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Starke Frauen haben starke Töchter
In der TV-Serie „Gilmore-Girls“ kann man ein Mutter-Tochter-Gespann bewundern, das anscheinend kaum Konflikte hat. Dafür aber beste Freundinnen und humorvolle Vertraute in einem sind. Fernseh-Harmonie pur, die selten der Realität entspricht. Aber eins bildet die beliebte Serie immerhin ab: Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist eine ganz besondere. Stark ist die Prägung, die eine Mutter in der Seele ihrer Tochter hinterlässt, intensiv die Verankerung ihrer Werte, Maßstäbe und Programme, auch und gerade, wenn sich die Tochter später dagegen auflehnt. Besonders für ein Mädchen ist die Mutter der Mensch, an dem es sich ausrichtet, dem es zunächst nacheifert, ihren Lippenstift und ihre Klamotten anprobiert und schließlich versucht, zwischen Zuwendung und Ablehnung, Anpassung, Revolte und Rivalität die eigene Identität als weiblicher Mensch in der Gesellschaft zu finden. Das ist auch, nachdem Alice Schwarzers feministische Zeitschrift „Emma“ 30. Geburtstag feierte und Deutschland von einer Frau regiert wird, keine ganz leichte Sache geworden. Denn die Mutter ist nun mal die erste große Liebe im Leben, von der wir anfangs völlig abhängig sind.Mutter als Vorbild
Doch unsere Mutter ist nicht nur Vorbild, sondern auch Reibungspunkt: Erkenntnisse über mütterlich geprägtes Rollen- und Fehlverhalten in unseren späteren Partnerschaften, der Wahl des Berufes oder Probleme unserer Psyche wie Magersucht, Bulimie, Regel- und Beziehungsstörungen, füllen Bände der Ratgeberliteratur. Von der symbiotischen Liebe zum Kleinkind, über das stetige Loslassen bis hin zur Pubertät , dem Auszug der Kinder aus dem Elternhaus, dem Freilassen in die eigenen Ehen der Töchter bis über die Beziehung zu den Enkeln und schließlich zum Altwerden und Sterben sind Mütter und Töchter stark verbunden. Obwohl Statistiken belegen, dass die meisten Töchter schon aus Identitätsgründen nicht so werden möchten, wie ihre Mütter, auch wenn die Beziehung sehr innig und liebevoll ist. Nicht selten entsteht nach dem endgültigen Abschied eine Art befreite Kreativität: Es ist sicher kein Zufall, dass „Harry Potter“ Autorin Joan Rowling ihrer Mutter früh verlor und sich bald danach an die Abenteuer des Waisen Harry machte…Ablösung notwendig
In jeder Mutter-Tochter-Beziehung gibt es Echtes, Liebevolles und Schönes, aber sicher auch mitunter unterschwellige Fremdheit, manche Differenzen und Unerledigtes. Um Frau zu werden, müssen sich Töchter vor allem von den Müttern lösen. Das ist mit Schmerzen und Kämpfen verbunden, auch mit Wut und Verwirrung. In der Pubertät kommt es deshalb einige Jahre zu einem Wechselbad der Gefühle, das sich erst legt, wenn sich Mutter und Tochter als erwachsene Frauen auf Augenhöhe neu begegnen können. Denn Abgrenzung ist wichtig für die Töchter, um den eigenen Platz im Leben zu finden. Aber trotzdem pflegen laut Statistik immerhin noch 50 Prozent der Familien ihre Alten selbst, am Ende sind es wegen der höheren Lebenserwartung meist die Mütter. Die Pflegenden sind nach wie vor überwiegend die Töchter, denn Geburt und Tod sind auch im 21. Jahrhundert immer noch Frauensache.Lebenslang verbunden
„Meine Mutter ist die verständnisvollste Gesprächpartnerin und ist bis heute unersetzlich für mich, obwohl ich eine große liebevolle Familie habe und selbst schon Enkelkinder“ sagt Bärbel K. über ihre Beziehung zu ihrer alten Mutter. Das Verhältnis zur Mutter ist in diesem Fall lebenslang eng und warm. Die Mutter wird auch von erwachsenen Frauen, die selbst schon Mutter oder gar Großmutter sind, als hilfreicher Rückhalt einer selbstlosen Ratgeberin erlebt, als ein Mensch, zu dem man wirklich mit allem kommen kann.Rivalität um den Vater
Allerdings begeht jeder Mensch Fehler, auch aus eigener seelischer Verletzung heraus. „Sie hat mich bei Konflikten mit meinem harten und strengen Vater grundsätzlich im Stich gelassen, “ sagt Emma B. bitter. „Sie hat auch gern mal zwischen uns intrigiert“. Und doch – die Bindung besteht, auch wenn man zwiespältige Gefühle füreinander hegt. In diesem Zusammenhang spricht Simone de Beauvoir in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ von den „Freuden des Besitzes und der Herrschaft“, die seelisch unreife Mütter, die von ihren Männern abhängig sind, bei ihren kleinen Kindern genießen.Kluft am Sterbebett
Manchmal führt solch eine nicht harmonische Mutter-Tochter-Beziehung zu einer Kluft, die nie mehr zu überbrücken ist. Dann ist es nicht einmal am Sterbebett der Mutter möglich, eine Versöhnung zu erreichen. Der Schaden, der dadurch im Leben der Tochter entsteht, ist zu nachhaltig. Aber auch im negativen Fall gehört das Verhältnis zur Mutter zu den „ prägendsten, intensivsten und längsten Beziehungen im Leben von Frauen,“ wie die US-Expertin Hope Edelman schreibt.Vaterlose Gesellschaft
In unserer berufsbedingt „vaterlosen Gesellschaft“ fällt den Vätern hingegen leider immer noch eine eher unbedeutende Rolle im Leben ihrer Kinder zu. Denn bis heute wird der Erziehungsurlaub nur von einer verschwindenden Zahl junger Väter angetreten. Kein Wunder, dass die Mutter deshalb als der starke Rückhalt der Familie erlebt wird, den Vater inbegriffen. Andererseits verliert sie im Alter manchmal unerwartet schnell ihre Lebenskraft, wenn ihr Mann plötzlich dement wird oder stirbt. So baute die Mutter der Heilpraktikerin Margret J. nach dem Tod des Vaters rapide ab. Auf diese Weise wirft der Tod des Vaters oft ein neues Licht auf die Beziehung der Eltern und auf das Beziehungsgeflecht der Familie.Frauenrolle wandelt sich
In den letzten beiden Generationen hat sich die Frauenrolle grundlegend gewandelt. Von der Rolle der angepassten Hausfrau zur üblicherweise berufstätigen Ehefrau und Mutter, die höchstens ein paar Jahre beruflich aussetzt. Im Gespräch mit ihren Müttern fangen Frauen deshalb an, sich als Glied in der Kette von Frauen ihrer Familie zu sehen. Sie erkennen die Rollenmuster, nach denen die Mütter in den 50er Jahren agiert haben und die noch ins eigene Leben und das der Enkelinnengeneration hineinwirken. Die Schriftstellerin Ingrid Strobl schreibt: „ Durch die Mutter werden wir uns unseres weiblichen Erbes bewusst“…Ruth Eder
Ruth Eder hat das Buch "Mütter und Töchter – Frauen erzählen von einer ganz besonderen Beziehung" geschrieben. Mehr Infos zum Buch findest Du hier.
Buchtipp: Mütter und Töchter

"Mütter und Töchter – Frauen erzählen von einer ganz besonderen Beziehung", ein ganz besonderes Buch zu einer ganz besonderen Beziehung, geschrieben von Ruth Eder.
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Thementreff Partnerschaft

Liebe und Partnerschaft sind auch jenseits der 50 noch ein wichtiges Thema. Informationen rund um das Thema Partnerschaft erhältst Du
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