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Thema Freundschaft


Zwei Freundinnen

Freundschaft ist etwas Kostbares

Zu meinem 50. Geburtstag schrieb mir meine langjährige Freundin einen Brief, in dem sie die fast 30 Jahre, die wir nun schon miteinander befreundet sind, Revue passieren ließ. Jahr für Jahr ließ sie an mir vorbeiziehen, Ereignis für Ereignis und in ihren Worten spiegelte sich die Person, die ich in der Zeit unserer Freundschaft für sie war und bis heute bin. In vielen ihrer Äußerungen erkannte ich mich wieder, sie entsprachen meinem eigenen Bild von mir. Manche Äußerungen brachten mich aber auch zum Staunen: So sieht sie mich also, dachte ich verblüfft. Bin ich wirklich dieser Mensch? Und ich stellte fest, ja, auch das bin ich. Trotz so mancher Streiterei oder Auseinandersetzung und auch trotz einiger Phasen der Funkstille kannte mich keine Person besser als sie, und in dem Spiegel, den sie mir nun vorhielt, konnte ich mich selber in einem anderen Licht wahrnehmen und mich selbst ganz anders erleben. Sie schenkte mir einen neuen Menschen, gibt es ein schöneres Geburtstagsgeschenk?
Niemand anders als eine langjährige Freundin hätte mir einen solchen Brief schreiben können, den niemand kennt mich so gut wie sie und hat doch genug Distanz, um mich unverbaut durch Verwandtschaft oder partnerschaftliche Liebe wahrzunehmen. Freundschaft hat so ihre ganz eigene Qualität.

Freundschaft hat eine jahrtausendalte Tradition, die in der Literatur, der Philosophie und anderen Wissenschaften vom Menschen immer wieder thematisiert wurde. Im Gegensatz zur verwandtschaftlichen Bindung beruht sie auf der freien Wahl und anders als partnerschaftliche Liebesbeziehung, die natürlich auch freundschaftliche Anteile haben, gilt sie als nichtsexuell geprägt.
In einer Gesellschaft, in der Ehen nicht mehr unbedingt einen Leben lang halten und in der die Familienmitglieder oft sehr unterschiedlich leben, haben Freundschaften eine besondere Bedeutung gewonnen. So hob die Literaturkritikerin und Kolumnistin Elke Heidenreich kürzlich in einem SWR3-Interview hervor, dass in ihrem Leben Freundschaften mehr Beständigkeit hatten und verlässlicher waren als Liebesbeziehungen. Laut einer Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen und der Unternehmensgruppe Deutscher Ring von 2007 rangieren Freundschaften ganz hoch auf der Liste der wichtigen Dinge, noch vor der Familie.

Sicherlich hat die Freundschaft, die im Sandkasten beginnt und ein Leben lang anhält, eine besondere Qualität, aber so wie heute auch späte Liebe noch möglich ist, können wundervolle und bereichernde Freundschaften auch noch in den späteren Lebensjahren geschlossen werden. Ursache dafür ist nicht zuletzt das Internet. Wie eine psychologische Studie der Universität Leipzig zeigte, entstehen Freundschaften nicht in erster Linie durch geistige, sondern vor allem durch räumliche Nähe. Freunde findet man dort, wo man sich aufhält. Das Internet, hier vor allem Gemeinschaften wie Feierabend eine ist, überwindet Entfernungen und stellt räumliche Nähe her, wo keine ist. Weit entfernte Orte rücken zusammen und Menschen, die weit entfernt voneinander leben, erhalten die Möglichkeit sich kennenzulernen. Beste Voraussetzungen also, Freunde zu finden.

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