt und als Tiff-Datei importiert, bilden eine Einheit. Die skizzenhafte Schmuckschrift der linken Seite, hier eine DF Drafted, weist auf die Möglichkeiten weiterer Gestaltung hin. Auch eine gescannte handschriftliche Skizze wäre hier durchaus reizvoll.12 Schmuckschrift mit Gefühl
Anders als bei sachlichen Bildunterschriften können Sie auf Seiten, die an Gefühle appellieren, mit Schmuckschriften glänzen. Diese Edwardian Script ITC wurde in der Initiale der „Romantik“ auf eine Größe von satten 320 Punkt gesetzt, der Rest des Wortes auf 144 Punkt. Eine „Clipart“ der Kategorie „Ornament“ begleitet die Verspieltheit der Doppelseite.Quellen
Autorin: Eva RuhlandAus: DOCMA – Doc Baumanns Magazin für professionelle Bildbearbeitung
Ausgabe 6/2010, Heft 37, www.docma.info
Fotos: Eva Ruhland
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