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Familie im Garten, Foto Ingeborg Olp
Zum Fotowettbewerb 2006 von Ingeborg Olp eingereicht.

Ravensburger Elternsurvey 2010:
Großeltern spielen eine wichtige Helferrolle

Viele junge Mütter und Väter denken und ver­halten sich anders, als allgemein erwartet wird. Ihre Lebensvorstellungen unterscheiden sich in wesentlichen Dingen (Finanzen, Vereinbarkeit von Beruf und Fa­milie, gemein­same Zeit für Kinder) von denen der Elterngeneration.
Die Haus­frau­­en­ehe hat aus­gedient. Groß­eltern spielen eine wichtige Helferrolle für die junge Familie – eine uner­war­tete Erkennt­­nis. Die meisten Kinder können in mehreren Haus­hal­ten des familiä­ren Netz­werks "aufwachsen".

In an­de­ren Dingen (Arbeits­tei­lung im Haushalt, Aufteilung der Berufszeit) bewegen sich heuti­ge Eltern vielfach in traditionellen Bahnen und sind keineswegs unzufrieden damit. Die Einkommenshöhe ist für junge Familien we­ni­ger wichtig als gemeinhin angenommen. Dennoch steigt die Zu­friedenheit mit Ein­kommen und Ge­sund­heit. All dies ergab die erste Auswertung des "Ravens­bur­ger Eltern­sur­vey", eine reprä­sentative Analyse des "Elterlichen Wohlbefindens" in Deutschland.

Die Stiftung Ravensburger Verlag hatte den Mikrosoziologen Prof. Dr. Hans Bertram (Hum­boldt-Universität Berlin) und die Fami­lien- und Bildungsökonomin Professorin Dr. C. Katha­rina Spieß (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin und Freie Universität Berlin) mit dieser Elternum­frage beauftragt. TNS-Infratest Sozialforschung sicherte die Durch­­führung der Befragung mit erprobten Instrumenten. Die Stiftung förderte das For­schungsprojekt mit 300.000 Euro.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Pro­jekts:

Großeltern als Kinderbetreuer und Gesprächspartner

Der Alltag von Kindern findet nicht nur mit den Mitgliedern des eigenen Haushalts statt, Eltern verlassen sich stark auf soziale Netzwerke. Von den Großeltern nehmen sie nicht nur konkrete Hilfe an, z. B. bei Krankheit der Kinder oder während der Schulferien, sondern be­spre­chen öfter mit ihnen persönliche Probleme (häufigste Nennung neben dem Partner) als mit Freunden und Bekannten.

Baby-Mutter soll zuhause bleiben

Junge Mütter und Väter wünschen sich ein dynamisches Modell für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Vor und nach der Kinderphase wollen sie beide ökonomisch selbstständig sein. Während des Aufwachsens der Kinder wollen Vater und Mutter (in Paarfamilien) Für­sorge für den Nachwuchs und Berufstätigkeit parallel verbinden – und zwar relativ zum Alter der Kinder. Etwa 40 % der Mütter und der Väter mit Kindern unter 3 Jahren meinen, die Mutter solle nicht erwerbstätig sein, Eltern von Kindergartenkindern meinen dies nur noch zu 10 % (Väter) und 8 % (Mütter). Wenn die Kinder zur Schule gehen, möchten 10 % der Mütter voll erwerbstätig sein, 60 % ziehen eine Teilzeitarbeit vor; die Väter denken ähnlich.

Familienzeit ist wichtig

Junge Eltern legen Wert auf die gemeinsam mit den Kindern verbrachte Familienzeit bei Aus­flügen und Aktivitäten wie Geschichten vorlesen, gemeinsam spielen, Fernsehen. In finan­ziel­len Angele­genheiten und Erziehungsfragen wollen viele Eltern gemeinsam handeln. Bei ande­ren Aufgaben – zum Beispiel Wäsche waschen oder Reparaturen – folgt man eher tradi­tio­nel­len Geschlechterrol­len. Die Wissenschaftler Bertram und Spieß bezeichneten dieses Mus­ter "als Männlichkeit und Weiblichkeit auf der Basis von Gleichheit im Umgang mitei­nander".

Fazit: Well-Being für Eltern – Mehr als Budget, Beruf und Bildung

Das materielle Wohlbefinden, die Erwerbssituation und die Bildung der Eltern stehen oft im Zentrum der Diskussion um kindliche Entwicklungschancen. Weniger beachtet wird laut Ravensburger Elternsurvey das Zusammenspiel vieler Faktoren für die Zufriedenheit von Müt­­tern und Vätern als Voraussetzung für das Wohl der Kinder: Gesundheit, Persönlichkeit, Part­nerbeziehung, soziale Netzwerke, familienpolitische Maß­nahmen. Betrachtet man die Zustimmung der Eltern zu familienpolitischen Maßnahmen, so zeigt sich auch hier eindeutig, dass junge Eltern Maßnahmen favorisieren, die ihnen mehr Familienzeit einräumen.


Literatur

Hans Bertram / C. Katharina Spieß: Ravensburger Elternsurvey. Elterliches Wohlbefinden – Erwartungen, Voraussetzungen und Unterstützung der elterlichen Ressourcen für die Zukunft der Kinder. Erste Auswertungen (vorläufige Fassung) mit Grafiken und Tabellen. 74 Seiten Typoskript. Januar 2010. (Dazu gibt es auch eine zehnseitige Kurzfassung.)


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